Sie machen einfach. Und es wird grandios.

musik

Superthousand aus Gummersbach fangen das Leben in ihren Songs ein. Mit ihrem neuen Album mehr denn je. Ist das
Psychedelic Rock? Alternative? Progressive? Independent? 

Ist egal. Denn Großartigkeit braucht keine Kategorie.

 

Foto: Ingo Winkelströter

Wow, das klingt wie … nein. Weg damit. Furchtbar, immer dieses Vergleichsdenken. Man hat schon so vieles gehört. Also noch mal: Es klingt gut. Melancholisch. Kraftvoll. Ernst. Ja, es rockt. Aber nicht brachial. Ein bisschen psychedelisch? Ja, durchaus. Aber nicht verschwurbelt. Nicht gewollt intellektuell. Es erfordert ein aufmerksames Lauschen. Ein mehrmaliges. Kein Wunder bei Songlängen von im Schnitt sechs und gerne auch mal elf Minuten, vielen Tempowechseln und recht komplexen Melodien. Keine Musik zum Rückwärtseinparken. Eine Musik, um das Licht zu dimmen, die Boxen aufzudrehen, die Augen zu schließen. 

Und sich klar zu machen: Verdammt noch mal, wir haben in Oberberg sau-
gute Bands. So wie Superthousand aus Gummersbach. Sie waren zu viert, jetzt sind sie zu dritt, aber sie klingen wie zehn. Sänger und Gitarrist Dominik Mertens schafft es, so viel Gefühl und Leidenschaft in seine raue, bewegende Stimme zu legen, dass er den Hörer schon bei der ersten Zeile von „World on Wire“ packt, dem Opener des neuen Albums mit dem etwas kryptischen Titel #trnsit. Ja, das Weglassen von Vokalen ist im Trend, ansonsten entziehen sich Superthousand aber jeglichen Kategorien. Das Trio, zu dem mit Drummer Markus Missbrandt sowie Lars Dreier, Bassist, Keyboarder und Gitarrist nicht nur kreative Songschreiber, sondern gleichzeitig auch begnadete Soundtüftler gehören, hat die wunderbare Freiheit von Menschen, die keinen fragen müssen. Sondern einfach machen. „Ich habe ein so zugepacktes Leben. Das hier, diese Montagabende in unserem Proberaum in Gummersbach, da kann ich einfach alles fließen lassen. Und ich hab noch nie mit Musikern gearbeitet, die auch als Freunde so cool sind“, bringt es Dominik auf den Punkt. 

Im Proberaum in Gummersbach sind auch die bisher drei Superthousand-Platten entstanden: „Universe Reverse“ im Jahr 2013 mit sechs Songs, „Voyage“ drei Jahre später mit fünf Tracks. Und nun „#trnsit“. Wieder ein Song mehr –und zwei Zehnminüter. „Das sagen wahrscheinlich alle Bands, aber: Wir haben noch mal eine Schippe draufgepackt. Wir hatten mehr Zeit, hatten mehr Leute um uns herum, die uns unterstützt haben. Das ist ein bisschen wie beim Film mit anfangs SD, dann HD und später 4K“, 

sagen die drei. Sie jammen jeden Montag, „und wenn wir Glück haben, läuft irgendwo ein Aufnahmegerät und wir halten die Melodie fest. Einer von uns hat später vielleicht einen Text dazu. Und am Ende wird ein Song draus.“ Elektronischer sind die Songs geworden, ihr Sound ist noch einmal deutlich besser abgemischt. Und sie stecken voll schöner Ideen: Den Takt von „Safe and Now“, dem letzten Song auf dem neuen Album, das ENGELBERT schon vor der Veröffentlichung hören durfte, bilden zu Anfang gleichmäßige Schritte. Über einen Waldweg? Auf einer Lichtung? Egal. Man hört zu und geht einfach mit. Spürt die Melancholie, die diesen Song durchzieht. Erlebt, wie er sich aufbaut, Sekunde für Sekunde. Wie er nach zweieinhalb Minuten von der Ballade in eine Rocknummer explodiert. Wie er wieder ruhiger wird. Und erneut Fahrt aufnimmt. Plötzlich erklingt ein Didgeridoo in diesem zehnminütigen wunderbaren Auf und Ab. Ein Song wie ein Leben. Und genauso plötzlich zu Ende.

Superthousand fangen das Leben ein. Kreieren Gänsehautmomente. Auf ihrem Album. Und live. Mehr Auftritte sollen es werden, und wenn man Drummer Markus, der sich als Schlagzeuglehrer und Mitglied einer Rage-against-the-machine-Coverband durchaus Berufsmusiker nennen darf, fragt, dann am liebsten jede Woche: „Auf der Bühne, hinterm Schlagzeug, das ist mein Happy Place.“ Nicht nur seiner. Weil nicht nur Superthousand in den Liveversionen ihrer Songs aufgehen, sondern auch ihre Fans. „Und es ist egal, ob uns Leute in Kuala Lumpur, in Hamburg oder in Oberberg hören. Es ist schön, wenn sie kommen. Nicht, weil es Bier gibt oder wir ihre Nachbarn sind, sondern weil sie unsere Musik gut finden.“

Diese Musik ist gut. So gut, dass die Band und ihre Songs, bei allem Lokalkolorit, auf eine große Bühne gehören. Und in die Hände einer Plattenfirma, die sie fördert. Und ihnen bitte alle Freiheiten lässt. Denn diese musikalische Kreativität braucht ihren Raum. Für noch viel mehr grandiose Songs. 

Saitenweise Leidenschaft

musik

Luciano Marziali ist ein Gitarrenvirtuose. In Gummersbach hat er die Konzertreihe „Zauber der Gitarre“ etabliert. Vor der Show am 13. Dezember in der Halle 32 blickt
er auf 40 Jahre Musikerleben zurück.

