DA geht was

So, ist gut jetzt. Genug gemeckert. Genug genörgelt. Genug gejammert. Wird Zeit nach vorne zu schauen. Anzupacken. Echt mal was zu bewegen. Davon sind immer mehr Wipperfürther überzeugt. Und packten an, Ende August, beim ersten WippWerk. Mehr als 50 Menschen kamen in der Kreissparkasse am Marktplatz zusammen und entwickelten in fünf Workshop-Gruppen erste Ideen für eine Hansestadt von morgen.

Wie es dazu kam? Das ist recht schnell erzählt: Frank Rütten, selbstständiger Immobilienmakler, äußerte im Wipperfürther Wirtschaftsforum den Wunsch, einmal auf neue Weise gemeinsam nach vorne zu schauen. Gas zu geben. Zum Wohle der Stadt. Marcel Willms von der BEW sah das direkt genauso. Und beide wurden aktiv. Verwandelten ein Businessfrühstück in ein Speeddating. Begeisterten mit Frische und neuen Ideen. Auch ENGELBERT-Textchef Daniel Juhr steckten sie an.

„Was können wir gemeinsam mit anderen Menschen aus der Stadt bewegen? Wie können wir Wipperfürth weiterentwickeln, damit endlich mal niemand mehr nur über Baustellen, Strukturprobleme und was auch immer mosert?“, fragten sich die drei, die im Wirtschaftsforum schnell einen Beinamen bekamen: Junge Wilde. Was nicht direkt aufs Alter gemünzt ist, sondern vielmehr auf eine frische, positive Art und Weise. Auch mal frech sein. Ideen einfach auf den Tisch legen, anstatt zu mauern. Darum geht es Rütten, Willms und Juhr sowie einigen weiteren Kreativen, mit denen sie gemeinsam das WippWerk erfunden haben. Eine Plattform, ein Netzwerk, auf dem Wipperfürth entwickelt werden soll. „Handel, Gastronomie, Dienstleister, Unternehmen, Vereine – in dieser Stadt steckt so viel Potenzial, das müssen wir nutzen. Und zwar jetzt“, unterstreicht Frank Rütten.

Einfach mal machen – auch darum geht es im WippWerk. Die über 50 Wipperfürther Macher und Mitmacher aus allen Branchen, die sich Ende August in der Kreissparkasse trafen, erarbeiteten auf beeindruckende Weise erste Ideen,
Konzepte, Visionen. Bei kalten Getränken und Fingerfood von Edeka Offermann wurden sie gemeinsam kreativ.
Auf eine solche Resonanz hatten die „Jungen Wilden“ gehofft, damit gerechnet hatten sie nicht, als sie wenige Wochen zuvor mit einer bewusst pointiert formulierten Einladung und dem dazu passenden kurzen YouTube-Video zum ersten WippWerk eingeladen hatten. Allein das Video klickten über 600 Bürger an, die Einladungen wurden auf Facebook in diversen Gruppen geteilt. Natürlich standen auch die Skeptiker schnell auf dem Plan: „Das WippWerk – eine Eintagsfliege?“, hieß es da auch mal. Daniel Juhr stellt klar: „Kommentare wie diesen nehmen wir mit einem Augenzwinkern – und sehen sie als Herausforderung.“

Und diese soll absolut ernst genommen werden: „Uns geht es um die Stadt und um Langfristigkeit. Wir wollen für Wipperfürth in den nächsten Jahren etwas bewirken“, sagt Frank Rütten. Und das zunächst auch, ohne dass das WippWerk eine feste Form hat. Vielleicht bilden sich viele kleine Netzwerke, die gemeinsam ins Machen kommen. Vielleicht erlebt Wipperfürth demnächst mal wieder einen großartigen Stadtevent – von Bürgern für Bürger, mit Streetfoodfestival und Top-Bands. Oder eine Start-up-Szene entsteht. Oder die volldigitale Rabattkarte für den Handel kommt. Oder ein ganz neues Ladenlokal. Oder der Tourismus wird angekurbelt. In diese Richtungen gingen schon die ersten Ideen. Oder, oder … denn Möglichkeiten gibt es viele. Hauptsache, das Ja-Aber-Sagen hört auf. Und nebenbei entsteht womöglich ein ganz neuer, starker, selbstbewusster Wipperfürther Lifestyle. Gummersbach macht das ja gerade ganz gut vor rund ums Steinmüllergelände. Um viel zu erreichen, braucht es Beständigkeit: Deshalb steht auch der Termin fürs nächste WippWerk schon fest: Donnerstag, der 24. Oktober, um 19 Uhr in der Alten Drahtzieherei. Dann wird weiter kreativ am Wipperfürth von morgen gearbeitet.

