Den das Gute ist so Nah

Des Wanderns Lust ist, dass man die Zwecklosigkeit genießt.“ Lieh Tse (chinesischer Philosoph).

Und der Blick öffnet sich. Erfasst die Weite. Das Licht. Sonne flutet den Moment, lässt Wiesen, Weiden, Wälder leuchten. Der riesenhafte Baum hinter uns, bedeckt von einem schneeweißen Blütenmeer. Allmählich beruhigt sich der Puls. Was für ein Anstieg auf die grüne Anhöhe über Engelskirchen. „Und jetzt? Wo geht es weiter?“, habe ich meinen Sohn eben noch gefragt, als wir im Tal in einer Sackgasse gelandet waren. Kurzes Umschauen. „Da lang.“ Er hat das gelbe Wanderschild und den schmalen Pfad schnell erblickt. Nur wie steil er sich den Berg hinaufschlängeln würde, das konnte keiner von uns ahnen. Steiler wird es nicht mehr werden auf diesen 36 Kilometern von Ründeroth bis Kürten-Biesfeld. Die Etappen eins und zwei des Bergischen Panoramasteigs, wir haben sie zusammengefasst. Wir werden eine alte Dampflok entdecken, die auf ewig in einem alten Bahnhof geparkt ist, der heute als Wohnhaus genutzt wird. Wir werden durch idyllische Hofschafen und über schier endlose Höhenzüge marschieren und auf die Städte und Gemeinden blicken. Wir werden an einem herrlich liebevoll gestalteten, privaten Wanderparkplatz Rast machen. Wir werden kurz vorm Ziel, nachdem wir fast acht Liter getrunken haben an diesem Sonnentag und jeden Muskel spüren, durch einen magischen Buchenwald wandern. All das erleben wir hier, im Bergischen Land.

Diese neue Zeit hat uns vieles genommen und gleichsam vieles geschenkt, vor allem: Zeit. Wir nutzen sie. Haben die Hunderunden morgens verdoppelt, haben neue Orte und Wege direkt vor der Haustür entdeckt. So wie diesen, den Bergischen Panoramasteig. 244 Kilometer, eine Fernwander-Route durch die Region. Sie beginnt und endet offiziell in Engelskirchen-Ründeroth, direkt an der Agger. Also starten wir da auch, irgendwann im April. Aber weil ich das Schild falsch lese, wandern wir nicht die knapp 17 Kilometer lange erste Etappe Richtung Freilichtmuseum Lindlar, sondern die zwölfte – in umgekehrter Richtung. „Ja, dann werden es wohl 21 Kilometer“, höre ich mich sagen, und meine Frau, die in den nächsten Wochen dankenswerterweise die Chauffeuse spielt und uns zu den einzelnen Wegpunkten des Steiges bringt und wieder abholt, muss nachher eben nach Nümbrecht fahren.

Von Radevormwald nach Wipperfürth, von dort nach Marienheide, später bis Bergneustadt. Mal sind es 20 Kilometer, mal 30, und einmal auch mehr, als wir die besagte Etappe eins nachholen und mit der zweiten verbinden. Und immer wieder stellen wir fest, wie atemberaubend schön unsere Heimat ist. Zumal uns der Frühling ein traumhaftes Wanderwetter schenkt. Heimat neu entdecken – Jens Eichner, Geschäftsführer der Das Bergische gGmbH, die zuständig ist für das Bergische Wanderland, glaubt, dass das gerade jetzt viele Menschen bewegt. 

Deswegen wächst auch das Erlebniswegenetz. Neben dem Bergischen
Panoramasteig beschreibt die Webseite
http://www.bergisches-wanderland.de sehr detailliert den Bergischen Weg, der von Essen bis Königswinter führt. Und die 25 Themenwanderwege, die Bergischen Streifzüge. Der neueste wird der Höhlenweg in Engelskirchen sein, der direkt an der Aggertalhöhle und in der Nähe des kürzlich entdeckten riesigen neuen Höhlennetzes entlang führt. Dort lässt sich zum Beispiel ein Bach entdecken, der in der Erde verschwindet und nach anderthalb Kilometern wieder auftaucht. Auch einige dieser Streifzüge mit ihren vielen Infotafeln rund um Kultur und Natur werden wir in den nächsten Monaten entdecken, zum Beispiel den wunderschönen Kräuterweg bei Neunkirchen-Seelscheid.

Es braucht nicht viel, um beim Wandern glücklich zu werden. Gute Schuhe und Wandersocken, genug zu trinken, ein paar Snacks, ein angenehmes Grundtempo. Wir sind generell recht zügig unterwegs, schaffen im Schnitt knapp fünf Kilometer die Stunde, lieben es, gerade am Berg das Tempo zu halten oder gar anzuziehen. „Jetzt kommt die Bergwertung“, sagt einer von uns bei jedem zweiten Anstieg, und wenn wir nach ein paar hundert Metern bergauf unseren Puls spüren, der Atem schneller wird und wir die Wasserflasche ansetzen, fühlt sich das unfassbar gut an. 

Wandern, das ist Aktivsein und gleichsam entspannen. Es ist unterwegs sein, ohne ankommen zu wollen. Es ist, insbesondere in NRW und im Bergischen Land, aber auch innehalten. Denn immer wieder, auf jeder Etappe, stapfen wir durch riesige Baumfriedhöfe, die zum Teil ganze Wegabschnitte unter sich begraben. Wir erschrecken uns beim Anblick der sterbenden, rindelosen Fichten, die als braun-graue Mahnmale nackt in den leuchtend blauen Himmel ragen. Die Trockenheit. Die Stürme. Die massenhafte Verbreitung des Borkenkäfers. Doch, und das tröstet, inmitten von Totholz erwacht hellgrünes, neues Leben. Kleine Tannen, manche beim nachhaltigen Aufforsten gesetzt, andere scheinbar zufällig entstanden, und junge Buchen wachsen heran.

Der Blick verliert sich mitunter in all dieser Vielfalt aus Flora und Fauna. Da, eine Ringelnatter. Und dort, eine Blindschleiche. Ein Fuchs macht im Zwielicht des nahenden Abends Jagd auf Mäuse. Ein Hase hoppelt frühmorgens durchs Gebüsch. Aber Obacht: Wo war nochmal unser gelbes Wegeschild?
Es ist unser Begleiter über all die Kilometer, und manchmal lässt es uns auch im Stich. Wenn bei Forstarbeiten genau der Baum gefällt wurde, der an einem Abzweig das Schild trug. Das erleben wir einige Male und verlaufen uns um ein paar Kilometer. Da kommt auch mal Frust auf, aber wir lernen: Es gehört dazu, dass man sich mal verläuft.