Wenn er am Freitag, den 13. Dezember, gemeinsam mit seinem Duettpartner Tobias Kassung bekannte Filmmelodien auf der Gitarre interpretiert, ist das für die Besucher der Halle 32 ein wahrer Glücksfall. Denn Luciano Marziali ist ein Virtuose. Einer, der für das Gitarrenspiel lebt. Einer von ganz wenigen Menschen, die schon sehr früh im Leben wissen, was sie später einmal machen werden. Dass diese eine Sache, komme, was wolle, immer zu ihrem Leben gehören wird. Das Wunderbare an der Konzertreihe „Zauber der Gitarre“, die der Italiener in Gummersbach ins Leben gerufen hat: Er teilt sich die Bühne mit anderen hervorragenden Künstlern. Im Dezember werden es neben Kassung mit Livio Gianola der sicherlich höchstgeschätzte Flamenco-Gitarrist Italiens sowie der schon seit den 70er Jahren weltweit angesehene deutsche Akustikgitarrist Peter Finger sein. Ein Abend und drei Konzertteile mit je 40 Minuten in einer musikalischen Qualität, wie man sie so in der Region sicher selten erlebt. 

Das Schöne an Konzerten ist ja, Menschen dabei zuschauen und zuhören zu dürfen, wie sie das tun, was sie lieben. Luciano Marziali entdeckte diese Liebe, da war er gerade mal drei Jahre alt. „Mein Vater spielte damals hobbymäßig eine Gitarre, und ich griff immer wieder zu dem Instrument. Dann bekam ich meine erste eigene Gitarre aus Plastik, um zu schauen, was passiert. Ich habe immer wieder daran herumgeklimpert. Mit sechs Jahren folgte dann eine richtige aus Holz. Und ich spielte. Und meine Eltern merkten, dass ich richtig Lust darauf hatte.“ Er spielte gut, so gut, dass sein erster Musiklehrer eingestand: Der Junge braucht eine besondere Förderung, er braucht andere Musiklehrer. Seine Eltern ermöglichten ihm das. Und noch mehr: Als Luciano Marziali elf Jahre alt war, erhielt er die Chance, sich fürs Musikkuratorium in seiner italienischen Heimat zu bewerben. Er wurde aufgenommen. Was das nun bedeuten würde, war ihm vollkommen klar: „Die nächsten zehn Jahre mehrmals die Woche nach der Schule noch einige Stunden Gitarre lernen.“ 

Hui. Und das soll einer durchziehen, der erst elf ist? Was ist mit der Teenagerzeit? Was mit den Klassenkameraden, die, nichts für ungut, nach der Schule eher in den Fußballverein gehen? „Ja, ich habe einige Male gedacht, das schaffe ich nicht. Aber das bezog sich auf die normale Schule“, antwortet Marziali und lacht. Er zog beides durch: Die Schule, das Kuratorium, und Zeit, um mit den Kumpels zu kicken, blieb auch noch. Mit den anderen Kuratoriumsschülern traf er sich sogar oft vor dem eigentlichen Unterricht, um gemeinsam zu musizieren. „Da wusste ich schon, dass die Gitarre immer Teil meines Lebens sein wird.“ In welcher Form, das war aber noch offen. Vielleicht sogar eine Karriere als Rockgitarrist? Immerhin besaß er auch mal eine E-Gitarre des Modells, mit dem schon Van Halen die Bühne rockte. 

Aber er blieb dann doch bei der Akustischen. Und nach dem Abitur und dem Beginn seines Musikstudiums war ihm auch klar: Ich werde Profimusiker. Nur nicht in Italien. Denn Luciano Marziali zog es weg von zu Hause. Er landete an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, das Diplom vom Musikkuratorium in Italien frisch in der Tasche. Luciano Marziali sprach anfangs kein Wort Deutsch, die Sprache der Musik ist zum Glück universell. Deutsch lernte der heute 43-Jährige nebenbei, spricht längst fließend mit einem sehr charmanten italienischen Akzent. 

Er hat es geschafft, aus seiner Leidenschaft einen Beruf zu machen. Hat als klassischer Gitarrist diverse musikalische Auszeichnungen erhalten, mehrere Alben aufgenommen, zuletzt eines mit besagten Filmmusiken, die er am 13. Dezember live spielen wird. Auch Flamenco spielte er eine ganze Zeit lang, gab das aber nach und nach auf. Aus einem ganz pragmatischen Grund: „Beim Flamenco spielt man vergleichsweise hart, dabei gehen die Fingernägel kaputt. Für die klassischen Stücke brauchst du aber Top-Fingernägel.“ Beides parallel ging nicht. Marziali entschied sich für die Klassik. Das Schöne dabei: „Wenn du die klassische Technik beherrschst, kannst du auch viele andere Stilrichtungen spielen.“Heute tritt er nicht nur leidenschaftlich gern auf, er gibt all sein Wissen aus 40 Jahren Musik auch weiter – als Gitarrenlehrer in Köln. Und wie kam Luciano Marziali nach Gummersbach, wo er schon seit einigen Jahren eng mit Martin Kuchejda, dem Leiter der Halle 32, zusammenarbeitet? „Ich habe einige Jahre in der Musikschule Engelskirchen unterrichtet. Eine Schülerin dort kannte Martin, damals noch zu Zeiten des Bruno-Goller-Hauses. Ich nahm Kontakt auf, spielte ein Konzert. Und ich hatte damals schon den Eindruck, dass die Leute Lust auf eine ganze Gitarren-Konzertreihe haben.“ Haben sie. Und sie dürfen sich auf einen weiteren Abend mit allen Facetten der Gitarre freuen:

Freitag, 13. Dezember, 19 Uhr: „Zauber der Gitarre“ mit Livio Gianola, Luciano Marziali und Tobias Kassung sowie
Peter Finger.