www.wippwerk.de

Hier zu Haus

Herr Schmitz, lassen Sie uns ein kleines Jubiläums-Interview-Spiel spielen. Ich beginne einen Satz, Sie vollenden ihn. Also, los geht’s. Als Sie sich mit Ihrer Ehefrau vor 25 Jahren in der Immobilienbranche selbstständig gemacht haben …

… da hatte ich schon einen ziemlich abwechslungsreichen beruflichen Werdegang hinter mir. Gelernter Groß- und Einzelhandelskaufmann – aber in der Firma gefiel es mir nach der Ausbildung nicht. Dann zog es mich weiter ans Finanzamt, wo bereits meine Schwester und mein Vater tätig waren. Nach fünf Jahren merkte ich jedoch, dass ich einen Tapetenwechsel brauchte. Die nächsten 35 Jahre nur am Schreibtisch sitzen und Steuererklärungen bearbeiten war für mich keine Option. 

Ausgerechnet Ihr Engagement in der Jugendarbeit und der Kontakt zur katholischen Kirche war maßgeblich für ihre spätere Karriere, denn …

… die Kirche besaß und besitzt eine Menge an Liegenschaften: Grundstücke, Mietshäuser, Bauernhöfe und Wald.
Ich wechselte als Liegenschaftsverwalter zur Katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus und hatte 16 Jahre einen interessanten und abwechslungsreichen Job. Irgendwann fragte mich dann mein Onkel, der Immobilienmakler Wegerhoff, ob ich denn dieselben Tätigkeiten, die ich bei der Kirche erledigte, nicht auch für ihn übernehmen könne. Damals begann ein Boom und immer mehr Menschen kauften sich Eigentumswohnungen und suchten einen Verwalter.

Das eine zu beginnen, ohne das andere komplett aufzugeben, ist ein sinnvoller Weg in die Selbstständigkeit, weil …

… man erst mal noch eine sichere Basis hat. Ich arbeitete zunächst im Nebengewerbe, ließ das meinen Chef aber wissen: Fünf Jahre später, im August 2000, habe ich dann den sicheren Job gegen die „Selbstständigkeit“ getauscht. Heute haben wir fünf feste Mitarbeiter, die bereits seit vielen Jahren Bestandteil unseres erfolgreichen Teams sind. Ich hatte durch den Kirchenjob natürlich den Vorteil, dass mich viele Wipperfürther kannten. Das ist in dem Job extrem wichtig. Der gute Draht zu den Menschen.

Heute bieten wir neben dem klassischen Makeln, Verkauf und Vermietung von Immobilien, die Verwaltung von Wohnungseigentums- und Miethausobjekten an. 

Diese Mischung aus dem Verkauf und der Vermietung von Immobilien auf der einen Seite und der Immobilienverwaltung auf der anderen ist deswegen sehr flexibel und zukunftssicher, weil …

… wir aufgrund unserer langjährigen Kontakte und Erfahrung den Eigentümern ein komplettes Paket rund um die Immobilie anbieten können. Die steigende Anzahl von uns betreuter Immobilien in Wipperfürth, Lindlar und Engelskirchen ist ein klarer Beleg dafür, dass wir mit unserer Strategie auf dem richtigen Weg sind. Und: Erfolg macht erfolgreich! In der Immobilienvermarktung wurden wir in den Jahren 2013, 2014 und 2017 durch das FOCUS-Magazin zu den Deutschland-Top-1.000 Maklern bewertet. 

