Saitenweise Leidenschaft

musik

Luciano Marziali ist ein Gitarrenvirtuose. In Gummersbach hat er die Konzertreihe „Zauber der Gitarre“ etabliert. Vor der Show am 13. Dezember in der Halle 32 blickt
er auf 40 Jahre Musikerleben zurück.

Wenn er am Freitag, den 13. Dezember, gemeinsam mit seinem Duettpartner Tobias Kassung bekannte Filmmelodien auf der Gitarre interpretiert, ist das für die Besucher der Halle 32 ein wahrer Glücksfall. Denn Luciano Marziali ist ein Virtuose. Einer, der für das Gitarrenspiel lebt. Einer von ganz wenigen Menschen, die schon sehr früh im Leben wissen, was sie später einmal machen werden. Dass diese eine Sache, komme, was wolle, immer zu ihrem Leben gehören wird. Das Wunderbare an der Konzertreihe „Zauber der Gitarre“, die der Italiener in Gummersbach ins Leben gerufen hat: Er teilt sich die Bühne mit anderen hervorragenden Künstlern. Im Dezember werden es neben Kassung mit Livio Gianola der sicherlich höchstgeschätzte Flamenco-Gitarrist Italiens sowie der schon seit den 70er Jahren weltweit angesehene deutsche Akustikgitarrist Peter Finger sein. Ein Abend und drei Konzertteile mit je 40 Minuten in einer musikalischen Qualität, wie man sie so in der Region sicher selten erlebt. 

Das Schöne an Konzerten ist ja, Menschen dabei zuschauen und zuhören zu dürfen, wie sie das tun, was sie lieben. Luciano Marziali entdeckte diese Liebe, da war er gerade mal drei Jahre alt. „Mein Vater spielte damals hobbymäßig eine Gitarre, und ich griff immer wieder zu dem Instrument. Dann bekam ich meine erste eigene Gitarre aus Plastik, um zu schauen, was passiert. Ich habe immer wieder daran herumgeklimpert. Mit sechs Jahren folgte dann eine richtige aus Holz. Und ich spielte. Und meine Eltern merkten, dass ich richtig Lust darauf hatte.“ Er spielte gut, so gut, dass sein erster Musiklehrer eingestand: Der Junge braucht eine besondere Förderung, er braucht andere Musiklehrer. Seine Eltern ermöglichten ihm das. Und noch mehr: Als Luciano Marziali elf Jahre alt war, erhielt er die Chance, sich fürs Musikkuratorium in seiner italienischen Heimat zu bewerben. Er wurde aufgenommen. Was das nun bedeuten würde, war ihm vollkommen klar: „Die nächsten zehn Jahre mehrmals die Woche nach der Schule noch einige Stunden Gitarre lernen.“ 

Hui. Und das soll einer durchziehen, der erst elf ist? Was ist mit der Teenagerzeit? Was mit den Klassenkameraden, die, nichts für ungut, nach der Schule eher in den Fußballverein gehen? „Ja, ich habe einige Male gedacht, das schaffe ich nicht. Aber das bezog sich auf die normale Schule“, antwortet Marziali und lacht. Er zog beides durch: Die Schule, das Kuratorium, und Zeit, um mit den Kumpels zu kicken, blieb auch noch. Mit den anderen Kuratoriumsschülern traf er sich sogar oft vor dem eigentlichen Unterricht, um gemeinsam zu musizieren. „Da wusste ich schon, dass die Gitarre immer Teil meines Lebens sein wird.“ In welcher Form, das war aber noch offen. Vielleicht sogar eine Karriere als Rockgitarrist? Immerhin besaß er auch mal eine E-Gitarre des Modells, mit dem schon Van Halen die Bühne rockte. 

Aber er blieb dann doch bei der Akustischen. Und nach dem Abitur und dem Beginn seines Musikstudiums war ihm auch klar: Ich werde Profimusiker. Nur nicht in Italien. Denn Luciano Marziali zog es weg von zu Hause. Er landete an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, das Diplom vom Musikkuratorium in Italien frisch in der Tasche. Luciano Marziali sprach anfangs kein Wort Deutsch, die Sprache der Musik ist zum Glück universell. Deutsch lernte der heute 43-Jährige nebenbei, spricht längst fließend mit einem sehr charmanten italienischen Akzent. 

Er hat es geschafft, aus seiner Leidenschaft einen Beruf zu machen. Hat als klassischer Gitarrist diverse musikalische Auszeichnungen erhalten, mehrere Alben aufgenommen, zuletzt eines mit besagten Filmmusiken, die er am 13. Dezember live spielen wird. Auch Flamenco spielte er eine ganze Zeit lang, gab das aber nach und nach auf. Aus einem ganz pragmatischen Grund: „Beim Flamenco spielt man vergleichsweise hart, dabei gehen die Fingernägel kaputt. Für die klassischen Stücke brauchst du aber Top-Fingernägel.“ Beides parallel ging nicht. Marziali entschied sich für die Klassik. Das Schöne dabei: „Wenn du die klassische Technik beherrschst, kannst du auch viele andere Stilrichtungen spielen.“Heute tritt er nicht nur leidenschaftlich gern auf, er gibt all sein Wissen aus 40 Jahren Musik auch weiter – als Gitarrenlehrer in Köln. Und wie kam Luciano Marziali nach Gummersbach, wo er schon seit einigen Jahren eng mit Martin Kuchejda, dem Leiter der Halle 32, zusammenarbeitet? „Ich habe einige Jahre in der Musikschule Engelskirchen unterrichtet. Eine Schülerin dort kannte Martin, damals noch zu Zeiten des Bruno-Goller-Hauses. Ich nahm Kontakt auf, spielte ein Konzert. Und ich hatte damals schon den Eindruck, dass die Leute Lust auf eine ganze Gitarren-Konzertreihe haben.“ Haben sie. Und sie dürfen sich auf einen weiteren Abend mit allen Facetten der Gitarre freuen:

Freitag, 13. Dezember, 19 Uhr: „Zauber der Gitarre“ mit Livio Gianola, Luciano Marziali und Tobias Kassung sowie
Peter Finger.