Janine goes green

Nachhaltigkeit

Von der Groß- und Außenhandelskauffrau zur
Explosiv-Moderatorin bei RTL. Und von da zur Autorin, Speakerin und Expertin für Umwelt- und Zukunfts-
themen: Die Engelskirchenerin Janine Steeger.

©NadineDilly

März 2011. Janine Steeger verfolgt wie Millionen andere Menschen, was da gerade im japanischen Fukushima abgeht. Unterwasserbeben. Tsunami. Atomarer Gau. Sie ist zu der Zeit schwanger, sitzt über Tage vor dem Fernseher, dem Medium, dem sie ihre eigene Karriere zu verdanken hat. Denn sie ist das Gesicht des RTL-Magazins „Explosiv“. Und jetzt? Beginnt das Umdenken. Kommen die Fragen: Kann das so weitergehen, wie wir Menschen leben? Ist Atomkraft die Antwort auf unsere Energiefragen? Wie will ich meinem Kind eigentlich unsere Welt hinterlassen? So beginnt die Erfolgsfrau aus Engelskirchen, für die es bis dato über viele Jahre immer höher, schneller, weiter ging, sich mit Grenzen des Wachstums zu befassen. Sie entwickelt sogar die Idee für eine Nachhaltigkeitssendung. Nur ist sie ihrer Zeit weit voraus: „Ich bin damit komplett durchgefallen.“ Also weiter Explosiv moderieren? Weiter Boulevard machen, was sie ja seit Jahren auch liebt? Ja, eine Zeit lang, bis sie 2015 …

… aber Halt. Das ging jetzt ganz schön schnell, oder? Stimmt, denn für Janine Steeger nahm das Leben von Jahr zu Jahr mehr Fahrt auf. Seit sie als Teenager, mit dreizehn oder vierzehn Jahren, das erste Mal auf RTL die Sendung „Explosiv“ sah – damals noch moderiert von Barbara Eligmann. Die kannte in Deutschland jeder. Jetzt auch die junge Engelskirchenerin: „Es war total absurd. Wir hatten zu Hause keine Satellitenschüssel, konnten nur die öffentlich-rechtlichen Sender empfangen. Ich sah Explosiv bei einer Freundin. Und ein paar Sekunden reichten aus, dass ich wusste: Das will ich. Ich will diese Sendung eines Tages moderieren.“ Aber erzähl das mal einem in Oberberg … Nee, ist klar, Janine! Genau …! Sie selbst bekam nach dem Abi am Aggertal-Gymnasium auch Angst vor der eigenen Courage. Also doch was Klassisches machen: Eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau im elterlichen Betrieb. Gedacht, gemacht, „obwohl ich genau wusste, dass ich den nie übernehmen würde.“

Der Traum von der Medienkarriere, er lebte insgeheim weiter. Also kündigen. Ein Studium beginnen, Germanistik und Co; halt irgendwas, was mit Medien zu tun haben könnte. Nebenbei Praktika absolvieren. In der Heimat, bei der Oberbergischen Volkszeitung, bei Radio Berg. Dort später als Freie Mitarbeiterin. Weiter studieren. Chancen erkennen. Und sie nutzen: „Eines Tages bekam ich einen Praktikumsplatz bei ProSieben in München, bei der Sendung Taff. Ich kannte dort jemanden, mit dem ich zur Schule gegangen war. So viel zum Thema Klüngel“, erinnert sich Janine Steeger und lacht. Und so viel zum Thema Schicksal: Sie beginnt in München am Tag nach dem Unfalltod von Lady Di. Eine Tragödie. Und, so ist das nun mal in der Medienwelt: Eine Themenwiese, die sich in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren bestens bespielen lässt. Janine Steeger wagt den Sprung ins kalte Wasser und schwimmt sich frei. Absolviert ein Volontariat bei ProSieben, dreht erste Beiträge, lernt Moderieren – und sie lernt, es auszuhalten, sich selbst vor der Kamera agieren zu sehen: „Das ist am Anfang der Horror. Aber da muss man durch. Es ist unglaublich wichtig, sich die ersten und auch die späteren Moderationen immer wieder selber anzuschauen.“

