Hey, hier ist Siri

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Von Bergneustadt über Deutschlands Theaterbühnen ins ZDF – und dann nach Netflix: Gut, dass sich Siri Nase nach dem Abi für die Schauspielerei entschieden hat.

Das ENGELBERT-Telefon klingelt. Ich gehe ran, melde mich. Und breche zwei Sekunden später in Spontangelächter aus. Denn dazwischen liegt dieser Satz: „Hey Daniel, hier ist Siri!“ Moment, das kenne ich, nur umgekehrt: „Hey Siri, spiel doch mal …!“ Und so weiter. Nun heißt die charmante Bergneustädterin am anderen Ende der Leitung nicht nur wirklich so wie die berühmte Spracherkennungssoftware, sondern sie trägt auch noch eine Nase als Nachnamen. Ohne Witz. Und natürlich ist diese Kombi der Eisbrecher schlechthin. Wir unterhalten uns keine fünf Minuten und haben uns schon dreimal kaputtgelacht. Das kann ja was werden.

Wird es auch, denn die Begrüßung ist kein bisschen aufgesetzt: Siri Nase ist so. Lustig, spontan, schlagfertig, positiv. Auch in besonderen Zeiten, die für sie als Schauspielerin durchaus herausfordernd sind. Drehs wurden unterbrochen und dann im Herbst unter anderen Bedingungen fortgesetzt, wie der für die ZDF-Serie „Der Staatsanwalt“. Und Theater hatten und haben noch immer geschlossen.

Für die 34-Jährige, die in den letzten Jahren unter anderem in der ZDF-Serie Soko Köln und dem Netflix-Erfolg „How to sell your drugs online (fast)“ zu sehen war, hat mit dem ersten Lockdown eine Zeit des Neudenkens, des Andersmachens begonnen. Sie absolviert gerade eine MBSR-Ausbildung zur Achtsamkeitslehrerin, achtet noch stärker auf die Gesundheit, auf gutes Essen, will anderen Menschen etwas von ihrem positiven Denken und ihrer mentalen Stärke abgeben. Dieses Denken, das hatte sie schon als Kind. Ist man Schauspielerin oder wird man es? Siri Nase scheint es schon immer zu sein: „Meine Mutter erzählt heute noch, dass ich als kleines Mädchen so verträumt und ständig in Rollenspielen vertieft war. Und da musste alles bis ins kleinste Detail passen.“ Mit sieben stand Siri Nase, die in Engelskirchen geboren wurde und in Bergneustadt aufwuchs, dort schon auf der Bühne des Losemund-Theaters.

Okay, mit sieben Jahren denkt man noch nicht daran, dass aus der Leidenschaft mal ein Beruf werden könnte. Siri Nase blieb zwar bei der Schauspielerei, hatte aber als Tochter eines Kinderarztes nach dem Abi ein ganz anderes Berufsziel: „Ich wollte Hebamme werden, habe auch einige Praktika gemacht, war sogar an der Uni-Klinik.“ Dann kam die Gretchenfrage: Und, wie hast du‘s mit der Schauspielerei? Zumal du in der Schauspielschule „Der Keller“ in Köln sogar eine Chance auf eine fundierte Ausbildung hättest? Siri Nase sagte Ja zur Kunst und Nein zur Hebamme. Und: Sie hat sehr tolerante Eltern, die ihr, obwohl ihr Vater ja selber Arzt ist, alle Türen offen hielten: „Meine Mutter hat immer gesagt: Die Welt ist so groß, dir bieten sich so viele Möglichkeiten. Mach das jetzt erst mal und dann schaust du weiter.“

Siri Nase machte einfach und musste erst mal gar nicht groß schauen, weil sich eins nach dem anderen ergab. Sie habe viel Glück gehabt, sinniert sie bescheiden. Na ja, eine gewaltige Portion Können dürfte auch dabei gewesen sein, wenn man nach dem Abschluss der Schauspielschule – inklusive eines Besuchs der Royal Academy of Dramatic Art in London – nicht nur direkt eine Agentur findet. Sondern nacheinander in Köln, Salzburg und Berlin auf den großen Bühnen spielt, weil man von den jeweiligen Regisseuren immer wieder engagiert wird. Und kurz danach vor der Kamera steht. Die selbst gewählte Fallhöhe, abends auf der Bühne vor Publikum oder vor dem gesamten Filmteam bei Dreharbeiten auf den Punkt abliefern zu müssen – Siri Nase liebt es, zumal sie Kreativität nach wie vor einfach zulassen kann, ohne sie zu erzwingen.

Wenngleich der Konkurrenzdruck um gute Rollen nicht klein ist in der Branche, hat sie sich eine gewisse Leichtigkeit bewahrt: „Ich halte gar nichts davon, die Ellenbogen auszufahren. Und ich wäre auch nicht stolz auf eine Rolle, die man mir nur gegeben hätte, weil ich mich da durchgeboxt habe.“

Die gebürtige Engelskirchenerin, die heute in Köln und Berlin lebt, überzeugt lieber mit dem, was sie kann. Und damit ist sie bislang gut gefahren, auf der Bühne wie im Fernsehen. Zu wissen, dass man jetzt für Jahre in seiner Rolle in einer Streaming-Serie zu sehen sein wird, was macht das eigentlich mit einem? „Ich habe mich daran gewöhnt, es ist eben eine Rolle. Und diese Rolle ist der Beruf. Aber das musste ich auch erst mal lernen“, erzählt Siri Nase, die gerne im Hier und Jetzt denkt und lebt. Sie weiß: Morgen kann die Traumrolle kommen. Oder erst in einem halben Jahr. Das geht ihr so. Und den meisten Kollegen.

Was ein Lebensmodell angeht, so hat sie aber eine klare Vorstellung – und die passt ganz gut zu ihrer Kindheit auf dem Land: „Viel Natur, am besten mit großem Garten. Barfuß im Gras stehen.“ Und dann Kreativität zu- und laufen lassen. Ideen entwickeln. Und natürlich an neuen Rollen arbeiten, zum Beispiel, weil gerade ein Regisseur wegen eines spannenden Projektes angerufen hat: „Hey Siri, spiel doch mal …“ Und dann spielt sie.