Machen!

Im Oktober hat er ein Heimspiel. Und Heimspiele sind immer etwas Besonderes. Du kennst halt so ziemlich jeden, der da im Publikum sitzt. Mit vielen verbindet dich eine Geschichte. Gemeinsames Arbeiten. Lange Gespräche. Viel Schönes. Und manches, das nicht so schön war. Wie das eben so ist. Vielleicht sitzen da auch ein paar Leute, die vor Jahren aus Stefan Hagens Lebenszug ausgestiegen sind und jetzt mal schauen wollen, was er denn so macht. Der Hagen, der mal bei der Stadt Wipperfürth verbeamtet war. Der Geschäftsführer der WEG wurde, sie quasi mitbegründet hat. Der später dann, da schon als Coach, plötzlich im Privatfernsehen auftauchte, fast 13 Monate lang. Ja, wovon wird er wohl erzählen, wenn er bald vor die Wipperfürther Unternehmer tritt? Als Keynote-Speaker bei deren Vollversammlung? Motive stehen fest, Episoden, Fragmente. Und natürlich das Leitmotiv: Mut zum Machen, zum Handeln. Denn es ist sein Lebensmotiv, nicht erst, seit der Wipperfürther als Businesscoach und Speaker erfolgreich ist.

Ja, und vielleicht erzählt er auch von jenem Abend im Jahr 2015, als er in einem Krankenbett lag. „Wollen Sie sich jetzt wirklich damit beschäftigen, woher der Tumor kommt, Herr Hagen? Und was bringt Ihnen das dann? Dass Sie noch mehr grübeln? Ich brauche Ihre Energie morgen. Den Tumor kriegen wir raus, aber die Blutung wird heftig sein. Sie müssen also bei Kräften bleiben.“ So in etwa hat sich der Arzt damals verabschiedet bis zum nächsten Morgen. Stefan Hagen hat die Momente danach noch genau vor Augen: „Und dann lag ich da und dachte: Okay, wenn du das also morgen hoffentlich schaffst – wofür willst du aufstehen? Für das?“

Als wenige Wochen zuvor die Kopfschmerzen begonnen hatten, deren Ursache auf einen zum Glück gutartigen Tumor im Stirnbereich zurückging, war „Das“ an sich eine ganz erfolgreiche Kiste: Stefan Hagen war zu dieser Zeit fast ausschließlich als Speaker unterwegs. Er tourte durchs Land, stand auf der Bühne, sprach zu den Menschen, hatte auch ein nicht unerfolgreiches Buch geschrieben.

Und er hatte sich kurz zuvor von einem dieser nicht ganz billigen, dafür scheinbar allwissenden Marketingexperten beraten lassen, dass nur Ganz oder Gar nicht gehe, wenn er auf den Bühnen durchstarten wolle, dass er nur „Der Speaker“ sein könne, der Menschen mit seinen Reden mitreißt. Das und Ende. Stefan Hagen folgte diesem Rat, gab einige der Kunden ab, die er bis dato erfolgreich beraten hatte, konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Auftritte. Ja dann … machen wir doch einfach so weiter, oder? Die OP gut überstehen und bald wieder rauf auf die Bühne? Die nächsten, sagen wir, 20 Jahre? „Das war mir nicht mehr genug“, erinnert sich Stefan Hagen.

Denn er hatte immer direkt mit Menschen zu tun. In der Stadtverwaltung von Wipperfürth, wo einst seine berufliche Laufbahn begann. Wenngleich ihm der Status „Beamter auf Lebenszeit“ schon vom ersten Tag an suspekt vorkam. Weshalb er sich, wenn auch erst Jahre später, ja selbstständig machte. Später dann, in den Jahren 2008/2009, machte er vor laufender Kamera für die Coaching-Soap „Hagen hilft!“ Handwerker und kleine Unternehmen fit. Ein Höllenjob, für den er an manchen Tagen so rasend schnell durchs ganze Land flog, fuhr und wieder flog, dass ihm Hören und Sehen verging. 45 Folgen in drei Staffeln, ewig lange Dreharbeiten, Sonderwünsche der Regisseure und der Redaktion und dann … der Schnitt. Der so manches, was Stefan Hagen zuvor mit den einzelnen Unternehmern besprochen hatte, doch ein bisschen anders darstellte. Entertainment halt. Da darf das Wahrhaftige, die Beratung, die echte Hilfe für Menschen, die Stefan Hagen am Herzen lag und liegt, auch gerne mal hinten rüberfallen. Gutes Geld hat er beim Fernsehen zwar verdient. „Aber nach diesen 13 Monaten war ich auch fertig“, sagt er heute. Trotzdem: Auch zu dieser Zeit hat er mit und für Menschen gearbeitet. Und dann also in den Jahren danach diese neue Karriere als reiner Speaker. Davon gibt es bekanntlich eine ganze Menge im Land, manche können es, manche nicht. Sie machen es trotzdem, und wer jetzt gerade an das Kölner Start-up „Gedanken tanken“ denkt und an die ausverkauften Rednernächte in der Lanxess-Arena und sich fragt, wie man es da wohl auf die Bühne schafft, dem sei gesagt: Die meisten bezahlen dafür.

Stefan Hagen indes lebte davon, ganz gut auch. Dann kam Anfang 2015 der Kopfschmerz. Der Schock: ein Gehirntumor. Die Einweisung ins Krankenhaus. Jener Abend vor der OP. Und diese Frage: „Wofür willst du morgen aufstehen?“ Er fand die Antwort noch in der Nacht: „Um Menschen zu unterstützen. Um ihnen in ihrem Business, mit ihrem Unternehmen zu helfen.“ Die Operation verlief glatt, die Ärzte entfernten den Tumor komplett. „Schon nach einigen Tagen hatte ich meine ersten beiden Businesskunden wieder“, erzählt Stefan Hagen heute. Den Marketingexperten hatte er dafür nicht mehr. Heute weiß er: Den braucht er auch nicht. Denn er selbst hat durch seine Coaching-Ausbildung, sein BWL-Studium, zahlreiche Fortbildungen, seine Erfahrung und seine enorme Menschenkenntnis alles, was er braucht, um sich als Businesscoach UND Speaker selbst zu vermarkten. Wofür braucht er ein „Oder“?

