Sie machen einfach. Und es wird grandios.

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Superthousand aus Gummersbach fangen das Leben in ihren Songs ein. Mit ihrem neuen Album mehr denn je. Ist das
Psychedelic Rock? Alternative? Progressive? Independent? 

Ist egal. Denn Großartigkeit braucht keine Kategorie.

 

Foto: Ingo Winkelströter

Wow, das klingt wie … nein. Weg damit. Furchtbar, immer dieses Vergleichsdenken. Man hat schon so vieles gehört. Also noch mal: Es klingt gut. Melancholisch. Kraftvoll. Ernst. Ja, es rockt. Aber nicht brachial. Ein bisschen psychedelisch? Ja, durchaus. Aber nicht verschwurbelt. Nicht gewollt intellektuell. Es erfordert ein aufmerksames Lauschen. Ein mehrmaliges. Kein Wunder bei Songlängen von im Schnitt sechs und gerne auch mal elf Minuten, vielen Tempowechseln und recht komplexen Melodien. Keine Musik zum Rückwärtseinparken. Eine Musik, um das Licht zu dimmen, die Boxen aufzudrehen, die Augen zu schließen. 

Und sich klar zu machen: Verdammt noch mal, wir haben in Oberberg sau-
gute Bands. So wie Superthousand aus Gummersbach. Sie waren zu viert, jetzt sind sie zu dritt, aber sie klingen wie zehn. Sänger und Gitarrist Dominik Mertens schafft es, so viel Gefühl und Leidenschaft in seine raue, bewegende Stimme zu legen, dass er den Hörer schon bei der ersten Zeile von „World on Wire“ packt, dem Opener des neuen Albums mit dem etwas kryptischen Titel #trnsit. Ja, das Weglassen von Vokalen ist im Trend, ansonsten entziehen sich Superthousand aber jeglichen Kategorien. Das Trio, zu dem mit Drummer Markus Missbrandt sowie Lars Dreier, Bassist, Keyboarder und Gitarrist nicht nur kreative Songschreiber, sondern gleichzeitig auch begnadete Soundtüftler gehören, hat die wunderbare Freiheit von Menschen, die keinen fragen müssen. Sondern einfach machen. „Ich habe ein so zugepacktes Leben. Das hier, diese Montagabende in unserem Proberaum in Gummersbach, da kann ich einfach alles fließen lassen. Und ich hab noch nie mit Musikern gearbeitet, die auch als Freunde so cool sind“, bringt es Dominik auf den Punkt. 

Im Proberaum in Gummersbach sind auch die bisher drei Superthousand-Platten entstanden: „Universe Reverse“ im Jahr 2013 mit sechs Songs, „Voyage“ drei Jahre später mit fünf Tracks. Und nun „#trnsit“. Wieder ein Song mehr –und zwei Zehnminüter. „Das sagen wahrscheinlich alle Bands, aber: Wir haben noch mal eine Schippe draufgepackt. Wir hatten mehr Zeit, hatten mehr Leute um uns herum, die uns unterstützt haben. Das ist ein bisschen wie beim Film mit anfangs SD, dann HD und später 4K“, 

sagen die drei. Sie jammen jeden Montag, „und wenn wir Glück haben, läuft irgendwo ein Aufnahmegerät und wir halten die Melodie fest. Einer von uns hat später vielleicht einen Text dazu. Und am Ende wird ein Song draus.“ Elektronischer sind die Songs geworden, ihr Sound ist noch einmal deutlich besser abgemischt. Und sie stecken voll schöner Ideen: Den Takt von „Safe and Now“, dem letzten Song auf dem neuen Album, das ENGELBERT schon vor der Veröffentlichung hören durfte, bilden zu Anfang gleichmäßige Schritte. Über einen Waldweg? Auf einer Lichtung? Egal. Man hört zu und geht einfach mit. Spürt die Melancholie, die diesen Song durchzieht. Erlebt, wie er sich aufbaut, Sekunde für Sekunde. Wie er nach zweieinhalb Minuten von der Ballade in eine Rocknummer explodiert. Wie er wieder ruhiger wird. Und erneut Fahrt aufnimmt. Plötzlich erklingt ein Didgeridoo in diesem zehnminütigen wunderbaren Auf und Ab. Ein Song wie ein Leben. Und genauso plötzlich zu Ende.

Superthousand fangen das Leben ein. Kreieren Gänsehautmomente. Auf ihrem Album. Und live. Mehr Auftritte sollen es werden, und wenn man Drummer Markus, der sich als Schlagzeuglehrer und Mitglied einer Rage-against-the-machine-Coverband durchaus Berufsmusiker nennen darf, fragt, dann am liebsten jede Woche: „Auf der Bühne, hinterm Schlagzeug, das ist mein Happy Place.“ Nicht nur seiner. Weil nicht nur Superthousand in den Liveversionen ihrer Songs aufgehen, sondern auch ihre Fans. „Und es ist egal, ob uns Leute in Kuala Lumpur, in Hamburg oder in Oberberg hören. Es ist schön, wenn sie kommen. Nicht, weil es Bier gibt oder wir ihre Nachbarn sind, sondern weil sie unsere Musik gut finden.“

Diese Musik ist gut. So gut, dass die Band und ihre Songs, bei allem Lokalkolorit, auf eine große Bühne gehören. Und in die Hände einer Plattenfirma, die sie fördert. Und ihnen bitte alle Freiheiten lässt. Denn diese musikalische Kreativität braucht ihren Raum. Für noch viel mehr grandiose Songs.