Ein Sturm zieht auf

musik

Von der Tributeband zur Hardrockformation mit eigenen Songs: Freakstorm aus Gummersbach haben eine EP vorgelegt, die Lust auf viel mehr macht. Auf Liveshows. Und auf ein Album.

Sieht verdammt gut aus, das brennende Brautkleid auf dem Cover der ersten EP. Mutig, provokativ und vor allem hochprofessionell inszeniert. So wie das Video zu „Can‘t keep me down“. Überhaupt dieser Song: Eine Hardrock-Nummer aus einem Guss. Kraftvoll, mitreißend, großartiger Chorus, starke Lyrics. Dann der Blick auf die Website – die Bandstory, die gesamte Menüführung, alles in Englisch. Moment mal, kommt diese Band nicht von hier? Aus Gummersbach? Ja, kommt sie. Aber Freakstorm hat sich einen internationalen Anstrich verpasst, der dieser Band nicht nur gut steht, er liegt geradezu auf der Hand. Denn die EP mit ihren sechs Songs, die Ende Oktober erschienen ist, klingt so ausgereift, als hätte die Band in den letzten Jahren nichts anderes gemacht, als eigene englischsprachige Rocksongs zu produzieren.

Foto: Marcel Fuderholz

Hat sie aber. Die Gründungsmitglieder um Sängerin und Songwriterin Sinah Meier, Drummer OIiver Fuchs, die Gitarristen Dirk Weidmann und Toby Wendeler sowie Bassist Marc Bremer machen seit ihrer Jugendzeit Musik – nur war es früher nicht diese. Klar, rockig war es in diversen anderen Bands. „Aber mit diesen Songs, wie wir sie jetzt schreiben und produzieren, haben wir unsere Traummusikrichtung gefunden“, stellt Oliver Fuchs klar, der für Freakstorm nicht nur am Schlagzeug sitzt, sondern auch einen Großteil der Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Das wiederum so engagiert, dass die neue EP der Band unter anderem in bekannten Szenemagazinen wie ROCKS und BreakOut vorgestellt wurde, die Musikvideos im Internet viral gingen und auf Facebook einige zehntausend Menschen erreichten. Das neue Freakstorm, es ist nicht regional gedacht, sondern soll Rockfans auf der ganzen Welt erreichen. 

Moment – wie jetzt, wieso neu? Und was war dann vorher? Die Tributeband. Denn der Bandname kommt nicht von ungefähr. Er huldigt der amerikanischen Rockband Halestorm, die wiederum nach dem Nachnamen von Leadsängerin Lzzy Hale benannt ist. „Wir mögen die Songs der Band, also haben wir Freakstorm als Tribute gegründet und die Stücke gecovert“, erzählt Oliver Fuchs. Ausgerechnet bei einem Treffen mit der Band Anfang 2017 ergab sich eine ganz neue Richtung: Sängerin Sinah inspirierte die Begegnung zum eigenen Song „We got the fire“. Freakstorm nahmen ihn auf, und Sinah Meier, die vorher schon viele Songs geschrieben hatte, nur keine Rockstücke, merkte: Da geht was. Ihre Bandkollegen merkten das auch und fanden mit dem erfahrenen Produzenten Dennis Ward, einem gebürtigen Amerikaner, der auch schon Metalbands wie Unisonic und Sänger wie Bob Catley produziert hat, den richtigen Partner. Er machte mit der Band aus guten Songs noch bessere. Und der Gummersbacher Produzent Oliver Fennel brachte sie in seinem Label heraus. Rock made in Gummersbach – im halben Dutzend. 

Warum kein ganzes Album? Weil Sinah Meier und Oliver Fuchs in diesem Jahr stolze Eltern einer kleinen Tochter wurden. Die EP indes ist so gut gelungen, dass es nur eine Frage der Zeit (und der Nächte, in denen man wieder durchschlafen kann …) sein wird, bis das komplette Album erscheint.

Songideen hat Sinah Meier genug. Die nimmt sie per iPad zunächst selbst auf, die anderen Bandmitglieder geben ihre Ideen dazu, gemeinsam entstehen die Stücke. Das ist nicht immer einfach, wie etwa bei „Payback Time“, an dem Freakstorm über Wochen herumfeilten. Die Geduld hat sich ausgezahlt: Besagtes ROCKS-Magazin hat den Song auf seine Promo-CD genommen, die mit dem Heft verkauft wird. Ein Freakstorm-Song, der tausendfach die Leser und Hörer erreicht – eine bessere Werbung gibt es nicht. 

Foto: Doris Gassner

Geht da bald noch mehr? Wird aus dem Hobby, der Leidenschaft, ein Beruf? „Vor 25 Jahren hätte ich jetzt gesagt: Ja, schauen wir, was geht. Aber heute stehen wir alle im Leben“, antwortet Oliver Fuchs. „Und es ist auch ganz gut, wenn man davon nicht leben muss, sondern es so machen kann, wie man möchte“, ergänzt Gitarrist Dirk Weidmann. Sängerin Sinah Meier zögert kurz. „Och, so ein Träumchen ist da schon noch“, sagt sie und lächelt. Freakstorm haben die komfortable Situation, dass alle Bandmitglieder feste Jobs haben, also von der Musik nicht leben müssen. Diese Musik ist wiederum so gut, dass sie es womöglich irgendwann könnten. 

