Immer schön warm!

Im Winter schön Schlittschuhlaufen in der Eissporthalle, im Sommer herrlich im Freibad liegen und bei schlechtem Wetter rein ins Schwimmbad und ein paar Bahnen ziehen. Alles möglich in der Wiehler Wasser Welt. Und so vieles mehr. Aber wie funktioniert es eigentlich, dass das Schwimmbecken immer schön angenehm warm ist und die Eishalle so kalt? Wahnsinnige Stromkosten – oder nicht?

Die Geschichte des Freibades beginnt schon 1976. Das Energieunternehmen RWE hatte seinerzeit die Idee ein Freibad zu eröffnen, das nur durch Solarenergie beheizt werden konnte. Eigene Energie erzeugen (auch Solarthe

rmie genannt) war das Ziel. Gedacht, geplant, gemacht: Hierfür wurden 1200 Solarfelder auf das Dach geschraubt, die das Becken durch genügend Sonne beheizen konnten. Damit aber nicht genug. Wie wäre es denn, die Wärme aus dem Duschwasser ebenfalls wiederzuverwenden? Nein, zu aufwendig, wie Jürgen Eisbach (ja, der heißt wirklich so!), Haustechniker der Wiehler Wasser Welt, erklärt. Seife, Duschgel und Haarshampoo verklebten die Wärmetauscher und somit wurde die vielversprechende Idee erst einmal wieder auf Eis gelegt.

Apropos Eis. Die Eishalle kam ja mehr oder weniger durch Zufall noch mit auf das Gelände hinzu. Für RWE ein Glücksfall, denn das Unternehmen konnte anhand der Eisbahn seine Studien über Energierückgewinnung durchführen – und bescherte den Besuchern zudem viel Freude. Das Freibad sowie die Eishalle wurden schließlich für genau eine Deutsche Mark an die Stadt Wiehl verkauft. 

Vor einigen Jahren dann wurde das Hallenbad Bielstein geschlossen und in Wiehl ein zusätzliches Hallenbad gebaut. 25 Meter Sportbecken, ein Mehrzweckbecken mit variabler Höhe und eine Erlebniswelt für Kinder – all das gibt es seit dem Jahr 2016 in der Wiehler Wasser Welt. Das schöne warme Solebecken draußen hat übrigens das ganze Jahr über 34 Grad. 

Aber auf dem Gelände gibt es ja sogar zusätzlich noch ein Becken, mit dem die geniale Energierückgewinnung noch einmal optimiert wurde. Und dieses zu finden ist gar nicht mal so leicht. Es befindet sich nämlich verschlossen unter der Erde. Eingepackt in Dämmstoffe wird hier die komplette Wärme gespeichert. Welche? Na, die aus der Eishalle. Die Wärme, die durch die Eismaschinen dort entzogen wird, wird in Form von warmem Wasser genau in dieses Becken geleitet. Großartig: So können alle anderen Schwimmbecken vorgeheizt werden. So weit so gut, vor allem im Winter. 

Und im Sommer, wenn die Eissporthalle geschlossen hat? Das gesamte Schwimmbad mit seinen drei Becken und dem Freibad mit fossilen Energien beheizen? Von wegen. Zum Glück gibt es ja noch die alte RWE-Anlage auf dem Dach. 750 Solarfelder sind dort aktiv nutzbar – das reicht, um den unterirdischen Wärmespeicher immer schön zu füttern. Ganz schön ausgeklügelt!

sieht doch ganz sonnig aus

Sonne. Und wie. Mitte Februar flutet sie plötzlich die Dächer. Und es geht los. Jeden Tag, ab jetzt das ganze Jahr über, bis tief in den Herbst hinein. Photovoltaikanlagen planen,
montieren, in Betrieb nehmen. Die Solaris GbR aus Wipperfürth schreibt eine Erfolgsgeschichte. Seit zehn Jahren. Am 1. April 2009 haben der gelernte Schreiner und ehemalige Reiseverkehrskaufmann Andreas Savaris und Dachdeckermeister Axel Schmidt ihr Unternehmen gegründet. Als Quereinsteiger. 

