Fuffzig!

Joggen? Och jo. Walken? Ja, kann. Wandern? Aber so was von! Kein Wunder, dass gerade im Oberbergischen das Wandern zu den Top-Freizeitvergnügen zählt – die wunderschöne Landschaft im festen Schuhwerk zu erkunden, entweder zügig oder gemütlich, und ein Teil der atemberaubenden Natur zu werden, reizt viele Menschen.

Wer auch darauf steht, für den ist am 27. April in Wipperfürth nur eine Woche nach Osten schon quasi Weihnachten – bei hoffentlich besserem Wetter. Denn: die Bergischen 50 kommen in die Hansestadt. Und sie bleiben! Der Veranstalter, McTrek Outdoor Sports, hat sich mit der Stadtverwaltung gleich auf ein ganzes Paket für den Wanderevent geeinigt. Fünf Jahre in Folge soll die Erlebniswanderung vom Stadtzentrum aus starten. Die Zahl ist selbstverständlich Programm: Gewandert werden 50 Kilometer – an einem Tag. Jeder, der das innerhalb von zwölf Stunden schafft, kommt auch in die Zeitwertung. Wobei, mal ganz ehrlich, die Zeit doch eine Nebenrolle spielt. Wichtig ist es dabei zu sein, noch wichtiger, die Route mit allen Sinnen zu genießen. Die führt von Wipperfürth aus unter anderem über Egen und Radevormwald nach Hückeswagen und wieder zurück, stets über gut ausgeschilderte Wanderwege. Höhenprofil und GPS-Daten kann sich jeder Teilnehmer auch besorgen.

So, und jetzt sagen Sie: Wat? Um 8 Uhr starten und dann hier gleich 50 Kilometer wandern? Och … nee … aber so ein Stück würde mir ja reichen? Kein Problem: Zum einen kann man die Strecke auch als Zweier- oder Viererstaffel antreten, auch Firmenstaffeln soll es geben. Zum anderen sind alle fünf bis sieben Kilometer Verpflegungsstände aufgebaut, an denen man sich nicht nur mit Wasser und Kaffee, Energieriegeln oder Obst stärken, sondern sich, wenn die Füße schmerzen, per Shuttlebus nach Wipperfürth zurück fahren lassen kann. 

Aufs Herz hören

Einmal das Kabel ums Ohr legen, schauen, ob es passt, einen Knopf drücken und … Stille. Dann ein leises Schluchzen. Dem kleinen Jungen laufen Tränen übers Gesicht. Zum ersten Mal kann er die Stimme seiner Mutter richtig verstehen. Vor Freude fällt er Marcus Brungs um den Hals. Ein Gefühl, das dieser nie wieder vergessen wird.

 

Der Hörakustiker aus Engelskirchen hilft für den Verein „Medical Aid India“ regelmäßig in einem Camp im indischen Penukonda jenen Menschen, die schwerhörig od

er komplett gehörlos sind. Dreimal war Brungs mit anderen Helfern bereits in dem Camp, hat dort innerhalb von zwei Wochen zwischen 700 und 800 Menschen behandelt. Natürlich nicht allein – auch eine HNO-Fachärztin gehört zum Team, zudem Hautärzte und Allgemeinmediziner. Marcus Brungs ist beeindruckt, wie geduldig die Patienten in Indien sind: „Trotz der Masse an Menschen, die täglich hierher kommen und der langen Wartezeiten gibt es nie Streit. Alle warten in Ruhe.“

