Der Figur auf der Spur

wandern

Michael Wittschier aus Wipperfürth wandert gern durch sein Leben. In seinem ersten Wanderbuch beschreibt der pensionierte Lehrer 14 Wege, die, von oben betrachtet, Figuren ergeben. 

Traue keinem Gedanken, der dir nicht beim Wandern gekommen ist.“ Na, wer hat‘s gesagt? Richtig, Friedrich Nietzsche. Und Michael Wittschier hat sich diesen Satz nicht nur gemerkt, weil er als ehemaliger Deutsch- und Philosophielehrer eine ganze Menge schlauer Sätze von Vor- und Querdenkern kennt. Sondern, weil er selbst ein solcher Querdenker ist. Und: Weil er wandert. Seit Jahren und aus Leidenschaft. Gerne auch, um Ideen zu durchdenken. Er nimmt dann einen bestimmten Gedanken ganz bewusst mit auf einen seiner Wege durchs Bergische Land, wo er am liebsten unterwegs ist. „Und am Ende bin ich das Ganze dann im wahrsten Wortsinne durchgegangen“, erzählt er und lächelt. Über 15 Bücher hat der ehemalige Lehrer des Engelbert-von-Berg-Gymnasiums in Wipperfürth schon geschrieben, alles Sachbücher zu Deutsch und Philosophie … bis sein erstes Wanderbuch dazu kam. 

Nicht irgendeines, das wäre ja zu einfach, zumal es übers Bergische auch schon einige gibt. Nein, Wittschier hat, und das haben ihm seine Lektoren beim renommierten J.P. Bachem-Verlag in  Köln auch bescheinigt, dem Wanderbuchgenre etwas Frisches, ja etwas einzigartig Neues verleihen können. Denn „Der Figur auf der Spur“, so heißt das kompakte, knapp 200 Seiten lange Werk, erzählt die Routen von 14 Wegen im Bergischen Land – und sie alle beschreiben, aus der Luft betrachtet, eine bestimmte Figur. Die bergische Kuh zwischen Ledder und Dhünn. Der Zirkusclown bei Dabringhausen. Der Cocker-Spaniel zwischen Lindlar und Linde. 

Wie kommt man denn bitteschön auf so eine Idee? „Ich habe mich schon immer dafür begeistert, wie bestimmte geografische Orte eine Figur abbilden. Das fing mit Italien als Stiefel an“, erzählt Michael Wittschier, der auch begeisterter Maler ist. Ein kreativer Kopf, der eines Tages für sich selbst eine Wanderung ausarbeitete und dabei entdeckte: Mensch, dieser Weg zeichnet, wenn man ihn komplett abgeht, die Umrisse einer Figur nach. Diese hat er dann, ganz Maler, gleich mit Innenleben, sprich Details und einem Gesicht gefüllt. Wie zum Beispiel die Kuh oben links. Oder einen Nikolaus, einen Schmetterling, eine Wandertaube. Wittschier liebt es, Figuren in allem Möglichen zu entdecken. Während des Interviews überreicht er
ENGELBERT sein Foto der Wipperfürther Wolke, in der ganz links ein verliebtes Pärchen zu sehen ist. Und einen Schnappschuss, der eine Baumkrone zeigt, in der sich die Silhouette eines Wanderers verbirgt.

Okay, nun ist ja das Wandern und Entdecken die eine Sache – ein Buch schreiben aber eine ganz andere. Diese Erfahrung hat auch Michael Wittschier gemacht. Bei Bachem war man angetan von seiner Idee, hatte aber auch gewisse Vorstellungen: Er möchte doch bitte nicht nur alle Strecken absolut stichfest und nachvollziehbar aufarbeiten, sondern sämtliche Fotos mitliefern – möglichst auch mit Kindern darauf, da sich das Buch ja an Familien richtet. Der Wipperfürther machte: Er investierte in eine gute Kamera und ein Wander-Navi, lief die Strecken mehrfach ab, schrieb detailliert auf, wo es lang geht – alles auf eine andere, frische Art. In seinem Buch läuft man eben nicht nach Süden, sondern auf den Nasenflügel der jeweiligen Figur zu. Für Kinder gibt es nicht nur Hinweise, was am Wegesrand alles zu entdecken ist, sondern auch viele kleine Rätsel für zwischendurch. Und: Es geht hier nie um Gewaltmärsche. Die längste beschriebene Wanderung, „Rund um den Räuber Hotzenplotz“, geht über 13 Kilometer – und wie fast alle anderen lässt sie sich halbieren, falls Lust, Kondition oder Wetter mal nicht mitspielen. Denn es geht hier vor allem um einen unbeschwerten, schönen, gesunden Zeitvertreib. Aktiv sein, Neues über die Region lernen und dabei eine Figur erlaufen. Übersichtlich gestaltete Karten sowie Tipps zur Anfahrt und zum Einkehren bietet das Buch ebenfalls. 

Sind denn weitere Wanderbücher geplant? Zumal Wittschier insgesamt
18 Strecken ausgearbeitet hat, von denen es vier nicht ins Buch schafften? Wenn es nach dem Autor und Maler geht, dann schon. Aber vielleicht über die linksrheinische Region. Oder über die Eifel. „Hier habe ich auch schon die ersten Figurenwanderwege entdeckt“, erzählt er. Denn wer suchet, der findet.