Für die Beschilderung setzt das Team vom Bergischen Wanderland übrigens ehrenamtliche Wegepaten ein, die regelmäßig auf den Etappen unterwegs sind. Und die machen ihren Job insgesamt wirklich gut. Eine Regel: Rund 50 Meter nach einer Abbiegung hängt ein „Bestätigungsschild“ nach dem Motto: Ja, du bist richtig. Weil aber zur Zeit an so vielen Stellen sterbende Bäume gefällt werden müssen, kann auch schon mal ein Schild fehlen. Wem das auffällt, der kann mit der praktischen App des Bergischen Wanderlandes Wegedetektiv spielen und die entsprechende Position online melden.

Was außerdem fehlt, sind mehr Unterkünfte. Klar, es gibt sie, auch entlang des Steigs, aber wir finden: Gerade für Touristen geht da noch mehr. Nicht nur Hotels oder Pensionen. Trekkingplätze zum Beispiel wie in der Eifel und im Hunsrück. Komplett naturnah gestaltet für Menschen, die legal dort zelten möchten und dafür, buchbar über eine Onlineplattform, auch gerne zehn Euro die Nacht zahlen. War in der Region sogar geplant, wie Jens Eichner erzählt. Wurde aber sowohl vom Rheinisch-Bergischen als auch vom Oberbergischen Kreis erstmal abgelehnt. Schade, nichts verstanden. 

Zum Glück sind einige Hoteliers und Gastronomen da mehr auf Zack. Sie bieten Wanderpauschalen an, transportieren auf Wunsch das Gepäck, leben Gastfreundschaft und Freundlichkeit.
Die erleben wir auch, wenn wir durch Hofschaften wandern oder andere
Wanderer treffen. Die auch entdecken, wie wertvoll ein neues Weniger sein kann. Schuhe an und los. Direkt vor der Haustür. Hier bei uns.

Kaffee ist Magie!

reportage

Bei einem Barista-Seminar in der Rösterei und Manufaktur
von Rigano caffe erfährt man, warum das so ist. Und was Wunderbares dabei herauskommt, wenn Menschen tun, was sie lieben. Vier Wipperfürther haben dort mal vorbeigeschaut.

Wer liebt, was er tut, muss nie mehr arbeiten. Wer Menschen dabei zusehen darf, wie sie tun, was sie lieben, dem geht das Herz auf. Und wer bei einem Barista-Seminar bei Rigano caffe dabei sein durfte, versteht schnell, warum die Unternehmer im Kaffee pure Magie sehen. So wie Alexandra Rigano, die als Coach die Teambuildingevents bei Rigano organisiert. Weil sie weiß, wie Kaffee die Menschen zusammenbringt.

So wie Lorenzo Rigano, der das Unternehmen vor zwanzig Jahren gegründet hat, anfangs als reinen Vertrieb und für die Wartung von Kaffeemaschinen.

So wie Stephanie Rigano, seine Frau, die „es liebt, Kaffee zu rösten“. Die das auch seit zehn Jahren mit Hingabe, viel Kreativität und großem Erfolg macht. Und dabei im Social Marketing immer menschlich und nachhaltig denkt und handelt. Denn die Riganos, die in Remscheid ihre Rösterei nebst Verkaufs-, Schulungs- und Showroom betreiben, machen Kaffee mit Leib und Seele. Sie machen ihn gut. Weil sie alles darüber wissen. Dieses Wissen haben sie mit dem ENGELBERT-Team sowie Andrea und Jörg Pramor vom iMed aus Wipperfürth geteilt.

„Wir reisen mindestens einmal im Jahr in die Anbaugebiete“, erzählt Stephanie Rigano. Immer ist ihr dabei die Unterstützung der lokalen Landwirte wichtig. Gemeinsam mit einigen anderen Unternehmen hat das Ehepaar Rigano in der Dominikanischen Republik eine kleine Plantage gekauft. „Dort waren wir auch schon mit unseren Kindern. Wir haben in der örtlichen Schule eine Küche und Toilette eingebaut, neue Tafeln angeschafft, die Kinder haben mit den einheimischen Kindern gespielt.“ Auch so kann ein Urlaub aussehen. Die Kaffeepflücker und ihre Familien unterstützen, faire Preise bezahlen, genau wissen, wie die Bedingungen im jeweiligen Herkunftsland rund um den Äquator sind, ganz gleich ob in Mittel- und Südamerika, Ostafrika oder Südostasien – all das ist für die Familie Rigano selbstverständlich. Das Siegel „Aktion Kinderpläne“ steht für nachhaltig, sozial und mit Liebe geröstet, wie Stephanie Rigano unterstreicht: „Wir möchten mit jedem Kaffee etwas an diejenigen zurückgeben, die unseren Kaffeegenuss erst möglich machen.“ Der Weg von der Ernte bis ins Bergische ist weit – es kann ein halbes Jahr dauern. Gepflückt wird der Kaffee übrigens in Form einer dunkelroten Kirsche von Hand. Die Bohne selbst ist der Kern dieser Kirsche und kann auf verschiedene Weisen getrocknet werden, was entweder in der Frucht passiert, die dann wie eine Rosine schrumpft. Oder, nachdem die Bohne aus der Kirsche genommen wurde, direkt an der Sonne. Das Ergebnis ist Geschmackssache. Stephanie Rigano mag selbst am liebsten den süd- und mittelamerikanischen Kaffee mit seinen sanften Schokoladen- und Nussnoten. Aus dem Mott, also dem Fruchtfleisch rund um die Bohne, lässt sich übrigens ein leckerer Tee zaubern. 

Der Anbau und die Herkunft ist das eine – die perfekte Röstung das andere. Und eine der Lieblingsbeschäftigungen von Stephanie Rigano, die mit ihrem Mann bisher 40 verschiedene Sorten hergestellt hat und immer wieder neue Bohnenkombinationen versucht. „Dafür haben wir ja den Babyröster“, sagt sie lachend und zeigt auf die mit Abstand kleinste der Röstmaschinen. Die größte ist computergesteuert. 

Am Babyröster testen die Remscheider Kaffeeexperten neue Sorten, Röstzeiten und vieles mehr. In der Zeit liegt das Geheimnis: Die Bohnen werden je nach Art und Sorte (zum Beispiel Kaffee Crema oder Espresso) mindestens 15 bis 20 Minuten geröstet, meist bei rund 200 Grad. Dabei verlieren sie an Flüssigkeit und somit an Gewicht: Von den anfangs fünf Kilogramm bleiben 4,2. Die dann, ganz wichtig, luftgetrocknet werden. 