Die Engelskirchenerin liebt es. Das Schnelle. Den Zeitdruck. Die tagtägliche scheinbare Unmöglichkeit, binnen Stunden oder Minuten Infos und Bilder aus ganz Deutschland zu besorgen, um daraus einen Beitrag für die Abendsendung zu machen. Sie geht darin auf: „Ich habe eine Eigenschaft, die viele in der Branche haben und haben müssen: Je hektischer es wird, je größer der Druck, desto ruhiger werde ich. Ich kann dann ganz klar denken.“ Muss sie auch. Erst recht später als Chefin vom Dienst, als sie selbst die Beträge anderer Mitarbeiter abnehmen muss. Erst recht, als sie zu RTL Nord nach Hamburg wechselt, einer echten Talentschmiede, die schon so manchen deutschen Top-Moderator hervorgebracht hat. Wo sie selbst zu einer Top-Moderatorin wird. Und natürlich, als sie eines Tages zum Casting nach RTL in Köln geht – denn dort wird ein neues Gesicht für Explosiv gesucht: „Ich war gut vorbereitet, gleichsam total aufgeregt. Es klappte. Gerade, als ich mit meinem Mann in Köln eine Wohnung suchte, kam der Anruf. Als mich dann später alte Freundinnen bei RTL sahen, konnten Sie es kaum fassen, dass ich meine Ankündigung von damals, noch als Teenager, wahr gemacht hatte. Ich selbst hatte das gar nicht mehr auf dem Schirm.“ Sieben Jahre lang moderiert sie also die RTL-Kultsendung. Bis …

… 2015. Vier Jahre nach Fukushima. Vier Jahre, in denen sich Janine Steeger damit befasst hat, wie man nachhaltiger leben, das Klima schützen kann – und dass man dabei nicht perfekt sein muss. Sondern erst einmal: anfangen sollte. Wie sie: „Wir haben zuerst unser Auto verkauft, erledigen alles mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Haben, als die Kapsel-Kaffeemaschine kaputt war, eine neue gekauft und mit Fairtrade-Bohnen gefüllt. Haben Obst und Gemüse nicht mehr eingepackt, sind mit Mehrwegbeuteln zum Bäcker.“ Sie selbst hat sich auch wissenschaftlich mit dem Thema befasst, an der Fernuni den Kurs „Betriebliches Umweltmanagement und Umweltökonomie“ absolviert. 

Und … sie hat bei RTL gekündigt. Um sich hauptberuflich dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen. Um die richtigen Fragen zu stellen. Wie diese: „Warum stehen auf den Verpackungen nicht einfach Marker: Ich gehöre in den Restmüll, ich gehöre in den gelben Sack, und so weiter. Dann würde das ständige Grübeln beim Entsorgen aufhören.“ Sie ist überzeugt, dass jeder etwas tun kann. Aber es brauche auch große, globale Lösungen, für die sich ganze Konzerne zusammentun, um entscheidend das Klima zu schützen. Über ihre Webseite kann man „Green Janine“ buchen. Als Speakerin, als Moderatorin – und man kann das Moderieren bei ihr lernen, denn sie ist als Medientrainerin aktiv. Zu ihren Auftritten reist sie mit dem Zug, trägt dabei Kleidung aus nachhaltiger Produktion, arbeitet soweit es geht papierlos. Sie möchte motivieren und inspirieren, denn jeder kann in vielen kleinen Schritten das Klima schützen. Ohne Druck, Stress, schlechtes Gewissen. Sondern mit Spaß. Vermisst sie den Boulevard eigentlich? 

Ein bisschen vielleicht. Aber Janine Steeger weiß heute auch: Es gibt einfach Wichtigeres.