Heute sind sie mit ihren 15 Mitarbeitern nicht nur in Oberberg die Experten für Photovoltaikanlagen. Diese sind beliebter denn je, kein Wunder also, dass Solaris bundesweit mit seinen Vertriebsmitarbeitern unterwegs ist und schon Anlagen an der Elster oder nahe Straßburg installiert hat. Das Erfolgsgeheimnis: „Wir haben uns auf die PV-Anlagen spezialisiert. Wir machen sie nicht als Zusatz, sondern ausschließlich.“ Das funktioniert so gut, dass Axel Schmidt seinen Dachdeckerbetrieb schon vor Jahren aufgegeben hat. Seine Fachkenntnis kann er perfekt für die Montage der Anlagen nutzen.
Andreas Savaris wiederum hat sein Hobby zum Beruf gemacht. 

Anfang 2006 hatte er von dem Thema noch so gar keinen Plan. „Meine Frau und ich waren damals auf der Suche nach einer Kapitalanlage als Vorsorge für die Rente. Ein Freund von mir meinte dann: Euer Hausdach zeigt doch zur Südseite. Setzt eine PV-Anlage drauf. Und ich hab nur geantwortet: PV – was?“ Auf dieses ,Was‘ fand er in den nächsten drei Jahren eine Menge Antworten.
Er meldete sich in Foren an, testete auf dem eigenen Dach verschiedene Solarmodule, vertiefte sein Wissen, hatte ein neues Hobby gefunden. Und immer mehr Wissen. „Als die Stadt Wipperfürth dann die ersten Dächer für die Nutzung mit Photovoltaik verpachtete, waren Axel und ich dabei“, erzählt Savaris. Kein Scherz: Genau am 1. April vor zehn Jahren gründeten die beiden ihre GbR, am 15. Juni wird gefeiert.

Zu Gründungszeiten tickten die Uhren noch ganz anders: Die Anlagen kosteten etwa viermal so viel wie heute, dafür war die Einspeisevergütung auch viel höher. Sprich: Man konnte mit Stromerzeugung Geld verdienen. Auch im regnerischen Oberberg, weil die Anlagen sehr effizient arbeiten und ihre Anschaffung nach neun bis elf Jahren amortisiert ist. 

Und heute? Arbeiten diese Anlagen noch effizienter und kosten in der Herstellung nur noch ein Bruchteil. Produzenten von Modulen kamen und gingen, die Solaris GbR

ist geblieben. Und wächst. Immer mehr Eigentümer entdecken die umweltschonende und nachhaltige Energieerzeugung für sich – denn es lohnt sich mehr und mehr, den Strom selbst zu verbrauchen. Im Haushalt, im Elektroauto. Weil Andreas Savaris und Axel Schmidt wissen, wie all das geht und sich permanent mit neuen Vorschriften für Montage und Einspeisung befassen, sind sie heute gefragt wie nie. Aber auch, weil sie ausschließlich Fachkräfte beschäftigen. Weil sie stets Module von Qualitätsherstellern montieren. Und weil sie die Anlagen für jeden Kunden nach dessen Bedarf maßgenau zusammenstellen. 

An der Hansestraße betreiben Savaris und Schmidt inzwischen mehrere Lagerhallen, die alle mit den eigenen PV-Anlagen bestückt sind. Ihr Beratungsbüro an der Hochstraße ist zugleich ein Showroom für moderne PV-Technik. 

Ob nun der Himmel in der Region blau oder grau ist, ob es um sieben oder um fünf hell wird – für Solaris sieht‘s ganz sonnig aus.

Saucoole Grenzgänger

Fred ist ein echter Grenzgänger. Ein stolzer noch dazu. Und er ist nicht allein. Da wagen sich schon noch ein paar andere Hähne über die Grenze. Genaso wie über tausend Hühner. Eigentlich jeden Tag. Nur merken sie das natürlich nicht. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, das riesige Außengelände auf dem Hof Hedfeld zu erkunden. Viele kleine Hügel, Schatten spendende Bäume, allerlei schöne Verstecke. So sollten alle Hühner dieser Welt leben, denken wir, als Stefan und Christof Hedfeld uns über ihren Hof in Halver führen. Ja, Halver. Regierungsbezirk Arnsberg. Was? Und was hat diese Geschichte dann bitteschön in einem Oberberg-Magazin verloren? Ja, geht’s noch? Ja, geht. Gut sogar. Weil es auch in Halver eine Menge zu erzählen gibt.

