Machen!

Im Oktober hat er ein Heimspiel. Und Heimspiele sind immer etwas Besonderes. Du kennst halt so ziemlich jeden, der da im Publikum sitzt. Mit vielen verbindet dich eine Geschichte. Gemeinsames Arbeiten. Lange Gespräche. Viel Schönes. Und manches, das nicht so schön war. Wie das eben so ist. Vielleicht sitzen da auch ein paar Leute, die vor Jahren aus Stefan Hagens Lebenszug ausgestiegen sind und jetzt mal schauen wollen, was er denn so macht. Der Hagen, der mal bei der Stadt Wipperfürth verbeamtet war. Der Geschäftsführer der WEG wurde, sie quasi mitbegründet hat. Der später dann, da schon als Coach, plötzlich im Privatfernsehen auftauchte, fast 13 Monate lang. Ja, wovon wird er wohl erzählen, wenn er bald vor die Wipperfürther Unternehmer tritt? Als Keynote-Speaker bei deren Vollversammlung? Motive stehen fest, Episoden, Fragmente. Und natürlich das Leitmotiv: Mut zum Machen, zum Handeln. Denn es ist sein Lebensmotiv, nicht erst, seit der Wipperfürther als Businesscoach und Speaker erfolgreich ist.

Ja, und vielleicht erzählt er auch von jenem Abend im Jahr 2015, als er in einem Krankenbett lag. „Wollen Sie sich jetzt wirklich damit beschäftigen, woher der Tumor kommt, Herr Hagen? Und was bringt Ihnen das dann? Dass Sie noch mehr grübeln? Ich brauche Ihre Energie morgen. Den Tumor kriegen wir raus, aber die Blutung wird heftig sein. Sie müssen also bei Kräften bleiben.“ So in etwa hat sich der Arzt damals verabschiedet bis zum nächsten Morgen. Stefan Hagen hat die Momente danach noch genau vor Augen: „Und dann lag ich da und dachte: Okay, wenn du das also morgen hoffentlich schaffst – wofür willst du aufstehen? Für das?“

Als wenige Wochen zuvor die Kopfschmerzen begonnen hatten, deren Ursache auf einen zum Glück gutartigen Tumor im Stirnbereich zurückging, war „Das“ an sich eine ganz erfolgreiche Kiste: Stefan Hagen war zu dieser Zeit fast ausschließlich als Speaker unterwegs. Er tourte durchs Land, stand auf der Bühne, sprach zu den Menschen, hatte auch ein nicht unerfolgreiches Buch geschrieben.

Und er hatte sich kurz zuvor von einem dieser nicht ganz billigen, dafür scheinbar allwissenden Marketingexperten beraten lassen, dass nur Ganz oder Gar nicht gehe, wenn er auf den Bühnen durchstarten wolle, dass er nur „Der Speaker“ sein könne, der Menschen mit seinen Reden mitreißt. Das und Ende. Stefan Hagen folgte diesem Rat, gab einige der Kunden ab, die er bis dato erfolgreich beraten hatte, konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Auftritte. Ja dann … machen wir doch einfach so weiter, oder? Die OP gut überstehen und bald wieder rauf auf die Bühne? Die nächsten, sagen wir, 20 Jahre? „Das war mir nicht mehr genug“, erinnert sich Stefan Hagen.

Denn er hatte immer direkt mit Menschen zu tun. In der Stadtverwaltung von Wipperfürth, wo einst seine berufliche Laufbahn begann. Wenngleich ihm der Status „Beamter auf Lebenszeit“ schon vom ersten Tag an suspekt vorkam. Weshalb er sich, wenn auch erst Jahre später, ja selbstständig machte. Später dann, in den Jahren 2008/2009, machte er vor laufender Kamera für die Coaching-Soap „Hagen hilft!“ Handwerker und kleine Unternehmen fit. Ein Höllenjob, für den er an manchen Tagen so rasend schnell durchs ganze Land flog, fuhr und wieder flog, dass ihm Hören und Sehen verging. 45 Folgen in drei Staffeln, ewig lange Dreharbeiten, Sonderwünsche der Regisseure und der Redaktion und dann … der Schnitt. Der so manches, was Stefan Hagen zuvor mit den einzelnen Unternehmern besprochen hatte, doch ein bisschen anders darstellte. Entertainment halt. Da darf das Wahrhaftige, die Beratung, die echte Hilfe für Menschen, die Stefan Hagen am Herzen lag und liegt, auch gerne mal hinten rüberfallen. Gutes Geld hat er beim Fernsehen zwar verdient. „Aber nach diesen 13 Monaten war ich auch fertig“, sagt er heute. Trotzdem: Auch zu dieser Zeit hat er mit und für Menschen gearbeitet. Und dann also in den Jahren danach diese neue Karriere als reiner Speaker. Davon gibt es bekanntlich eine ganze Menge im Land, manche können es, manche nicht. Sie machen es trotzdem, und wer jetzt gerade an das Kölner Start-up „Gedanken tanken“ denkt und an die ausverkauften Rednernächte in der Lanxess-Arena und sich fragt, wie man es da wohl auf die Bühne schafft, dem sei gesagt: Die meisten bezahlen dafür.

