Jetzt geht’s aber los!

shopping

Im Wipperfürther Einzelhandel bricht eine neue Ära an:
Die WippCard, die neue aufladbare Gutscheinkarte, ist da. Sie soll die Kaufkraft in der Hansestadt deutlich erhöhen. Knapp 40 Händler, Gastronomen und Dienstleister sowie engagierte Sponsoren und Arbeitgeber sind von Anfang an dabei. Perfekt geeignet ist die Card als Geschenk – auch zu Weihnachten.

Vor Ort einkaufen und Genuss und Dienstleistung neu erleben. Bei Händlern, Dienstleistern und Gastronomen in Wipperfürth. Im Lebensmittel- oder Schreibwarengeschäft. Im Mode- oder Buchladen. Beim Bäcker oder Metzger. Im Café oder Restaurant.

Ganz einfach und bargeldlos. Das alles geht mit der WippCard – der neuen
aufladbaren Gutscheinkarte für die Hansestadt. Die ist jetzt zu haben.

Damit ist sie das perfekte Geschenk, denn sie funktioniert im Scheckkartenformat wie Bargeld und kann in den Verkaufsshops in der Stadt variabel aufgeladen werden. In der neutralen oder weihnachtlich gestalteten Kartenhülle legt die schneeweiße Karte mit dem Schriftzug in Petrol obendrein einen schicken Auftritt hin.
Und sie eignet sich sehr gut für lokale Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden anstelle der Weihnachtsfeier einen attraktiven Gutschein schenken möchten. Was einige große Firmen bereits zum Start der WippCard machen und größere Mengen für Weihnachten geordert haben. Nicht nur das: Auch nach dem Arbeitgebermodell ist die Gutscheinkarte sehr attraktiv, denn bis zu 44 Euro können monatlich als geldwerter Vorteil pro Mitarbeitendem aufgeladen werden. Das alles ergibt in der Summe schon zum Start eine große Kaufkraft in fünfstelliger Summe für
Wipperfürth, um den Einzelhandel nachhaltig zu stärken. Denn die WippCard,
so das Prinzip, kann ausschließlich in den teilnehmenden Partnershops in der Hansestadt eingelöst werden. Kaufkraft lokal binden, ehe sie ins Internet abwandert. Das Angebot vor Ort stärken und dazu beitragen, dass es noch vielfältiger wird – auch darum geht es. Zum Start sind bereits knapp 40 Geschäfte mit an Bord der WippCard.


Absolut leichtes Handling

Für die Händler wie für die Kartenbesitzer ist die WippCard auch deshalb ein absoluter Gewinn, weil das Handling sehr smart ist. Per PC-Kasse oder Handy-App werden die Karten über einen QR-Code aufgeladen und das Guthaben eingelöst.

Betrieben wird die neue Gutscheinkarte von der eigens gegründeten WippCard GmbH. Die beiden Geschäftsführer und Gesellschafter Frank Rütten und Daniel Juhr sowie die Gesellschafter Jochen Offermann und Simon Lorscheid sind dafür ins persönliche Risiko gegangen und arbeiten ehrenamtlich. Wenn die GmbH einen Gewinn erzielt, soll dieser gespendet werden, für konkrete Projekte vor Ort.
Die komplette Software zur Verwaltung der Karte stammt vom erfahrenen Anbieter Stadtguthaben.de, der deutschlandweit bereits mit knapp fünfzig Städten und Gemeinden erfolgreich Gutscheinkarten an den Start gebracht hat. 

Dank an starke Sponsoren

„Unser besonderer Dank gilt unseren bislang drei Hauptsponsoren BEW, Jokey und der WEG in Wipperfürth, die uns mit ihrer Unterstützung helfen, die WippCard auch langfristig zu etablieren“, unterstreichen Frank Rütten und Daniel Juhr. Die Sponsorenlogos sind unter anderem auf der Rückseite der Gutscheinkarte sowie auch auf Postern und Aufklebern gedruckt. 


Diese werden ebenso wie das von Beginn an regelmäßig erscheinende WippCard-Extrablatt an die teilnehmenden Partnershops verteilt – sodass jeder Karteninhaber schon beim Blick aufs Schaufenster des Geschäfts erkennen kann, ob die WippCard dort gekauft und/oder eingelöst werden kann. Und im
Extrablatt immer aktuelle Infos zu Aktionen rund um die WippCard bekommt.

Ihren Ursprung hat die WippCard übrigens im WippWerk, das Rütten und Juhr gemeinsam mit Marcel Wilms im Sommer 2019 ins Leben riefen und zu dem sich über 50 Mitmacher, vor allem von Wipperführter Unternehmen, trafen, um Ideen für die Stadt zu entwickeln. Coronabedingt konnten bereits geplante Projekte wie die Wirtschaftsmesse WippMade sowie das neue Stadtfest noch nicht stattfinden. Umso glücklicher sind die WippCard-Betreiber, dass es mit der Gutscheinkarte in 2020 geklappt hat.

Die Macher hoffen nun darauf, dass die WippCard die Bürger wie auch die Einzelhändler und Unternehmen in Wipperfürth gleichermaßen begeistert. Frank Rütten und Daniel Juhr arbeiten bereits an Werbeaktionen für das Jahr 2021:  „Wir wollen in unserer Stadt, die wir lieben und in der wir leben, nachhaltig etwas bewegen. Mit der WippCard sind wir auf dem besten Wege.“ 

Das Kartenguthaben

Wer die WippCard verschenken möchte, kann sie in einem der aktuell 14 Verkaufsshops (siehe nächste Seite) mit einem Betrag von 5 bis 200 Euro aufladen lassen und sie zum Beispiel verschenken. Der Beschenkte kann dann mit der Karte, die wie Bargeld funktioniert, in Wipperfürth einkaufen und genießen.

Zum Beispiel so: Erst ein gutes Frühstück in einem teilnehmenden Gastro-Betrieb, danach ein Buch oder Schuhe kaufen, später noch Lebensmittel – und jedes Mal kann mit der WippCard bezahlt werden, so lange genügend Guthaben drauf ist. Dieses wird im Shop über den QR-Code auf der Karte einfach abgebucht. Ist es aufgebraucht, kann man
sie in einem der Einlöseshops abgeben. Oder sie in einem der Verkaufsshops wieder aufladen lassen. 

Die Webseite http://www.wippcard.de

Auf http://www.wippcard.de kann man sich jederzeit das aktuelle Guthaben auf der Karte ansehen, indem man die Kartennummer und den PIN eingibt. Und: Dort werden auch alle teilnehmenden Partnershops, Arbeitgeber sowie die Sponsoren und Unterstützer mit Fotos, Logo und kurzen Infos vorgestellt. 

Der Webshop
Die Internetseite der WippCard bietet noch mehr: Eine praktischen Webshop für Online-Gutscheine. Auch sie können variabel aufgeladen werden und enthalten einen QR-Code. Der wird als pdf-
Datei heruntergeladen und ausgedruckt oder auf dem Smartphone gespeichert und kann genau so wie die Card in den teilnehmenden Partnershops eingelöst werden. Ideal für Kurzentschlossene, nicht nur zu Weihnachten.

Anne für alle

porträt

Anne Loth ist Wipperfürths erste Bürgermeisterin. Sie bringt mehr mit als Führungserfahrung und eine Karriere in der freien Wirtschaft. Denn sie ist sie selbst geblieben. Und sie hat sich die Hansestadt bewusst ausgesucht. Dort hat sie viel vor.