Und weil nicht nur die Hedfelds, sondern eben auch ihre Hühner ja gefühlte Wipperfürther sind. Denn der Hof dehnt sich auch einige Meter auf Wipperfürther Gebiet aus. Und so wackeln Fred und Co. jeden Tag munter nach Oberberg und in den Regierungsbezirk Köln hinein. Und wieder raus. Und wieder rein. Und so weiter. Was so kurios klingt, ist für die Hedfelds manchmal gar nicht so einfach. „Wir waren als Kinder auf der Grundschule in Kreuzberg, weil die viel näher bei uns liegt als die in Halver. Aber was meinen Sie, was das für ein Aufwand für die Behörden war“, erzählt Christof Hedfeld.

Gemeinsam mit seinem Bruder Stefan führt er die Tradition der Familie fort – den elterlichen Hof, seit der Vater in Rente ist. Wunderschön gelegen auf einer Anhöhe gleich hinter Kreuzberg. Beide leben mit ihren Familien und jeweils drei Kindern hier und haben eigentlich Fulltime-Hauptjobs in einer Druckerei für Verpackungsdruck. Warum tut man sich dann noch einen Hof an, auf dem ja nicht nur über 1.000 Hühner, sondern unter anderem auch Schweine, Ziegen und Rinder leben? Weil die Brüder und ihre Familien es bei aller Zeitknappheit und allen Herausforderungen, welche die knapp 14 Hektar bieten, lieben. Ganz einfach. Und weil sie auch wegen ihrer Absicherung durch die Hauptjobs den Hof so führen können, wie sie wollen. Weil es zwar nicht schön, aber auch nicht existenzbedrohend ist, wenn nach einem Jahr mit viel Winter und wenig
anderen Jahreszeiten mal nur eine schwarze Null steht. Und weil sie hier vor allem so umweltschonend und tierfreundlich arbeiten können, wie es nur geht. Das gilt für die natürlichen Zutaten im Futter, das gilt für die Haltung der Tiere und das Nutzen von natürlichen Ressourcen. Kein Wunder, dass regelmäßig Kindergärten und Schulen zu Besuch kommen, nicht nur, wenn mal wieder kleine Ferkel auf dem Hof unterwegs sind. Sondern weil gerade Kinder hier eindrucksvoll erleben können, wie nachhaltig Landwirtschaft sein kann. Und sein sollte.

Christof und Stefan Hedfeld investieren ebenso wie ihre Frauen, die sich wie sie um den Hof und den Hofladen kümmern, viel Zeit, um derart konsequent mit und von der Natur leben zu können. Zugleich denken sie sehr modern. Über die riesige Photovoltaik-Anlage erzeugen die Hedfelds ihren eigenen Strom, im Hofladen kann man neuerdings auch mit EC-Karte zahlen. Land 4.0 sozusagen.

Die „Neuland“-Philosophie ihres Hofes lautet: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Also kein Glyphosat verwenden, kein künstliches und schrecklich schnelles Hochzüchten der Tiere. Haben sie gar nicht nötig, weil ja keine Massentierhaltung stattfindet.

Das zahlt sich in der Qualität der Produkte aus. „Für uns ist das High-End“, sagt Stefan Hedfeld über das hervorragende Fleisch der Freiland-Schweine, die natürlich in der Region geschlachtet und nicht erst zig Kilometer über die Autobahn gefahren werden. Dasselbe gilt fürs Rind.

Und die Hühner? Sie sind so produktiv, dass die Hedfeld-Eier unter anderem auch in den beiden Edeka-Märkten Offermann in Kreuzberg und Wipperfürth-Zentrum verkauft werden und dort immer ratzfatz weg sind. Auch in den Raiffeisenmärkten in Halver und Lüdenscheid sind die Hedfeld-Eier sehr beliebt. Weil sie lecker sind! Und von gackernden Grenzgängern stammen, denen es richtig gut geht.