Zukunft. Jetzt. Hier. Gemeinsam.

So, nun läuft die Maschine nicht mehr. War auch klar. Hat der Facharbeiter ja schon prophezeit: Bald wird da wieder der und der Austausch fällig. Er kennt die Maschine seit Jahren. Nur: Bald ist der gute Mann weg. Und dann? Prinzip Zufall? Oder lässt sich mit einer digitalen Lösung der Verschleiß und damit der Teiletausch schon vorab berechnen, um dann flexibel reagieren zu können? Ja, das geht. Und sagen wir mal, mein Unternehmen produziert spezielle Türen für Kreuzfahrtschiffe, und wenn eine ausfällt, ausgerechnet auf den Bahamas, dann muss da ganz schnell einer hin und die tauschen. Ganz schöner Aufwand. Lässt sich der über ein Programm, einen Algorithmus, verringern? Und meine Leistung verbessern? Ja, das geht auch. Und mit OPITZ CONSULTING als Partner geht noch so vieles mehr.

Auch, weil das Unternehmen die individuellen IT-Lösungen für seine Kunden in einer Denkfabrik im Grünen entwickelt. Auf einem ehemaligen Bauernhof. Wo auf dem über 40 Hektar großen Gelände 50 schottische Hochlandrinder grasen, mehrere Pferde leben und das ganze Jahr über Gemüse angebaut wird – und im Sommer riesige Photovoltaikanlagen auf den Dächern Strom produzieren. Consulting, IT, Software, mitten in der Natur bei Gummersbach. Das war nicht immer so und auch anfangs gar nicht so gedacht: „Als wir 1990 zu dritt gegründet haben, fingen wir in Bensberg in klassischen Büroräumen an. Wir wollten wachsen, klar. Dass es so schnell geht, hatten wir nicht geahnt“, blickt Gründer und Gesellschafter Bernhard Opitz zurück. In den folgenden Jahren fuhr er auf dem Weg zu einem Kunden oft an der Kirchstraße 6 in Gummersbach vorbei und dachte jedes Mal: „Also, dieses Fachwerkhaus da, das ist wirklich schön.“ Eines Tages stand das Haus zum Verkauf. Und die alte Scheune nebenan gleich mit. Und OPITZ CONSULTING wuchs weiter und brauchte Platz. 

Dass dieser zwei Jahre, nachdem das Unternehmen das Haus und die Scheune erst kaufte und dann komplett umbaute, wieder nicht reichen würde, spricht dafür, wie gefragt die hohe Qualität ist, die der Dienstleister seinen Kunden bietet. Ganz gleich, ob es der regional tätige Dachdecker oder das Dax-Unternehmen mit Multimillionen-Umsätzen ist. Sie alle beschäftigen Menschen. Müssen Teams, Projekte, Maschinen, eigene Kunden managen, zusammenbringen, organisieren. 

Und genau da setzt OPITZ CONSULTING an: „Ja, es geht bei uns um Software. Aber im Mittelpunkt stehen immer die Menschen, die damit arbeiten. Ihnen können wir keine Lösung überstülpen, wir müssen sie gemeinsam mit den Kunden erarbeiten“, unterstreicht Dr. Sarah Opitz, eine von inzwischen vier Geschäftsführer*innen und Tochter des Gründers. Lösung rein und weg? Nicht mit OPITZ. Das Unternehmen begleitet seine Kunden oft über Jahre. Prüft in zunächst kleinen Schritten, mit kleinen Teams, was genau die jeweilige Herausforderung ist. Wie die Menschen ticken, die mit der neuen Software arbeiten werden. Welche Voraussetzungen sie und die vorhandene Technik mitbringen. Ob zum Beispiel eine Cloudlösung gewollt und auch sinnvoll ist. Das geht nur mit Kunden, die genau so große Lust haben an Veränderung, Erneuerung und Wandel. Und sich darauf einlassen können und wollen.