Das Rösten dürfen die Teilnehmer des Barista-Seminars übrigens selbst ausprobieren und können anschließend gut nachvollziehen, warum die deutsche Röstergilde schon einige Sorten Rigano-

Kaffee mit der Goldmedaille ausgezeichnet hat. Darunter ist der Rico speciale, den Stephanie und Lorenzo Rigano nach ihrem Sohn benannt haben.

Wenn nach der Röstung Lorenzo Rigano vorführt, wie man mit den frischen Bohnen den perfekten Espresso Macchiato macht, bekommt man fast ein schlechtes Gewissen, wenn im Büro wieder nur der drittklassige Vollautomat läuft. Rigano ist offizieller Vertriebs- und Wartungspartner von Jura und auch Experte für jene italienischen, voll verchromten Maschinenmeisterwerke, wie man sie oft in guten Kaffeebars und, in kleinerer Form, manchmal auch bei guten Freunden zu Hause sieht. Was sie alle gemeinsam haben: Das Mahlwerk ist nicht integriert. Die Bohnen werden in einer separaten Kaffeemühle gemahlen, dann verdichtet und in die Maschine gegeben. 

Die Mahldauer, die Auslaufzeit des Kaffees (möglichst 25 Sekunden), das Aufschäumen (nicht zu lange oder zu heiß, damit die Milch keinesfalls verbrennt) – Lorenzo Rigano überlässt nichts dem Zufall und er schult auch gerne Gastronomen, die ihren Kunden ebenfalls die perfekte Kaffeekreation servieren möchten. Ein gelungener Espresso lässt sich nicht verrühren, ganz gleich, wie oft der Löffel in ihn eintaucht, die wunderbar braune Crema schließt sich immer wieder. 

Ein Barista-Seminar bei Rigano, das ist für einige Stunden und viele leckere Tassen ein mitreißendes, pures Kaffee-Erlebnis, das im Show- und Seminarraum zu Ende geht. Dort, wo die Auswahl der neuen Bohnen für daheim schwerfällt. Dort, wo es noch so vieles rund um den Kaffee gibt. Hocker aus Kaffeesäcken zum Beispiel, sehr coole T-Shirts, die die Riganos selber entworfen haben, und natürlich viele Infos über Stephanie Riganos Herzensprojekt „Kinderpläne“. Der Verein, den sie selbst gegründet hat, hilft Kindern und Jugendlichen auf direktem Wege. Viele der Events, die das Unternehmen übers Jahr hinweg veranstaltet, kommen dem Verein zu Gute. „Hier haben wir unsere Erfüllung gefunden“, sagen die Riganos. 

Der Vogel Flüsterer

natur

Marco Wahl ist Berufsfalkner. Er hat 28 Greifvögel im Wiehler Tierpark Niederfischbach in seiner Obhut. In der Hauptsaison bietet er zwei Flugshows pro Tag an und verzaubert die
Zuschauer mit seinen Königen der Lüfte. 

Bernsteinfarbene Augen. Sie fixieren dich mit stechendem Blick. Dann fliegt der Adler los. Stürzt sich vom Baumstumpf. Segelt knapp über das Gras. Kurz vor dir steigt er wieder hoch in die Luft. Ein Windhauch. Mehr spürst du nicht, wenn er lautlos über deinen Kopf gleitet und behutsam auf seiner Hand landet. Die Hand von Marco Wahl. Wie er dazu kam, Falkner zu werden? 

„Da war ich noch ein kleiner Bub. Ich bin damals mit meinem Vater über die Landstraße gefahren und da saßen zwei Bussarde auf dem Asphalt. Der eine wurde überfahren und der andere saß daneben. Immer wenn der tote Bussard den Fahrtwind abbekommen hat, dann sah es so aus, als ob er fliegen würde. Der andere ist dann immer hoch geflogen, hat beobachtet und wohl gedacht, der andere lebe noch. Und sich dann doch wieder neben ihn gekauert. Das fand ich sehr interessant. Diese Bindung zwischen den Greifvögeln. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe viel zu den Vögeln gelesen. Und dann kam der Wunsch: Wenn ich groß bin, möchte ich einen Greifvogel im Garten haben.“ 

Erst begann Wahl eine ganz gewöhnliche Lehre. Nach seiner Zeit beim Bund lernte er dann einen Falkner kennen. Der stellte schnell fest, dass der junge Mann ein sehr gutes Händchen für Greifvögel hat. Marco Wahl schwenkte um, begann seine Ausbildung zum Berufsfalkner und schloss sie nach zweieinhalb Jahren erfolgreich ab. Seit zehn Jahren ist er selbstständig. Heute besitzt er 28 Vögel, die im Tierpark Niederfischbach zu Hause sind. Er hat nicht einfach nur Greifvögel. Er hat afrikanische Lannerfalken, Steppenadler, Bartkäuze, Mäusebussarde, Schnee-Eulen und sogar sibirische Uhus. Und jedes Tier hat einen Namen. „Bei der Namensgebung sind wir ein bisschen eigen. Ich habe jetzt mehrere neue Vögel. Da werden einem natürlich 7.000 Namen vorgeschlagen, aber das ist wie bei den eigenen Kindern. Das dauert ein bisschen, bis man den richtigen gefunden hat. Er muss passen!“

Marco Wahl hat zu seinen Greifvögeln eine immer intensivere Bindung aufgebaut. Wenn ein Vogel mal ausgeflogen ist und im Baum sitzt? „Da können die Kollegen stundenlang rufen, wie sie wollen“, sagt Marco Wahl und lacht. Ist er selbst vor Ort, kommen die Greifvögel in wenigen Sekunden zu ihm runter. Er ist ihre Bezugsperson. Ihm vertrauen sie. Nach so vielen Jahren kann er am Schrei des Vogels erkennen, ob es sich um den Hubert, den Franz oder den Siggi handelt. Bei allen 28 Schützlingen. 

Der Klang der Rufe sei so unterschiedlich wie beim Menschen die Stimme.

Dass ein Vogel während einer Flugshow auf einen Ausflug geht, kommt nicht selten vor. Im Tal des Tierparks kennen sie sich aus, alles, was sich hinter den Hügeln befindet, ist Neuland. Steppenadler Toni war mal eine Woche auf Tour. Wie er kommen die Vögel meistens alle von alleine zurück. Manchmal wird Marco Wahl auch angerufen und muss seine Vögel irgendwo auflesen und nach Hause holen. „Ich sage immer, die haben alle ein Glöckchen am Bein, und wenn scheinbar der Weihnachtsmann über euer Haus fliegt: Dann wisst ihr, der gehört mir. Trotzdem werde ich wegen jedem Mäusebussard angerufen.“ 

Als Berufsfalkner hat Wahl eine Menge Aufgaben. Sein typischer Arbeitstag sieht so aus, dass er mit seinen Greifvögeln Tauben aus Gebäuden vertreibt. Er startet am Kölner Dom und lässt für zwei, drei Stunden seine Wüstenbussarde und Falken fliegen und Präsenz zeigen. Die holen alle Tauben aus den kleinsten Winkeln des Doms. Im Idealfall trauen sie sich nicht noch mal wieder rein. Dann geht es weiter zum Köln-Bonner Flughafen. Vor Ort unterstützt er andere Berufsfalkner, die Elstern und Tauben vertreiben sollen. Nach drei bis fünf Stunden fährt er mit seinen Vögeln im Gepäck zu weiteren Firmenhallen.