Vielleicht fegt ja in einigen Jahren ein oberbergischer Sturm über die Rockbühnen Europas? „Wir lassen die Kirche im Dorf und machen einen Schritt nach dem anderen. Und freuen uns über jeden Fan aus der Szene, dem unsere Musik gefällt“, gibt sich Oliver Fuchs bewusst bescheiden. Keine Frage: So bald wie möglich werden Freakstorm die neuen Songs auch live performen. In der Region. Und dann sicher ganz schnell auch anderswo. Denn der melodiöse, top-produzierte Hardrock aus Gummersbach ist verdammt gut. Und als EP bei Saturn und auf Amazon zu haben.

 

Die Bühne und sie

Kennen Sie auch diese Menschen, die begeistert von ihrem Tun und Schaffen erzählen, und Sie fragen sich: Hey, wo nimmt er oder sie die Zeit nur her? Haben da die Tage mehr Stunden als bei mir? So ein kreativer und produktiver Mensch ist Sabrina Schultheis auch. Als ENGELBERT im Frühjahr von der neue Alice-Inszenierung des Musical-
Projekt Oberberg (MPO) erzählte, für die die Gummersbacherin auch schon verantwortlich war, berichtete sie so wunderbar enthusiastisch von ihrer Arbeit, dass wir sie unbedingt nochmal wieder treffen mussten. Um mehr über sie zu erfahren. Und natürlich auch über ihr neues Projekt. Moment … Einzahl? Nee, Fehler.
Natürlich sind es gleich mehrere. Und von wegen Zeit. Es ist nicht so, als wäre Sabrina Schultheis als Lehrerin mit ihrer Fünf-Tage-Woche nicht ausgelastet. Oder mit ihrer neuen Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Forschung und Beratung an der Uni Köln. Oder als Speakerin, die auf Einladung deutschlandweit über ihre inklusive Arbeit spricht. Sie lebt eben auch fürs Theater. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen, sie aufzuschreiben, mit Leben zu füllen, mit Szene und Dialog. Und sie dann gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln.

Deshalb brennt sie auch für ihren Theaterjob in der Halle 32. Nur das MPO? Viel zu wenig. Deshalb leitet sie seit einigen Jahren auch eine Erwachsenen-Theatergruppe und eine inklusive Jugend-Theatergruppe, in der Schauspieler mit und ohne Behinderungen gemeinsam auf der Bühne stehen. Stücke erarbeiten. Und aufführen. So wie Ende September und Anfang Oktober an gleich vier Terminen (siehe Infokasten am Ende) mit dem neuen Stück „Das Harlekin-Syndrom.“ Eine ungewöhnliche Geschichte um eine verwitwete Mutter zweier Kinder, die einen neuen Mann kennenlernt, der sie jedoch verprügelt. Die Kinder wollen ihre Mutter vor dem Stiefvater schützen und sie als Krankenschwester in eine Heilanstalt vermitteln. Dort wird sie jedoch als Patientin eingewiesen …

Ungewöhnlich ist auch die Zusammensetzung: Denn das Stück wird in den beiden genannten Kursen parallel erarbeitet und am Ende dann zusammengeführt. Insgesamt 17 Darsteller sind beteiligt. Auch das macht Sabrina Schultheis aus: Wo manch anderer vielleicht abwehrend rufen würde: „Was? Wie soll das denn gehen? Noch dazu in einer inklusiven Gruppe?“, da sieht sie erst die Herausforderung, den Reiz und vor allem das Potenzial. „Es geht in dem Stück auch um Menschen mit Behinderung. Warum also sollten nicht Menschen mit Behinderung genau das spielen?“
Zumal sie als Regisseurin erkennt, was in den Menschen steckt, egal, welche Vorgeschichte sie mitbringen. Das Faszinierende, und, da ist Sabrina Schultheis sicher, deutschlandweit auch Einzigartige daran: Es spielt überhaupt keine Rolle, ob hier Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam Theater spielen. „Für mich sind das alles meine Schauspieler“, stellt sie klar. Natürlich: Sie muss stärker, individueller auf jeden Einzelnen, jede Einzelne eingehen, nach einem anstrengenden Tag in der Schule noch spätnachmittags bis abends alle Antennen hochfahren und wahrnehmen, was in ihren Darstellern gerade vorgeht. Was sie von wem wann erwarten kann oder wann es jemandem zu viel wird.

Apropos viel: Vier Aufführungen, ist das nicht ein bisschen too much? „Nachdem wir letztes Mal drei Vorstellungen hatten und ich Leute wegschicken musste, weil alles ausverkauft war, würde ich sagen – nein.“ Und die Frage nach dem Stress muss man Sabrina Schultheis erst gar nicht stellen. Jedes Mal das Lampenfieber. Jedes Mal, das liegt auch an der Besonderheit dieser Theatergruppen, eine gewisse Unberechenbarkeit. Jedes Mal das Loslassen, wenn die Schauspieler ihr Ding machen müssen auf der Bühne. Für Sabrina Schultheis eine pure, echte Freude. Sie will es so. Und sie hat auch schon konkrete Pläne für die nächsten Stücke. Oder schreibt sie vielleicht zuvor noch an einem neuen Buch? Vielleicht wird sie mit ihren Theatergruppen auch zur Preisträgerin, denn das Projekt „Harlekin-Syndrom“ hat sie für den Wettbewerb „Rauskommen 2019“ angemeldet.

Gut möglich auch, dass sie einige neue Ideen für ihren Schulunterricht entwickelt. Denn Ideen gehen Sabrina Schultheis nicht nur nie aus, sie sind auch oft sehr schnell da. Dann setzt sie sie um. Übrigens: Wer nicht lange zaudert, spart genau die Zeit, von der andere sich fragen, wieso sie ihnen fehlt. Sieht zurzeit alles ganz sonnig aus für Sabrina
Schultheis, die es in ihrem Leben indes nicht immer einfach hatte. Und die sich all das, was sie jetzt schon erreicht hat, hart erarbeiten musste. Vielleicht überschreibt sie all ihr kreatives Schaffen, all ihren Facettenreichtum auch deshalb nicht mit einem reinen Heiterkeitswort, sondern mit einem Motto, das so poetisch wie vielsagend ist: Wolkendinge.