So, wie die insgesamt 500 Mitarbeiter von OPITZ CONSULTING, die noch an sieben weiteren Standorten in Deutschland sowie in Polen arbeiten und sich und ihre Arbeitswelt permanent neu erfinden. „Das hat ganz viel mit der eigenen Kultur und Kommunikation zu tun. Wir hinterfragen uns immer wieder selbst. Was bewegt die Mitarbeitenden? Wie können wir eigene Strukturen optimieren? Dies geht schnell, aber die Kultur aufrecht zu erhalten, sie auch zu leben, braucht Zeit“, erklärt Sarah Opitz. Mut zum Neuen, Lust auf die Chancen der digitalen Transformation, die Bereitschaft, sich immer wieder in den Kunden hineinzudenken, neue Ideen zu entwickeln und sich selbst nicht zu kopieren – all das wird bei OPITZ CONSULTING gefördert und gefordert. 

Zum Beispiel mit den Schutzraumprojekten. Wenn ein Mitarbeiter eine Idee hat, wird die erst mal in einem kleinen Team entwickelt. Sie darf auch scheitern. „Das ist dann kein Fehler, sondern eine Erkenntnis“, stellt Bernhard Opitz klar. Ganz gleich, ob es was wird oder nicht – ganz wichtig ist am Ende die Transparenz. Alle Mitarbeiter darüber zu informieren, was da entwickelt wurde. Welche Vorteile es bringt. Zum Beispiel durch einen Beitrag im firmeninternen Blog, den die Mitarbeitenden selbst initiiert
haben. Benannt ist der übrigens nach den schottischen Weiderindern.

Ideen in aller Ruhe mit einem Expertenteam entwickeln und davon erzählen – was bei OPITZ funktioniert, muss doch auf die Region übertragbar sein, oder? Finden die kreativen Firmenchefs auch.OPITZ CONSULTING ist Initiator des „Innovation Hub“ auf dem Steinmüller-Campus in Gummersbach, der nicht nur mit Fördergeldern der REGIONALE, sondern auch von mehr als 20 Unternehmen und Förderern aus der Region Bergisches RheinLand getragen wird.

Im Hub können die Mitarbeitenden von Firmen aus dem Oberbergischen,
Rheinisch-Bergischen und dem Rhein-Sieg-Kreis zusammen mit Studierenden und Professoren an Innovationen arbeiten – mit modernstem Equipment, ungestört vom Produktionsalltag und mit einem vorab vereinbarten Zeitbudget. „Wenn es zum Beispiel darum geht, eine Maschine weiterzuentwickeln, können wir diese auch dort hinbringen, sodass dann gemeinsam daran geforscht werden kann“, kündigt Bernhard Opitz an. Gemeinsam innovativ sein, darum geht es.

Und: Die Ergebnisse für die Kollegen erlebbar machen. „Nur, wenn diese sich selber überzeugen können, dass etwas Neues wirklich funktioniert, werden sie danach handeln“, unterstreicht OPITZ. 

Eins ist ihm und seiner Tochter wichtig, gerade in Zeiten, da die digitale Transformation immer stärker Fahrt aufnimmt und sich OPITZ CONSULTING quasi täglich mit neuen Herausforderungen seiner Kunden befassen muss: Bitte keine „German Angst“ vor diesem Umbruch! Nur wer ihn mutig und aktiv gestaltet, kann davon profitieren. Und all das geht nicht nur in den Innovations-Hotspots wie Berlin oder San Francisco. Es geht in und um Gummersbach. Mitten im Grünen.

http://www.opitz-consulting.com

Zeit für Alice

Sie ist drin. In ihrem Wunderland. Durch den Kaninchenbau hierhin gelangt? Oder auf anderen Wegen? Wer weiß das schon? Und: Wer muss das wissen? Viel spannender ist doch, was Alice jetzt so alles passiert. Welche bekannten Gesichter sie trifft und welche nicht. Ob sie sich verliebt? Und was die fiese Herzkönigin wohl dazu sagt? Fragen über Fragen. Es wird Antworten geben! Wenn das Musical Projekt Oberberg am 15. und 16. und dann noch einmal am 22. und 23. März in der Halle 32 „Alice – das Rockmusical“ zeigt.  

Die beiden Autoren, die das Stück geschrieben und auf Basis der Charaktere aus den Lewis-Carrol-Romanen „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ eine ganz neue Geschichte erdacht haben, werden übrigens zur Premiere in Gummersbach erwartet. 