Vor allem hat er ein wunderbares Interesse. Daran, wie andere Menschen arbeiten, ticken, Dinge gestalten und verändern.
In den ersten zehn Minuten des fast zweistündigen Interviews mit ENGELBERT geht es gar nicht um ihn. Als der Schreiber dieser Zeilen (wie so oft auf den letzten Drücker) eintrifft, fragt Hagen ganz entspannt: „Gestresst? Wieso? Erzählen Sie doch mal.“ Das Tolle daran: Das ist keine Attitüde, es ist echt. Stefan Hagen liegen diese tiefgründigen Gespräche, bei denen die Zeit einfach mal keine Rolle spielt, am Herzen. Er liebt es, Menschen zu lesen, zu reflektieren, ihre Herausforderungen und Fragestellungen einzuordnen, sie in ihrem jeweiligen Hier und Jetzt abzuholen. Und sie dann individuell zu coachen. Ganz gleich, ob sie Einzelkämpfer sind oder Geschäftsführer eines Zweihundert-Mann-Unternehmens.

Gut möglich, dass er mit ihnen dann viermal im Jahr einen halben Tag verbringt, gerne im Haus Hammerstein, weil er die Atmosphäre dort ebenso schätzt wie den inklusiven Gedanken des Teams. Oder sie ein einziges Mal trifft, vielleicht in einem Strandkorb an der Nordsee. Oder mit ihnen mehrere Tage am Stück zusammenarbeitet und dann erst nach einem Jahr wieder. Wichtig dabei ist eines: Dass Potenziale, die vielleicht seit einiger Zeit dahinschlummern, erkannt, (re-) aktiviert und genutzt werden. Dass Menschen das tun, was sie am besten können. Dass sie Macher werden.

Und: Dass sie lernen, sich zu entscheiden, ganz gleich, wie schwierig eine Situation ist. Das ist gar nicht so einfach, denn: „Wer sich für etwas entscheidet, der schließt damit automatisch eine Vielzahl von anderen Alternativen aus.“ Hätte, hätte, Fahrradkette hilft keinem weiter. Was, wenn Stefan Hagen, der Diplom-Betriebswirt, städtischer Beamter geblieben wäre? Was, wenn er weiter Fernsehen gemacht hätte? Fragen, die sich der Wipperfürther, der seiner Heimatstadt die Treue hält, seit er denken kann, nicht stellen muss. Denn es ist ja gut so, wie es ist.

http://www.stefan-hagen.com

 

 

Für Genießer

Für jede Weinsorte gibt es das richtige Glas“, versichert Dr. Jörg Sachse, der Inhaber von Wein & Tee bei E. in Wiehl und Lindlar. Warum der Wein aus einem solchem Glas besonders gut schmeckt? „Weil es zum Beispiel speziell für einen Riesling entwickelt wurde“, erklärt der Experte. Viele seiner Kunden glauben das zunächst nicht – bis er es Ihnen beweist, indem er denselben Wein in verschiedene Gläser füllt. Und tatsächlich schmeckt er, um beim Riesling zu bleiben, aus dem speziellen Glas besser. Klappt mit einem Bordeaux und dem passenden Glas genauso.
„Zumindest für den Lieblingswein sollte man sich das Glas gleich mitnehmen“, rät Sachse.

Die Liebe zum Wein (und zum Tee!) entstand bei Familie Sachse schon in der Jugend. Vor 23 Jahren wagte das Ehepaar den Schritt in die Selbstständigkeit. Und die Liebe ist seither noch gewachsen: „Riesling ist sicherlich meine Leidenschaft und bei Rotwein der Bordeaux.“ Vorliebe hin oder her: In ihren beiden Fachgeschäften sind die Sachses breit aufgestellt und führen Weine aus aller Welt. Und jeder Kunde, vom Weinliebhaber bis zum -neuling ist bei ihnen gut aufgehoben. Sie gehen individuell auf die Kunden ein und beraten sie umfassend. Da ist selbst für den kleinen Geldbeutel des noch unerfahrenen Weintrinkers was dabei. Verschiedenste Weine können die Kunden vor Ort direkt probieren. „Damit man sich langsam an den Richtigen heranarbeiten kann“, erklärt Elke Sachse und lächelt. Auch Weinverkostungen mit selbstgemachten Delikatessen bietet Wein & Tee an und dieses sogar kostenfrei. Zu den planmäßigen Veranstaltungen nur kurz anmelden und sich kulinarisch in die Weinberge entführen lassen! 

Neben den über 800 Weinsorten und Spirituosen bietet der Wein & Tee Laden in beiden Städten natürlich auch Tee. 120 Sorten in allen Variationen hat das Ehepaar Sachse im Sortiment. Von schwarz bis grün, von Roibusch bis Früchtetee. Alles, was das Herz des Teetrinkers höher schlagen lässt. „Bei unseren Tees ist es uns sehr wichtig, dass die Arbeiter in den Teegärten vernünftig bezahlt werden und gut leben können“, unterstreicht Elke Sachse. Nachhaltigkeit und Regionalität spielen bei ihr und ihrem Mann eine große Rolle.
Zum guten Getränk gehört natürlich auch gutes Essen. Deshalb gibt es im Geschäft eine große Auswahl an Delikatessen. Käse, Schinken sowie verschiedenste Dips und Cremes. Die auf Wunsch auch zu tollen Präsenten zusammengestellt werden. Ein Tipp für alle Geschäftskunden: Wein & Tee verschickt die Präsente sogar weltweit.