Selbstständigkeit in Vollzeit verläuft immer anders, als man es sich zunächst vorgestellt hat, zum Beispiel, weil …

… ich anfangs mal die Vorstellung hatte, dass ich die Kinder morgens in den Kindergarten bringe, dann in Ruhe ein paar Bahnen im Hallenbad ziehe und anschließend ins Büro fahre … ich war in diesen 25 Jahren weder morgens noch abends im Hallenbad und meist später zu Hause als geplant. Aber solch ein Unternehmen funktioniert eben nur mit Leidenschaft. Und ich freue mich immer, wenn sich unsere Kunden für diesen Einsatz in all den Jahren dann auch bedanken. Ebenfalls möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner Frau und unserem tollen Mitarbeiterteam bedanken.
Einfach klasse!

In zwei bis fünf Jahren …

… werde ich mich aus der Geschäftsführung verabschieden und die Firma Schmitz-Immobilienservice an unseren Schwiegersohn Pierre Schildberg übergeben. Ich werde mich dann mehr meinen Hobbys widmen. Reisen, Radfahren und die Umgebung mit meinem 65 Jahre alten Traktor EICHER EKL 15 unsicher machen. Und ich kümmere mich weiter um die Geschäftsführung der Forstbetriebsgemeinschaften Wipperfürth und Klüppelberg, welche ich schon über zwei Jahrzehnte ausübe. Dort bin ich Ansprechpartner und zuständig für die Waldbesitzer und stehe in engem Kontakt mit den Förstern. Derzeit mache ich mir aber Sorgen: Denn nach dem trockenen Sommer im letzten Jahr ist der Borkenkäfer sehr aktiv und schadet massiv den Fichtenbeständen. 

Nur: Ohne die Fichten, und da schließt sich der Kreis zum Thema Immobilien, bauen Sie keinen vernünftigen Dachstuhl auf ein Haus. Daher hoffe ich, dass sich die heimischen Wälder erholen werden.

www.schmitz-immobilienservice.de

Wir von hier

 

Etwas in die Wiege gelegt bekommen … das ist ja eine beliebte Redewendung. Wird gerne auch mal ein bisschen herbeigezogen. Aber bei Georg und Jochen Offermann passt sie einfach zu gut. Denn wenn man den Brüdern aus Wipperfürth-Kreuzberg lauscht, wie sie die Geschichte ihrer Familie und ihrer Laufbahn erzählen, so kann man gar nicht anders, als zu denken: Was hätten die beiden sonst machen sollen außer irgendwann ein Einzelhandelsgeschäft zu übernehmen? Denn es klingt einfach so vollkommen richtig. Die Inhaber der Edeka-Märkte in Kreuzberg und Wipperfürth-Innenstadt haben den Handel, das Verkaufen wahrhaft in die Wiege gelegt bekommen. Und sie haben das Geschäft der Eltern nicht weitergeführt, weil sie es mussten. Sondern, weil sie wollten.

„Unser Vater und Großvater waren früher Händler auf dem Wochenmarkt. Wir haben von Kindesbeinen an immer im Geschäft mitgemacht. Früh raus, am Marktstand helfen. Und in der Freizeit sind wir auf dem Rollbrett durchs Lager gesaust“, erinnert sich Georg Offermann. Der heute 42-jährige Unternehmer atmete als großer Bruder noch eher die Händlerluft ein als der fünf Jahre jüngere Jochen. Nach dem Schlussabschluss stiegen beide aber nicht direkt ins Geschäft der Eltern ein, das anfangs aus einem Einraumladen am Kreuzberg bestand. Georg ging nach seiner Ausbildung zu einem großen Einzelhändler nach Köln, Jochen zu einem Baumarkt in Lindlar. „Hörner abstoßen“, wie die beiden heute sagen. Jochen hatte sich zuvor auch im Garten-Landschaftsbau versucht. „Für drei Tage“, sagt er und lächelt. War jetzt nicht sooo sein Ding. Der Einzelhandel dagegen schon.