Ding Dong. Wieder einmal. Und Anne Loth hat keine Ahnung, wer gleich öffnet. Aber genau darum geht es ja in diesem so anderen Sommer 2020. Einfach klingeln. Die Ratspolitiker von SPD und CDU, die ihre Bürgermeisterkandidatin bei ihren Hausbesuchen abwechselnd begleiten, kennen das mit dem Ding Dong schon – und so wird gerade das Ungewisse zum Reizvollen. Denn hinter jeder Tür lebt ein Bürger dieser Stadt. Ein Mensch, für den sich Anne Loth einsetzen will und wird. Deshalb lautet die Botschaft, wenn die Tür sich öffnet, auch nicht: Guten Tag, bitte wählen Sie uns. Sondern: Guten Tag, wir möchten uns bei Ihnen bewerben. Das kommt an. Auch bei einem Hundertdreijährigen und seiner kaum jüngeren Frau, der ihr am liebsten gleich seine ganze Wohnung zeigen möchte.



Es sind Begegnungen wie diese, die der 48-Jährigen jetzt, da sie keine Kandidatin mehr ist, sondern Wipperfürths erste Bürgermeisterin, noch am stärksten in Erinnerung sind am Ende eines nicht gerade ereignisarmen Jahres. Weil sie direkt mit den Menschen sprechen konnte. Hautnah erlebte, wie sie wohnen und leben. In der Innenstadt. In den Kirchdörfern. Und dass daraus eines der wichtigsten Themen ihrer ersten Amtszeit werden dürfte: Wohnraum schaffen. Für alle.
Für Familien. Und eben auch für jene Senioren, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Aber natürlich braucht eine Stadt noch so vieles mehr, um jetzt und auch in Zukunft lebens- und liebenswert zu sein. Klimaschutz, Bildung, Infrastruktur, Digitalisierung, Ansiedlung von Unternehmen, Tourismus, Einzelhandel – alles wichtig, alles elementar, keine Frage. Anne Loth, die sich Wipperfürth zum Leben und Arbeiten bewusst ausgesucht hat, die den Stolz und die Liebenswürdigkeit der Menschen im Oberbergischen Kreis und insbesondere in der Hansestadt schätzt, stellt noch einige andere Fragen vorne an: „Wo wollen wir eigentlich insgesamt hin mit dieser Stadt? Können wir überall alles umsetzen? Oder müssen wir uns nicht auf bestimmte Dinge fokussieren? Und welche sollten das sein?“ Auch darum wird es gehen. Und dafür wird Anne Loth alles geben. Mit einem guten Team und klarer Kommunikation.

So, wie sie es immer schon gemacht hat. In der freien Wirtschaft, wo sie unter anderem in Frankfurt am Main tätig war. Und zuletzt als Geschäftsführerin der Ökumenischen Initiative in Wipperfürth. Schnell ist sie. Im Denken. Im Handeln. „Ich muss dann immer zusehen, dass ich nicht zu schnell werde. Dass ich die anderen mitnehme“, gibt sie zu. Das ist gar nicht so einfach, wenn einem das eigene Tempo überhaupt nicht schnell vorkommt, weil man es gewohnt ist.
Und auch volle Termintage wie ihre ersten im Amt als Bürgermeisterin nicht als anstrengend oder gar belastend, sondern als bereichernd und herausfordernd empfindet.

Anne Loth liebt die Arbeit, denn sie ist damit aufgewachsen. „Ich komme aus der Landwirtschaft, bin auf einem großen Bauernhof aufgewachsen damals im Emsland. Da gab es immer etwas zu tun, von morgens bis abends, es gab eigentlich nie ein Ende der Arbeit“, erzählt sie. Und das hat sie auch nie gestört. Als Mutter von vier Kindern hat sie neben ihrem Job auch deren Alltag und den Haushalt gemanagt, unter anderem in einer Zeit, als ihr Mann beruflich oft im Ausland unterwegs war. Hat geklappt – und jetzt hält er ihr den Rücken frei.
Denn Bürgermeisterin ist man entweder ganz oder gar nicht, das ist Anne Loth klar. Den gesamten Wahlkampf hat sie neben ihrem Job bei der Ökumenischen Initiative gestemmt und sich immer wieder auf neue Mitbewerber eingestellt. Erst der Amtsinhaber Michael von Rekowski, der dann schon im Frühjahr beschloss, den Job zu wechseln, wegen der Pandemie doch bis zum Herbst blieb, und später die Gegenkandidaten Stefan Liedholz und Frank-Michael Müller. Und natürlich die Pandemie, die so vieles veränderte. Anne Loth nahm es, wie es kam. Mit all ihrer Erfahrung in Management und Menschenführung.
Sie weiß: Sie kann das. Deshalb hat sie auch damals nicht allzu lange gezögert, als man sie fragte, ob sie sich einen solchen Job denn vorstellen könne.
Den Familienrat einberufen, sich auf die eigenen Stärken besonnen und beschlossen: Ja, ich mache das. Und ich weiß auch, wie: „Ich möchte gerne das Scharnier sein zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern. Und gerade die Bürger so gut in die Gestaltung dieser Stadt einbeziehen, wie es nur geht. Wir als Verwaltung sind hierbei der Dienstleister.“

Wie das gehen kann, haben schon die ersten Bürgersprechstunden gezeigt: Kommunikation, Kommunikation und noch einmal Kommunikation. Die Sprache der Menschen sprechen. Ihre Sorgen ernst nehmen. Mit den Unternehmern auf Augenhöhe im Kontakt bleiben. Diese schätzt Anne Loth übrigens sehr: „Ich bin absolut beeindruckt, welch großartige Firmen wir hier haben, die zum Teil weltweit eine Rolle spielen und deren Inhaber absolut bodenständig und heimatverbunden sind. Und von denen einige auch die oft so schwierige Nachfolge schon geregelt haben.“ Mit ihnen und den Bürgern, die in so vielen Vereinen und Institutionen engagiert sind, will Anne Loth Zukunft gestalten. Dafür langt es nicht, nur auf eine Amtszeit zu blicken, das weiß die 48-Jährige. Dafür braucht es einen Masterplan über zehn oder zwanzig Jahre. Klar, einen Plan gibt es, Gemeindeentwicklungskonzept lautet das Wort-Ungetüm dazu. Auch der Umbau des Busbahnhofs am Surgères-Platz taucht darin natürlich auf.

Konzepte erwachen zum Leben durch mutige Visionen. Durch clevere Ideen. Durch notwendige Kompromisse. Durch Mut zur Entscheidung. Und durch eine gemeinsame Geschichte, an der so viele Menschen wie möglich mitschreiben dürfen. Damit sie zu einem Erfolg wird.

Anne Loths Geschichte als Bürgermeisterin hat gerade erst begonnen. Sie muss die Menschen, mit denen sie arbeitet, erst noch alle kennen lernen und dann zusammenbringen. Sie wird sicher hier und da Strukturen verändern. Und sie will die Bürger mit ihrer wertschätzenden, authentischen und positiven Art anstecken. Um eine Stadt, die mehr als 800 Jahre alt ist, fit zu machen für die Zukunft.

Die Heimat Finderin

im Gespräch

Petra Nadolny ist im Oberbergischen zu Hause. Und auf der Bühne. Und vor der Kamera. Und als Autorin. In so vielen Rollen und voller Leidenschaft. Sie bringt zum Lachen. Sie regt zum Nachdenken an. Und sie denkt bewegend an ein besonderes Jahr zurück. Das ihr trotz allem viel gegeben hat.