 www.weinundtee.de

Die Bühne und sie

Kennen Sie auch diese Menschen, die begeistert von ihrem Tun und Schaffen erzählen, und Sie fragen sich: Hey, wo nimmt er oder sie die Zeit nur her? Haben da die Tage mehr Stunden als bei mir? So ein kreativer und produktiver Mensch ist Sabrina Schultheis auch. Als ENGELBERT im Frühjahr von der neue Alice-Inszenierung des Musical-
Projekt Oberberg (MPO) erzählte, für die die Gummersbacherin auch schon verantwortlich war, berichtete sie so wunderbar enthusiastisch von ihrer Arbeit, dass wir sie unbedingt nochmal wieder treffen mussten. Um mehr über sie zu erfahren. Und natürlich auch über ihr neues Projekt. Moment … Einzahl? Nee, Fehler.
Natürlich sind es gleich mehrere. Und von wegen Zeit. Es ist nicht so, als wäre Sabrina Schultheis als Lehrerin mit ihrer Fünf-Tage-Woche nicht ausgelastet. Oder mit ihrer neuen Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Forschung und Beratung an der Uni Köln. Oder als Speakerin, die auf Einladung deutschlandweit über ihre inklusive Arbeit spricht. Sie lebt eben auch fürs Theater. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen, sie aufzuschreiben, mit Leben zu füllen, mit Szene und Dialog. Und sie dann gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln.

Deshalb brennt sie auch für ihren Theaterjob in der Halle 32. Nur das MPO? Viel zu wenig. Deshalb leitet sie seit einigen Jahren auch eine Erwachsenen-Theatergruppe und eine inklusive Jugend-Theatergruppe, in der Schauspieler mit und ohne Behinderungen gemeinsam auf der Bühne stehen. Stücke erarbeiten. Und aufführen. So wie Ende September und Anfang Oktober an gleich vier Terminen (siehe Infokasten am Ende) mit dem neuen Stück „Das Harlekin-Syndrom.“ Eine ungewöhnliche Geschichte um eine verwitwete Mutter zweier Kinder, die einen neuen Mann kennenlernt, der sie jedoch verprügelt. Die Kinder wollen ihre Mutter vor dem Stiefvater schützen und sie als Krankenschwester in eine Heilanstalt vermitteln. Dort wird sie jedoch als Patientin eingewiesen …

Ungewöhnlich ist auch die Zusammensetzung: Denn das Stück wird in den beiden genannten Kursen parallel erarbeitet und am Ende dann zusammengeführt. Insgesamt 17 Darsteller sind beteiligt. Auch das macht Sabrina Schultheis aus: Wo manch anderer vielleicht abwehrend rufen würde: „Was? Wie soll das denn gehen? Noch dazu in einer inklusiven Gruppe?“, da sieht sie erst die Herausforderung, den Reiz und vor allem das Potenzial. „Es geht in dem Stück auch um Menschen mit Behinderung. Warum also sollten nicht Menschen mit Behinderung genau das spielen?“
Zumal sie als Regisseurin erkennt, was in den Menschen steckt, egal, welche Vorgeschichte sie mitbringen. Das Faszinierende, und, da ist Sabrina Schultheis sicher, deutschlandweit auch Einzigartige daran: Es spielt überhaupt keine Rolle, ob hier Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam Theater spielen. „Für mich sind das alles meine Schauspieler“, stellt sie klar. Natürlich: Sie muss stärker, individueller auf jeden Einzelnen, jede Einzelne eingehen, nach einem anstrengenden Tag in der Schule noch spätnachmittags bis abends alle Antennen hochfahren und wahrnehmen, was in ihren Darstellern gerade vorgeht. Was sie von wem wann erwarten kann oder wann es jemandem zu viel wird.

Apropos viel: Vier Aufführungen, ist das nicht ein bisschen too much? „Nachdem wir letztes Mal drei Vorstellungen hatten und ich Leute wegschicken musste, weil alles ausverkauft war, würde ich sagen – nein.“ Und die Frage nach dem Stress muss man Sabrina Schultheis erst gar nicht stellen. Jedes Mal das Lampenfieber. Jedes Mal, das liegt auch an der Besonderheit dieser Theatergruppen, eine gewisse Unberechenbarkeit. Jedes Mal das Loslassen, wenn die Schauspieler ihr Ding machen müssen auf der Bühne. Für Sabrina Schultheis eine pure, echte Freude. Sie will es so. Und sie hat auch schon konkrete Pläne für die nächsten Stücke. Oder schreibt sie vielleicht zuvor noch an einem neuen Buch? Vielleicht wird sie mit ihren Theatergruppen auch zur Preisträgerin, denn das Projekt „Harlekin-Syndrom“ hat sie für den Wettbewerb „Rauskommen 2019“ angemeldet.

Gut möglich auch, dass sie einige neue Ideen für ihren Schulunterricht entwickelt. Denn Ideen gehen Sabrina Schultheis nicht nur nie aus, sie sind auch oft sehr schnell da. Dann setzt sie sie um. Übrigens: Wer nicht lange zaudert, spart genau die Zeit, von der andere sich fragen, wieso sie ihnen fehlt. Sieht zurzeit alles ganz sonnig aus für Sabrina
Schultheis, die es in ihrem Leben indes nicht immer einfach hatte. Und die sich all das, was sie jetzt schon erreicht hat, hart erarbeiten musste. Vielleicht überschreibt sie all ihr kreatives Schaffen, all ihren Facettenreichtum auch deshalb nicht mit einem reinen Heiterkeitswort, sondern mit einem Motto, das so poetisch wie vielsagend ist: Wolkendinge.

 

Das Harlekin-Syndrom: 

Aufführungen am 29. September,
2., 4. und 6. Oktober
jeweils um 17.30 Uhr
in der Studiobühne der Halle 32.
Es spielen die Schauspielkurse inklusiv und Junge Erwachsene der Kulturwerkstatt32.