Ein üblicher Tag von Marco Wahl ist lang – 16 Stunden im Durchschnitt. Da bleibt wenig Zeit für seine Greifvögel in Niederfischbach. Deshalb hat er die Unterstützung von Luisa. Sie ist angestellte Falknerin und übernimmt die meiste Arbeit im Tierpark. Täglich wird jeder Vogel mindestens ein Mal auf die Hand genommen. Es wird geschaut, ob alle gesund sind. Und sie werden fliegen gelassen und intensiv trainiert. Nur so entsteht das Vertrauen zwischen Falkner und Vogel. Nicht jeder kümmert sich so fürsorglich um seine Greifvögel. Marco Wahl arbeitet eng mit den Behörden zusammen, nimmt Vögel auf, die nicht artgerecht gehalten werden und in Missständen leben. „Wir päppeln sie auf und trainieren sie. Und in der Regel ist es dann so, dass meine Mitarbeiter sich Hals über Kopf in diese Greifvögel verlieben – und dann müssen die ‚leider’ da bleiben.“ 

Während seiner Flugshow schallt Marco Wahls Stimme durch das ganze Tal. Er erzählt Anekdoten von seinen Greifvögeln. Witzelt mit den Zuschauern. Entertainment mit Herz und Sachverstand. Klar, dass die Besucher auch mal eine Schnee-Eule im Nacken streicheln dürfen, bis sie zuckersüß schnurrt. Als Tierparkbesucher merkt man schnell, dass Marco Wahl hier sein Element gefunden hat. Er hat sich den Traum verwirklicht, den er schon als Kind hatte.

Uuund … Matchball!

 

Mark Lamsfuß steigt so hoch in die Luft, dass ich mich kurz frage, ob er mit seinem ausgestreckten Arm und dem Badminton-Schläger in seiner Hand gleich die Hallendecke berührt. Nein, er trifft nur eines: den Ball. Und wie. Den kriegt Jones Ralfy Jansen, der diesen Smash auf der anderen Seite des Netzes schon erwartet, doch niemals, denke ich. Doch, kriegt er. Blitzschnell taucht er ab und fischt den Ball aus der Ecke. So geht das ein paar Mal hin und her. Bis Mark, kaum außer Atem, den Ball so präzise in die Ecke schmettert, dass kein Mensch den bekommt, dann kurz innehält und sagt: „So, das war jetzt das Trainingstempo. Im Match sieht das noch ein bisschen anders aus.“

Nee, ist klar, denke ich und erinnere mich an meine letzten Badminton-Versuche vor ungefähr 20 Jahren. Zum Glück aber ist Lamsfuß, 24 Jahre alt und gebürtiger Wipperfelder, nicht nur einer der weltbesten Badminton-Spieler und auf dem besten Weg zu den nächsten Olympischen Spielen – sondern auch ein toller und geduldiger Trainer. In aller Ruhe erklärt er mir die richtige Griffhaltung, zeigt mir, wann ich den Ball am besten in der Luft treffe, dass allein die Beschleunigung aus dem Arm heraus dem Ball das immense Tempo mitgibt, und dass man dieses Tempo genauso gut rausnehmen kann, wenn man ihn als Drop nur ganz kurz hinter das Netz spielt. Dass es langsame, geschnittene, schnelle und gewischte Drops gibt, sparen wir uns in dieser kleinen ENGELBERT-Trainingsstunde erst einmal.

Ich bin jedenfalls nach einer knappen halben Stunde nassgeschwitzt, aber auch bester Dinge: Jo, das könnte ich mir öfter vorstellen. Zum Beispiel am nächsten Montagabend, wenn beim BC Wipperfeld die Freizeitsportler aktiv sind. Mark Lamsfuß und Jones Ralfy Jansen, gebürtiger Indonesier mit deutscher Staatsbürgerschaft, sind dann längst wieder im Leistungszentrum in Saarbrücken. Denn die beiden sind Profis. Zweimal am Tag jeweils zwei bis drei Stunden Training, Einzel- und Doppel-Turniere auf der ganzen Welt, Länderspiele fürs Deutsche Team, zwischendurch Sponsorentermine, die Instagramaccounts für die meist asiatischen Fans pflegen und alles tun für den großen Traum: Die Teilnahme an den nächsten Olympischen Spielen. Und natürlich: Ab der nächsten Bundesliga-Saison wieder alles geben für den 1. BC Wipperfeld. 

Spitzensport made in Wipperfürth – das ist vor allem ein Verdienst von Marks Vater Andreas Lamsfuß. Er erinnert sich gerne an die Anfänge vor über 26 Jahren, damals noch beim DJK Wipperfeld: „Ich wurde gebeten, die Badminton-Abteilung aufzubauen. Damals war die Turnhalle neben der Schule gerade neu gebaut worden. Ich hatte schnell viele Kinder und Jugendliche am Start. Wir trainierten einmal die Woche, auch mit den älteren Spielern, und begannen in der Kreisliga.“ 

Mit Akribie, Leidenschaft und Geduld baute Lamsfuß die Badminton-Abteilung Jahr für Jahr weiter aus, seine Söhne Jens und Mark wuchsen damit auf. Und bewiesen schnell ein großes Talent: Als die beiden Jungs elf und acht Jahre alt waren, spielten sie schon im Bundesleistungszentrum. Und Lamsfuß konnte bald eine komplette Seniorenmannschaft allein aus Jugendlichen zusammenstellen, die für Furore sorgte. Aufstieg, Aufstieg, Aufstieg, lautete das Motto. Und Neuanfang: Im Jahr 2011 gründete Lamsfuß den 1. BC Wipperfeld als eigenständigen Verein, gewann immer mehr Sponsoren und damit auch immer mehr Top-Spieler. Heute lässt er unter anderem Profis aus Schottland und Polen für die Heimspiele in der Voss-Arena einfliegen. Er holt die Weltspitze ins Dorf. 