Seit über 25 Jahren bringt das Musical-Projekt, kurz MPO, nun schon Jahr für Jahr aufwendig inszenierte und produzierte Stücke auf die Bühne. Gesungen und gespielt werden sie von Amateuren, inszeniert von Profis. Bei Alice ist es ein Trio: Joachim Kottmann als musikalischer Leiter, Theaterpädagogin Sabrina Schultheis als Regisseurin und Hannah Ludemann, die in London an der Royal Dance Academy studiert hat, als Tanzpädagogin. 

Wir brechen die Dinge auch gerne mal auf.

 

Sabrina Schultheis hat die Regie beim MPO vor einigen Jahren von Martin Kuchejda übernommen, heute Leiter der Halle 32. Sie weiß, welcher Stress und welche Anspannung ihre Darsteller in den letzten zwei Wochen vor der Premiere verspüren. „Eigentlich proben wir einmal die Woche freitags, dazu einmal monatlich samstags. Aber kurz vor der Premiere dreht sich alles nur noch ums Stück. In dem Fall um Alice.“ Denn wohl gemerkt: Die insgesamt 30 Darsteller haben alle Hauptjobs, Familie, weitere Hobbys. Aber sie lieben eben auch das Theater, die Bühne. Und dafür geben sie alles. Nadine Rosenthal zum Beispiel gibt als Herzkönigin ihr Hauptrollendebüt. „Wir wussten, dass sie das gesanglich locker hinkriegt. Wichtig war das Darstellerische. Und da hat sie sich mit so viel Eifer und Engagement reingehängt, dass sie jetzt eine super Königin ist“, sagt Sabrina Schultheis und macht damit gleichsam deutlich, wie wichtig es für die Projektleiter ist, ihre Darsteller auch immer wieder von anderen Seiten kennen zu lernen – ganz gleich, ob sie seit kurzem oder schon lange dabei sind. 

Darum veranstalten sie für die Hauptrollen in den Musicals, egal, ob es selbst entwickelte oder gekaufte Stücke sind, auch immer ein Casting. Und dann gehen die Diskussionen los: „Das ist schon auch mal ein kleines Rumgepoker zwischen uns. Es geht ja darum, wer kann was am besten, ist wie engagiert und so weiter.“ Am Ende kommt es drauf an, als Team eine tolle Show auf die Beine zu stellen und die Zuschauer zu begeistern. Sie alle in die Halle 32 zu locken, ist in Zeiten der medialen und digitalen Dauerberieselung auch herausfordernd. 

Spannend auch, welche unterschiedlichen Menschen jeweils kommen: Klassische Stücke werden eher von älteren Zuschauern besucht. Als das MPO vor einigen Jahren Nick Hornbys Roman „High Fidelity“ inszenierte, kamen dagegen deutlich jüngere. Und jetzt? Nicht nur Sabrina Schultheis ist gespannt. Auch darauf, wie die Interpretation des Stückes ankommt. „Wir brechen auch bewusst mal Dinge auf und stellen einzelne Figuren anders dar, als man es vielleicht erwarten würde“, verrät sie. Ideen wie diese kommen ihr übrigens oft schon ganz zu Beginn, beim ersten Lesen des Stückes. Dann, wenn vor ihrem Auge die Szenen entstehen.

Pop-Oratotium Luther, Das Projekt der Tausend Stimmen / Darsteller: Carlo Schneeweis, Mike Weinerowski, Ramona Even, Peter Kröner, Paula Kottmann, Hans Ullrich Conrads, Angelina Lammerich, Uwe Kall / Ensemble: Silke Benninghaus, Hans Ullrich Conrads, Natalia Fino, Kathrin Glumm, Alyssa Heinrich, Ann Kathrin Horlitz, Uwe Kall, Margitta Knabe, Paula Kottmann, Sophie Krischik, Oliver Lazaj, Eileen Merkel, Inge Pohl, Nadine Rodenbeck, Maggy Ryß, Alisha Wlodarek, Ute Wichman, Kathleen Wohjan, Kammerchor der VHS Gummersbach / Backup Vocals: Helena Knie, Silke Rädel / Luther-Rockband: Joachim Kottmann, Elo von Knorre, Manuel Marcos, Rolf Fahlenbock, Peter Even / Musical-Projekt Oberberg Regie: Sabrina Schultheis; Choreographie: Hannah Ludemann; Vocal Coach: Joachim Kottmann; Kostümbild: Carlo Schneeweis; Dance Captain: Sophie Krischik / Luther-Projekt-Symphoniker Konzertmeister: Paul Lindenauer / Projektchor „Luther“ des Kirchenkreises an der Agger Leitung: Kantor Stefan Kammerer; Chor Canticum, Kammerchor der VHS Gummersbach, Gospelchor Bergneustadt, Projektchor der FCBG, Projektchor Wipperfürth, Projektchor Dieringhausen / Musikalische Gesamtleitung: Joachim „Joschi“ Kottmann / Technik: Tonmeisterei, Oliver Nohl