Karten an der Abendkasse oder vorab unter wolkendinge@web.de

DA geht was

So, ist gut jetzt. Genug gemeckert. Genug genörgelt. Genug gejammert. Wird Zeit nach vorne zu schauen. Anzupacken. Echt mal was zu bewegen. Davon sind immer mehr Wipperfürther überzeugt. Und packten an, Ende August, beim ersten WippWerk. Mehr als 50 Menschen kamen in der Kreissparkasse am Marktplatz zusammen und entwickelten in fünf Workshop-Gruppen erste Ideen für eine Hansestadt von morgen.

Wie es dazu kam? Das ist recht schnell erzählt: Frank Rütten, selbstständiger Immobilienmakler, äußerte im Wipperfürther Wirtschaftsforum den Wunsch, einmal auf neue Weise gemeinsam nach vorne zu schauen. Gas zu geben. Zum Wohle der Stadt. Marcel Willms von der BEW sah das direkt genauso. Und beide wurden aktiv. Verwandelten ein Businessfrühstück in ein Speeddating. Begeisterten mit Frische und neuen Ideen. Auch ENGELBERT-Textchef Daniel Juhr steckten sie an.

„Was können wir gemeinsam mit anderen Menschen aus der Stadt bewegen? Wie können wir Wipperfürth weiterentwickeln, damit endlich mal niemand mehr nur über Baustellen, Strukturprobleme und was auch immer mosert?“, fragten sich die drei, die im Wirtschaftsforum schnell einen Beinamen bekamen: Junge Wilde. Was nicht direkt aufs Alter gemünzt ist, sondern vielmehr auf eine frische, positive Art und Weise. Auch mal frech sein. Ideen einfach auf den Tisch legen, anstatt zu mauern. Darum geht es Rütten, Willms und Juhr sowie einigen weiteren Kreativen, mit denen sie gemeinsam das WippWerk erfunden haben. Eine Plattform, ein Netzwerk, auf dem Wipperfürth entwickelt werden soll. „Handel, Gastronomie, Dienstleister, Unternehmen, Vereine – in dieser Stadt steckt so viel Potenzial, das müssen wir nutzen. Und zwar jetzt“, unterstreicht Frank Rütten.

Einfach mal machen – auch darum geht es im WippWerk. Die über 50 Wipperfürther Macher und Mitmacher aus allen Branchen, die sich Ende August in der Kreissparkasse trafen, erarbeiteten auf beeindruckende Weise erste Ideen,
Konzepte, Visionen. Bei kalten Getränken und Fingerfood von Edeka Offermann wurden sie gemeinsam kreativ.
Auf eine solche Resonanz hatten die „Jungen Wilden“ gehofft, damit gerechnet hatten sie nicht, als sie wenige Wochen zuvor mit einer bewusst pointiert formulierten Einladung und dem dazu passenden kurzen YouTube-Video zum ersten WippWerk eingeladen hatten. Allein das Video klickten über 600 Bürger an, die Einladungen wurden auf Facebook in diversen Gruppen geteilt. Natürlich standen auch die Skeptiker schnell auf dem Plan: „Das WippWerk – eine Eintagsfliege?“, hieß es da auch mal. Daniel Juhr stellt klar: „Kommentare wie diesen nehmen wir mit einem Augenzwinkern – und sehen sie als Herausforderung.“

Und diese soll absolut ernst genommen werden: „Uns geht es um die Stadt und um Langfristigkeit. Wir wollen für Wipperfürth in den nächsten Jahren etwas bewirken“, sagt Frank Rütten. Und das zunächst auch, ohne dass das WippWerk eine feste Form hat. Vielleicht bilden sich viele kleine Netzwerke, die gemeinsam ins Machen kommen. Vielleicht erlebt Wipperfürth demnächst mal wieder einen großartigen Stadtevent – von Bürgern für Bürger, mit Streetfoodfestival und Top-Bands. Oder eine Start-up-Szene entsteht. Oder die volldigitale Rabattkarte für den Handel kommt. Oder ein ganz neues Ladenlokal. Oder der Tourismus wird angekurbelt. In diese Richtungen gingen schon die ersten Ideen. Oder, oder … denn Möglichkeiten gibt es viele. Hauptsache, das Ja-Aber-Sagen hört auf. Und nebenbei entsteht womöglich ein ganz neuer, starker, selbstbewusster Wipperfürther Lifestyle. Gummersbach macht das ja gerade ganz gut vor rund ums Steinmüllergelände. Um viel zu erreichen, braucht es Beständigkeit: Deshalb steht auch der Termin fürs nächste WippWerk schon fest: Donnerstag, der 24. Oktober, um 19 Uhr in der Alten Drahtzieherei. Dann wird weiter kreativ am Wipperfürth von morgen gearbeitet.

www.wippwerk.de

Story Teller Auf Reisen

Alle Fotos: Ingo Buerfeind

Came in from the west to the boats of the Highlands, took over the rudder, the band went aboard. First gig: At Benleva we played on the Nessbanks, our keel cut the waves and the water like Aragorn´s sword …“

Und so fährt sie, die Highland Commander, über schottische Seen, durch ein mystisches Land, auf dem Weg zu neuen Geschichten. Jene an Bord werden sie erzählen in eben diesem Lied. Denn es sind oft ihre Reisen, die Begegnungen, die Menschen, die Abende und Nächte und die Wunder der Natur um sie herum, die später zu großartigen Songs werden.

Da sind wir, auf dem Weg zum nächsten Konzert, und der Kiel des Schiffes schneidet so scharf wie Aragorns Schwert … dieses Schwert heißt Anduril, das weiß jeder, der das Ewigkeitswerk von J.R.R. Tolkien gelesen oder die Verfilmungen gesehen hat. So wie Tim Roderwieser, Michael Fliegner, Markus Blumberg, Hannes Landau, Andreas Schwarz, Arne Herbst und Aileen Fliegner.

