Immer auf dem Weg

Wir sind auf dem Weg. Blicken von der Anhöhe auf die Stadt. Marschieren über einen schmalen Forstweg. Erreichen die Neyetalsperre. Laufen einfach weiter. Und reden. Zwei Stunden vergehen, ohne dass ich es gemerkt hätte. Weil Stefan Höne so ein großartiger Erzähler ist.

Er erzählt davon, wie er, fest etabliert
und gut bezahlt, mit Anfang vierzig als Ingenieur eines Wipperfürther Unternehmens, dachte: Nein, das ist es nicht. Da ist noch mehr.

Davon, wie er im Jahr 2013, als auch privat einiges im Umbruch war, einfach losging, auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Wie er
eine Route mit über 1200 Kilometern und über sieben Wochen wählte.

Davon, wie er zwischenzeitlich am liebsten gar nicht ankommen wollte.
Sondern immer weiter wandern.

Davon, wie er genau das später machte. Weiter wandern. Auch und vor allem durch Deutschland, vom Bergischen bis in die Eifel zum Beispiel. 

Und wie er, an einem regnerischen Abend in einem abgelegenen Waldstück, plötzlich dachte: Ich könnte Pilgercoaching anbieten. Anderen Menschen beim Pilgern, beim Wandern, helfen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. 

Davon, wie er schließlich selbst genau diesen neuen Weg einschlug. Von dem er heute lebt.

 

Er hat auf dem Jakobsweg gelernt, dass der scheinbare Anlass, sich auf einen Weg zu machen, oft nicht der wahre ist. „Das ist das Spannende: Du glaubst, ein klares Thema mitzunehmen, aber oft steckt da noch ein ganz anderes hinter. Auf dem Jakobsweg habe ich mich erst mal mit dem freiwilligen Alleinsein auseinandergesetzt. Und wie ich damit klarkomme. Nach ein paar Wochen merkte ich: Mit mir allein unterwegs zu sein, das ist die tollste Begegnung, die ich überhaupt jemals gemacht habe. Und da war ich wieder offen für andere Menschen, die dort pilgerten, und mich mit ihnen auszutauschen. Die Gespräche mit ihnen, das Gehen an sich, das einen ja per se aktiviert, dazu die Natur – all diese Dinge kamen zusammen.“

Und für Stefan Höne war klar: Ich werde einen neuen Lebensweg gehen. Erfahrungen mit Change Management und Projektberatung hatte er bei seinem früheren Arbeitgeber schon gesammelt, war dafür immer offen. Umso mehr Spaß hatte er auch später, als er sich parallel zu seinem Hauptjob als DGSF-zertifizierter Berater zum Supervisor, Coach und OE-Berater fortbildete – und dabei viel über sich selbst lernte. Über seine neue Lebensaufgabe. Und darüber, zu ihr zu stehen: „Erzählst du jemandem, du bist Maschinenbauer, hast BLW studiert und bist gut in Informatik, nicken sie. Erzählst du: Ich bin Pilgercoach und 

Berater, ziehen sie die Stirn kraus.“ Stefan Höne hat seinen Stiefel durchgezogen. Er hat seinen Ingenieursjob gekündigt und bietet die systemische Beratung, Supervision sowie das Pilgercoaching heute hauptberuflich an. Die Menschen mitnehmen, auf einem Weg durchs wunderschöne Bergische Land, und einen ganzen Tag mit ihnen zu arbeiten, diese Idee kam ihm im Jahr 2017. „Auf dem Rückweg von einer Australienreise erzählte ich meiner Sitznachbarin im Flieger davon. Zwei Jahre später rief sie mich an und sagte: Stefan, ich möchte bei dir einen Tag lang das Pilgercoaching buchen. Das war die Initialzündung.“ Heute buchen ihn Teams, zum Beispiel Abteilungen in Firmen oder die Leitung einer Kita, Unternehmer sowie Privatpersonen, die an einem bestimmten Punkt im Leben sind, wo sie eine neue Richtung brauchen. 

Und das war auch insbesondere in den letzten Monaten für viele Menschen, die Ängste, Sorgen und Unsicherheit plagten, eine große Hilfe. Stefan Höne setzt sich stets schon vor der Beratung mit den Klienten auseinander, schickt ihnen Fragen, will wissen, welche Problemstellung sie haben und wo sie am Ende des Tages, des Weges, der Gespräche gerne stehen möchten. 

Welche Rolle spielt bei all dem eigentlich der Glaube? Stefan Höne überlegt kurz. Und gibt eine klare Antwort: „Wer spüren möchte, dass um ihn herum noch etwas anderes ist als Mensch und Natur, der muss erst einmal sich selbst spüren lernen. Ich bin bekennender Christ, ich habe eine gute Verbindung zu Gott. Wenn meine Klienten die auch haben und ihr Glaube in ihrem Alltag hilfreich ist, baue ich ihn gerne mit ein. Wenn nicht, dann nicht. Denn ich finde es ganz fürchterlich, angepredigt zu werden.“

Eine große Rolle spielt in Hönes Arbeit das Bergische Land mit seiner Natur. Bei kernigen Themen wandert er mit seinen Klienten auch mal durch einen Steinbruch, bei leichteren durch einen Sinneswald. Und oft am Wasser, das er in all seinen Formen liebt, sei es ein Bach, der immer einzigartig klingt, oder eine Talsperre. Die Natur als Spiegelbild des Menschen und seiner Herausforderungen. Apropos Herausforderung: Dieser stellt sich Stefan Höne, was das Wandern und Pilgern angeht, nach wie vor auch privat sehr gerne. Er ist den Jesus Trail in Israel gelaufen und den Northwest Trail in England. Dabei plant er so wenig wie möglich im Voraus, sondern geht einfach los. Er weiß: Dem Gehenden schiebt sich der Weg von selbst unter die Füße.