Gutes tun

Manchmal ist es der Zufall, der ein Leben verändert. Das eigene. Und das vieler anderer. „Haben Sie schon vom Sohn meiner Cousine gehört? Von Nick? Der ist erst vier und hat einen Gehirntumor, der nicht operiert werden kann. Die Ärzte haben ihn zum Sterben nach Hause geschickt.“ Es ist das Jahr 2011, als Bettina Hühn diese wenigen Sätze hört über eine Familie und ihr Kind, die sie noch nie im Leben gesehen hat. Aber diese Sätze brennen sich ein. „Das war wie ein Unfall, der einem passiert. Und nicht mehr loslässt“, erinnert sich die gelernte Hotelfachfrau heute zurück. Was genau sie daran so bewegt hat? Vielleicht diese suggerierte Endgültigkeit. Da wird einer Familie gesagt: So, das war es. Dein Kind wird sehr bald sterben. Sieh mal zu. „Mit Nick hat alles angefangen. Er ist quasi unser Gründungskind“, sagt Bettina Hühn heute, sieben Jahre, nachdem sie „Helfende Hände Oberberg“ ins Leben gerufen hat. 

In dieser Zeit hat sie viele schwer kranke Kinder begleitet. Auch bis in den Tod. Hat am Sterbebett gesessen. Vor allem aber hat sie helfen können. Denn sie setzt sich für Familien ein, die scheinbar jede Hoffnung verloren haben. Sie kämpft für sie. Zum Beispiel für
Zuschüsse von Krankenkassen für dringend benötigte Hilfsmittel oder Therapien, die diese oft zunächst nicht finanzieren wollen. Bettina Hühn fackelt nicht lange, wenn ihr eine Sache wichtig ist. Sie macht, packt an. Kurz nachdem sie Nick und seine Familie kennen lernte, besorgte sie sich über private Kontakte unter anderem eine Inkontinenzmatratze, Desinfektionsmittel und weitere wichtige Utensilien. Denn es fehlte an vielem: „Da schickt man ein Kind zum Sterben nach Hause, ohne, dass die Versorgung gewährleitet ist.“ Bei diesem Satz hebt die toughe, souveräne, starke Frau ihre Stimme. Weil sie auch nach Jahren nicht versteht, warum manche Krankenkassen manche Leistungen einfach nicht gewähren. Deshalb ist sie zum Sprachrohr geworden und vertritt Eltern, die sich an sie wenden, bei Kassen, Ärzten oder auch Kliniken. Die Familien, die sie betreut, kennt Bettina Hühn alle persönlich.

Aber es geht ihr nicht nur um eine gerechte medizinische Versorgung. Sondern auch um ein bisschen Lebensfreude für schwer kranke Kinder und ihre Eltern, um Halt für Familien, deren komplettes Leben die Krankheit auf den Kopf gestellt hat, was insbesondere die Mütter oft stark belastet. Es geht um das Erfüllen von (manchmal letzten) Wünschen, um Ausflüge und Events. Und manchmal auch darum, einen Begleithund mitzufinanzieren, wie etwa für den schwer kranken Paul. Und ja, es geht auch um Öffentlichkeit. Um auf das Schicksal betroffener Kinder aus dem Oberbergischen und ihren Bedarf an Hilfe aufmerksam zu machen. Helfende Hände Oberberg ist Bettina Hühns private Initiative, die
2013 als Projekt in die Ursula-Barth-Stiftung integriert wurde  – deren Vorsitzende Bettina Hühn seit 2013 ebenfalls ist. Die Stiftung finanziert sich über Spenden. Und wer die sammeln möchte, muss über das Gute sprechen, das er tut. 

Bettina Hühn ist froh, sich über die Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut zu haben. Und was sie für die Kinder in den letzten Jahren erreicht hat, beeindruckt sehr. Am 15. und 16. Juni findet zum sechsten Mal der Nick & Co. Cup statt, ein Jugendfußballturnier der SpVg Dümmlinghausen-Bernberg, zu dem nationale und internationale Top-Teams nach Gummersbach kommen, unter anderem vom 1. FC Köln, FC St. Pauli und Juventus Turin. Sie alle kicken für den guten Zweck. Am 8. November veranstaltet Bettina Hühn „Eine Nacht für Nick & Co.“ in der Halle 32, eine Spendengala mit Drei-Gänge-Menü und großem Showprogramm samt anschließender Party. 

Die Erlöse kommen direkt den Kindern zu Gute. Auch Heiner Brand, Schirmherr und Sonderbotschafter der Helfenden Hände, wird bei der Gala zu Gast sein. 

Bettina Hühn müsste all das nicht tun. Sie könnte weiter, wie früher einmal, als Reiseleiterin auf Kreuzfahrtschiffen um die Welt reisen. Aber sie will es so. Das Ehrenamt erfüllt sie so sehr, dass sie ihren Job inzwischen aufgegeben hat. „Ich selbst habe davon nichts“, sagt sie bescheiden. „Aber die Familien, denen ich helfe, haben davon alles.“ Auch die von Nick, dem Kind, das einst zum Sterben nach Hause geschickt wurde. Sein Tumor ist seit einigen Jahren inaktiv.
Nick wird im Juni zwölf Jahre alt.