Sie sind Anduril und ihr Bandname ist gleichermaßen eine Hommage an Tolkien und den Herrn der Ringe.
So wie auch der Proberaum in einer stillen Wohnstraße in Lindlar. Da trifft sich die Skyerish Folkrockband um Gründer und Leadsänger Tim Roderwieser einmal die Woche. Aragorns stechende Augen, der stolze Blick von Braveheart-Held William Wallace – und noch ungezählte andere Bilder, Poster, Schnipsel und Ausschnitte verstecken das alte Backstein. Aber der Blick verweilt nur kurz auf den Wänden. Schließlich geht es ja um die Menschen hier drin. Um ihre Musik. Und ihr großes Projekt, für das sie gerade wieder auf Reisen waren.

Schottland und die Highlands, das war schon vor einigen Jahren und noch vor dem aktuellen, dritten Album „Atlanterra“. Als ENGELBERT zu Besuch ist in Lindlar, sind Anduril gerade von einer Nordland-Reise zurückgekehrt, die nicht nur wegen der fantastischen Ziele undder ungewöhnlichen Konzerte mit befreundeten Musikern unter anderem aus Schottland und Norwegen so besonders ist. Sondern, weil sie zu etwas wirklich Großem gehört: „Nordic Circle“ – der nordische Kreis.

Ein Mammutprojekt (nicht nur, wenn man bedenkt, dass alle Bandmitglieder nebenberuflich Musik machen und zum Beispiel als Malermeister oder Grundschullehrer ihr Geld verdienen), das schon jetzt auf das zwanzigjährige Bestehen von Anduril im Jahr 2021 zustrebt. „In Zeiten, da auf der ganzen Welt wieder Mauern errichtet werden, möchten wir die Menschen verbinden, möchten Brücken bauen. Das ist uns wirklich wichtig“, sagt Tim Roderwieser. Die Idee ist schon vor einigen Jahren entstanden, diesmal während einer Tour durch Irland. Dort unterwegs zu sein, zu spielen und andere Künstler zu treffen, wo die Musik, die man selbst schreibt und spielt, ihren Ursprung hat – das inspiriert.

Warum nicht im Sommer 2019 durch Dänemark, Schweden und Norwegen reisen? Warum nicht mit anderen Musikern spielen? Mit Trude und Leif Johannessen zum Beispiel, die sieben Monate im Jahr am Hardangerfjord leben und die übrige Zeit … genau – in Marienheide! Warum nicht gleich fünf musikalische Partner mit ins Boot holen und mit ihnen gemeinsam über zwei Jahre hinweg ein Album aufnehmen, das natürlich auch „Nordic Circle“ heißen wird. Und am
6. November 2021, in mehr als zwei Jahren, in der Konzerthalle PZ in Lindlar mit einer mitreißenden Live-Show vorgestellt werden wird. Vor 700 Zuschauern.

Was für eine Projektidee. „So was macht man nicht jeden Tag. Und vielleicht würden wir das auch in zehn Jahren nicht mehr machen“, stellt Tim Roderwieser klar. Er weiß: Nach dem Tod von Gitarrist Johannes Koch Ende vergangenen Jahres war erst mal gar nichts klar. Was wird aus uns, was aus der Band, was aus diesem Projekt? „Er hat gewollt, dass wir weitermachen. Er hat immer gesagt: Spielt“, sagt Drummer Andreas Schwarz und seine Bandkollegen nicken. Die Reise von Anduril geht weiter. Gitarrist Markus Blumberg wechselte nach Kochs Tod von der Akustik- zur E-Gitarre.
Und er brachte seine Freundin Aileen Fliegner als neue Co-Sängerin gleich
mit in die Band. Sie ist wiederum die Tochter von Bassist Michael Fliegner. „Wir sind eine große Familie“, sagt der Mann mit der Heavy-Metal-Mähne und lächelt.

 

Ob Folk, Metal oder Hardrock – die Einflüsse, die jeder Einzelne in die Band mit einbringt, sind so vielfältig wie die Musik. Die wiederum, auch das ist klar, passt super auf ein Folkfestival, auch auf einen Mittelaltermarkt, aber nicht unbedingt aufs Schützenfest: „Wenn da einer an die Bühne tritt und sagt: Spielt doch mal was von den Bläck Fööss, müssen wir leider sagen: Nee.“ Nicht, weil Anduril, die unter anderem die Band Runrig als Vorbilder sehen, ergänzend zu den eigenen Stücken keine Cover-Songs spielen würden. Sondern weil sie es nach 18 Jahren Bandkarriere einfach nicht nötig haben, sich zu verbiegen. Sie machen schottischen und irischen Folk, und das verdammt gut. Kraftvolle, rockende Songs wie „Rungholt“, der eine verheerende Sturmflut aus dem Jahr 1362 thematisiert, oder der Titelsong des aktuellen Albums „Atlanterra“ mit seinem so einfachen wie eingängigen Gitarrenmotiv sind so ausgereift und zugleich von hohem musikalischem Anspruch, dass man ihnen ganz bewusst lauschen muss. Oberflächliche Schunkelmucke? Nicht mit Anduril.

Wenngleich Tim Roderwieser als einziger seit Beginn an dabei ist – so etwas wie den einen Mastermind gibt es bei Anduril erfrischenderweise auch nicht. Wer durchs wunderschön auf Alt getrimmte Booklet von „Atlanterra“ blättert, findet bei den Credits zu den einzelnen Songs den Namen fast jedes Bandmitglieds. Manchmal steht da auch einfach „Anduril“: „Dann haben im Grunde alle an diesem Song gearbeitet, das lässt sich bei uns oft gar nicht so trennen“, erklärt Tim Roderwieser. Für die Harmonie innerhalb der Band haben deren Mitglieder über die Jahre die richtige Balance gefunden. Niemand muss damit Geld verdienen; wenn die CD-Verkäufe und rund zwölf Konzerte im Jahr genug Geld fürs Equipment und die nächste Konzertreise einspielen, ist das völlig okay. Und wenn, nachdem man alles wie immer selbst organisiert und gecheckt und dann zwei Stunden lang auf der Bühne gestanden hat, einer mal für den Rest des Abends die Nase voll hat und seine Ruhe haben will, dann ist das eben so.