Stefan Hagen indes lebte davon, ganz gut auch. Dann kam Anfang 2015 der Kopfschmerz. Der Schock: ein Gehirntumor. Die Einweisung ins Krankenhaus. Jener Abend vor der OP. Und diese Frage: „Wofür willst du morgen aufstehen?“ Er fand die Antwort noch in der Nacht: „Um Menschen zu unterstützen. Um ihnen in ihrem Business, mit ihrem Unternehmen zu helfen.“ Die Operation verlief glatt, die Ärzte entfernten den Tumor komplett. „Schon nach einigen Tagen hatte ich meine ersten beiden Businesskunden wieder“, erzählt Stefan Hagen heute. Den Marketingexperten hatte er dafür nicht mehr. Heute weiß er: Den braucht er auch nicht. Denn er selbst hat durch seine Coaching-Ausbildung, sein BWL-Studium, zahlreiche Fortbildungen, seine Erfahrung und seine enorme Menschenkenntnis alles, was er braucht, um sich als Businesscoach UND Speaker selbst zu vermarkten. Wofür braucht er ein „Oder“?

Vor allem hat er ein wunderbares Interesse. Daran, wie andere Menschen arbeiten, ticken, Dinge gestalten und verändern.
In den ersten zehn Minuten des fast zweistündigen Interviews mit ENGELBERT geht es gar nicht um ihn. Als der Schreiber dieser Zeilen (wie so oft auf den letzten Drücker) eintrifft, fragt Hagen ganz entspannt: „Gestresst? Wieso? Erzählen Sie doch mal.“ Das Tolle daran: Das ist keine Attitüde, es ist echt. Stefan Hagen liegen diese tiefgründigen Gespräche, bei denen die Zeit einfach mal keine Rolle spielt, am Herzen. Er liebt es, Menschen zu lesen, zu reflektieren, ihre Herausforderungen und Fragestellungen einzuordnen, sie in ihrem jeweiligen Hier und Jetzt abzuholen. Und sie dann individuell zu coachen. Ganz gleich, ob sie Einzelkämpfer sind oder Geschäftsführer eines Zweihundert-Mann-Unternehmens.

Gut möglich, dass er mit ihnen dann viermal im Jahr einen halben Tag verbringt, gerne im Haus Hammerstein, weil er die Atmosphäre dort ebenso schätzt wie den inklusiven Gedanken des Teams. Oder sie ein einziges Mal trifft, vielleicht in einem Strandkorb an der Nordsee. Oder mit ihnen mehrere Tage am Stück zusammenarbeitet und dann erst nach einem Jahr wieder. Wichtig dabei ist eines: Dass Potenziale, die vielleicht seit einiger Zeit dahinschlummern, erkannt, (re-) aktiviert und genutzt werden. Dass Menschen das tun, was sie am besten können. Dass sie Macher werden.

Und: Dass sie lernen, sich zu entscheiden, ganz gleich, wie schwierig eine Situation ist. Das ist gar nicht so einfach, denn: „Wer sich für etwas entscheidet, der schließt damit automatisch eine Vielzahl von anderen Alternativen aus.“ Hätte, hätte, Fahrradkette hilft keinem weiter. Was, wenn Stefan Hagen, der Diplom-Betriebswirt, städtischer Beamter geblieben wäre? Was, wenn er weiter Fernsehen gemacht hätte? Fragen, die sich der Wipperfürther, der seiner Heimatstadt die Treue hält, seit er denken kann, nicht stellen muss. Denn es ist ja gut so, wie es ist.

http://www.stefan-hagen.com