 

 

Wie wertvoll die Zeit in Lindlar und Köln für die Brüder jeweils war, zeigte sich später, als sie im Januar 2013 den Familienbetrieb übernahmen, der inzwischen zur Edeka-Gruppe gehörte: Stück für Stück wuchs das Geschäft am Kreuzberg, Jochen Offermann konnte seine Erfahrungen, die er zuvor als stellvertretender Marktleiter und Chefdisponent im Baumarkt gesammelt hatte, ebenso gut einsetzen wie sein Bruder jene aus Köln. Praktisch auch: Beide wohnen nur 50 beziehungsweise 300 Meter vom Geschäft entfernt. So weit so schön. Und dann beschließt der Betreiber des großen Edeka-Marktes in der Wipperfürther Innenstadt, hinzuschmeißen. Ja, und jetzt?

„Dann werden zuerst die Betreiber des nächstgelegenen Edeka gefragt, ob sie Interesse an einer Übernahme hätten. Das waren wir. Also kam dann irgendwann im ersten Quartal 2016 jemand von Edeka auf uns zu“, erzählt Georg Offermann. Diesem Jemand hört man dann zu und setzt sich danach erst mal hin. Und überlegt: Hui, wir sind ja erst drei Jahre selber hier am Start. Führen eine 90-jährige Familientradition fort. Klappt soweit prima. Und jetzt gleich einen zweiten Laden? Einen so großen? Mitten in der Stadt und natürlich dort nicht ohne Wettbewerb? Und dann das Gerede in Wipperfürth: Haste gehört, das mit dem Edeka? Meinste, die Offermanns machen das? Da entsteht Druck. „Bis wir alles durchdacht, alle Zahlen und Fakten zusammengetragen hatten, das hat alles in allem ein halbes Jahr gedauert. Wir haben uns in der ganzen Zeit selbst einen Maulkorb verpasst, trotzdem war das ziemlich unentspannt. Die Führung durch die Räume in der City haben wir nachts gemacht, damit uns bloß keiner sieht“, erzählt Georg Offermann.
In dieser Zeit war eines für die beiden Brüder besonders wertvoll – sie verstehen sich einfach sehr gut. „Wir haben ein absolutes Grundverständnis füreinander. Ich wüsste nicht, dass wir mal etwas innerhalb eines Tages nicht hätten klären können“, sagt Jochen Offermann.

Auch diesen großen Schritt gingen die beiden gemeinsam. Und mit derselben Philosophie, mit der sie auch ihren ersten Markt in Kreuzberg betreiben: Zuhause in Wipperfürth. Mit bester Qualität, am besten von hier. „Wir haben schon ein Kirchturmdenken, was die Regionalität angeht. Wenn ich von regionalen Produkten spreche, dann meine ich welche aus Oberberg und nicht aus dem Raum Siegen“, stellt Georg Offermann klar. Eier vom Hof Hedfeld an der Grenze zu Kreuzberg, Fleisch von der bäuerlichen Fleischverarbeitung Vossebrechen und viele weitere Produkte, die vor der Haustür hergestellt werden, finden die Kunden bei Edeka Offermann.

 

Klar war für die Brüder auch, sämtliche Mitarbeiter ihres Vorgängers zu übernehmen. Nicht nur das: Sie haben auch viele weitere eingestellt, in beiden Märkten sind inzwischen 90 Menschen tätig, darunter zahlreiche Azubis.

„Besonders wichtig ist uns auch die Unterstützung durch unsere Frauen“, betonen Jochen und Georg Offermann. „Denn sie tragen alle unternehmerischen Entscheidungen mit.“ Damit prägen sie gleichsam den Familienbetrieb. Gerade das macht das Unternehmen aus – die Persönlichkeit der Menschen. Die Brüder sind jeden Tag selber in den beiden Märkten präsent. Sie teilen sich dort die Verantwortung, haben aber auch bereits Führungsteams aufgebaut, um sich selbst mehr um Strategie und Marktentwicklung kümmern zu können. „Zwei Märkte bedeutet mehr Verantwortung und Gedanken, die man sich machen muss. Wir haben jetzt ein großes Schiff. Anfangs war viel Nebel, aber der löst sich immer mehr auf“, beschreibt es Georg Offermann. Das Schöne am Markt in der Innenstadt: Diesen haben die beiden Brüder ganz nach ihren Wünschen gestaltet, im oberbergischen Grün, mit der Wipperfürther Skyline als Blickfang in der Obst- und Gemüseabteilung. Jetzt geht es darum, die Technik hinter den Kulissen weiterzuentwickeln, unter anderem mit elektronischen Etiketten.

