Vorbild sein

gesundheit

In ihrem Haarkompetenz-Zentrum in Gummersbach haben Petra Dehler und ihr Team die Menschen in den letzten Monaten mit Zweithaar versorgt, darunter viele Chemopatientinnen. Mit Geduld, Zeit und viel Empathie.

Verzweifelt? Nein. Ich suche in der Krise immer die Chance, um sie so gut wie möglich bewältigen zu können. Ich möchte ein Vorbild sein und zeigen, dass es weitergeht. Und dass du dich als Unternehmerin zuerst einmal selber führen musst!“ Petra Dehler nimmt sich Zeit für diesen Satz, Zeit für ein kurzes Interview, Zeit, die sie eigentlich gar nicht hat. Denn die Zweithaar-Spezialistin und Heilpraktikerin aus Gummersbach arbeitet seit Wochen um die 13 Stunden pro Tag. Sie hatte auch zu Lockdown-Zeiten den Zweithaar-Bereich geöffnet, weil sie für die medizinische Grundversorgung von Menschen zuständig ist – jedoch mussten die Patienten ein ärztliches Attest mitbringen. Wer wegen einer Chemotherapie Haare verliert und binnen weniger Tage eine Perücke benötigt, kann nicht lange warten. Und eben darauf hat sich Petra Dehler spezialisiert. Sie versorgt Kunden aus dem gesamten Bergischen Land mit Zweithaar, zuletzt kamen welche aus Remscheid. Sie ist gefragter denn je. Auch, weil sie mit ihrem Team sehr schnell sehr konsequent gehandelt hat. 

„Ich hatte vorher schon drei in sich abgeschlossene Bedienboxen für den Zweithaarbereich, das kam mir zu Gute. Wir arbeiten mit dem Team in Schichten, haben den Friseurbereich von dem der Zweithaarversorgung getrennt, lassen nur eine begrenzte Anzahl Kunden herein“, erzählt die Unternehmerin. Den Kunden erklären sie und ihr Team mit Geduld und zur Not auch immer wieder, wie das mit dem Mundschutz läuft, mit der Desinfektion, mit dem Abstandhalten und warum die Vorgaben eingehalten werden müssen. Sie betreibt einen immensen Aufwand, allein für das x-fache Desinfizieren der Arbeitsbereiche, Scheren, Bürsten, Waschzone und so weiter: „Pro Kunde brauchen wir im Schnitt 15 Minuten länger. Aber das ist es uns wert.“ Und wie klappt das mit dem Mundschutz? „Wir tragen hier alle die FFP2-Masken, da müssen wir jede Stunde die Filter wechseln. Ich hab mich dran gewöhnt, alles machbar.“

Petra Dehler erzählt das mit einer beinahe stoischen Ruhe und Souveränität. Kein bisschen gestresst nach Wochen im Ausnahmezustand? Nein. Zumal ihr auch die Digitalisierung zugute kommt: „Ich habe auch schon Perücken per Kurier verschickt und die Kunden dann über Facetime oder Skype beraten und ihnen gezeigt, wie sie sie aufsetzen und pflegen.“ Besondere Zeiten brauchen besondere Menschen. So wie Petra Dehler und ihr Team.