Gleichwohl legt er weiterhin großen Wert auf den Breitensportcharakter. „Weltweit spielen 250 Millionen Menschen Badminton. Nach Fußball die Sportart, die von den meisten Menschen aktiv ausgeübt wird“, sagt er. Geht es nach Lamsfuß, dürfen es in Wipperfürth gerne nicht nur mehr Spieler, sondern auch mehr Zuschauer werden. 1000 passen in die Halle, mindestens 500 möchte er in der kommenden Saison, die im September startet, locken. Pro Spieltag.

Dafür professionalisiert er das Marketing, spricht Sponsoren aus der ganzen Region an. Die Firma Bernd Richter aus Wipperfürth hat er auch in diesem Jahr wieder als Hauptsponsor gewinnen können. Attraktiv für Unternehmen sind unter anderem die Werbefelder rund ums Spielfeld, die Firmenpräsentationen während der Spieltage und der neue Businessclub. Spitzensport sehen, gut essen und trinken und netzwerken ist dabei angesagt. 

Lamsfuß will die Heimspieltage noch viel stärker zum Event mit Showcharakter ausbauen. Tänzer, Modenschauen, Musik – vieles ist denkbar. Er will Zuschauer begeistern und binden. „Wer einmal in der Halle ist, der kommt gerne wieder“, hat Lamsfuß festgestellt. „Weil hier drei Stunden lang Spitzensport geboten wird.“ Von einem Erstligisten. Und davon gibt es im Oberbergischen bekanntlich nicht mehr so viele.

Groß in Mode

Es ist wie bei einem guten Essen: Wenn Sie mit hochwertigem Material starten, kann am Ende etwas Besonderes dabei herauskommen.“

Dr. Georg Konrad nimmt beispielhaft eine dunkelblaue Longjacke vom Bügel,streicht mit der Hand über den Stoff, zeigt, wie fein und präzise die Nähte verarbeitet sind, lächelt und ergänzt: „Bei uns hat die Mode eine Seele, ein Leben.“ Viel mehr als das. Dieses Leben beginnt Tag für Tag im Herzen des Oberbergischen Landes. Am Höher Berg in Wiehl. Nicht in Sonstwo. Mit feinsten Garnen, zum Beispiel einer speziell entwickelten Baumwoll-Acrylmischung, die in Europa gefertigt wird. Nicht in Sonstwo. Dieser Qualitätsanspruch, die Liebe zum Detail und vor allem anderen die Mission, Frauen nicht einzukleiden, sondern schön anzuziehen, machen die Einzigartigkeit der beiden Labels aus dem Oberbergischen aus. 

„Karin Glasmacher“ mit hochwertiger, zeitloser Mode in den Größen 38 bis 56. Sowie, seit einigen Jahren, „Fabelhaft“ mit jüngerer Mode. Beides wird im Oberbergischen gefertigt und im gesamten deutschsprachigen Raum verkauft – das gibt es kein zweites Mal mehr. Georg Konrad, gemeinsam mit seinen Söhnen Peter und Georg junior für das Familienunternehmen verantwortlich, sorgt dafür, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Jeden ersten Freitag im Monat führt Georg Konrad übrigens Besucher durch die Fertigung, er nennt das gläserne Fabrik. Zu Recht. Er gewährt nicht nur spannende, tiefe Einblicke in den Produktionsprozess, er erklärt auch unterhaltsam und so voller Leidenschaft, dass der Funke sofort überspringt: Da spricht einer von einem Job, den er liebt. Von Produkten, von denen er hundertprozentig überzeugt ist. Nebenbei erfährt ENGELBERT bei einer

Führung Spannendes zu Beschaffenheit und Pflege der Mode. Zum Beispiel, warum Konrad ungern reine Baumwolle verwendet: „Sie hat viele Vorteile. Tolle Haptik, Wohlfühleffekt, gute Thermoeigenschaften. Aber: eben auch Negatives. Reine Baumwollteile leiern schnell aus, werden immer weiter, das Gestrick würde außerdem Knötchen bilden. Deshalb haben wir eine eigene Mischung aus Baumwolle und Acryl entwickelt – pillingfrei.“ 

Denn, so ergänzt Georg Konrad: Was sei denn besser als das beste Recycling?

„Ein langlebiges Produkt. Das auch nach vielen Wäschen noch so aussieht wie zu Beginn.“ Wer Mode in einer derart guten Qualität herstellt, kann sich auch den cleveren Modulstil erlauben, den die Marke Karin Glasmacher bietet. Eine Kundin, die sich zum Beispiel in der Saison eine schöne Jacke oder ein elegantes Oberteil kauft, kann davon ausgehen, dass sie dieses im nächsten Jahr um ein passendes Accessoire in der gleichen Farbe ergänzen und die eigenen Outfits ständig erweitern kann. Das geht auch deshalb so flexibel, weil im Haus zweimal im Jahr eine komplett neue Kollektion entsteht. „Dadurch müssen wir uns quasi immer wieder neu erfinden. Das ist super. Andere Industrieunternehmen müssen dafür ganze Innovationszirkel einführen. Wir geben unserem Design-Team Vorgaben, besprechen Standards wie den Saum und die Form des Halslochs und lassen ihnen ansonstenfreie Hand“, erklärt Georg Konrad. Aus der Vielzahl der Entwürfe entsteht dann die nächste Kollektion.

Konrads Pflegetipps:

> Textilien stets auf links
    waschen

> nicht von Hand waschen, sondern immer mit der
    Maschine. Die wäscht gleichmäßiger und vergisst auch nicht die Kleidung in der Lauge, wenn es an der Tür klingelt

> Den Feinwaschgang verwenden

> Mit niedriger Temperatur waschen

> Gutes Feinwaschmittel verwenden Davon wenig.
    Und keinen Weichspüler

> Wäsche an der Luft trocknen, am besten liegend

Es muss nicht immer Strick sein, auch Walk, Jerseys, Blusen und Leinen wird von den Kundinnen geschätzt. Ganz gleich, welches Material, eines ist und bleibt immer gleich: Design follows Function – das Design richtet sich nach der Funktion. Und bei dieser steht eine Eigenschaft ganz oben: Die Passform.„Schön auszusehen, ist überhaupt keine Frage der Konfektionsgröße“, stellt Konrad klar. Dazu ist es wichtig, besondere Sorgfalt auf Schnittverläufe und Passformen zu legen. Die Styles werden für jede Größe gewissenhaft angepasst. Steht die Form fest, geht es um die Designdetails. Eingesetzte oder überschnittene Ärmel? Oder Fledermausärmel, die nicht angenäht werden, sondern mit Vorder- und Rückseite des Modells aus einem Stück gestrickt werden? Uni oder mit Muster? Wenn Muster, dann mit 3D-Effekt, der zum Beispiel auch durch die Kombination verschiedener Materialien entstehen kann, weil sich eines leicht zusammenzieht und das andere nicht? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Und die Qualität ist immer der Kristallisationspunkt. Sowohl für das Label Karin Glasmacher, als auch für Fabelhaft. „Dank beider Marken kann heute die gestandene Frau ebenso wie ihre Tochter bei uns kaufen. Und zwar ein komplettes Outfit mit Bluse, Jacke, Hose.“