Und immer auch darum, die Augen und Ohren beim Kunden zu haben. Auf Wünsche, Ideen, Anregungen zu reagieren. Und das Thema Lebensmittel noch transparenter zu machen. Zum Beispiel, indem künftig auch mal Kundenfahrten zum Fleischlieferanten angeboten werden. Das ist noch Zukunftsmusik. Dafür ist Weihnachten für die Offermanns zum Teil schon Vergangenheit: Wenngleich der Heiligabend noch in weiter Ferne liegt, haben sie bereits Mitte Juni das gesamte weihnachtliche Schokoladensortiment bestellt. Klingt verrückt, aber auch das gehört dazu, wenn man erfolgreich Einzelhandel betreiben will. Das werden Jochen und Georg Offermann sicher noch viele Jahre tun. Wer weiß, wo sie ihr erfolgreiches Schiff noch hinsteuern. Darum, dass die Kunden auch weiterhin mitfahren, müssen sie sich jedenfalls keine Sorgen machen.

 

Schöner reiten

Die wunderschöne schwarze Stute in Australien trägt es. Der tiefbraune edle Hengst in Japan trägt es. Und auch der sensible Wallach in München, der gleich zum nächsten Wettkampf in der Dressur antritt. Aber nicht irgendeins. Das Leder naturgegerbt und von Hand vernäht. Und die bunten Kristalle von Swarovski in Österreich.
Ein Pferdestirnband von Otto Schumacher in Marienheide, das ist ein Lifestyleprodukt für Pferde auf der ganzen Welt. Eines, das Funktion und Look so perfekt kombiniert wie nur wenige andere. Das Gleiche gilt für die Trensen und die Sättel, die an der Schmiedestraße ebenfalls in Handarbeit hergestellt werden.

In einer Manufaktur, in der das Andersdenken, Andersmachen und Anderspräsentieren seit Jahren gelebt wird. In der ein Ja-aber-Sagen praktisch nicht vorkommt. Weil das Machen zählt. Das war schon im Jahr 1953 so, als Otto Schumacher, gelernter Sattler, in Lindlar über Land fuhr und auf den Höfen die Geschirre der Pferde reparierte. Die waren damals reine Arbeitstiere, es ging um die Funktion, und Ende. Und Ende? Von wegen. Für Schumacher erst der Anfang. Denn Stück für Stück wuchs in den Folgejahren der Reitsport, der Unternehmer wurde vom Instandhalter zum Produzenten der ersten Trensen, dem Zaumzeug für Pferde. Einzigartig in Oberberg. Und wer stand natürlich auf dem Plan? Die Skeptiker. „Anfangs wurde mein Vater belächelt“, erzählt seine Tochter Ulrike Schumacher-Rinker, die das Unternehmen heute mit ihrem Mann Thomas Rinker führt.

Otto Schumacher ließ sich nicht beirren. Er führte viele Gespräche mit etablierten Reitern, entwickelte neben den Trensen die ersten Sättel – immer mit dem Ziel, diese für den Reiter und das Pferd so komfortabel und bequem wie nur möglich zu gestalten. Die perfekte Verbindung zwischen Mensch und Tier herzustellen. Und neben der Funktion auch kostbare Produkte zu erschaffen, die einfach schön aussehen. Eine Philosophie, die seine Tochter und ihr Mann heute fortführen. Zum Beispiel bei den Stirnbändern. Ein Kopfschmuck fürs Tier, ganz gleich, ob für den Freizeit- oder den Turnierreiter. Und was schmückt besonders schön? Glitzernde Steinchen.

„Als Mitte der Neunziger der Swarovski-Vertreter zu uns kam, haben wir erst einmal sechs, sieben verschiedene Steinchen geordert. Wieder haben Mitbewerber uns belächelt. Von wegen: Jetzt setzen die da auch noch Steinchen ein“, erinnert sich Ulrike Schumacher-Rinker. Heute werden jedes Jahr zwei neue Kollektionen bei den Kristallexperten in Österreich geordert, die verschiedenen Designs und Zusammenstellungen der Steine, die schier unendlich viele Möglichkeiten bieten, gestalten die kreativen Marienheider selbst. „Was meinen Sie, wie oft wir zu Hause sitzen und wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten ausknöstern? Wir brennen einfach dafür“, unterstreicht Thomas Rinker. Und immer dann, wenn Skeptiker aus der Branche kommen und sagen: Ach, die von Schumacher wieder mit ihren verrückten Ideen, ist das erst recht ein Ansporn.