Die sollen bei den Zuschauern lange im Gedächtnis bleiben. Deshalb überlässt das MPO-Team nichts dem Zufall. Die Kostüme hat einmal mehr Carlo Schneeweis entworfen, den ENGELBERT auch schon einmal porträtieren durfte. Für den guten Ton sorgt hinter der Bühne derselbe Experte, der auch dafür zuständig ist, dass eine gewisse Carolin Kebekus akustisch richtig rüberkommt. 

Und – gibt es schon Pläne fürs nächste Stück? Sabrina Schultheis wird zunächst ihr eigenes Buch inszenieren, im Juni soll Premiere sein. Mittelfristig sucht das MPO übrigens immer engagierten, künstlerisch begabten Nachwuchs, der einfach Bock auf Bühne hat. Im Musical Projekt selbst kann man ab 18 Jahren mitmachen, aber es gibt diverse Projekte in der Halle 32, die sich auch schon für Kinder und Teenager eignen. Aus gutem Grund: „Wir ziehen uns unsere Talente eben gerne selber ran.“ Und die dürfen dann später einmal mit. Ins Wunderland.

http://www.musical-projekt-oberberg.de

Heimat Botschafter sein

Herr Hagt, wie schafft man es, in einem so großen Kreis, der sich ja von Radevormwald bis Morsbach zieht, Nähe zu und zwischen den Menschen zu schaffen?

Indem man viel unterwegs ist, viel bei den Menschen. Das versuche ich bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten hinzukriegen. Nicht nur durch Besprechungen mit der Verwaltung der Kommunen selbst, sondern auch bei Festivitäten wie Karneval oder Schützenfest. Wichtig ist es mir, Präsenz zu zeigen. Dabei aber immer auch zu sehen: Dieser Oberbergische Kreis ist ja keine homogene Einheit. Es sind 13 ganz unterschiedliche Städte und Gemeinden. Oftmals tickt ja schon ein Ortsteil innerhalb einer Kommune ganz anders als ein anderer. Wichtig ist für mich: Ich kenne die 13 Kommunen alle sehr gut. 

War es schwierig, dieses Kennenlernen?

Nein. Da ich ja, bevor ich Landrat wurde, schon 25 Jahre in der Kreisbehörde tätig war, davon zehn Jahre als Kreisdirektor, war das für mich nicht schwierig. Man muss eben immer auch im Blick haben, wie sich solch ein Kreis zusammensetzt. Es gibt ja nicht nur eine Teilung Nord/Süd. Wir haben hier Städte aus dem ehemaligen Rhein-Wupper-Kreis wie Radevormwald und Hückeswagen, die sich stark nach Remscheid orientieren.
Dann aus dem ehemaligen Rheinisch-
Bergischen Kreis Wipperfürth, Lindlar und Engelskirchen, wohlgemerkt ohne Ründeroth! Hier ist man eher nach Köln orientiert. Andere Gemeinden haben dann schon wieder einen direkten Bezug zu Bonn. 

Sie haben jetzt kein Mal die Stadt Gummersbach genannt.

Weil ich die Außenorientierung beschrieben habe. Aus vielen oberbergischen Städten und Gemeinden orientieren sich die Menschen natürlich auch nach Gummersbach. Die Stadt ist wesentlich attraktiver geworden in den vergangenen 20 Jahren. Sie ist ein Magnet.

Forum, Halle 32, Schwalbe-Arena, Kino, Technische Hochschule – hätten sie gedacht, dass insbesondere das ehemalige Steinmüller-Gelände eine derartige Entwicklung nehmen würde?