 

Das beste Design nützt natürlich nichts, wenn bei der Produktion gespart wird. Macht Konrad nicht, sondern setzt auf die computergesteuerten Flachstrickmaschinen des deutschen Herstellers Stoll. Und auf versierte Programmierer im eigenen Unternehmen. Denn für jedes einzelne Modestück müssen diese einen eigenen hochpräzisen Computerquellcode schreiben. Die zigtausend kleinen Stricknadeln in den Maschinen führen diesen dann genau so aus. Wenn Georg Konrad seine Besucher durch die Produktion führt, ist er nicht mehr nur Modemacher, sondern auch ganz der Techniker, als der er auch schon außerhalb des Familienunternehmens tätig war. Ein Fan von Abläufen, Prozessen und Maschinen. „Familienunternehmen haben hohe Anziehungskräfte“, erklärt er lachend, warum er vor einigen Jahren wie sein Bruder zurückkehrte in die Firma des Vaters und Großvaters.

Die betreibt heute neben den Herstellerverkaufsläden in Drabenderhöhe und
Engelskirchen insgesamt 18 eigene Shops bundesweit, unter anderem auf Sylt, in Warnemünde und Konstanz. „Unsere Leuchttürme“, nennt Konrad sie.

Einzelhandelsgeschäfte im gesamten deutschprachigen Raum setzen seit Jahren ebenfalls auf die Marken Karin Glasmacher und Fabelhaft. Nicht nur wegen der herausragenden Qualität, die ihren Preis wert ist. Sondern auch, weil das Unternehmen so flexibel mit Kundenwünschen umgeht. „Wir haben natürlich unser festes Sortiment. Aber wir können auch on demand, just in time auf Anfragen reagieren“, stellt Georg Konrad klar.

Er ist stolz darauf, auf den Standort Oberberg zu setzen, der ihm so am Herzen liegt. Nicht irgendwo was bewegen, sondern hier, vor Ort. Mit Mode, die anzieht. Und bewegt.

Es gibt Eis!

reportage

Die Eissporthalle in Wiehl ist ein Magnet. ENGELBERT-
Reporterin Elena Broch hat sich auf die Fläche gewagt.
Und sich auch mal erzählen lassen, wie diese eigentlich
funktioniert.

Ich und Eislaufen? Äh … nicht wirklich. Meine ersten Versuche auf Kufen sind gefühlt zehn Jahre oder so her. Und die Eissporthalle Wiehl und vor allem die Bahn selbst ist echt riesig. Wie soll ich denn da bitte von A nach B kommen? Hilft alles nix, ich muss es versuchen. Also los. Erst mal finde ich es ja klasse, dass ich mir in der Eissporthalle ein Paar Schlittschuhe ausleihen kann. Die Auswahl riesig, meine Größe ist da, prima. Noch schnell die Jacke zumachen, acht Grad sind ja doch eher kühl. Und noch jemand ist da. Hat der eigentlich einen Namen? Pingu vielleicht? Ist auch egal, er ist ungefähr halb so groß wie ich, aber auf dem Eis wirft ihn nichts um. Er ist auch nicht allein, denn von den kleinen Eispinguinen für Schlittschuhanfänger wie mich gibt es hier zum Glück einige. So, jetzt gut festhalten und einfach Schritt für Schritt … ja, das kann was werden …

Und es ist ja gut zu wissen, dass letztlich die 200 Kinder und Erwachsenen, die bei den Wiehler Penguins Eishockey spielen, auch mal so angefangen haben wie ich. Wenngleich auch wahrscheinlich ein bisschen früher. Ebenso wie die 150 Mitglieder des TuS Wiehl, die im Eiskunstlauf ziemlich erfolgreich sind, wie ich bei meinem Besuch erfahre. Wundert mich auch nicht: Die 1800 Quadratmeter große Eisfläche bietet ihnen perfekte Trainingsmöglichkeiten. Und die ganze Halle mehr als 1.000 Zuschauerplätze, Wahnsinn. Beim großen Weihnachtsschaulaufen alle zwei Jahre reichen die übrigens gerade so aus. Zuschauen kann man in Wiehl außerdem beim Sledgehockey, einem Eissport für Menschen mit Behinderungen. Diese sitzen in speziellen kleinen Schlitten, die meisten Spielregeln entsprechen denen des Eishockeys.

Wie aber funktioniert das eigentlich mit dem Eis? Wie kriegen die das hier so kalt und so glatt? „Das Eis selbst hat nur eine Dicke von rund viereinhalb Zentimetern“, erklärt Jürgen Eisbach, Haustechniker in den Wiehler Wasserwelten und in der Eisporthalle. Dort ist Eisbach auch Eismeister. Offiziell nennt sich das „geprüfte Fachkraft für Kunsteisanlagen“. Unter dem Eis liegt eine dicke Betonpiste, in die mehr als 400 Rohre verlegt wurden. Und da drin: 14 Tonnen Glykol mit einer Temperatur von minus zehn Grad. Das reicht, um die 30 mal 60 Meter große Eisfläche auf minus 0,5 Grad Celsius zu halten – beste Bedingungen fürs Eislaufvergnügen. Das erleben an den Wochenenden auch mal mehr als 700 Gäste, wenn samstags die Eisdisco steigt. Dann steht DJ German Gentle alias Marcel Krämer am Mischpult, legt mal die Hits der 90er-Jahre auf, mal aktuelle Charthits – und auf dem Eis ist die Hölle los.

Aber Moment mal: Wenn ich jetzt hier (und von Mal zu Mal immer weniger wackelig, wie ich zufrieden feststelle) meine Bahnen laufe, ziehe ich ja schon kleine Furchen in das Eis. Was ist denn dann bei 700 Jugendlichen und Erwachsenen? Die ruinieren doch hier alles?! Natürlich nicht. Zum einen ist das Eis, das übrigens mit Kreidemehl, dem „Whiteman“, quasi lackiert wird, damit man den Beton nicht sieht, relativ stabil. Und zum anderen wird es bis zu 14-Mal am Tag bearbeitet. Sprich – erwärmt! Wie jetzt?! Dann taut das doch? Von wegen. „Wir tauen die Oberfläche leicht an, mit 35 Grad warmem Wasser, damit wir sie gut glätten können, und kühlen das Ganze dann wieder runter“, beschreibt Eisbach die Eispflege. Und ich denke nur, jetzt, da ich mir nach meinem Schlittschuh-Comeback seit Kindertagen die Kufenschuhe wieder ausziehe: Wow, was für ein Aufwand. Der lohnt sich, weil die Eissporthalle ein echter Magnet ist, nicht nur für Menschen in Wiehl, sondern in ganz Oberberg. Und das Energiekonzept ist auch noch absolut rund, weil ein permanenter Wärmetausch mit den direkt angrenzenden Wiehler Wasserwelten stattfindet. Da wird viel Wärme produziert, hier wird sie immer wieder gebraucht, prima, her damit.