Morgen ist auch noch ein Tag. Und doch sind es bei Anduril vor allem die Abende, die voller Magie stecken. Wenn die Zuschauer auf der Insel Pellworm, von denen einige die Band noch nie gehört und gesehen haben, begeistert applaudieren. Wenn die sieben Musiker und ihre Gäste in zwei Jahren 700 Menschen in Lindlar feiern werden. Und immer dienstags, wenn sie im Proberaum gemeinsam an ihren Songs arbeiten. So wie jetzt. ENGELBERT bleibt noch einen Moment. Lauscht dem ersten Lied. Und dem nächsten. Und dem nächsten. Und … freut sich jetzt schon auf den 6. November 2021. Auf all die Auftritte, die bis dahin sicher noch kommen. Und all die Bandgeschichten, die früher oder später zu neuen Anduril-Songs werden.

Alles Könner

Ein neues zweites Auto muss her. Das war uns Ende 2018 klar. Denn die ENGELBERT Echt Oberberg- Redaktion denkt und arbeitet gerne nachhaltig. Eigene Stromerzeugung dank Photovoltaik-Anlage auf dem Dach,
Ladesäule vor der Tür, bereits ein Elektroauto am Start. Also hatte der Verbrenner ausgedient. Nur: Wie sieht die Alternative aus? Ein E-Auto, das so groß ist, dass nicht nur viermal im Jahr viele tausend ENGELBERT-Ausgaben damit ausgeliefert, sondern mit dem privat auch mal die Hunde, das Hühnerfutter und alle Gepäckstücke für die kurze Urlaubsreise transportiert werden können? Und das bitte auch eine Reichweite hat, dank der man nicht alle halbe Stunde eine Ladestation aufsuchen muss … gibt es das?

 Ja, gibt es. Wir sind in Kierspe fündig geworden, beim Autohaus Bengelsträter. Und hatten etwas Glück. Denn eigentlich hätten wir auf unseren schneeweißen Nissan e-NV 200 Evalia gut sieben Monate warten müssen. Aber es war gerade ein neues Exemplar unterwegs, und so durften wir vollelektrisch ins Jahr 2019 durchstarten. Inzwischen hat unser Evalia schon über 10.000 Kilometer auf dem Buckel, diverse ENGELBERT-Auslieferungen und auch schon eine Urlaubsreise hinter sich. Und wir lieben dieses nach wie vor fast konkurrenzlose Auto, weil es praktischer kaum geht.

Denn … der Evalia hat, da er ja auf einem Lieferwagen basiert, über 600 Kilogramm Zuladung, ist zugleich außen kompakt und innen riesig. Auch, weil die Batterie, die 40 Kilowattstunden Strom speichern kann, komplett unter den Sitzen verbaut ist. Heißt: Viel Platz im Innenraum, sowie eine große und vor allem hohe Ladefläche. Zugleich ist der Evalia sehr schmal, und dank Schiebetüren auf beiden Seiten kommt man nicht nur in die schmalsten Parklücken, sondern dort auch elegant aus dem Auto. Apropos einparken: Mit Rückfahrkamera und hervorragender Übersicht ein Kinderspiel.

Denn … die „Evalia“-Ausstattung kostet zwar im Vergleich zum klassischen Lieferwagen einiges an Aufpreis, dafür wird der Nissan e-NV 200 aber nicht nur kräftig auf Familientauglichkeit getrimmt, er verfügt auch über allen technischen Komfort, den man braucht. Ja, er könnte mit etwas weniger Kunststoff an Türverkleidung und Armaturenbrett auskommen, aber die Technik macht das mehr als wett: Tempomat, Sitzheizung, Klimaautomatik, Navi, Handy-Konnektivität, besagte Rückfahrkamera und noch einiges mehr. Reicht völlig aus.

Denn … der Evalia ist dank seines neuen, größeren Akkus im Sommer wie im Winter absolut alltagstauglich. An kalten Tagen braucht er zwar deutlich mehr Strom als an warmen, da er nicht über eine Wärmepumpe verfügt. Sprich: Heizen bei minus acht Grad verringert die Reichweite um ein Drittel. Aber mal ehrlich: An wie vielen Tagen im Jahr ist es so kalt? Eben. Seit im März die Temperaturen nach oben gingen, sank der Verbrauch stetig. Der wird ja bei einem E-Auto in Kilowattstunden angegeben, daher hier eine kleine Rechnung aus unserem Alltag: Von April bis September hat unser Evalia, der meist im Stadtverkehr und auf der Landstraße und wenig auf Autobahnen im Einsatz ist, zwischen 14 und 16 Kilowattstunden Strom pro 100 Kilometer Strecke verbraucht. Für ein Auto dieser Größe ein Witz. Das ergibt bei 40 Kilowattstunden Kapazität des Akkus eine Reichweite von 250 bis 280 Kilometern. Im Winter und auf der Autobahn geht der Verbrauch hoch, liegt dann zwischen 20 und 24 Kilowattstunden. Macht immer noch 170 bis 200 Kilometer. Klar: Wer beruflich jeden Tag nach Frankfurt muss, nimmt eher den Zug oder kauft sich einen Hybrid. Für uns sind diese Reichweiten vollkommen ausreichend. Ich hätte gerade mit dem extrem niedrigen Verbrauch im Sommer nicht gerechnet.

