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134 Veranstaltungen haben Martin Kuchejda und sein Team
von der Halle 32 in Gummersbach abgesagt. Haben Reparaturarbeiten in und an der Halle vorgezogen. Jetzt beginnen wieder Veranstaltungen. Anders als zuvor. Mit mehr Auflagen. Mit weniger Zuschauern. Und großen Herausforderungen.

Herr Kuchejda, was hat Ihr Job als Leiter der Halle 32 und der Ihres Teams im Moment mit einer Punkband zu tun?

Dass wir beim Machen lernen. In den frühen Punkbands haben die Gitarristen im Grunde erst auf der Bühne das eigentliche Spielen gelernt. Wir müssen nun bei den ersten Veranstaltungen, die wir nach den Monaten, in denen wir schließen mussten, wieder anbieten werden, auch lernen. Und das obwohl wir uns natürlich seit Wochen die Köpfe über das „Wie“ zerbrechen, bis sie rauchen. Wie Helmut Schmidt einst sagte: Du kommst leicht rein, aber schwer wieder raus.

Wie kommt die Halle 32 denn wieder raus, um im Bild zu bleiben?

Wir werden am 28. Juni unsere Musical-Eigenproduktion Kuno Knallfrosch nachholen, die vom April verschoben wurde. Dann geht es im Herbst weiter. Alles unter Einhaltung der strengen Hygienevorschriften und Abstandsregelungen. Das bedeutet bei Theaterstücken und Konzerten zum Beispiel, dass wir von insgesamt 323 Sitzplätzen nur 107 besetzen dürfen. Und das ist noch viel; ich kenne Theater, die dürfen von 500 Plätzen nur 50 nutzen. Da ist es natürlich praktisch unmöglich, eine Veranstaltung unter wirtschaftlich akzeptablen Bedingungen anzubieten.

Sie setzen das Programm zum Glück trotzdem fort. Schwierig dürfte das bei größeren Konzerten und allem werden, was mit Rockmusik zu tun hat, oder?

Wir könnten jetzt aufklebbare Punkte kaufen und als Markierungen auf den Boden setzen. Aber mal ehrlich: Ein Rockkonzert lebt vom Schreien, Schwitzen, Springen. Wie das auf Dauer gehen soll, weiß ich momentan auch nicht. Anderes Beispiel: Wir hätten im Herbst die Bayer-Philharmoniker da gehabt, mit 150 Sängern. Die kann ich aber nicht vor den erlaubten gut hundert Leuten auftreten lassen. Das haben wir gleich mal um zwei Jahre verschoben. Wir müssen, gerade was Konzerte betrifft, auch über digitale Veranstaltungsalternativen nachdenken.

Wie können die aussehen? Stichwort Digitalisierung.

Ich glaube, dass die Halle 32 durch die Krise einen Digitalisierungsschub erlebt. Wir haben eine neue Website, arbeiten intensiv an unserem YouTube-Kanal, denken über Aufzeichnungen und Live-Streaming nach. Ich denke, dass es künftig beide Formen für Kulturdarbietungen nebeneinander geben kann. Die Veranstaltungen bei uns vor Ort und eben die Online-Angebote – auch für Menschen, die einfach noch Angst haben zu den Veranstaltungen zu gehen.

Blicken wir kurz zurück. Als der Lockdown kam, war schnell klar, dass die Halle 32 für viele Wochen komplett schließen wird. Wie haben Sie und Ihr Team die Zeit verbracht?

Wir haben es seinerzeit kommen sehen, nichtsdestotrotz hat es uns mit voller Wucht getroffen. Um es klar zu sagen: Uns ist nichts aufgedrückt worden, wir haben in enger Abstimmung mit dem Gummersbacher Bürgermeister, der sich als hervorragender Krisenmanager gezeigt hat, beschlossen, dass wir komplett zu machen. Alles andere wäre inkonsequent gewesen. Wir haben mit dem Team seither durchgearbeitet, keine Kurzarbeit oder so. Denn: 134 Veranstaltungen, die letztlich von der Schließung betroffen waren, sagen sich nicht von selbst ab. Da muss jeweils öffentlich drüber informiert werden, es braucht Aufhebungsverträge und so weiter. Und wir haben die Zeit für aufwändige Renovierungs- und Umbauarbeiten an und in der Halle genutzt, die eigentlich für den Sommer vorgesehen waren. Unsere Leute haben mehr gearbeitet als sonst, nur eben nicht abends. 

Bald werden sie wieder regelmäßiger abends zum Einsatz kommen …

… ja, und ich hoffe, dass wir bei allen Vorschriften hier eine schöne Atmosphäre erschaffen, sodass die Gäste gerne zu den Veranstaltungen kommen. Letztlich wird uns das Thema nach meinem Dafürhalten noch über Jahre begleiten. Und ich hoffe, dass die Menschen die entsprechenden Schutzmaßnahmen so sehen wie zum Beispiel früher die Gurt- oder Helmpflicht: Am Anfang will das erst mal keiner, aber dann sehen die Leute ein, dass sie dadurch sicherer sind. Ich persönlich bin übrigens der Ansicht, dass der Lockdown absolut erforderlich war. Und dass wir in Deutschland auch deswegen so vergleichsweise geringe Fallzahlen haben.