Jetzt, im oberbergischen Winter, ist natürlich Hochsaison in der Wiehler Eissporthalle. Bis April. Dann wird das Eis abgetaut und im darauf folgenden Herbst wieder aufwendig Schicht für Schicht aufgetragen. Wenn in dieser wunderbaren Eiswelt die nächste Saison beginnt.

Im Ewigkeits Land

Zeitreisen gibt es nicht? Sie sind nichts anderes als eine Utopie? Was für ein Quatsch. Durch die Zeit reisen kann jeder. Und das Beste daran: Das geht direkt vor der eigenen Haustür. In Lindlar zum Beispiel. Wer dort einmal einen Ausflug in die Vergangenheit unternimmt, kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Stefan Blumberg reist ständig mit seinen Gästen durch viele Millionen Jahre Evolution. Er lebt und liebt den Steinbruch. 25 Jahre lang hat er bei einem der Unternehmen, die heute noch die steinernen Schätze Lindlars heben und zu hochwertigen Baustoffen verarbeiten, gearbeitet, vor seinem Ruhestand als Betriebsleiter.

Und jetzt? Unruhestand, ist doch klar. Im Auftrag der Lindlar
Touristik führt er regelmäßig Menschen aus nah und fern durch die Produktion der BGS Vitar und natürlich in die Tiefen und Höhen des Steinbruchs selbst. Dorthin, wo noch Millionen Jahre alte Versteinerungen von Muscheln und Algen zu finden sind. Dorthin, wo vor einigen Jahren Spuren des ältesten Waldes der Erde entdeckt wurden, was so manchen Archäologen aus aller Welt nach Lindlar lockte, denn schließlich war der Fund nichts weniger als eine Sensation. „Da war schon ordentlich was los hier, auch was die Medien anging“, erzählt Stefan Blumberg und lächelt. Locker zwei Stunden dauern seine Führungen, vor allem, wenn Kindergärten und Schulklassen mit dabei sind und die Mädchen und Jungen selber nach Fossilien suchen dürfen. Auch für ENGELBERT nimmt er sich viel Zeit, und er hat ja auch einiges zu zeigen und zu erklären.

Zum Beispiel zur alten Schmiede. Die steht schon seit Ewigkeiten auf dem BGS-Werksgelände. „Früher stellten die Schmiede hier Werkzeuge her“, erzählt Stefan Blumberg, während wir uns die Schutzhelme und Warnwesten anziehen, die heute dort gelagert werden und die jeder tragen muss, der auf Zeitreise gehen möchte. Blumberg zieht das Feld für uns von hinten auf: Bevor wir den Ursprüngen dieses bergischen Canyon auf die Spur kommen, erfahren wir erst einmal, was daraus alles gemacht wird. Denn der natürliche Rohstoff Stein wird bei BGS ebenso wie bei den beiden anderen Betrieben, die rund um den Steinbruch tätig sind, vielfältig verarbeitet. Sei es der riesige, tonnenschwere Findling, seien es die beschlagenen rechteckigen Natursteinrohlinge, sei es die spätere Küchenarbeitsplatte oder der Schotter für die Bahntrasse. Die Natursteinfliesen werden zum Beispiel in präziser Handarbeit einzeln beschlagen, pro Tag schafft ein Mitarbeiter bis zu vier Quadratmeter. Auch wir dürfen uns einmal daran versuchen und stellen fest: Gar nicht so einfach das Ganze. Aber wichtig, denn Stein ist nicht nur als Bau-
sondern auch als Gestaltungsmaterial beliebter denn je.

Es wird genutzt für Wände und Böden, für Häuser und Gärten, für die Küchenarbeitsplatte ebenso wie für den Schotter der Bahntrasse. Wer sich allein in oberbergischen Vorgärten umschaut, der stellt fest: Landschaftsgestaltungen mit Grauwacke, die mal silbern, mal rötlich, mal bronzefarben leuchtet, sind absolut in. Um die steinernen Giganten klein zu kriegen, ist immer wieder Muskelkraft gefragt, aber eben auch schweres Gerät. Riesige Maschinen schneiden, zum Teil komplett automatisiert und rund um die Uhr, die Gesteinsbrocken grob zu. Wenige Meter weiter das Kontrastprogramm: Hier trifft ein nur einen Millimeter dünner Wasserstrahl mit 5200 bar Druck auf den Stein und fräst eine zuvor programmierte Form heraus. Ein Kleeblatt zum Beispiel. Oder auch einen kleinen Hasen. Denn aus Lindlarer Gestein lässt sich alles Mögliche machen. Das beweist auch der Open-Air-Showroom bei BGS Vitar, in dem die schönsten Kunstwerke ausgestellt sind.

 

Wichtig beim Schneiden von Stein ist immer genügend Wasser. Dafür wird aber nicht etwa der Hahn aufgedreht. Im Steinbruch selbst entsteht bei Regen ein Stausee. Von diesem wird Wasser direkt in die Produktion geleitet, der dabei entstehende Schlamm wird wiederum in ein Becken geführt und dort herausgefiltert – und das dann frische Wasser wird der Produktion wieder zugeführt. Ein geniales, ressourcenschonendes System.

Apropos Ressourcen: Wie lange kann man hier eigentlich noch Gestein gewinnen? „Die nächsten 500 Jahre locker“, antwortet Stefan Blumberg, und nun, da wir mitten im Steinbruch stehen und den Blick schweifen lassen über meterhohe Felswände, Riesenbagger und Zuwege, werden mir die zeitlichen Dimensionen so richtig klar. Dies hier ist ein Ewigkeitsland, das gefühlt schon immer da war und auch immer da sein wird. Ich verstehe, wie all das Gestein vor 16.000 Jahren, während der letzten Eiszeit, tief in die Erde gedrückt und wie es dann durch eine Explosion wieder auf 300 Meter über Meereshöhe nach oben katapultiert wurde. Wie aber kommen die Korallen und Muscheln im Gestein? Ganz einfach: „All das war vor über 390 Millionen Jahren einmal ein Meer. Vor der Kontinentalverschiebung“, erklärt Stefan Blumberg. Denn damals, für uns heute unvorstellbar, lag das Bergische Land da, wo sich heute der Kongo befindet.