In Indien ist die Anzahl an Schwerhörigen oder sogar Gehörlosen sehr hoch. Vor allem viele Kinder sind davon betroffen. Oft bleibt das Leiden lange unentdeckt: „In Deutschland fällt so was direkt auf. Aber in Indien kann das schon mal untergehen. Bis es dann vielleicht zu spät ist und die Kinder keine Chance auf eine vernünftige Zukunft haben“, sagt Marcus Brungs. Oft erinnert er sich an ein sechzehnjähriges Mädchen zurück, das dank eines von ihm eingesetzten Hörgerätes wieder vernünftig hören konnte. Nach einem Jahr besuchte sie ihn wieder im Camp und war immer noch glücklich über ihr neues Hörvermögen. Die Reaktionen der Patienten – für Marcus Brungs die schönste Bestätigung seiner Arbeit. Die ist für ihn wie die anderen Helfer in Penukonda Ehrensache. Und ziemlich anstrengend. Da ist es wichtig, sich auch mal Pausen zu gönnen, einen Tempel zu besuchen, die indische Kultur kennenzulernen. Was er festgestellt hat? „Auch wenn die Menschen hier in einer ganz anderen Kultur leben, anders arbeiten als wir, anders essen und anders schlafen, so haben sie doch genau dieselben Beschwerden wie wir. Da sieht man, dass alle Menschen gleich sind.“

Auch die Untersuchungen laufen genauso ab wie in Deutschland. Bei diesen ist immer ein Dolmetscher dabei, sonst wäre die Kommunikation doch sehr schwierig. Ab und zu kommt auch ein indischer Hörgeräteakustiker ins Camp. Er hilft den deutschen Spezialisten und kann ohne die Sprachbarriere schnell helfen. Marcus Brungs weiß: Seine Einsätze und überhaupt die gesamte Organisation „Medical Aid India“ wären ohne Spenden überhaupt nicht möglich. Die Spendengelder fließen for allem in professionelles Equipment, um die Menschen so gut es geht zu behandeln. Die Reisekosten inklusive Flug und Unterkunft zahlen die Helfer alle selber. „Was wir dringend benötigen, sind nicht nur Geld-, sondern auch Sachspenden“, fordert Marcus Brungs. Er weiß auch: „Alle sechs Jahre werden in Deutschland die meisten Hörgeräte von den Krankenkassen ersetzt, auch wenn das Alte noch intakt ist. Genau diese Hörgeräte werden in Indien dringend gebraucht.“ Denn es gilt: Lieber ein gebrauchtes Hörgerät nutzen können als gar keins.

Seine nächste Indienreise hat Marcus Brungs für 2019 bereits geplant. Bis
dahin freut er sich über jeden Besuch und jedes abgegebene noch intakte
gebrauchte Hörgerät in seinem Geschäft in Engelskirchen-Ründeroth.

Yoga. Lernen. Lehren. Leben.

 

Körper und Geist in Einklang bringen. Über die Bewegung zur Entspannung gelangen. Sich selbst reflektieren und ganz neu wahrnehmen. Die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Bewusster, achtsamer, glücklicher leben. All das ist Yoga. Und noch so vieles mehr. Eigentlich eine komplette Lebenseinstellung.

Anke Schweitzer aus Lindlar und Birgit Wieczorek aus Gummersbach leben für das Yoga. Und sie lehren nicht nur ihre zahlreichen Schüler, wie man den Weg zu sich selbst, zu dieser neuen Achtsamkeit, zu einer aktiven Form der Entspannung findet – sie bilden auch Yoga-Lehrerinnen und -lehrer aus. Dabei ergänzen sie einander seit drei Jahren auf eine Art und Weise, die auch weit über das Bergische Land hinaus einzigartig ist.

Denn Anke Schweitzer, die nicht nur Yogalehrerin, sondern auch Heilpraktikerin und leidenschaftliche Musikerin ist (sie hat unter anderem mit Bläck-Fööss-Frontmann Tommy Engel in einer Band gespielt) lehrt das Iyengar-Yoga. Dabei kommt es im wahrsten Wortsinne auf die richtige Haltung an: „Die Bewegungen und Übungen müssen präzise ausgeführt werden, aber natürlich so, wie es jedem Einzelnen gut tut“, erklärt Anke Schweitzer.