 

Das Harlekin-Syndrom: 

Aufführungen am 29. September,
2., 4. und 6. Oktober
jeweils um 17.30 Uhr
in der Studiobühne der Halle 32.
Es spielen die Schauspielkurse inklusiv und Junge Erwachsene der Kulturwerkstatt32.

Karten an der Abendkasse oder vorab unter wolkendinge@web.de

Story Teller Auf Reisen

Alle Fotos: Ingo Buerfeind

Came in from the west to the boats of the Highlands, took over the rudder, the band went aboard. First gig: At Benleva we played on the Nessbanks, our keel cut the waves and the water like Aragorn´s sword …“

Und so fährt sie, die Highland Commander, über schottische Seen, durch ein mystisches Land, auf dem Weg zu neuen Geschichten. Jene an Bord werden sie erzählen in eben diesem Lied. Denn es sind oft ihre Reisen, die Begegnungen, die Menschen, die Abende und Nächte und die Wunder der Natur um sie herum, die später zu großartigen Songs werden.

Da sind wir, auf dem Weg zum nächsten Konzert, und der Kiel des Schiffes schneidet so scharf wie Aragorns Schwert … dieses Schwert heißt Anduril, das weiß jeder, der das Ewigkeitswerk von J.R.R. Tolkien gelesen oder die Verfilmungen gesehen hat. So wie Tim Roderwieser, Michael Fliegner, Markus Blumberg, Hannes Landau, Andreas Schwarz, Arne Herbst und Aileen Fliegner.

Sie sind Anduril und ihr Bandname ist gleichermaßen eine Hommage an Tolkien und den Herrn der Ringe.
So wie auch der Proberaum in einer stillen Wohnstraße in Lindlar. Da trifft sich die Skyerish Folkrockband um Gründer und Leadsänger Tim Roderwieser einmal die Woche. Aragorns stechende Augen, der stolze Blick von Braveheart-Held William Wallace – und noch ungezählte andere Bilder, Poster, Schnipsel und Ausschnitte verstecken das alte Backstein. Aber der Blick verweilt nur kurz auf den Wänden. Schließlich geht es ja um die Menschen hier drin. Um ihre Musik. Und ihr großes Projekt, für das sie gerade wieder auf Reisen waren.

Schottland und die Highlands, das war schon vor einigen Jahren und noch vor dem aktuellen, dritten Album „Atlanterra“. Als ENGELBERT zu Besuch ist in Lindlar, sind Anduril gerade von einer Nordland-Reise zurückgekehrt, die nicht nur wegen der fantastischen Ziele undder ungewöhnlichen Konzerte mit befreundeten Musikern unter anderem aus Schottland und Norwegen so besonders ist. Sondern, weil sie zu etwas wirklich Großem gehört: „Nordic Circle“ – der nordische Kreis.

Ein Mammutprojekt (nicht nur, wenn man bedenkt, dass alle Bandmitglieder nebenberuflich Musik machen und zum Beispiel als Malermeister oder Grundschullehrer ihr Geld verdienen), das schon jetzt auf das zwanzigjährige Bestehen von Anduril im Jahr 2021 zustrebt. „In Zeiten, da auf der ganzen Welt wieder Mauern errichtet werden, möchten wir die Menschen verbinden, möchten Brücken bauen. Das ist uns wirklich wichtig“, sagt Tim Roderwieser. Die Idee ist schon vor einigen Jahren entstanden, diesmal während einer Tour durch Irland. Dort unterwegs zu sein, zu spielen und andere Künstler zu treffen, wo die Musik, die man selbst schreibt und spielt, ihren Ursprung hat – das inspiriert.

Warum nicht im Sommer 2019 durch Dänemark, Schweden und Norwegen reisen? Warum nicht mit anderen Musikern spielen? Mit Trude und Leif Johannessen zum Beispiel, die sieben Monate im Jahr am Hardangerfjord leben und die übrige Zeit … genau – in Marienheide! Warum nicht gleich fünf musikalische Partner mit ins Boot holen und mit ihnen gemeinsam über zwei Jahre hinweg ein Album aufnehmen, das natürlich auch „Nordic Circle“ heißen wird. Und am
6. November 2021, in mehr als zwei Jahren, in der Konzerthalle PZ in Lindlar mit einer mitreißenden Live-Show vorgestellt werden wird. Vor 700 Zuschauern.

Was für eine Projektidee. „So was macht man nicht jeden Tag. Und vielleicht würden wir das auch in zehn Jahren nicht mehr machen“, stellt Tim Roderwieser klar. Er weiß: Nach dem Tod von Gitarrist Johannes Koch Ende vergangenen Jahres war erst mal gar nichts klar. Was wird aus uns, was aus der Band, was aus diesem Projekt? „Er hat gewollt, dass wir weitermachen. Er hat immer gesagt: Spielt“, sagt Drummer Andreas Schwarz und seine Bandkollegen nicken. Die Reise von Anduril geht weiter. Gitarrist Markus Blumberg wechselte nach Kochs Tod von der Akustik- zur E-Gitarre.
Und er brachte seine Freundin Aileen Fliegner als neue Co-Sängerin gleich
mit in die Band. Sie ist wiederum die Tochter von Bassist Michael Fliegner. „Wir sind eine große Familie“, sagt der Mann mit der Heavy-Metal-Mähne und lächelt.