Als wir damals durch die leeren Industriehallen gelaufen sind? Nein, dass es so kommen würde, nicht. Diese Fantasie hatte niemand. Wir haben es aber damals schon als Riesenchance begriffen, wenn wir Fördergelder des Strukturprogramms REGIONALE 2010 bekommen. Letztlich haben mehrere Faktoren zu diesem Erfolg geführt. Natürlich die günstige Gelegenheit, von einem solchen Förderprogramm zu profitieren, aber auch der Mut einer Stadt, zu sagen: ‚So, wir kaufen jetzt dieses Gelände‘. Und die Kompetenz derjenigen, all das hier umzusetzen. Das entsteht ja nicht einfach so.

Schauen Sie manchmal auf andere Städte und Gemeinden und denken: So einen Wandel könnten die auch gebrauchen?

Man kann das schlecht vergleichen. Jede Kommune ist anders aufgestellt. Aber der Wille sich zu entwickeln muss überhaupt erst einmal aus einer Kommune herauskommen. Wir als Kreis haben hier auch die Aufgabe, Städte und Gemeinden zu bestärken, Projekte für das nächste Strukturprogramm, die REGIONALE 2025, vorzuschlagen. Manche sind da schon ganz weit vorne. Und andere müssen eben noch Gas geben. Ich bin aber froh, dass alle Bürgermeister ein gemeinsames Verständnis davon haben, wie wichtig diese neue REGIONALE ist. Deshalb auch die Gründung einer eigenen Umsetzungs GmbH auf Kreisebene. 

Wichtig wird auch neuer Wohnraum sein, oder? Wenn man sich die aktuellen Immobilien- und Mietpreise sowie die wenigen freien Wohnungen anschaut, scheint das Thema Landflucht jedenfalls ein Märchen zu sein oder täuscht das?

Nein, Ihr Gefühl trügt nicht. Wir haben hierzu auch in Kooperation mit der Kreissparkasse eine Analyse gemacht. Nachdem vor ein paar Jahren die Prognosen noch davon ausgingen, die Bevölkerungszahlen in unserer Region würden deutlich nach unten gehen, verzeichnen wir heute mehr Zu-, als Fortzüge im Kreis. Mehr als die Hälfte der Bewohner lebt nach wie vor auf den Dörfern, nicht in den Ortskernen. Es gibt ja alleine
1441 Dörfer und Weiler bei uns. Und die Lebensqualität ist sehr hoch.

Wie gelingt es, sie weiter zu verbessern und Menschen zu locken, die hier gerne hinziehen und leben möchten? Welche Fragen stellen sich gerade im Oberbergischen Kreis für die Wohn- und Lebenssituation der Menschen? 

Zum einen müssen wir Wohnen immer im direkten Zusammenhang mit Verkehr und Mobilität sehen, gerade weil wir außerhalb der Orte nur einen eingeschränkten öffentlichen Personennahverkehr haben. Wie bleibe ich mobil? Kann ein Modell wie der Dorfladen in Thier eine Lösung sein? Oder wollen die Leute zum Einkaufen nicht doch lieber in den Supermarkt in der Stadt? Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung der Menschen aus – muss es immer die eine Praxis sein oder müssen wir nicht wieder zurück zu Versorgungszentren? Was kann die Telemedizin via Internet leisten? Und – gerade auch für Familien – wie kann man auch in die Jahre gekommenen Wohnraum wieder attraktiv gestalten? Nehmen Sie zum Beispiel das Haus auf dem Dorf aus den 70er Jahren, das ein Seniorenpaar nicht mehr pflegen kann, es daher abgeben und in eine Stadtwohnung ziehen will. Ein solches Haus müssen
wir nutzen.

Was zieht gerade Familien in den Kreis?

Familien brauchen neben einem guten Job ein tolles Lebensumfeld. Und wir haben hier hervorragende Voraussetzungen. Gute Schulen, Sicherheit – wir sind einer der sichersten Kreise in NRW –  sowie eine herausragende Sportkompetenz wie etwa mit dem VfL Gummersbach. Wer hat schon einen Handball-Bundesligisten, der auch noch mitten in der Stadt spielt? Es gibt so viele Leuchttürme, wie etwa Panabora oder die Kletterhalle 2T. Und letztlich gibt es im Oberbergischen auch ein ausgeprägtes Vereinswesen, in dem sich viele, auch junge Menschen, engagieren. Das ist nicht nur ein schönes Freizeitangebot, es schafft auch Gemeinschaft. 

