Voll unter Strom

So still hier drin. Und so edel. Klar, der VW Golf setzt in der Kompaktklasse seit Jahren Maßstäbe, aber dieses Ambiente hier – wow. Das hätte ich eher zwei Modellklassen höher erwartet. Alle Anzeigen voll digital, der große Touchscreen in der Mittelkonsole ganz leicht zu bedienen, berührend einfach. Egal ob Navigation mit Geschwindigkeitsbegrenzungen und Informationen zur bisherigen Fahrtzeit und verbleibenden Reichweite oder allen Sendern des Digitalradios – alles ist super übersichtlich gestaltet. Und hat Charme: Ich kann zum Beispiel die Helligkeit und Farbnuancen der Rückfahrkamera individuell einstellen. 

Und die Stille? Sie hat einen Grund, denn obwohl wir, gestartet im Autohaus Bongen in Wipperfürth-Niederwipper, gerade Richtung Kreuzberg unterwegs sind, ist im Innenraum nichts, aber auch gar nichts zu hören. Dafür fühle ich was. Spüre den Antritt, die Geschwindigkeit. Kein Wunder: Die 136 PS des Elektromotors entfalten ihre Kraft schon bei einem leichten Tritt aufs Pedal, bringen sie direkt auf die Räder und der e-Golf geht ab wie … Schmitz‘ Katze. Und das stufenlos, denn wie alle Elektroautos verfügt auch der e-Golf über ein Eingang-Getriebe. Schalten? Verzögerung wie bei einer klassischen mehrstufigen Automatik? Nein und nein. Richtung Bevertalsperre schaue ich noch mal, was so geht. Wahnsinn. Ich werde förmlich in den Sitz gedrückt.
So fühlt sich sportliches Fahren an!

Das macht schon mächtig Spaß. Nicht nur auf der Geraden liegt der Golf perfekt auf der Straße, auch in den Kurven passt er sich super an. 

 

Sobald ich das Strompedal loslasse, habe ich zwei Möglichkeiten. Steht die Automatik auf D, rollt der Golf wie am Schnürchen gezogen dahin, als schwebten wir über die Straße. Mit „B“ kann ich die Rekuperation aktivieren, sprich der Motor bremst automatisch mit ab, was sich gerade in Oberberg lohnt, wenn man mal wieder bergab unterwegs ist. Über die Bremswirkung generiert der Golf Energie und lädt damit seinen Akku. 

Womit wir ja beim Lieblingsthema aller E-Auto-Fans und auch -Skeptiker wären – der Reichweite. Na, wie weit kommt er denn? Weit genug! So einfach ist das. Wir fahren den Golf an einem Sonnentag im Februar, bei Temperaturen um die zehn Grad, und der Bordcomputer errechnet für den VW, den wir voll aufgeladen übernommen haben, eine Reichweite von über 200 Kilometern. Das ist doch was. Damit kämen wir von hier bis Frankfurt. Vom Alltagseinsatz in der Region mal ganz zu schweigen. Zumal man im Oberbergischen und gerade auch in Wipperfürth an fast jeder Ecke eine Ladesäule findet. Auch das Autohaus Bongen hat eine. Das Laden wiederum ist kinderleicht. Wir testen die erste Schnellladesäule der BEW in Wipperfürth. Ladeanschluss am Golf geöffnet, das CCS-Schnellladekabel angeschlossen und in wenigen Minuten ist der Akku wieder voll. An einer Typ-2 Ladesäule oder der Wallbox zu Hause dauert das länger, keine Frage. Aber mal ehrlich, was macht denn der e-Golf, nachdem er puren Fahrspaß geschenkt hat? Genau, er steht. Da kann er auch laden. Und wer mit seinem e-Golf an die Nordsee will? Der macht halt ein, zwei kurze Pausen. Das sollte man ja so oder so tun. 

Und sonst? Bringt der e-Golf alles mit, was seine Fans an ihm lieben. Beste Verarbeitung, wohin man auch schaut, genug Platz für fünf Personen, ein zeitlos elegantes Design. Was diesen Wolfsburger so besonders macht, das steckt unter der Motorhaube. Und setzt mich so wunderbar unter Strom, dass ich gar nicht mehr aussteigen möchte.