Ein einzelner Drehtag für eine Seriengastrolle. Oder ein halbjähriges Engagement am Theater. Ein kurzer Auftritt in einer Satireshow. Oder zweimonatige Dreharbeiten für einen Kinofilm. Immer wieder neu, immer wieder anders, immer neue Menschen. Für Petra
Nadolny ist es immer auch Heimat.

„Ich kann mich auf diese Projekte ganz und gar einlassen, mein Herz öffnen. Für einen Tag oder eine lange Zeit. Und ich kann auch loslassen, das habe ich gelernt in all den Jahren, das war ein Prozess. Und der ist wichtig, sonst würde man kaputtgehen. Ich weiß von Beginn an: Mit diesen Menschen, mit den Kollegen, den Regisseuren, arbeitest du jetzt für eine bestimmte Zeit. Das wird eine intensive Zusammenarbeit, gemeinsam geben wir alles für unser Ziel, ganz intensiv. Da durchströmt uns
die Kreativität. Aber immer ist da eine Endgültigkeit.Am Ende musst du die Menschen und das Projekt
loslassen. Weil ein neues beginnt. Damit umgehen können, das hat was mit Demut zu tun.“

Das Jahr 2020 ist bereits in den November gezogen, als die Schauspielerin, die schon in so viele Rollen geschlüpft ist, die 34 Jahre lang ihr eigenes Theater geführt und mehrere Bücher geschrieben hat, davon erzählt, wie es ist, Künstlerin zu sein. Und darin eine Heimat zu finden. Und gleichsam davon berichtet, was dieses so andere Jahr mit ihr gemacht hat. Wie soll man kreativ sein und bleiben, wenn einem die gesamte Jahresplanung um die Ohren fliegt? Wenn Dreharbeiten abgesagt und Theater geschlossen werden? Wenn niemand in der Branche wirklich weiß, wie es weitergehen soll, weil der Schockzustand aus dem Frühjahr einfach andauert?

„Man rast in eine Angst rein und fragt sich: Erinnert sich danach noch jemand an dich? Ich denke an die Premieren von zwei Kinofilmen, in denen ich mitgespielt habe, großartige Filme, die ich nicht besuchen konnte, weil der Lockdown kam. Dann die Theaterschließungen, dabei sind das doch keine Superspreader-Orte  … das ist schon alles in allem ein bedrückendes Jahr.“

Das sagt die Frau, die nicht nur durch ihre Rollen in den Kultparodie-Sendungen „Switch“ und „Switch Reloaded“ einem Millionenpublikum bekannt wurde – mehr als einhundert Charaktere hat sie hier in mehr als zehn Jahren verkörpert, unter anderem auf grandiose Weise die Literaturkritikerin Elke Heidenreich. Und die aktuell auch in der Satiresendung Extra3 zu sehen ist, weil ihr das komödiantische Talent einfach im Blut liegt. Aber selbst bei Extra3 waren die Dreharbeiten zwischenzeitlich wegen der Pandemie unterbrochen.
Was also tun? Umdenken. Sich besinnen. Auf die Heimat, ihr Lebensthema, seit sie noch vor der Wende aus der DDR ausgereist ist, weil sie mit der dortigen Ideologie nichts mehr zu tun haben wollte. So lernte sie in diesem Sommer ihre oberbergische Wahlheimat noch einmal ganz neu kennen. Noch mehr lieben. Mit ihrer Schönheit und auch ihrem Schrecken.
„Ich war so oft draußen. Habe viele
Obstbäume und Sträucher in unserem Garten gepflanzt, habe wie so viele Menschen das Wandern neu entdeckt, andere, ungewöhnliche Wanderwege kennengelernt, bin Kajak gefahren, und habe die Region dadurch noch mehr lieben gelernt. Was haben wir hier für eine traumhafte Umgebung, da geht einem doch das Herz auf. Und was haben wir gleichsam angerichtet, wenn man sich den Kahlschlag in den Wäldern anschaut. Da kommt der Klimawandel sehr nah. Deshalb habe ich beschlossen, mich noch stärker zu engagieren, Spenden zu sammeln, damit zum Beispiel andere, neue Baumarten in der Region angepflanzt werden können. Ich finde es total wichtig, direkt vor Ort etwas zu machen, was zu bewegen.“ 

Und Petra Nadolny, die nicht nur Schauspielerin, sondern auch Diplom-Journalistin ist, hat in den vergangenen Monaten auch wieder zum Schreiben
gefunden und neue Geschichten zu Papier gebracht. Auch darin spielt
Heimat eine Rolle. Heimat als Ort, an dem man lebt, als Beruf, den man liebt, als Mensch, mit dem man arbeitet. Immer geht es darum, Wurzeln zu schlagen, die bleiben werden, egal, was kommt. So wie beim Theater 1+1, das Petra Nadolny 34 Jahre lang gemeinsam mit ihrem Kollegen Wolfgang Fiebig
betrieben hat. Mit Leib und Seele.

„Wir haben alle unsere Stücke selber geschrieben, inszeniert und gespielt.
Wir haben alles selbst vermarktet. Es war einfach unser Theater.“

Es bot die komplette künstlerische Freiheit und war zugleich ein Gegenpol zur oft schnelllebigen und unkalkulierbaren Fernsehbranche. Ihr Theater im Jahr 2019 nach mehr als drei Jahrzehnten aufgeben zu müssen, weil sich Wolfgang Fiebig beruflich nach Leipzig orientierte, das war hart. Eine Heimat, die jetzt Erinnerung ist, und an die Petra Nadolny oft und gerne zurückdenkt. Aber sie blickt auch voraus, und das bei aller Nachdenklichkeit mit großer Freude und mit Optimismus. Denn mit sechzig Jahren, da geht sie einfach weiter. Weil Alter höchstens eine Nebenrolle spielt.

„Ja, die Sechzig … ich habe da gar keinen richtigen Bezug zu. Für manche Menschen mag dieses Alter sicher eine Rolle spielen. Man selbst glaubt das ja auch nicht. Man guckt in den Spiegel und denkt: Häh? Ich fühle mich frisch und gesund, bin noch fit in der Birne und fühle mich in nichts eingeschränkt. Ich weiß nicht einmal, ob ich mich als 25-Jährige besser gefühlt habe als
heute. Zumal ich ja all das, was ich mache und was ich liebe, so lange machen kann, wie es mir gut geht. Und genau das will ich, denn dafür ist dieser Beruf zu schön.“

Dieser Beruf, der sie im nächsten Jahr auch wieder auf die Theaterbühne führen wird – als Tatortreinigerin nach Vorlage der Kultserie mit Bjarne Mädel. Nur eben mit einer weiblichen Reinigungskraft in der Hauptrolle, die an den Tatorten von Verbrechen sauber macht und dort auf skurrile Charaktere trifft. Tragik trifft Komik – das ist genau ihr Ding.

Und auch ein Filmprojekt steht an, wie Petra Nadolny schon verrät. Ein WDR-Film, in dem es um eine Bäckerfamilie gehen wird, die wegen des immer noch stattfindenden Braunkohletagebaus ihr Dorf verlassen muss. Da ist es wieder, das Heimatthema, und nicht nur deshalb freut sich Petra Nadolny schon auf die Dreharbeiten zu dem Film, der in und um Aachen spielen soll. Sondern auch, weil es wieder etwas Neues ist. Weil sie wieder mit Kolleginnen und Kollegen spielen darf, die den Beruf genauso lieben wie sie. Deshalb sagt sie auch jedem jungen Menschen, der vielleicht ausgerechnet jetzt, in dieser seltsamen Zeit, überlegt, eine Karriere als Schauspielerin oder Schauspieler zu starten, Folgendes:

„Mach dein Ding. Das kann ich ganz uneingeschränkt sagen. Ja, mach dein Ding, wenn die Energie da ist, wenn du dafür brennst. Denn man kann jeden Tag eine andere Entscheidung treffen. Und jedes neue Projekt bleibt immer
eine Mutprobe.“ 

Hey, hier ist Siri

event

Von Bergneustadt über Deutschlands Theaterbühnen ins ZDF – und dann nach Netflix: Gut, dass sich Siri Nase nach dem Abi für die Schauspielerei entschieden hat.