Denn … wir legen auch keinen großen Wert auf Raserei. Auch nicht mit unserem zweiten E-Auto übrigens. Elektrisch fahren entschleunigt. Mit seinen 109 PS ist der Evalia dank des hohen Drehmoments vollkommen ausreichend motorisiert. Er beschleunigt spritzig, liegt dank des tief eingebauten Akkus gut auf der Straße. Auf der Autobahn ist bei 120 km/h Schluss, wir fahren dort meist um die 100. Ja, die Fahrt ans Meer dauert dann mit einmal Zwischenladen knapp fünf statt gute drei Stunden. Aber da fährt man ja auch nicht jeden Tag hin. Meistens sind wir mit dem Evalia in der Region unterwegs. Leise, entspannt, emissionsfrei. Und mit einem Lächeln. Denn … nicht nur in Wipperfürth, sondern im gesamten Oberbergischen und Bergischen Land kann man an immer mehr Stellen laden – auch dank der Infrastruktur, die die Energieversorger BEW und Agger Energie geschaffen haben.
Das Laden geht beim Evalia am BEW-Schnelllader in Wipperfürth mit 50 Kilowatt pro Stunde, sodass das Auto in einer guten Dreiviertelstunde aufgeladen ist. Oder mit dem Typ2-Stecker sowie dem klassischen Haushaltsstecker. Klar, das dauert dann einige Stunden. Aber während diese Zeilen hier entstehen, tja, was macht mein Evalia da wohl gerade? Genau. Er steht. Und lädt. Den Solarstrom, den wir selber produzieren. Ein echt gutes Gefühl.

15 Minuten im… Schwarzenberger Hof

Forelle aus dem Lammbachtal, sozusagen frisch aus der Agger“, erklärt Klaus Jaeger, der gerade liebevoll das Forellenfilet in den Wirsing einrollt. Dieser ist bereits blanchiert und wird nun gedünstet. Zeit für den Zunft-Kölsch-Schaum, auf dem die Forellenroulade angerichtet wird. Dazu werden Eier mit Zitronensaft über dem Wasserbad aufgeschlagen und dann mit Zunft-Kölsch, Salz, Pfeffer und Dill abgeschmeckt.
Wie kommt der Inhaber des Schwarzenberger Hofs eigentlich darauf, mit Bier zu kochen? Mit Wein, das ist ja üblich – aber Bier? „Das haben wir schon öfter gemacht und als uns dann die Erzquellbrauerei aus Wiehl angesprochen hat, ein Herbstmenü mit Bier zu kreieren, waren wir natürlich sofort dabei“, erzählt Klaus Jaeger lächelnd, während er bereits den Rehrücken filetiert. Dieser wird scharf angebraten und wandert dann in den Backofen, bis er eine Kerntemperatur von 52 Gad erreicht hat.

In der Zwischenzeit hat Marcel Beer bereits den Kürbisstrudel vorbereitet. Die Füllung besteht aus Hokaido, Gries, Thymian, Muskat, Knoblauch, Zwiebeln, Salz und Pfeffer. Zuerst den Gries kochen und den Kürbis in Butter schwitzen, bis er weich wird. Anschließend alles mit Eigelb vermischen und unter diese Masse Eischnee heben. „Die Masse wird damit besonders fluffig. Wenn man sie einen Tag vorher zubereitet, ist sie gut durchgezogen“, erklärt Beer. Jetzt nur noch in den Strudelteig einrollen und zehn Minuten fertigbacken. Und was wäre der Herbst ohne Pilze? Deshalb wird der Rehrücken mit frischen Pfifferlingen auf einer Malzbier-Balsamicosoße serviert. Diese kreiert Jaeger aus den Knochen des Rehs. Diese werden mit Zwiebeln und Salbei kräftig angebraten. Dann mit Malzbier, Wasser und Balsamico ablöschen, einreduzieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zum Menü gehört natürlich immer ein Nachtisch. Heute gibt es Armer Ritter mit Vanilleparfait. Dazu wird im Schwarzenberger Hof süßer Stuten ohne Rosinen mit einer Ei-, Zucker-, Orangenmischung getränkt und in Öl ausgebacken. Dazu kommt das Stück Vanilleparfait – und ausnahmsweise ohne Bier, verrät Marcel Beer. Dafür mit Sahne, Zucker, Ei und Vanille. Ein toller Abschluss fürs Herbst-Menü Bergische Braukunst. Finden auch die Gäste aus der Erzquell Brauerei
Christina Rothe und Klaus Mollerus: „Es hat hervorragend geschmeckt!“

umfassend versorgt

Frau Dr. Weishap, von einem Mitarbeiter der Ärztekammer ist das Brustzentrum am Klinikum Oberberg kürzlich als „klein, aber fein“ bezeichnet worden. Wie finden Sie denn das?

Dr. Anja Weishap: „Ich finde, das trifft es ganz gut. Von der Struktur und Anzahl der Patientinnen her sind wir klein. Wir haben rund 160 Erstdiagnosen im Jahr hier in Oberberg, andere Zentren haben 500. Unsere Patientinnen kommen aus dem gesamten Kreis, aber auch aus dem Märkischen und zum Teil dem Sieg-Kreis. Und fein, weil wir hier für jede Patientin ein individuelles Therapiekonzept finden, sie umfassend betreuen, auch psychosozial mit einer Psycho-Onkologin. Wir beraten zur Reha nach einer Behandlung und wir legen großen Wert auf die Vorsorge. So laden wir jedes Jahr zu einer Infoveranstaltung ein, was jedes Mal bis zu 70 Frauen gerne annehmen. Bei uns kann man sogar an einem
Silikonmodell lernen, wie man die eigene Brust selbst abtastet.“

Wenn die Mammographie erfolgt ist, wie geht es dann weiter?

