Wünsch dir was!

foto: copyright marco stepniak –

Mitte der 1980er Jahre. Im Postamt in Engelskirchen trudelt ein Brief ein. Dann noch einer. Und noch einer. Nichts Ungewöhnliches, schließlich gibt es dort ja ein Postamt, und doch: Etwas ist anders. Diese besonderen Briefe enthalten Wunschzettel, die Kinder ans Christkind geschrieben haben. Denn das wohnt ja sicher in Engelskirchen, wo denn bitte sonst. Und was machen die Postmitarbeiter? Na klar: Sie antworten den Kindern. Aber bei den wenigen Briefen bleibt es nicht. Es werden mehr. Viel mehr. Die Post braucht Unterstützung beim Briefe beantworten. Und sie bekommt sie. Zum Beispiel von Birgit Müller. „Mein Mann arbeitete damals in Engelskirchen bei der Post, und als ich davon erfuhr, machte ich sofort mit“, erzählt sie. Ob sie geahnt hat, wie viele lustige, ernste, wunderschön ausgeschmückte und aufwändig gestaltete Briefe ans Christkind sie in den kommenden 27 Jahren würde beantworten dürfen? Denn so lange arbeitet Birgit Müller nun schon im Christkindpostamt. Seit Anfang der 2000er Jahre gibt es dort richtig viel zu tun.

„Wir haben inzwischen 14 Helferinnen und noch zwei in petto“, sagt Britta Töllner, Pressesprecherin der Post, als ENGELBERT genau einen Tag vor der offiziellen Eröffnung des Christkindpostamtes zu Gast ist. Faszinierend, was hier Jahr für Jahr in den Räumen des LVR-Industriemuseums am Engels-Platz entsteht.
Mit allerlei Weihnachtsschmuck, dunkelroten Vorhängen und vor allem viel Liebe zum Detail verwandeln die Mitarbeiterinnen einen eigens abgetrennten Raum in eine himmlische Weihnachtswelt. Die soll, vor allem wenn an drei Adventssonntagen kleine wie große Gäste das Christkind besuchen dürfen, nicht nur wunderschön aussehen, sie muss auch funktionieren. Der logistische Aufwand ist groß. An mehreren Schreibtischen werden eigens Computer aufgestellt, auf denen die Antwortenbriefe an die Kinder geschrieben werden. Denn die Post verspricht: „Alle Wunschzettel, die bis drei Tage vor Heiligabend ankommen, werden auch noch beantwortet. Und kommen, wenn nach Deutschland verschickt wird, auch vor Heiligabend noch an.“ Das Briefpapier und die Umschläge lässt die Post jedes Jahr neu gestalten, eine Kinderbuchillustratorin malt hierfür die Motive. Die Antwortschreiben umfassen meist eine Seite, außerdem wird noch eine Bastelanleitung mit in den Umschlag gesteckt, bevor der Brief von Engelskirchen aus verschickt wird.

Die rund 140.00 Briefe, die inzwischen jedes Jahr vor Weihnachten in Engelskirchen ankommen, stammen von Kindern aus der ganzen Welt. Taiwan, Australien, Griechenland, Slowakei … und sie alle werden von den fleißigen Helferinnen im Christkindpostamt gelesen. „Wir finden eigentlich immer jemanden, der uns bei der Übersetzung hilft“, sagt Birgit Müller. Herausfordernd seien Briefe mit asiatischen Schriftzeichen, aber auch die werden beantwortet. Übrigens: Vom Christkindpostamt aus werden sogar Antwortschreiben in Blindenschrift verschickt.

Und was wünschen sich die Kinder? Und hat sich das in knapp drei Jahrzehnten geändert? „Ich finde schon“, antwortet Birgit Müller, „aber zum Guten. Am Anfang dachte ich: Hui, nur Pokemons und GameBoys. Klar wünschen sich auch heute manche Kinder eine Playstation, aber viele möchten auch gerne auch klassische Spielsachen haben. Oder sie äußern ganz andere Wünsche: Dass der Plastik aus den Meeren verschwindet. Dass keine Bäume mehr gefällt werden. Dass man Freunde findet. Dass es nirgendwo mehr Krieg gibt. Einmal hat sich ein Kind auch eine Hausaufgabenmaschine gewünscht.
Die Kinder bekommen schon einiges von der Welt mit.“ Im Übrigen schreiben nicht nur Kinder dem Christkind. Manchmal ist die Handschrift der Oma zu erkennen, und manchmal schreiben auch ältere Menschen, die Freunden und Bekannten mit einer Antwort des Christkinds eine Freude machen möchten. Oder eben den Kindern. „Einmal hat uns eine 99-jährige Frau, die regelmäßig Kindersöckchen strickt, ebensolche mitgegeben, mit der Bitte diese doch einem Kind zu schicken, das sie brauchen kann“, erinnert sich Birgit Müller.

Sie und Britta Töllner wissen: So richtig zur Sache geht es im Christkindpostamt nach Nikolaus, wenn zum Teil mehr als 12.000 Briefe am Tag am Engels-Platz ankommen – und ebenso viele Antworten von dort per Post oder Luftpost auf den Weg gebracht werden. Um Kindern auf der ganzen Welt eine Freude zu bereiten.