Diese absolute Leidenschaft wird belohnt: Sättel, Trensen und Stirnbänder sind in aller Welt beliebt, und auch wenn inzwischen andere Hersteller nachgezogen haben – die Manufaktur Schumacher war die erste, die sich traute. Auch Kristallsteine in Nationalfarben werden inzwischen von den Kunden geordert, zum Beispiel für Turnierpferde. Online können sich Reitfans weltweit Stirnbänder und Trensen gestalten, bestellt wird dann aber über den Händler vor Ort – denn die Sattlerei Otto Schumacher liefert ausschließlich an Fachhändler, nicht an Endkunden.

Und sie hat sich das Denken und Arbeiten einer Manufaktur bewahrt, was ganz wesentlich für den Erfolg ist. Eingekauft wird ausschließlich feinstes, pflanzlich gegerbtes Leder von ausgesuchten Höfen. Mal weicher, mal fester gegerbt, nach Verwendungszweck. Metallbeschläge, Schnallen, Garne, alles, was Schumacher an Material einkauft, ist Made in Germany, meist sogar in NRW. Die herausragende Qualität des Materials
ist das A und O.

Und die Herstellungsweise. Jeder Sattel wird, basierend auf einer Vielzahl von zuvor gefertigten Formteilen, in zig Arbeitsschritten und komplett von Hand hergestellt. Von Sattlern, die die Otto Schumacher GmbH zum großen Teil selber ausgebildet und dann übernommen hat. Von Näherinnen, die zum Teil an der Schmiedestraße, zum Teil in Heimarbeit und damit sehr familienfreundlich arbeiten. Von echten Experten also, die mit größter Akribie zu Werke gehen. Denn jeder der Sättel, die nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden (und der Pferde!) hergestellt werden, ist ein Einzelstück. Ebenso wie Stirnbänder oder Trensen. Produkte, die ewig halten sollen. Die längst viele Fans haben. Nicht nur Reiterinnen und Reiter, denn inzwischen fertigt Schumacher auch Hosengürtel sowie Hundeleinen und -halsbänder.

Diese Produktvielfalt können die Fachhändler seit Anfang des Jahres auch im neuen Showroom bewundern. Mindestens genauso beeindruckend aber ist ein Gang durch die Manufaktur selbst.
Dort, wo die Steine und Applikationen einzeln eingenäht werden. Wo jede Schlaufe und Schnalle von Hand gefertigt wird. Von Menschen, die Fans ihrer eigenen Produkte sind. Weil sie nie gesagt haben: Ja, aber … Sondern: Jetzt erst recht! Das machen wir.
Denn so hat das noch keiner gemacht.

Die Genuss Zelebrierer

Stefan Kalischke und Whisky?
Das war vor gut drei Jahren in etwa so undenkbar wie ein Wipperfürther Sommer ohne Regen. Bis ihm seine Frau zu Weihnachten ein Whisky-Tasting schenkte. Er zögerte zuerst: „Ich kannte bis dahin nur Jägermeister und fragte: Was soll ich damit?“ Er löste den Gutschein dann trotzdem ein, in der Saxo-Bar in Remscheid. Und war sofort begeistert. Also ab zum zweiten Tasting. Kumpel Denis Schmitz mitgenommen, dessen Whisky-Weisheit bis dato bei Jack Daniel‘s aufhörte, und gemeinsam einen ziemlich coolen Abend verbracht. So, Ende der Geschichte? Nee, der Anfang! Denn die beiden Wipperfürther waren total geflasht allein schon vom Duft der unterschiedlichen Sorten.

