Ein Sturm zieht auf

musik

Von der Tributeband zur Hardrockformation mit eigenen Songs: Freakstorm aus Gummersbach haben eine EP vorgelegt, die Lust auf viel mehr macht. Auf Liveshows. Und auf ein Album.

Sieht verdammt gut aus, das brennende Brautkleid auf dem Cover der ersten EP. Mutig, provokativ und vor allem hochprofessionell inszeniert. So wie das Video zu „Can‘t keep me down“. Überhaupt dieser Song: Eine Hardrock-Nummer aus einem Guss. Kraftvoll, mitreißend, großartiger Chorus, starke Lyrics. Dann der Blick auf die Website – die Bandstory, die gesamte Menüführung, alles in Englisch. Moment mal, kommt diese Band nicht von hier? Aus Gummersbach? Ja, kommt sie. Aber Freakstorm hat sich einen internationalen Anstrich verpasst, der dieser Band nicht nur gut steht, er liegt geradezu auf der Hand. Denn die EP mit ihren sechs Songs, die Ende Oktober erschienen ist, klingt so ausgereift, als hätte die Band in den letzten Jahren nichts anderes gemacht, als eigene englischsprachige Rocksongs zu produzieren.

Foto: Marcel Fuderholz

Hat sie aber. Die Gründungsmitglieder um Sängerin und Songwriterin Sinah Meier, Drummer OIiver Fuchs, die Gitarristen Dirk Weidmann und Toby Wendeler sowie Bassist Marc Bremer machen seit ihrer Jugendzeit Musik – nur war es früher nicht diese. Klar, rockig war es in diversen anderen Bands. „Aber mit diesen Songs, wie wir sie jetzt schreiben und produzieren, haben wir unsere Traummusikrichtung gefunden“, stellt Oliver Fuchs klar, der für Freakstorm nicht nur am Schlagzeug sitzt, sondern auch einen Großteil der Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Das wiederum so engagiert, dass die neue EP der Band unter anderem in bekannten Szenemagazinen wie ROCKS und BreakOut vorgestellt wurde, die Musikvideos im Internet viral gingen und auf Facebook einige zehntausend Menschen erreichten. Das neue Freakstorm, es ist nicht regional gedacht, sondern soll Rockfans auf der ganzen Welt erreichen. 

Moment – wie jetzt, wieso neu? Und was war dann vorher? Die Tributeband. Denn der Bandname kommt nicht von ungefähr. Er huldigt der amerikanischen Rockband Halestorm, die wiederum nach dem Nachnamen von Leadsängerin Lzzy Hale benannt ist. „Wir mögen die Songs der Band, also haben wir Freakstorm als Tribute gegründet und die Stücke gecovert“, erzählt Oliver Fuchs. Ausgerechnet bei einem Treffen mit der Band Anfang 2017 ergab sich eine ganz neue Richtung: Sängerin Sinah inspirierte die Begegnung zum eigenen Song „We got the fire“. Freakstorm nahmen ihn auf, und Sinah Meier, die vorher schon viele Songs geschrieben hatte, nur keine Rockstücke, merkte: Da geht was. Ihre Bandkollegen merkten das auch und fanden mit dem erfahrenen Produzenten Dennis Ward, einem gebürtigen Amerikaner, der auch schon Metalbands wie Unisonic und Sänger wie Bob Catley produziert hat, den richtigen Partner. Er machte mit der Band aus guten Songs noch bessere. Und der Gummersbacher Produzent Oliver Fennel brachte sie in seinem Label heraus. Rock made in Gummersbach – im halben Dutzend. 

Warum kein ganzes Album? Weil Sinah Meier und Oliver Fuchs in diesem Jahr stolze Eltern einer kleinen Tochter wurden. Die EP indes ist so gut gelungen, dass es nur eine Frage der Zeit (und der Nächte, in denen man wieder durchschlafen kann …) sein wird, bis das komplette Album erscheint.

Songideen hat Sinah Meier genug. Die nimmt sie per iPad zunächst selbst auf, die anderen Bandmitglieder geben ihre Ideen dazu, gemeinsam entstehen die Stücke. Das ist nicht immer einfach, wie etwa bei „Payback Time“, an dem Freakstorm über Wochen herumfeilten. Die Geduld hat sich ausgezahlt: Besagtes ROCKS-Magazin hat den Song auf seine Promo-CD genommen, die mit dem Heft verkauft wird. Ein Freakstorm-Song, der tausendfach die Leser und Hörer erreicht – eine bessere Werbung gibt es nicht. 

Foto: Doris Gassner

Geht da bald noch mehr? Wird aus dem Hobby, der Leidenschaft, ein Beruf? „Vor 25 Jahren hätte ich jetzt gesagt: Ja, schauen wir, was geht. Aber heute stehen wir alle im Leben“, antwortet Oliver Fuchs. „Und es ist auch ganz gut, wenn man davon nicht leben muss, sondern es so machen kann, wie man möchte“, ergänzt Gitarrist Dirk Weidmann. Sängerin Sinah Meier zögert kurz. „Och, so ein Träumchen ist da schon noch“, sagt sie und lächelt. Freakstorm haben die komfortable Situation, dass alle Bandmitglieder feste Jobs haben, also von der Musik nicht leben müssen. Diese Musik ist wiederum so gut, dass sie es womöglich irgendwann könnten. 

Vielleicht fegt ja in einigen Jahren ein oberbergischer Sturm über die Rockbühnen Europas? „Wir lassen die Kirche im Dorf und machen einen Schritt nach dem anderen. Und freuen uns über jeden Fan aus der Szene, dem unsere Musik gefällt“, gibt sich Oliver Fuchs bewusst bescheiden. Keine Frage: So bald wie möglich werden Freakstorm die neuen Songs auch live performen. In der Region. Und dann sicher ganz schnell auch anderswo. Denn der melodiöse, top-produzierte Hardrock aus Gummersbach ist verdammt gut. Und als EP bei Saturn und auf Amazon zu haben.