Es gibt ja das Sprichwort vom Propheten im eigenen Land. Nehmen die Oberberger die Schönheiten und Reize vor der Haustür eigentlich wirklich wahr?

Wenn Sie in Köln jemanden aus der hintersten Ecke fragen, wie er seine Stadt findet, sagt der: ,Super‘! Uns passiert es oft, dass wir die positiven Seiten nicht so sehen. Wenn dann der Kölner zu uns kommt, sagt er: ,Wow, ist das klasse hier bei euch‘. Als wir vor einigen Jahren das Thema Tourismus angepackt haben mit all den wunderschönen Wegen im bergischen Wanderland, da hieß es anfangs: ,Was, Tourismus? Hier? Das gehört doch in die Alpen‘. Dabei haben wir hier so viele Pfunde, damit müssen wir wuchern! Wichtig ist es, dass nicht nur Touristen von außerhalb ein Bewusstsein dafür bekommen, sondern auch die Menschen von hier. Man muss dafür nur einfach mal den Blick verändern, vor allem auch über die eigenen Stadtgrenzen hinaus schauen. Und letztlich ist ja in Waldbröl schon der Hückeswagener ein Tourist. Jeder kann auf seine Weise ein Botschafter seiner oberbergischen Heimat werden. Davon bin ich absolut überzeugt.

Nicht lang rumdruxen

Nur wenige Sekunden bis zum Anpfiff in der LanxessArena in Köln. Er ist längst im Tunnel. Und doch nimmt Paul Drux das Spektakel um ihn herum wahr. Wie 19.000 Menschen die Hymne singen. Wie sie jubeln, feiern, die Arena in ein Tollhaus verwandeln. Plötzlich aber ist alles vorbei. Im Halbfinale der Handball-WM gegen Norwegen. 

Doch die Filme aus diesen zwei Wochen, sie haben sich eingebrannt. Und sie laufen auch im Nachhinein immer wieder mal. „Um ehrlich zu sein, hab ich in den Tagen nach der WM versucht, ein bisschen den Kopf freizukriegen, auch mal nicht dranzudenken. Das kommt dann, wenn man für sich alleine ist, abends vorm Einschlafen. Es war einfach unfassbar, was wir da für einen Zuspruch bekommen haben, ich musste mich in der Halle doch einige Male kneifen. All das wird man nicht vergessen“, erzählt das 24-jährige Handball-Ass aus Marienheide. Obwohl Drux, gerade auch bei seinem Talent, noch einige Chancen auf internationale Titel mit dem Nationalteam hat: Die Halbfinalpleite gegen einen stärkeren Gegner, sie hat geschmerzt. Schlimmer als die knappe Pleite im Spiel um Platz drei, als man auf Augenhöhe war. Aber warum fallen wir? Um wieder aufzustehen, oder? Das hat auch Paul Drux gelernt, so ist er schon von seiner handballbegeisterten Familie erzogen worden: „Das hat der Sport so an sich. Es ist nicht alles Gold, was glänzt und es geht auch nicht immer nach oben.“

Für Drux aber zum Glück recht oft. Nicht nur seine Eltern, auch seine Trainerinnen in Marienheide stellten schnell fest: Hui, da hat aber einer was drauf. Groß, kräftig, wurfstark, der ideale Mann für den Rückraum. 

Das fand auch ein Talentscout des VfL Gummersbach. Nach sieben Jahren in der Jugend des SSV Marienheide kam der Wechsel – aber nur für vier Jahre. Denn ein A-Jugend-Spiel mit Gummersbach gegen die Füchse Berlin sollte sein Leben verändern. „Wir haben damals mit dem VfL zwar verloren, aber es ergab sich für mich der Kontakt nach Berlin“, erinnert sich Paul Drux. Damals war er sechzehn und Berlin nicht nur riesig, sondern auch verdammt weit weg. Wie lange braucht man da, um sich für einen Wechsel zu entscheiden? „Es hat insgesamt schon eine Zeit lang gedauert, bis alles soweit feststand, aber mir war schon nach wenigen Tagen klar, dass ich das machen will“, sagt Drux. Also nicht lange fackeln.