 

Ob Folk, Metal oder Hardrock – die Einflüsse, die jeder Einzelne in die Band mit einbringt, sind so vielfältig wie die Musik. Die wiederum, auch das ist klar, passt super auf ein Folkfestival, auch auf einen Mittelaltermarkt, aber nicht unbedingt aufs Schützenfest: „Wenn da einer an die Bühne tritt und sagt: Spielt doch mal was von den Bläck Fööss, müssen wir leider sagen: Nee.“ Nicht, weil Anduril, die unter anderem die Band Runrig als Vorbilder sehen, ergänzend zu den eigenen Stücken keine Cover-Songs spielen würden. Sondern weil sie es nach 18 Jahren Bandkarriere einfach nicht nötig haben, sich zu verbiegen. Sie machen schottischen und irischen Folk, und das verdammt gut. Kraftvolle, rockende Songs wie „Rungholt“, der eine verheerende Sturmflut aus dem Jahr 1362 thematisiert, oder der Titelsong des aktuellen Albums „Atlanterra“ mit seinem so einfachen wie eingängigen Gitarrenmotiv sind so ausgereift und zugleich von hohem musikalischem Anspruch, dass man ihnen ganz bewusst lauschen muss. Oberflächliche Schunkelmucke? Nicht mit Anduril.

Wenngleich Tim Roderwieser als einziger seit Beginn an dabei ist – so etwas wie den einen Mastermind gibt es bei Anduril erfrischenderweise auch nicht. Wer durchs wunderschön auf Alt getrimmte Booklet von „Atlanterra“ blättert, findet bei den Credits zu den einzelnen Songs den Namen fast jedes Bandmitglieds. Manchmal steht da auch einfach „Anduril“: „Dann haben im Grunde alle an diesem Song gearbeitet, das lässt sich bei uns oft gar nicht so trennen“, erklärt Tim Roderwieser. Für die Harmonie innerhalb der Band haben deren Mitglieder über die Jahre die richtige Balance gefunden. Niemand muss damit Geld verdienen; wenn die CD-Verkäufe und rund zwölf Konzerte im Jahr genug Geld fürs Equipment und die nächste Konzertreise einspielen, ist das völlig okay. Und wenn, nachdem man alles wie immer selbst organisiert und gecheckt und dann zwei Stunden lang auf der Bühne gestanden hat, einer mal für den Rest des Abends die Nase voll hat und seine Ruhe haben will, dann ist das eben so.

Morgen ist auch noch ein Tag. Und doch sind es bei Anduril vor allem die Abende, die voller Magie stecken. Wenn die Zuschauer auf der Insel Pellworm, von denen einige die Band noch nie gehört und gesehen haben, begeistert applaudieren. Wenn die sieben Musiker und ihre Gäste in zwei Jahren 700 Menschen in Lindlar feiern werden. Und immer dienstags, wenn sie im Proberaum gemeinsam an ihren Songs arbeiten. So wie jetzt. ENGELBERT bleibt noch einen Moment. Lauscht dem ersten Lied. Und dem nächsten. Und dem nächsten. Und … freut sich jetzt schon auf den 6. November 2021. Auf all die Auftritte, die bis dahin sicher noch kommen. Und all die Bandgeschichten, die früher oder später zu neuen Anduril-Songs werden.

seven echt gute Kinogründe

1

Sieben Kinosäle bieten für jeden Filmfan etwas. Der kleinste hat
138 Plätze, der größte 306.

2

Dolby Atmos in zwei Sälen wird die Zuschauer akustisch aus den Sitzen heben. Der Dolby 7.1-Klang in den anderen Sälen hat es ebenso in sich. 

3

 Modernste Lasertechnik für ein gestochen scharfes hochauflösendes Bild in allen Kinos – so modern eingerichtet ist in Deutschland aktuell kaum ein zweites Kino. Getoppt wird das in zwei Sälen zusätzlich von den D-Box-
Kinosesseln, die sich passend zum
Geschehen auf der Leinwand bewegen. 

4

Es gibt Saaleingänge im Erdgeschoss und Obergeschoss. VIP-Bereiche hat das Architekturbüro Hillnhütter, das beim Bau mit dem Bauunternehmen Verfuß zusammenarbeitete,
für jeden Saal geplant. Die Beinfreiheit ist in allen Sälen gigantisch groß
und komfortabel – perfekt für lange Filmabende.

5

Erst Hollywood, dann Hunger stillen – oder umgekehrt: Das italienische Themen-
restaurant Tavola im SEVEN wird betrieben von alten Bekannten auf dem Steinmüllergelände: Messing Gastronomie ist auch für die Küche im 32Süd zuständig und wird künftig im neuen Multiplex im Kino unter anderem
Salate, Pizza und frische Pasta anbieten. 

6

In den Sälen wiederum werden nicht nur die angesagtesten aktuellen Kinohits laufen. Sie sollen auch für Vorlesungen und Weiterbildungen an die Technische Hochschule vermietet werden – und an jeden, gerne auch Unternehmer, der sie für eigene Events, zum Beispiel für Kunden, nutzen möchte.
Die nächste Innovationspräsentation oder der große Kundenempfang
im Kino? Warum nicht?

7

Zur Eröffnung dürfen sich die Kinofans direkt auf ein paar absolute Filmhighlights freuen. Von Beginn an läuft zum Beispiel der neue Spiderman-Film an, der nach den Ereignissen des Mega-Blockbusters „Avengers: Endgame“ spielt. Und im August kommen dann endlich alle Fans von Quentin Tarantino auf ihre Kosten: „Once upon a time in Hollywood“ mit Brad Pitt und Leonardo di Caprio. Oh du schöne neue Kinowelt! Und das mitten in Gummersbach. Wenn dann auch noch wie geplant das gute alte Burgtheater in ein Arthouse-Kino verwandelt wird, in dem jene kleinen, aber feinen Filme laufen, die es nicht ins SEVEN schaffen, aber gleichwohl sehenswert sind, bleiben in der oberbergischen Kinolandschaft keine Wünsche von Filmfans mehr offen.