Die Wanderung führt auf den Berg, von wo aus wir kilometerweit schauen können und wo einige steinerne Schätze liegen. Muscheln und andere Meeresbewohner lassen sich hier im Stein hervorragend erkennen. Je mehr die Felsbrocken an ihren Außenwänden verwittern, desto besser sichtbar werden die Versteinerungen. Apropos Witterung: Für den Winter werden bereits die ersten abgebauten Steine mit Abraum bedeckt, um sie vor dem Frost zu schützen. Denn auch Gestein enthält Wasser. Und wird unter Umständen brüchig. Auch deshalb werden Steine, die für spätere Bauarbeiten besonders stabil sein müssen, getrocknet, um Ihnen das Grundwasser zu entziehen.

„Und da hinten irgendwo“, beginnt Stefan Blumberg und zeigt in die andere Richtung gen Tal, „sind die Spuren des ältesten Waldes der Welt entdeckt worden.“ Was die Archäologen, die ohnehin regelmäßig in Lindlar zu Gast sind, noch einmal völlig verzückt hat. Wer weiß, welche Lindlarer Schätze sie in Zukunft noch begeistern werden. Dort, wo Stefan Blumberg den Menschen die Vergangenheit bei seinen Führungen so wunderbar nahebringt. Die kann man bei Lindlar-Touristik jederzeit buchen.

Hoch hinaus

Unser erster Gedanke, als wir die 2T-Kletterhalle in Lindlar betreten? Ist das hoch! Der zweite Gedanke: Da kommen wir nie oben an (erster Irrtum). Der dritte Gedanke:
Und der Weg nach oben macht garantiert keinen Spaß (zweiter Irrtum). Zwei Stunden später:
Die Muskeln in den Armen brennen ein bisschen, wir spüren unsere Beine, aber vor allem spüren wir eins – ein absolutes Glücksgefühl.

Was zwischendurch passiert ist? Einiges. Kletterexperte Jens, Mitarbeiter und Trainer im vor einem Jahr eröffneten Indoor-Kletter-Paradies am Ortsrand von Lindlar, hat mit dem Wichtigsten begonnen: der Sicherheitseinweisung. Denn der Klettergurt muss passen: „So, dass er oben fest auf den Hüftknochen sitzt und auf keinen Fall herunter rutschen kann und Ihr durch die Gurte an den Beinen noch so eben die Hände durchstecken könnt, sonst wird es da zu eng.“

Okay, alles klar. Wenn wir uns jetzt gegenseitig halten wollten, sprich, einer klettert, einer steht unten und sichert, müssten wir das auch erst einmal lernen. Aber das Sichern übernimmt zunächst Jens für uns. Und die moderne Technik: Denn sechs Kletterseile in der 15 Meter hohen Haupthalle werden automatisch gesteuert. Alles klar, verstanden! Und wie kommen wir da jetzt rauf? Ratlos blicken wir auf die vielen tausend bunten Klettergriffe an den Wänden. „Am besten immer an eine Farbe halten“, erklärt Jens. Wir nehmen für den Anfang die schwarze Route.
Es gibt im 2T übrigens auch rund 160 Routen der Schwierigkeitsgrade 3 bis 10, nur mal so.

Also los: Den Karabiner des Automatikseils am Klettergurt fixiert und – hoch! „Am besten immer mit den Beinen abstoßen, anstatt sich mit den Händen hochziehen“, ruft Jens uns zu. Und es klappt: Wir klettern Meter um Meter die steile Wand hoch – aber dann kommt der Kopf ins Spiel. „Nicht nach unten schauen“, hat unsere Reporterin Elena mich noch gewarnt, die jetzt neben mir kraxelt. Mach ich aber! Nach geschätzten fünf von 15 Metern muss ich einfach einen Blick wagen. Fehler. Diese Höhe, jetzt schon! Blick nach oben: Und was da noch alles kommt, oh Mann … Nee, ich muss wieder runter. Elena auch.

Die Krux beim automatischen Seil ist nur: Man muss die Wand einfach loslassen, und wird dann bis ganz nach unten abgelassen. Natürlich taucht ganz kurz dieser eine Gedanke auf: Und wenn das jetzt nicht hält …? Nein, die achten hier bei 2T so gut auf die Sicherheit, natürlich hält das. Loslassen und … sanft geht es nach unten. Und dann gleich wieder rauf, beim nächsten Versuch. Ich schaue mir meine schwarze Route an: Die wird doch nach oben nicht schwerer. Ist doch nur eine Frage des Kopfes und ein bisschen Ausdauer. Also klettere ich, Stück für Stück. Elena macht es genauso, immer weiter, immer höher, kein Blick zurück … und irgendwann sind wir oben! Was für ein Gefühl. Fantastisch. Nur: Jetzt müssen wir ja von ganz oben loslassen. Kurz innehalten. Sich überwinden. Und wieder lässt uns die Automatik sanft zu Boden gleiten. Puh, das war ja schon mal richtig klasse.

Und es geht genauso klasse weiter:
Jetzt sichert uns Jens, und wir dürfen uns an einer Wand mit Überhang versuchen. Auf halber Strecke machen unsere Arme schlapp. Macht nix, kurze Pause, dann lässt Jens uns runter. Feierabend? Von wegen.

Denn im 2T wird nicht nur geklettert, sondern auch gebouldert. Und das macht mindestens genauso viel Spaß. Hierfür ist kein Sicherungsseil nötig, weil es nie mehr als viereinhalb Meter in die Höhe geht. Binnen Minuten werden wir zu Boulderfans, weil das freie Klettern an den insgesamt über 1000 Quadratmetern Wandfläche eine Riesenlaune macht. Und wie kommen wir wieder runter? „Klettern!“, ruft Jens, als ich oben auf einem der Boulder-Cubes stehe. Sagt der einfach so! Also gut, muss ich mich halt überwinden. Ich kraxele also wieder runter … und lande weich auf den dicken Matten. Und jetzt? Wieder ab nach oben!

Ganz ehrlich? So könnte das jetzt den ganzen Tag gehen. Klettern im 2T, das ist Nervenkitzel, Bewegung, Teamarbeit. Und das für kleine, große, junge, alte Kletterer. Für Beginner und Erfahrene, für Neugierige und Cracks, für Schulen und Unternehmen, für Freunde und Familie. Denn das Erlebnis in dieser weit und breit einzigartigen, genial ausgestatteten Kletterhalle, in der die einzelnen Routen jede Woche neu geschraubt werden, möchte man immer wieder haben. Was für ein Freizeiterlebnis-Juwel in Oberberg.