Dr. Anja Weishap: „Wenn ein negativer Befund vorliegt, ist ja alles gut. Ist er positiv, bekommt die Patientin binnen drei oder vier Tagen einen neuen Termin. Übrigens unabhängig davon, ob sie gesetzlich oder privat versichert ist. Dann wird ein genaueres bildgebendes Verfahren eingesetzt, zum Beispiel Ultraschall. Wir setzen auch die so genannte Stanzbiopsie ein. Hierbei wird in Hochgeschwindigkeit eine Gewebeprobe genommen. Die Brust wird örtlich betäubt, das Ganze verläuft fast ohne Schmerzen. Und dann sichten wir die Befunde. Insbesondere die Stanzbiopsie gibt uns gute Informationen darüber, wie ein Tumor wächst und wie man ihn bekämpfen kann. Es gibt ja die verschiedensten Arten von Tumoren. Schnell wachsende, aggressive und ebenso langsam wachsende. Wir hatten hier auch schon Patientinnen, die hatten in einer Brust acht kleine Tumore.“

Wie reagieren betroffene Patientinnen auf eine Krebsdiagnose?

Dr. Anja Weishap: „Viele Frauen sagen zuerst: Weg, weg, weg damit! Das ist der erste Reflex, nach dem Motto: Bloß raus mit dem Tumor, und wenn die Brust dafür abgenommen werden muss. Dabei ist wichtig zu wissen: Es gibt heute neben der Chemotherapie und der Operation weitere Behandlungsmethoden, die auch sehr gut wirken. Eine Antikörperbehandlung oder eine antihormonelle Therapie zum Beispiel. Gerade Antikörper wirken auf bestimmte aggressive Tumorzellen sehr gut. Manchmal hilft auch eine Kombination aus mehreren Therapien, das ist alles hochindividuell.“
Wir geben den betroffenen Patientinnen zudem immer Bedenkzeit und empfehlen auch, sich eine Zweitmeinung einzuholen. Letztlich sind die meisten Tumoren binnen vieler Monate oder Jahre gewachsen. Da hat man dann in der Regel auch noch einmal zwei oder drei Wochen Zeit, um in Ruhe zu überlegen, welche Behandlung es denn sein soll. Und ob nicht die Nebenwirkungen im Kontrast zum Ergebnis stehen. Nur in rund einem Viertel der Fälle ist eine Amputation der Brust notwendig. Zum Beispiel dann, wenn in einer Brust mehrere Tumore gefunden werden oder ein Tumor in der Brustwarze sitzt und wir die Brust nach deren Entfernung nicht mehr erhalten können.“

Die Angst vor der Amputation – ist das auch eine Altersfrage?

Dr. Anja Weishap: „Nein. Das ist für eine 75-jährige Frau genauso schlimm wie für eine junge. Man ist ja im Alter nicht weniger Frau. Krebs in der Brust wird anders wahrgenommen als etwa im Finger, das hat viel mit dem Körperbild zu tun. Und dazu gehört bei einer Frau natürlich ihre Brust. Sie hat etwas Symbolhaftes, Ureigenes. Mit der weiblichen Brust kann man ein Kind komplett ernähren. So etwas verliert man nicht. Und wenn, dann hat das viel mit dem Verlust von Attraktivität zu tun. Davor haben die Frauen Angst. Auch deshalb haben wir eine Psycho-Onkologin im Team, die die Patientinnen psychologisch betreut und sie auch nach einer Operation besucht.“

Viele Frauen haben auch Angst, dass sie das Krebsrisiko geerbt haben könnten.

Dr. Anja Weishap: „Das stimmt, dabei ist diese Angst eigentlich unbegründet. Brustkrebs ist nur zu etwa 1,5 Prozent genetisch bedingt. Und bei unseren Patientinnen lässt sich die Ursache nur zu maximal fünf bis sieben Prozent auf
die Gene zurückführen. Ein Hinweis auf familiären Brustkrebs ist, wenn zwei
Verwandte ersten Grades in jungen Jahren betroffen waren.“

Im Schnitt bekommt trotzdem jede achte Frau in Deutschland Brustkrebs. Welche Risikofaktoren gibt es?

Dr. Anja Weishap: „Es sind immer mehrere Faktoren. Ungesunde Ernährung, viel Alkohol, wenig Sport, spät das erste Kind bekommen – jeweils ja, aber das ist nicht alles. Letztlich spielt das Alter eine Rolle. Je öfter sich die Zellen teilen müssen, desto höher wird das Risiko eines Fehlers durch einen Ausfall der Reparaturenzyme.“

Wenn eine Brust amputiert werden muss, bietet das Klinikum Oberberg auch einen Brustaufbau an?

Dr. Anja Weishap: „Ja, und das zahlt, wenn es eine medizinische Ursache gibt, auch die Krankenkasse. Wichtig ist hierbei aber immer zu wissen: Ein Brustimplantat ist und bleibt ein Fremdkörper. Die Hersteller von Silikonimplantaten geben im Schnitt acht bis zehn Jahre Garantie, das heißt, je nach Alter der Patientin stehen auch noch einige weitere Operationen an. Wenn wir trotz einer Operation die Brustwarze erhalten können, bleiben übrigens meistens die Empfindungen. Müssen wir sie neu formen, ist das leider nicht der Fall.“

Neben der medizinischen Versorgung bietet das Brustzentrum Oberberg noch eine Reihe weiterer Hilfen und Services. Welche zum Beispiel?

Dr. Anja Weishap: „Wir arbeiten mit dem Haarkompetenzzentrum Gummersbach zusammen, für den Fall, dass Patientinnen wegen einer Chemotherapie die Haare verlieren. Wir bieten auch Kosmetikseminare an, zeigen, wie sich die Frauen die Augenbrauen schminken können und auch, wie sie sich ein Tuch binden, wenn eine Perücke nicht infrage kommt. All das tut den Frauen unendlich gut. Wir arbeiten ja mit manchen Patientinnen über viele Jahre zusammen, in dieser Zeit wachsen sie einem schon ans Herz. Aber am liebsten ist es mir, wenn ich nur einmal im Jahr einen Befund bekomme und sehe: Okay, alles in Ordnung. Dann mache ich drei Kreuze. Letztlich ist Brustkrebs der am häufigsten vorkommende Tumor bei der Frau. Die Heilungschancen sind aber heute exzellent. Sie liegen bei 80 Prozent.“