Anders das Vinyasa-Flow, das immer wieder neu variiert wird, das von der
Kreativität lebt, kräftig und dynamisch, aber auch ruhig und nach innen gerichtet. „Ich liebe es, dass hierbei keine Yoga-Stunde wie die andere ist“, sagt Birgit Wieczorek. Flow & Align nennen beide die Kombination der verschiedenen Richtungen, die einander aber kongenial ergänzen. Auch, weil es beim Yoga immer auf das richtige Atmen ankommt. Das Atmen ist wie ein Kompass, der den Übungen die Richtung vorgibt.

Die beiden Yoga-Lehrerinnen haben viele Jahre Erfahrung, lernen aber gleichsam nie aus, sie sehen sich selbst immer auch als Schülerinnen. Sie haben nicht nur in Deutschland, sondern unter anderem auch während ihrer Reisen nach Indien, in die Wiege des Yoga, tief greifende Erkenntnisse über diese so faszinierende Lebensweise gewonnen. „In Indien kommt es noch viel stärker auf Disziplin an als bei uns. Die Inder sind in ihren Bewegungen gelenkiger, weil sie quasi auf dem Boden aufwachsen. Und es machen dort viel mehr Männer Yoga“, hat Anke Schweitzer erfahren.
In Deutschland sind indes neun von zehn Yoga-Schülern weiblich.

Das oberbergische Yoga-Duo bildet daher vor allem Yoga-Lehrerinnen aus. Und das ist kein „mal eben“. Wer später selbst unterrichten will, muss schon vor der Ausbildung nachweisen, dass er oder sie seit mindestens zwei Jahren Yogaübungen macht.

Die Kurse selbst umfassen 300 Stunden in einem Zeitraum von rund anderthalb Jahren. In Wochenendseminaren lernen die angehenden Yoga-Lehrer nicht nur viel über die Ursprünge und Wirkungen des Yoga, sondern insbesondere, wie sie sie anderen Menschen vermitteln. Und wie sie auf diese eingehen. „Viele finden durch das Yoga erst wirklich zu sich selbst, gewinnen neue Erkenntnisse über sich, sehen Dinge des Lebens klarer“, berichten Anke Schweitzer und Birgit Wieczorek. Da fließen während einer Yoga-Stunde auch mal Tränen, lernen die Menschen, sich zu öffnen, haben das Bedürfnis, sich auszutauschen. Dann müssen sie sensibel und zugleich professionell aufgefangen werden.

Das kann nicht jeder, und die Ansprüche der Yoga-Lehrerinnen sind zurecht hoch. Am Ende der Kurse müssen alle neuen Lehrer 49 Übungen nicht nur beherrschen, sondern anderen vermitteln können. Sie haben jeweils mindestens eine halbstündige Yogastunde alleine geleitet, eine umfangreiche Hausarbeit über die Lehre geschrieben und ein Fachgespräch mit ihren Ausbilderinnen geführt. Und dann? Bekommen sie auch Starthilfe auf dem Weg in die Selbstständigkeit, denn Birgit Wieczorek und Anke Schweitzer sind gut vernetzt und legen großen Wert darauf, auch über die Ausbildungen hinaus mit den neuen Yoga-Lehrerinnen und -lehrern in Kontakt zu bleiben.

Bei allem ist den beiden eines ganz wichtig: Die indische Lehre ist kein Trendsport, kein kurzlebiger Lifestyle, der morgen wieder weg ist, und es ist mehr als ein bisschen Entspannung, weil ich mal wieder einen steifen Nacken habe. Wenn sich Kraft und Dynamik, Kreativität und Präzision, Aktivität und vollkommene Ruhe bei einer Reise ins ureigene Selbst verbinden, eröffnen sich ganz neue Erkenntnisse. „Dann wird es spannend“, sagt Birgit Wieczorek, die wie Anke Schweitzer seit vielen Jahren diesen Weg geht – und immer wieder neue Richtungen entdeckt. Weil beim Yoga alles so wunderbar anders bleibt.