Zeit für Alice

Sie ist drin. In ihrem Wunderland. Durch den Kaninchenbau hierhin gelangt? Oder auf anderen Wegen? Wer weiß das schon? Und: Wer muss das wissen? Viel spannender ist doch, was Alice jetzt so alles passiert. Welche bekannten Gesichter sie trifft und welche nicht. Ob sie sich verliebt? Und was die fiese Herzkönigin wohl dazu sagt? Fragen über Fragen. Es wird Antworten geben! Wenn das Musical Projekt Oberberg am 15. und 16. und dann noch einmal am 22. und 23. März in der Halle 32 „Alice – das Rockmusical“ zeigt.  

Die beiden Autoren, die das Stück geschrieben und auf Basis der Charaktere aus den Lewis-Carrol-Romanen „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ eine ganz neue Geschichte erdacht haben, werden übrigens zur Premiere in Gummersbach erwartet. 

Seit über 25 Jahren bringt das Musical-Projekt, kurz MPO, nun schon Jahr für Jahr aufwendig inszenierte und produzierte Stücke auf die Bühne. Gesungen und gespielt werden sie von Amateuren, inszeniert von Profis. Bei Alice ist es ein Trio: Joachim Kottmann als musikalischer Leiter, Theaterpädagogin Sabrina Schultheis als Regisseurin und Hannah Ludemann, die in London an der Royal Dance Academy studiert hat, als Tanzpädagogin. 

Wir brechen die Dinge auch gerne mal auf.

 

Sabrina Schultheis hat die Regie beim MPO vor einigen Jahren von Martin Kuchejda übernommen, heute Leiter der Halle 32. Sie weiß, welcher Stress und welche Anspannung ihre Darsteller in den letzten zwei Wochen vor der Premiere verspüren. „Eigentlich proben wir einmal die Woche freitags, dazu einmal monatlich samstags. Aber kurz vor der Premiere dreht sich alles nur noch ums Stück. In dem Fall um Alice.“ Denn wohl gemerkt: Die insgesamt 30 Darsteller haben alle Hauptjobs, Familie, weitere Hobbys. Aber sie lieben eben auch das Theater, die Bühne. Und dafür geben sie alles. Nadine Rosenthal zum Beispiel gibt als Herzkönigin ihr Hauptrollendebüt. „Wir wussten, dass sie das gesanglich locker hinkriegt. Wichtig war das Darstellerische. Und da hat sie sich mit so viel Eifer und Engagement reingehängt, dass sie jetzt eine super Königin ist“, sagt Sabrina Schultheis und macht damit gleichsam deutlich, wie wichtig es für die Projektleiter ist, ihre Darsteller auch immer wieder von anderen Seiten kennen zu lernen – ganz gleich, ob sie seit kurzem oder schon lange dabei sind. 

Darum veranstalten sie für die Hauptrollen in den Musicals, egal, ob es selbst entwickelte oder gekaufte Stücke sind, auch immer ein Casting. Und dann gehen die Diskussionen los: „Das ist schon auch mal ein kleines Rumgepoker zwischen uns. Es geht ja darum, wer kann was am besten, ist wie engagiert und so weiter.“ Am Ende kommt es drauf an, als Team eine tolle Show auf die Beine zu stellen und die Zuschauer zu begeistern. Sie alle in die Halle 32 zu locken, ist in Zeiten der medialen und digitalen Dauerberieselung auch herausfordernd. 

Spannend auch, welche unterschiedlichen Menschen jeweils kommen: Klassische Stücke werden eher von älteren Zuschauern besucht. Als das MPO vor einigen Jahren Nick Hornbys Roman „High Fidelity“ inszenierte, kamen dagegen deutlich jüngere. Und jetzt? Nicht nur Sabrina Schultheis ist gespannt. Auch darauf, wie die Interpretation des Stückes ankommt. „Wir brechen auch bewusst mal Dinge auf und stellen einzelne Figuren anders dar, als man es vielleicht erwarten würde“, verrät sie. Ideen wie diese kommen ihr übrigens oft schon ganz zu Beginn, beim ersten Lesen des Stückes. Dann, wenn vor ihrem Auge die Szenen entstehen.

Pop-Oratotium Luther, Das Projekt der Tausend Stimmen / Darsteller: Carlo Schneeweis, Mike Weinerowski, Ramona Even, Peter Kröner, Paula Kottmann, Hans Ullrich Conrads, Angelina Lammerich, Uwe Kall / Ensemble: Silke Benninghaus, Hans Ullrich Conrads, Natalia Fino, Kathrin Glumm, Alyssa Heinrich, Ann Kathrin Horlitz, Uwe Kall, Margitta Knabe, Paula Kottmann, Sophie Krischik, Oliver Lazaj, Eileen Merkel, Inge Pohl, Nadine Rodenbeck, Maggy Ryß, Alisha Wlodarek, Ute Wichman, Kathleen Wohjan, Kammerchor der VHS Gummersbach / Backup Vocals: Helena Knie, Silke Rädel / Luther-Rockband: Joachim Kottmann, Elo von Knorre, Manuel Marcos, Rolf Fahlenbock, Peter Even / Musical-Projekt Oberberg Regie: Sabrina Schultheis; Choreographie: Hannah Ludemann; Vocal Coach: Joachim Kottmann; Kostümbild: Carlo Schneeweis; Dance Captain: Sophie Krischik / Luther-Projekt-Symphoniker Konzertmeister: Paul Lindenauer / Projektchor „Luther“ des Kirchenkreises an der Agger Leitung: Kantor Stefan Kammerer; Chor Canticum, Kammerchor der VHS Gummersbach, Gospelchor Bergneustadt, Projektchor der FCBG, Projektchor Wipperfürth, Projektchor Dieringhausen / Musikalische Gesamtleitung: Joachim „Joschi“ Kottmann / Technik: Tonmeisterei, Oliver Nohl

Die sollen bei den Zuschauern lange im Gedächtnis bleiben. Deshalb überlässt das MPO-Team nichts dem Zufall. Die Kostüme hat einmal mehr Carlo Schneeweis entworfen, den ENGELBERT auch schon einmal porträtieren durfte. Für den guten Ton sorgt hinter der Bühne derselbe Experte, der auch dafür zuständig ist, dass eine gewisse Carolin Kebekus akustisch richtig rüberkommt. 

Und – gibt es schon Pläne fürs nächste Stück? Sabrina Schultheis wird zunächst ihr eigenes Buch inszenieren, im Juni soll Premiere sein. Mittelfristig sucht das MPO übrigens immer engagierten, künstlerisch begabten Nachwuchs, der einfach Bock auf Bühne hat. Im Musical Projekt selbst kann man ab 18 Jahren mitmachen, aber es gibt diverse Projekte in der Halle 32, die sich auch schon für Kinder und Teenager eignen. Aus gutem Grund: „Wir ziehen uns unsere Talente eben gerne selber ran.“ Und die dürfen dann später einmal mit. Ins Wunderland.

http://www.musical-projekt-oberberg.de

Tasten Träume

Es war einst ein Geschenk. Es ist eines der bedeutendsten Events für klassische Musik in Oberberg geworden. Eines, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. Ob Professor Falko Steinbach das geahnt hat, als er der Stadt Lindlar zu deren 900. Geburtstag ein Klavierfestival geschenkt hat? Und einen Meisterkurs für zehn lokale Talente? Dass daraus ein Festival werden würde, das junge Tastenvirtuosen aus der ganzen Welt für zwei Wochen in die Region lockt? Das Menschen über Kontinente hinweg verbindet, klassische Musik lebendig und kreativ feiert und den Namen Lindlar gleichsam in die ganze Welt transportiert? Und dass mehr als 15.000 Zuschauer zu den bis heute 180 Konzerten kommen würden?

All das ist gelungen. Weil hier Menschen zusammen arbeiten und zusammen wirken, die die Musik lieben. Und die auch das Klavierfestival 2018 vom 15. bis 27. Juli zu einem großartigen Kulturereignis werden lassen. Eines, das im Übrigen auch die Städte und Gemeinden der Region zusammenbringt. Denn einige der 20 für die Besucher meist kostenlosen Konzerte werden in Gummersbach, Kürten und erstmals auch Wipperfürth stattfinden. Andreas Jansen, Geschäftsführer der Lindlarer Agentur Sugarpool, die den gesamten Web- und Werbeauftritt des Festivals managt, weiß, welch harte Arbeit hinter den zwei Festival-Wochen steckt: „Ohne die vielen Ehrenamtler, die Gastfamilien, die Gemeinde und natürlich Professor Steinbach selbst ginge das alles gar nicht.“ Dieser wiederum arbeitet eigentlich als Professor für Klavier und Komposition an der University of New Mexico in Albuquerque. Er weiß, was er an dem Festival in seiner alten
Heimat hat: „Ich habe schon so viele internationale Klavierveranstaltungen und Meisterkurse kennengelernt, aber nirgendwo auf der Welt wurden wir so herzlich und offen empfangen wie in Lindlar”, schwärmt Steinbach, der die beiden Festivalwochen nicht nur zum Musizieren nutzt, sondern auch, um seine Familie zu besuchen.

Kern des Festivals sind neben den Konzerten, die Klavierkunst auf Weltniveau bieten, die Meisterkurse selbst. Für diese haben sich im Vorfeld junge Musiker in Wettbewerben qualifiziert. Zum Beispiel der 17-jährige Andreas Landstedt, der bei Steinbach in Albuquerque studiert. Und der erst elfjährige Luca Felix Rieger, der auch schon im letzten Jahr am Meisterkurs teilgenommen hat, sowie die gleichaltrige Amelie Westerkamp, die nicht nur Klavier, sondern auch Violine spielt und in den letzten vier Jahren bereits acht erste Preise bei Jugend musiziert gewonnen hat. Sie alle teilen eine Leidenschaft: „Die zur schönsten Kunst der Welt – der Musik“, wie es Professor Falko Steinbach zusammenfasst. Und sie  teilen sie auch mit den Organisatoren, den Gastfamilien, der ganzen Gemeinde. Und natürlich mit den Festivalbesuchern.

Für diese haben sich die Veranstalter des Klavierfestivals Lindlar in diesem Jahr ein ganz besonderes Schmankerl überlegt: Das Konzert in sieben Gängen am 22. Juli ab 19 Uhr. Kunst trifft Genuss, wenn im Alten Amtshaus in Lindlar ein Sieben-Gänge-Menü serviert wird, eingerahmt von insgesamt acht Klavierstücken, gespielt von sieben Pianisten. Wer das erleben möchte, kann bereits jetzt Karten für 120 Euro pro Person erwerben – und trägt damit zugleich aktiv dazu bei, die Finanzierung des Festivals zu sichern, das bei allem ehrenamtlichen Einsatz natürlich auch Kosten mit sich bringt. Denn die Erlöse aus den verkauften Eintrittskarten für das Konzertin sieben Gängen wandern in den Festival-Finanzierungstopf.

Damit Lindlar und Oberberg die einzigartigen Klavierkonzerte auch im nächsten Jahr erleben und herausragende Talente auch künftig mit den Meisterkursen gefördert werden können.