Das ENGELBERT-Telefon klingelt. Ich gehe ran, melde mich. Und breche zwei Sekunden später in Spontangelächter aus. Denn dazwischen liegt dieser Satz: „Hey Daniel, hier ist Siri!“ Moment, das kenne ich, nur umgekehrt: „Hey Siri, spiel doch mal …!“ Und so weiter. Nun heißt die charmante Bergneustädterin am anderen Ende der Leitung nicht nur wirklich so wie die berühmte Spracherkennungssoftware, sondern sie trägt auch noch eine Nase als Nachnamen. Ohne Witz. Und natürlich ist diese Kombi der Eisbrecher schlechthin. Wir unterhalten uns keine fünf Minuten und haben uns schon dreimal kaputtgelacht. Das kann ja was werden.

Wird es auch, denn die Begrüßung ist kein bisschen aufgesetzt: Siri Nase ist so. Lustig, spontan, schlagfertig, positiv. Auch in besonderen Zeiten, die für sie als Schauspielerin durchaus herausfordernd sind. Drehs wurden unterbrochen und dann im Herbst unter anderen Bedingungen fortgesetzt, wie der für die ZDF-Serie „Der Staatsanwalt“. Und Theater hatten und haben noch immer geschlossen.

Für die 34-Jährige, die in den letzten Jahren unter anderem in der ZDF-Serie Soko Köln und dem Netflix-Erfolg „How to sell your drugs online (fast)“ zu sehen war, hat mit dem ersten Lockdown eine Zeit des Neudenkens, des Andersmachens begonnen. Sie absolviert gerade eine MBSR-Ausbildung zur Achtsamkeitslehrerin, achtet noch stärker auf die Gesundheit, auf gutes Essen, will anderen Menschen etwas von ihrem positiven Denken und ihrer mentalen Stärke abgeben. Dieses Denken, das hatte sie schon als Kind. Ist man Schauspielerin oder wird man es? Siri Nase scheint es schon immer zu sein: „Meine Mutter erzählt heute noch, dass ich als kleines Mädchen so verträumt und ständig in Rollenspielen vertieft war. Und da musste alles bis ins kleinste Detail passen.“ Mit sieben stand Siri Nase, die in Engelskirchen geboren wurde und in Bergneustadt aufwuchs, dort schon auf der Bühne des Losemund-Theaters.

Okay, mit sieben Jahren denkt man noch nicht daran, dass aus der Leidenschaft mal ein Beruf werden könnte. Siri Nase blieb zwar bei der Schauspielerei, hatte aber als Tochter eines Kinderarztes nach dem Abi ein ganz anderes Berufsziel: „Ich wollte Hebamme werden, habe auch einige Praktika gemacht, war sogar an der Uni-Klinik.“ Dann kam die Gretchenfrage: Und, wie hast du‘s mit der Schauspielerei? Zumal du in der Schauspielschule „Der Keller“ in Köln sogar eine Chance auf eine fundierte Ausbildung hättest? Siri Nase sagte Ja zur Kunst und Nein zur Hebamme. Und: Sie hat sehr tolerante Eltern, die ihr, obwohl ihr Vater ja selber Arzt ist, alle Türen offen hielten: „Meine Mutter hat immer gesagt: Die Welt ist so groß, dir bieten sich so viele Möglichkeiten. Mach das jetzt erst mal und dann schaust du weiter.“

Siri Nase machte einfach und musste erst mal gar nicht groß schauen, weil sich eins nach dem anderen ergab. Sie habe viel Glück gehabt, sinniert sie bescheiden. Na ja, eine gewaltige Portion Können dürfte auch dabei gewesen sein, wenn man nach dem Abschluss der Schauspielschule – inklusive eines Besuchs der Royal Academy of Dramatic Art in London – nicht nur direkt eine Agentur findet. Sondern nacheinander in Köln, Salzburg und Berlin auf den großen Bühnen spielt, weil man von den jeweiligen Regisseuren immer wieder engagiert wird. Und kurz danach vor der Kamera steht. Die selbst gewählte Fallhöhe, abends auf der Bühne vor Publikum oder vor dem gesamten Filmteam bei Dreharbeiten auf den Punkt abliefern zu müssen – Siri Nase liebt es, zumal sie Kreativität nach wie vor einfach zulassen kann, ohne sie zu erzwingen.

Wenngleich der Konkurrenzdruck um gute Rollen nicht klein ist in der Branche, hat sie sich eine gewisse Leichtigkeit bewahrt: „Ich halte gar nichts davon, die Ellenbogen auszufahren. Und ich wäre auch nicht stolz auf eine Rolle, die man mir nur gegeben hätte, weil ich mich da durchgeboxt habe.“

Die gebürtige Engelskirchenerin, die heute in Köln und Berlin lebt, überzeugt lieber mit dem, was sie kann. Und damit ist sie bislang gut gefahren, auf der Bühne wie im Fernsehen. Zu wissen, dass man jetzt für Jahre in seiner Rolle in einer Streaming-Serie zu sehen sein wird, was macht das eigentlich mit einem? „Ich habe mich daran gewöhnt, es ist eben eine Rolle. Und diese Rolle ist der Beruf. Aber das musste ich auch erst mal lernen“, erzählt Siri Nase, die gerne im Hier und Jetzt denkt und lebt. Sie weiß: Morgen kann die Traumrolle kommen. Oder erst in einem halben Jahr. Das geht ihr so. Und den meisten Kollegen.

Was ein Lebensmodell angeht, so hat sie aber eine klare Vorstellung – und die passt ganz gut zu ihrer Kindheit auf dem Land: „Viel Natur, am besten mit großem Garten. Barfuß im Gras stehen.“ Und dann Kreativität zu- und laufen lassen. Ideen entwickeln. Und natürlich an neuen Rollen arbeiten, zum Beispiel, weil gerade ein Regisseur wegen eines spannenden Projektes angerufen hat: „Hey Siri, spiel doch mal …“ Und dann spielt sie.

Schutz auf kreative Art

kooperationen

Das Karin Glasmacher-Modelabel aus Engelskirchen und Wiehl stattet die Bielsteiner Erzquell-Brauerei mit individuell gestalteten Mund-Nasen-Masken aus – eine oberbergische Zusammenarbeit, von denen es noch viel mehr geben müsste.

Foto: C.Rothe

Was hat ein Damenmodehersteller aus Wiehl und Engelskirchen mit einer Brauerei in Bielstein zu tun? Bei dieser Frage hätte man vor Monaten noch die Schultern gezuckt. Hm … nix? Oh doch. Spezielle Zeiten erfordern ungewöhnliche Kooperationen. So wie diese: Karin Glasmacher, einzigartig in der Region mit hochwertiger und zeitloser Damenmode, hat schon zu Beginn des Lockdowns im März umgeplant. „Mode ist unsere Leidenschaft, aber ungewöhnliche Zeiten erfordern Flexibilität und Einsatz. Wir haben das Know-how, wir haben die Maschinen, was lag da näher, als Alltagsmasken anzufertigen“, erklärt Geschäftsführer Georg Konrad. So kreativ wie beim Entwerfen und Herstellen der Damenmode ist er auch bei den Masken. Die gibt es in den verschiedensten Farben und Looks als kölsche Edition mit Sprüchen in rheinischer Mundart oder aber auch im Corporate Design mit Logo-Aufdruck für Unternehmen. Stichwort Brauerei: Die Mitarbeiter von Erzquell in Wiehl, insbesondere im Außendienst und in der Logistik, brauchen ständig Masken. Zuerst haben sie die selbst genäht. Jetzt haben sie neue von Konrad – inklusive des Slogans „Heimat ist für uns Zusammenhalt“ – und dieser meint die Unternehmen untereinander als auch die Verbraucher vor Ort. Christian Teipel Werbung und Werbetechnik aus Engelskirchen hat den Druck ermöglicht.

Christina Rothe (Unternehmenskommunikation bei Erzquell) und Georg Konrad sehen in der Kooperation von regionalen Unternehmen eine Chance für nachhaltigen Erfolg. Erzquell hat seinen Gastronomiepartnern unter anderem Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, welches im Bergischen hergestellt wurde. Es gelte, Zeichen zu setzen: „Hier gibt es so viele hervorragende Firmen und Manufakturen“, unterstreicht Konrad. „Gemeinsam können wir eine neue oberbergische Qualitätsmarke erschaffen. Mit Produkten und Leistungen, die hier in der Region entstehen – und die die Menschen vor Ort kaufen und wertschätzen.“ So wie Mode und Masken von hier. So wie das Bier von hier.

Neustart

immobilien

Pierre Schildberg ist seit Anfang des Jahres Inhaber von Schmitz Immobilienservice in Wipperfürth. Ein Gespräch über Verlässlichkeit, Markenaufbau und digitales Arbeiten in besonderen Zeiten

Beruflicher Neustart. In Zeiten wie diesen. Da sagt sicher nicht jeder: Jo, mach ich! Pierre Schildberg hat Ja gesagt. Seit Anfang des Jahres ist er der Inhaber von Schmitz Immobilienservice in Wipperfürth. Und was seit vielen Jahren geplant war, haben er und sein Schwiegervater und bisheriger Geschäftsführer Berthold Schmitz durchgezogen: Den Generationenwechsel. Was nicht heißt, dass Berthold Schmitz mit knapp sechzig in den Ruhestand geht. Beide haben sich die Projekte, die sie betreuen, aufgeteilt. Berthold Schmitz ist nach wie vor im Büro und steht immer mit Rat und Tat zur Seite. Das Know How aus 25 Jahren Erfahrung möchte der neue Inhaber auch nicht missen und ist froh, darauf noch einige Jahre bauen zu können. Der Firmenname wird selbstverständlich bleiben, wie der gebürtige Berliner Pierre Schildberg unterstreicht: „Ich selbst bin jetzt zehn Jahre hier, habe an dieser Marke mitgebaut. Klar, dass der Name bleibt. Und auch unser Standort in der Wipperfürther Innenstadt. Der ist optimal.“ Was macht die Marke Schmitz aus? Pierre Schildberg zögert keine Sekunde: „Dass wir vor Ort sind, dass wir verlässlich, verbindlich und transparent arbeiten. Wir verwalten insgesamt 1600 Wohneinheiten und haben bei unseren Kunden wie auch den Institutionen den Ruf: Was von Schmitz bearbeitet wird, daran gibt es nichts zu meckern. Und das soll so bleiben.“ Dafür sorgt inzwischen ein zehnköpfiges Team. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren die eigene Auszubildende übernommen, eine weitere Mitarbeiterin eingestellt und somit nach den guten Jahren in der Immobilienwirtschaft nachhaltig ins eigene Unternehmen investiert – in Fachkräfte. 

Das hat sich in den letzten Monaten ausgezahlt, als bereits fest vereinbarte Eigentümerversammlungen abgesagt und zum Teil digital veranstaltet werden mussten. Und als die Arbeit im Homeoffice ausgebaut und für alle Mitarbeiter ermöglicht wurde, sowie diverse Abrechnungen viel eher gemacht wurden als sonst, weil auch die Kunden plötzlich mehr Zeit hatten sich damit zu befassen.  „Dass wir zum 31. Mai schon 98 Prozent unserer Wohnungseigentümer-Gemeinschaften abgerechnet haben, gab es glaube ich noch nie“, sagt Schildberg mit Stolz auf sein Team. Schnelle, digitale Prozesse wie eine Online-Kassenprüfung und die Videomeetings halfen dabei. 

Apropos digital: Ob sich Tools wie virtuelle Hausführungen für potenzielle Käufer in den kommenden Jahren durchsetzen werden? Als Ergänzung ja, aber Pierre Schildberg stellt klar: „Ein Haus oder eine Wohnung kaufen Sie nicht am Rechner. Das ist eine Gefühlsentscheidung, bestenfalls eine für Jahre, und dafür müssen sie das echte Objekt sehen und erleben.“ Um die Kunden dabei zu beraten, und, so sie denn Wohnung oder Haus als Kapitalanlage sehen, diese zu verwalten, ist Pierre Schildberg mit seinem Team da. Jetzt und in Zukunft: „Ich arbeite gerne und es war immer mein Ziel, dieses Familienunternehmen in die zweite Generation zu führen.“

Es geht weiter

kultur

134 Veranstaltungen haben Martin Kuchejda und sein Team
von der Halle 32 in Gummersbach abgesagt. Haben Reparaturarbeiten in und an der Halle vorgezogen. Jetzt beginnen wieder Veranstaltungen. Anders als zuvor. Mit mehr Auflagen. Mit weniger Zuschauern. Und großen Herausforderungen.

Herr Kuchejda, was hat Ihr Job als Leiter der Halle 32 und der Ihres Teams im Moment mit einer Punkband zu tun?

Dass wir beim Machen lernen. In den frühen Punkbands haben die Gitarristen im Grunde erst auf der Bühne das eigentliche Spielen gelernt. Wir müssen nun bei den ersten Veranstaltungen, die wir nach den Monaten, in denen wir schließen mussten, wieder anbieten werden, auch lernen. Und das obwohl wir uns natürlich seit Wochen die Köpfe über das „Wie“ zerbrechen, bis sie rauchen. Wie Helmut Schmidt einst sagte: Du kommst leicht rein, aber schwer wieder raus.

Wie kommt die Halle 32 denn wieder raus, um im Bild zu bleiben?

Wir werden am 28. Juni unsere Musical-Eigenproduktion Kuno Knallfrosch nachholen, die vom April verschoben wurde. Dann geht es im Herbst weiter. Alles unter Einhaltung der strengen Hygienevorschriften und Abstandsregelungen. Das bedeutet bei Theaterstücken und Konzerten zum Beispiel, dass wir von insgesamt 323 Sitzplätzen nur 107 besetzen dürfen. Und das ist noch viel; ich kenne Theater, die dürfen von 500 Plätzen nur 50 nutzen. Da ist es natürlich praktisch unmöglich, eine Veranstaltung unter wirtschaftlich akzeptablen Bedingungen anzubieten.

Sie setzen das Programm zum Glück trotzdem fort. Schwierig dürfte das bei größeren Konzerten und allem werden, was mit Rockmusik zu tun hat, oder?

Wir könnten jetzt aufklebbare Punkte kaufen und als Markierungen auf den Boden setzen. Aber mal ehrlich: Ein Rockkonzert lebt vom Schreien, Schwitzen, Springen. Wie das auf Dauer gehen soll, weiß ich momentan auch nicht. Anderes Beispiel: Wir hätten im Herbst die Bayer-Philharmoniker da gehabt, mit 150 Sängern. Die kann ich aber nicht vor den erlaubten gut hundert Leuten auftreten lassen. Das haben wir gleich mal um zwei Jahre verschoben. Wir müssen, gerade was Konzerte betrifft, auch über digitale Veranstaltungsalternativen nachdenken.

Wie können die aussehen? Stichwort Digitalisierung.

Ich glaube, dass die Halle 32 durch die Krise einen Digitalisierungsschub erlebt. Wir haben eine neue Website, arbeiten intensiv an unserem YouTube-Kanal, denken über Aufzeichnungen und Live-Streaming nach. Ich denke, dass es künftig beide Formen für Kulturdarbietungen nebeneinander geben kann. Die Veranstaltungen bei uns vor Ort und eben die Online-Angebote – auch für Menschen, die einfach noch Angst haben zu den Veranstaltungen zu gehen.

Blicken wir kurz zurück. Als der Lockdown kam, war schnell klar, dass die Halle 32 für viele Wochen komplett schließen wird. Wie haben Sie und Ihr Team die Zeit verbracht?

Wir haben es seinerzeit kommen sehen, nichtsdestotrotz hat es uns mit voller Wucht getroffen. Um es klar zu sagen: Uns ist nichts aufgedrückt worden, wir haben in enger Abstimmung mit dem Gummersbacher Bürgermeister, der sich als hervorragender Krisenmanager gezeigt hat, beschlossen, dass wir komplett zu machen. Alles andere wäre inkonsequent gewesen. Wir haben mit dem Team seither durchgearbeitet, keine Kurzarbeit oder so. Denn: 134 Veranstaltungen, die letztlich von der Schließung betroffen waren, sagen sich nicht von selbst ab. Da muss jeweils öffentlich drüber informiert werden, es braucht Aufhebungsverträge und so weiter. Und wir haben die Zeit für aufwändige Renovierungs- und Umbauarbeiten an und in der Halle genutzt, die eigentlich für den Sommer vorgesehen waren. Unsere Leute haben mehr gearbeitet als sonst, nur eben nicht abends. 

Bald werden sie wieder regelmäßiger abends zum Einsatz kommen …

… ja, und ich hoffe, dass wir bei allen Vorschriften hier eine schöne Atmosphäre erschaffen, sodass die Gäste gerne zu den Veranstaltungen kommen. Letztlich wird uns das Thema nach meinem Dafürhalten noch über Jahre begleiten. Und ich hoffe, dass die Menschen die entsprechenden Schutzmaßnahmen so sehen wie zum Beispiel früher die Gurt- oder Helmpflicht: Am Anfang will das erst mal keiner, aber dann sehen die Leute ein, dass sie dadurch sicherer sind. Ich persönlich bin übrigens der Ansicht, dass der Lockdown absolut erforderlich war. Und dass wir in Deutschland auch deswegen so vergleichsweise geringe Fallzahlen haben.

Immer auf dem Weg

Wir sind auf dem Weg. Blicken von der Anhöhe auf die Stadt. Marschieren über einen schmalen Forstweg. Erreichen die Neyetalsperre. Laufen einfach weiter. Und reden. Zwei Stunden vergehen, ohne dass ich es gemerkt hätte. Weil Stefan Höne so ein großartiger Erzähler ist.

Er erzählt davon, wie er, fest etabliert
und gut bezahlt, mit Anfang vierzig als Ingenieur eines Wipperfürther Unternehmens, dachte: Nein, das ist es nicht. Da ist noch mehr.

Davon, wie er im Jahr 2013, als auch privat einiges im Umbruch war, einfach losging, auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Wie er
eine Route mit über 1200 Kilometern und über sieben Wochen wählte.

Davon, wie er zwischenzeitlich am liebsten gar nicht ankommen wollte.
Sondern immer weiter wandern.

Davon, wie er genau das später machte. Weiter wandern. Auch und vor allem durch Deutschland, vom Bergischen bis in die Eifel zum Beispiel. 

Und wie er, an einem regnerischen Abend in einem abgelegenen Waldstück, plötzlich dachte: Ich könnte Pilgercoaching anbieten. Anderen Menschen beim Pilgern, beim Wandern, helfen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. 

Davon, wie er schließlich selbst genau diesen neuen Weg einschlug. Von dem er heute lebt.

 

Er hat auf dem Jakobsweg gelernt, dass der scheinbare Anlass, sich auf einen Weg zu machen, oft nicht der wahre ist. „Das ist das Spannende: Du glaubst, ein klares Thema mitzunehmen, aber oft steckt da noch ein ganz anderes hinter. Auf dem Jakobsweg habe ich mich erst mal mit dem freiwilligen Alleinsein auseinandergesetzt. Und wie ich damit klarkomme. Nach ein paar Wochen merkte ich: Mit mir allein unterwegs zu sein, das ist die tollste Begegnung, die ich überhaupt jemals gemacht habe. Und da war ich wieder offen für andere Menschen, die dort pilgerten, und mich mit ihnen auszutauschen. Die Gespräche mit ihnen, das Gehen an sich, das einen ja per se aktiviert, dazu die Natur – all diese Dinge kamen zusammen.“

Und für Stefan Höne war klar: Ich werde einen neuen Lebensweg gehen. Erfahrungen mit Change Management und Projektberatung hatte er bei seinem früheren Arbeitgeber schon gesammelt, war dafür immer offen. Umso mehr Spaß hatte er auch später, als er sich parallel zu seinem Hauptjob als DGSF-zertifizierter Berater zum Supervisor, Coach und OE-Berater fortbildete – und dabei viel über sich selbst lernte. Über seine neue Lebensaufgabe. Und darüber, zu ihr zu stehen: „Erzählst du jemandem, du bist Maschinenbauer, hast BLW studiert und bist gut in Informatik, nicken sie. Erzählst du: Ich bin Pilgercoach und 

Berater, ziehen sie die Stirn kraus.“ Stefan Höne hat seinen Stiefel durchgezogen. Er hat seinen Ingenieursjob gekündigt und bietet die systemische Beratung, Supervision sowie das Pilgercoaching heute hauptberuflich an. Die Menschen mitnehmen, auf einem Weg durchs wunderschöne Bergische Land, und einen ganzen Tag mit ihnen zu arbeiten, diese Idee kam ihm im Jahr 2017. „Auf dem Rückweg von einer Australienreise erzählte ich meiner Sitznachbarin im Flieger davon. Zwei Jahre später rief sie mich an und sagte: Stefan, ich möchte bei dir einen Tag lang das Pilgercoaching buchen. Das war die Initialzündung.“ Heute buchen ihn Teams, zum Beispiel Abteilungen in Firmen oder die Leitung einer Kita, Unternehmer sowie Privatpersonen, die an einem bestimmten Punkt im Leben sind, wo sie eine neue Richtung brauchen. 

Und das war auch insbesondere in den letzten Monaten für viele Menschen, die Ängste, Sorgen und Unsicherheit plagten, eine große Hilfe. Stefan Höne setzt sich stets schon vor der Beratung mit den Klienten auseinander, schickt ihnen Fragen, will wissen, welche Problemstellung sie haben und wo sie am Ende des Tages, des Weges, der Gespräche gerne stehen möchten. 

Welche Rolle spielt bei all dem eigentlich der Glaube? Stefan Höne überlegt kurz. Und gibt eine klare Antwort: „Wer spüren möchte, dass um ihn herum noch etwas anderes ist als Mensch und Natur, der muss erst einmal sich selbst spüren lernen. Ich bin bekennender Christ, ich habe eine gute Verbindung zu Gott. Wenn meine Klienten die auch haben und ihr Glaube in ihrem Alltag hilfreich ist, baue ich ihn gerne mit ein. Wenn nicht, dann nicht. Denn ich finde es ganz fürchterlich, angepredigt zu werden.“

Eine große Rolle spielt in Hönes Arbeit das Bergische Land mit seiner Natur. Bei kernigen Themen wandert er mit seinen Klienten auch mal durch einen Steinbruch, bei leichteren durch einen Sinneswald. Und oft am Wasser, das er in all seinen Formen liebt, sei es ein Bach, der immer einzigartig klingt, oder eine Talsperre. Die Natur als Spiegelbild des Menschen und seiner Herausforderungen. Apropos Herausforderung: Dieser stellt sich Stefan Höne, was das Wandern und Pilgern angeht, nach wie vor auch privat sehr gerne. Er ist den Jesus Trail in Israel gelaufen und den Northwest Trail in England. Dabei plant er so wenig wie möglich im Voraus, sondern geht einfach los. Er weiß: Dem Gehenden schiebt sich der Weg von selbst unter die Füße. 

Den das Gute ist so Nah

Des Wanderns Lust ist, dass man die Zwecklosigkeit genießt.“ Lieh Tse (chinesischer Philosoph).

Und der Blick öffnet sich. Erfasst die Weite. Das Licht. Sonne flutet den Moment, lässt Wiesen, Weiden, Wälder leuchten. Der riesenhafte Baum hinter uns, bedeckt von einem schneeweißen Blütenmeer. Allmählich beruhigt sich der Puls. Was für ein Anstieg auf die grüne Anhöhe über Engelskirchen. „Und jetzt? Wo geht es weiter?“, habe ich meinen Sohn eben noch gefragt, als wir im Tal in einer Sackgasse gelandet waren. Kurzes Umschauen. „Da lang.“ Er hat das gelbe Wanderschild und den schmalen Pfad schnell erblickt. Nur wie steil er sich den Berg hinaufschlängeln würde, das konnte keiner von uns ahnen. Steiler wird es nicht mehr werden auf diesen 36 Kilometern von Ründeroth bis Kürten-Biesfeld. Die Etappen eins und zwei des Bergischen Panoramasteigs, wir haben sie zusammengefasst. Wir werden eine alte Dampflok entdecken, die auf ewig in einem alten Bahnhof geparkt ist, der heute als Wohnhaus genutzt wird. Wir werden durch idyllische Hofschafen und über schier endlose Höhenzüge marschieren und auf die Städte und Gemeinden blicken. Wir werden an einem herrlich liebevoll gestalteten, privaten Wanderparkplatz Rast machen. Wir werden kurz vorm Ziel, nachdem wir fast acht Liter getrunken haben an diesem Sonnentag und jeden Muskel spüren, durch einen magischen Buchenwald wandern. All das erleben wir hier, im Bergischen Land.

Diese neue Zeit hat uns vieles genommen und gleichsam vieles geschenkt, vor allem: Zeit. Wir nutzen sie. Haben die Hunderunden morgens verdoppelt, haben neue Orte und Wege direkt vor der Haustür entdeckt. So wie diesen, den Bergischen Panoramasteig. 244 Kilometer, eine Fernwander-Route durch die Region. Sie beginnt und endet offiziell in Engelskirchen-Ründeroth, direkt an der Agger. Also starten wir da auch, irgendwann im April. Aber weil ich das Schild falsch lese, wandern wir nicht die knapp 17 Kilometer lange erste Etappe Richtung Freilichtmuseum Lindlar, sondern die zwölfte – in umgekehrter Richtung. „Ja, dann werden es wohl 21 Kilometer“, höre ich mich sagen, und meine Frau, die in den nächsten Wochen dankenswerterweise die Chauffeuse spielt und uns zu den einzelnen Wegpunkten des Steiges bringt und wieder abholt, muss nachher eben nach Nümbrecht fahren.

Von Radevormwald nach Wipperfürth, von dort nach Marienheide, später bis Bergneustadt. Mal sind es 20 Kilometer, mal 30, und einmal auch mehr, als wir die besagte Etappe eins nachholen und mit der zweiten verbinden. Und immer wieder stellen wir fest, wie atemberaubend schön unsere Heimat ist. Zumal uns der Frühling ein traumhaftes Wanderwetter schenkt. Heimat neu entdecken – Jens Eichner, Geschäftsführer der Das Bergische gGmbH, die zuständig ist für das Bergische Wanderland, glaubt, dass das gerade jetzt viele Menschen bewegt. 

Deswegen wächst auch das Erlebniswegenetz. Neben dem Bergischen
Panoramasteig beschreibt die Webseite
http://www.bergisches-wanderland.de sehr detailliert den Bergischen Weg, der von Essen bis Königswinter führt. Und die 25 Themenwanderwege, die Bergischen Streifzüge. Der neueste wird der Höhlenweg in Engelskirchen sein, der direkt an der Aggertalhöhle und in der Nähe des kürzlich entdeckten riesigen neuen Höhlennetzes entlang führt. Dort lässt sich zum Beispiel ein Bach entdecken, der in der Erde verschwindet und nach anderthalb Kilometern wieder auftaucht. Auch einige dieser Streifzüge mit ihren vielen Infotafeln rund um Kultur und Natur werden wir in den nächsten Monaten entdecken, zum Beispiel den wunderschönen Kräuterweg bei Neunkirchen-Seelscheid.

Es braucht nicht viel, um beim Wandern glücklich zu werden. Gute Schuhe und Wandersocken, genug zu trinken, ein paar Snacks, ein angenehmes Grundtempo. Wir sind generell recht zügig unterwegs, schaffen im Schnitt knapp fünf Kilometer die Stunde, lieben es, gerade am Berg das Tempo zu halten oder gar anzuziehen. „Jetzt kommt die Bergwertung“, sagt einer von uns bei jedem zweiten Anstieg, und wenn wir nach ein paar hundert Metern bergauf unseren Puls spüren, der Atem schneller wird und wir die Wasserflasche ansetzen, fühlt sich das unfassbar gut an. 

Wandern, das ist Aktivsein und gleichsam entspannen. Es ist unterwegs sein, ohne ankommen zu wollen. Es ist, insbesondere in NRW und im Bergischen Land, aber auch innehalten. Denn immer wieder, auf jeder Etappe, stapfen wir durch riesige Baumfriedhöfe, die zum Teil ganze Wegabschnitte unter sich begraben. Wir erschrecken uns beim Anblick der sterbenden, rindelosen Fichten, die als braun-graue Mahnmale nackt in den leuchtend blauen Himmel ragen. Die Trockenheit. Die Stürme. Die massenhafte Verbreitung des Borkenkäfers. Doch, und das tröstet, inmitten von Totholz erwacht hellgrünes, neues Leben. Kleine Tannen, manche beim nachhaltigen Aufforsten gesetzt, andere scheinbar zufällig entstanden, und junge Buchen wachsen heran.

Der Blick verliert sich mitunter in all dieser Vielfalt aus Flora und Fauna. Da, eine Ringelnatter. Und dort, eine Blindschleiche. Ein Fuchs macht im Zwielicht des nahenden Abends Jagd auf Mäuse. Ein Hase hoppelt frühmorgens durchs Gebüsch. Aber Obacht: Wo war nochmal unser gelbes Wegeschild?
Es ist unser Begleiter über all die Kilometer, und manchmal lässt es uns auch im Stich. Wenn bei Forstarbeiten genau der Baum gefällt wurde, der an einem Abzweig das Schild trug. Das erleben wir einige Male und verlaufen uns um ein paar Kilometer. Da kommt auch mal Frust auf, aber wir lernen: Es gehört dazu, dass man sich mal verläuft.

Für die Beschilderung setzt das Team vom Bergischen Wanderland übrigens ehrenamtliche Wegepaten ein, die regelmäßig auf den Etappen unterwegs sind. Und die machen ihren Job insgesamt wirklich gut. Eine Regel: Rund 50 Meter nach einer Abbiegung hängt ein „Bestätigungsschild“ nach dem Motto: Ja, du bist richtig. Weil aber zur Zeit an so vielen Stellen sterbende Bäume gefällt werden müssen, kann auch schon mal ein Schild fehlen. Wem das auffällt, der kann mit der praktischen App des Bergischen Wanderlandes Wegedetektiv spielen und die entsprechende Position online melden.

Was außerdem fehlt, sind mehr Unterkünfte. Klar, es gibt sie, auch entlang des Steigs, aber wir finden: Gerade für Touristen geht da noch mehr. Nicht nur Hotels oder Pensionen. Trekkingplätze zum Beispiel wie in der Eifel und im Hunsrück. Komplett naturnah gestaltet für Menschen, die legal dort zelten möchten und dafür, buchbar über eine Onlineplattform, auch gerne zehn Euro die Nacht zahlen. War in der Region sogar geplant, wie Jens Eichner erzählt. Wurde aber sowohl vom Rheinisch-Bergischen als auch vom Oberbergischen Kreis erstmal abgelehnt. Schade, nichts verstanden. 

Zum Glück sind einige Hoteliers und Gastronomen da mehr auf Zack. Sie bieten Wanderpauschalen an, transportieren auf Wunsch das Gepäck, leben Gastfreundschaft und Freundlichkeit.
Die erleben wir auch, wenn wir durch Hofschaften wandern oder andere
Wanderer treffen. Die auch entdecken, wie wertvoll ein neues Weniger sein kann. Schuhe an und los. Direkt vor der Haustür. Hier bei uns.

Sie machen einfach. Und es wird grandios.

musik

Superthousand aus Gummersbach fangen das Leben in ihren Songs ein. Mit ihrem neuen Album mehr denn je. Ist das
Psychedelic Rock? Alternative? Progressive? Independent? 

Ist egal. Denn Großartigkeit braucht keine Kategorie.

 

Foto: Ingo Winkelströter

Wow, das klingt wie … nein. Weg damit. Furchtbar, immer dieses Vergleichsdenken. Man hat schon so vieles gehört. Also noch mal: Es klingt gut. Melancholisch. Kraftvoll. Ernst. Ja, es rockt. Aber nicht brachial. Ein bisschen psychedelisch? Ja, durchaus. Aber nicht verschwurbelt. Nicht gewollt intellektuell. Es erfordert ein aufmerksames Lauschen. Ein mehrmaliges. Kein Wunder bei Songlängen von im Schnitt sechs und gerne auch mal elf Minuten, vielen Tempowechseln und recht komplexen Melodien. Keine Musik zum Rückwärtseinparken. Eine Musik, um das Licht zu dimmen, die Boxen aufzudrehen, die Augen zu schließen. 

Und sich klar zu machen: Verdammt noch mal, wir haben in Oberberg sau-
gute Bands. So wie Superthousand aus Gummersbach. Sie waren zu viert, jetzt sind sie zu dritt, aber sie klingen wie zehn. Sänger und Gitarrist Dominik Mertens schafft es, so viel Gefühl und Leidenschaft in seine raue, bewegende Stimme zu legen, dass er den Hörer schon bei der ersten Zeile von „World on Wire“ packt, dem Opener des neuen Albums mit dem etwas kryptischen Titel #trnsit. Ja, das Weglassen von Vokalen ist im Trend, ansonsten entziehen sich Superthousand aber jeglichen Kategorien. Das Trio, zu dem mit Drummer Markus Missbrandt sowie Lars Dreier, Bassist, Keyboarder und Gitarrist nicht nur kreative Songschreiber, sondern gleichzeitig auch begnadete Soundtüftler gehören, hat die wunderbare Freiheit von Menschen, die keinen fragen müssen. Sondern einfach machen. „Ich habe ein so zugepacktes Leben. Das hier, diese Montagabende in unserem Proberaum in Gummersbach, da kann ich einfach alles fließen lassen. Und ich hab noch nie mit Musikern gearbeitet, die auch als Freunde so cool sind“, bringt es Dominik auf den Punkt. 

Im Proberaum in Gummersbach sind auch die bisher drei Superthousand-Platten entstanden: „Universe Reverse“ im Jahr 2013 mit sechs Songs, „Voyage“ drei Jahre später mit fünf Tracks. Und nun „#trnsit“. Wieder ein Song mehr –und zwei Zehnminüter. „Das sagen wahrscheinlich alle Bands, aber: Wir haben noch mal eine Schippe draufgepackt. Wir hatten mehr Zeit, hatten mehr Leute um uns herum, die uns unterstützt haben. Das ist ein bisschen wie beim Film mit anfangs SD, dann HD und später 4K“, 

sagen die drei. Sie jammen jeden Montag, „und wenn wir Glück haben, läuft irgendwo ein Aufnahmegerät und wir halten die Melodie fest. Einer von uns hat später vielleicht einen Text dazu. Und am Ende wird ein Song draus.“ Elektronischer sind die Songs geworden, ihr Sound ist noch einmal deutlich besser abgemischt. Und sie stecken voll schöner Ideen: Den Takt von „Safe and Now“, dem letzten Song auf dem neuen Album, das ENGELBERT schon vor der Veröffentlichung hören durfte, bilden zu Anfang gleichmäßige Schritte. Über einen Waldweg? Auf einer Lichtung? Egal. Man hört zu und geht einfach mit. Spürt die Melancholie, die diesen Song durchzieht. Erlebt, wie er sich aufbaut, Sekunde für Sekunde. Wie er nach zweieinhalb Minuten von der Ballade in eine Rocknummer explodiert. Wie er wieder ruhiger wird. Und erneut Fahrt aufnimmt. Plötzlich erklingt ein Didgeridoo in diesem zehnminütigen wunderbaren Auf und Ab. Ein Song wie ein Leben. Und genauso plötzlich zu Ende.

Superthousand fangen das Leben ein. Kreieren Gänsehautmomente. Auf ihrem Album. Und live. Mehr Auftritte sollen es werden, und wenn man Drummer Markus, der sich als Schlagzeuglehrer und Mitglied einer Rage-against-the-machine-Coverband durchaus Berufsmusiker nennen darf, fragt, dann am liebsten jede Woche: „Auf der Bühne, hinterm Schlagzeug, das ist mein Happy Place.“ Nicht nur seiner. Weil nicht nur Superthousand in den Liveversionen ihrer Songs aufgehen, sondern auch ihre Fans. „Und es ist egal, ob uns Leute in Kuala Lumpur, in Hamburg oder in Oberberg hören. Es ist schön, wenn sie kommen. Nicht, weil es Bier gibt oder wir ihre Nachbarn sind, sondern weil sie unsere Musik gut finden.“

Diese Musik ist gut. So gut, dass die Band und ihre Songs, bei allem Lokalkolorit, auf eine große Bühne gehören. Und in die Hände einer Plattenfirma, die sie fördert. Und ihnen bitte alle Freiheiten lässt. Denn diese musikalische Kreativität braucht ihren Raum. Für noch viel mehr grandiose Songs.