„Ich war angefixt“, erinnert sich Stefan Kalischke. Drei Jahre und viele weitere Probiersorten dauerte es, bis für ihn feststand: So, das machen wir jetzt selber, das mit den Tastings. „Ich hab bei Denis geklingelt und gesagt: Wir beide machen uns selbstständig. Mit Whisky.“ Aber nicht irgendwie und irgendwo. Die Idee: Wir bieten die Tastings bei unseren Kunden vor Ort an. Für 40 Mitarbeiter eines Unternehmens, 20 Gäste eines Restaurants oder auch nur sechs bis zehn Kumpels in deren Wohnzimmer. Klar war von Anfang an auch: „Wir wollen keinen Whisky verkaufen, sondern großartige Eventabende veranstalten.“ Gesagt, Gewerbe angemeldet, ein paar Auflagen des Gesundheitsamtes erfüllt, ein gutes Portfolio an Whiskys zugelegt (aktuell rund hundert Flaschen aus aller Welt) und losgelegt – Whisky at home war geboren.

Wer andere von Whiskys begeistern und ihnen obendrein noch Wissenswertes erzählen will, muss sich bei Herstellern, Marken und Sorten natürlich ziemlich gut auskennen. „Ich sag immer, man muss sich die Erfahrung ansaufen“, sagt Stefan Kalischke und schmunzelt. Wobei es beim Whisky nicht ums Saufen geht, sondern um den Genuss.

Der beginnt nicht im Mund, sondern in der Nase. Denn Whisky erschnuppert man erst, ehe man ihn erschmeckt, wie die beiden uns bei einem ihrer Tastings erklären. Also die Nase tief ins spezielle, oben spitz zulaufende Nosing-Glas stecken, dann tief einatmen. Und den Duft von altem Holz, Vanille und Würze genießen. Oder von Zitrone, Dörrobst und Feigen. Oder von Leder, Honig und Tee. Denn diese und ungezählte weitere Nuancen kann man beim Single Malt Whisky, den die beiden verkosten, erschnuppern und später auch schmecken. Das Nosing Wheel, das die Grundaromen in Kategorien fasst, unterscheidet die sechs Hauptgruppen Frucht, Holz, Feinty, Torf, Floral und Wein. So, genug Fachsimpelei. Was es damit genau auf sich hat, können Stefan Kalischke und Denis Schmitz Ihnen ja beim nächsten Tasting erklären.

Das machen die beiden Unternehmer, die mit Whisky at home den Zeitgeist getroffen haben und mindestens alle zwei Wochen eines ihrer Tastings veranstalten, auf eine wunderbar lockere Art. Sie erklären, was es bedeutet, wenn ein Whisky mindestens drei Jahre im Fass reift, um überhaupt als „Single Malt“ zu gelten. Welche Einflüsse für den Geschmack entscheidend sind, von der Meeresluft bis zur Art des Holzes. Wie der Whisky überhaupt destilliert wird, und warum es nicht nur in Schottland, sondern auch in Skandinavien und Japan großartige Destillerien gibt. Und, dass nicht immer die teuerste Flasche (die kann locker mal dreistellig kosten) auch die beste ist.

Ihre Tastings veranstalten Stefan Kalischke und Denis Schmitz immer zu zweit. Sie spielen sich die Bälle zu, nehmen sich selbst auf die Schippe, bauen die Abende dramaturgisch gekonnt auf. Es werden immer sechs Sorten verköstigt, und nur jene, die beiden auch schmecken. Sie starten meist mit leichteren Sorten. Je länger der Abend dauert, desto intensiver befassen sich die Gäste mit den Whiskys, diskutieren, fachsimpeln, haben einfach eine gute Zeit.

Warum das Ganze außerdem so gut funktioniert? Weil Denis Schmitz und Stefan Kalischke selber Whisky-Fans sind. Sie fahren mit Freunden und Kunden zur Whisky-Messe, reisen im Sommer wochenlang durch Schottland, entdecken ständig neue tolle Sorten. Dabei geht es den Wipperfürthern immer um eines: „Den Genuss. Es gibt genug auf der Welt, das nicht so lustig ist. Wir verbringen mit den Leuten einfach einen tollen, genussvollen Abend.“ Davon wird es noch einige geben, denn die beiden Wipperfürther haben noch viele Ideen. Die neueste: Ein reines Rum-Tasting!