 

Er ging. Allein. Und biss sich durch, gerade auch im nicht so ganz einfachen ersten Jahr in der Hauptstadt. Denn er lebte, trainierte und lernte in einem Jugendinternat und einer Sportschule – und dort war es an den Wochenenden auch manchmal recht einsam: „Viele andere Handballer wohnten nicht weit weg, sie verbrachten die Wochenenden bei ihren Familien. Für mich natürlich kaum machbar. So blieb ich und lernte  Sportler aus anderen Sportarten kennen, die auch im Internat geblieben waren. Und das war wirklich spannend. Nach dem ersten Jahr hatte ich mich dann super eingefunden – und auch die Stadt schon besser kennen gelernt.“ Paul Drux machte also das Beste draus. Und: Er war erfolgreich. A-Jugendmeister mit den Füchsen und U-18-Europameister gleich im ersten Jahr nach seinem Wechsel. Titel lassen einen weiter reifen: Paul Drux spielte schon mit 17 Jahren in der Handball-Bundesliga. Der Mann mit der Rückennummer 95 hat bis heute weit über 250 Tore in der Liga geworfen und weitere 150 in der Nationalmannschaft. Und der Oberberger ist ein Berliner geworden: „Ich fühle mich sehr wohl hier. Aber ich komme auch immer gerne ins Bergische zurück. Zu meiner Familie. Zur Brucher-Talsperre. Leider viel zu selten, weil einfach die Zeit fehlt“, sagt er.

„Ich lebe nie nur im Hier und Jetzt.“

Ja, das Zeitmanagement – für einen wie Paul Drux das A und O, zumal er ja nicht nur Handball spielt. Sondern parallel schon jetzt, mit erst 24 Jahren und nachdem er bei den Füchsen Berlin seinen Vertrag gerade bis zum Jahr 2023 verlängert hat, bereits an die Zeit nach dem Handballsport denkt. Denn: „Ich lebe nie nur im Hier und Jetzt.“ 

Mit Druck umgehen kann er, auch mit der Erwartungshaltung von Trainern, Zuschauern, Fans. Also warum nicht an den Standbeinen Nummer zwei und drei arbeiten? Zum Beispiel, in dem er parallel zum Sport noch Wirtschaftsinformatik studiert. „Das ist mit dem Lernen und den Klausuren terminlich nicht immer ganz so einfach, aber zum Glück ist man an der Hochschule sehr flexibel. Da kommen einem die Dozenten mit Terminen doch sehr entgegen.“ Für Drux ist klar: Das Studium wird durchgezogen, so oder so. Und Standbein Nummer drei? Mal was ganz anderes. Casual-Mode für Sie und Ihn! Paul Drux, der Unternehmer, der mit zwei Mitstreitern das Modelabel „Sportwords“ gegründet hat. Gemeinsam entwerfen sie Hoodies, Pullis und Shirts, deren dezente Motive oft etwas mit dem Handballsport zu tun haben.
Zum Beispiel, weil die Abkürzungen für einzelne Positionen mit eingestickt sind. Das Trio macht zurzeit noch alles selbst, lässt in Bio-Baumwoll-Qualität produzieren, vertreibt die Mode über den eigenen Webshop. Dass Drux, dessen Bekanntheitsgrad seit der WM nicht gerade gesunken ist, auch mal Model für die eigene Kollektion ist, stört ihn nicht, obgleich er gar nicht so gerne im Mittelpunkt steht. Es geht um die Sache: „Ich wollte immer schon etwas Eigenständiges machen, das war mein Traum. Klar ist das ein Risiko, klar kann so was auch schief gehen, aber es macht extrem viel Spaß. Und die Mode kommt gut an.“

So wie Paul Drux, der mit 16 Jahren seine oberbergische Heimat verlassen hat, um Karriere zu machen. Und, so hoch er sich bei seinen kraftvollen Würfen auch schraubt, so hart er auch an sich und seinem Erfolg arbeitet, immer mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist.