Es gibt Eis!

reportage

Die Eissporthalle in Wiehl ist ein Magnet. ENGELBERT-
Reporterin Elena Broch hat sich auf die Fläche gewagt.
Und sich auch mal erzählen lassen, wie diese eigentlich
funktioniert.

Ich und Eislaufen? Äh … nicht wirklich. Meine ersten Versuche auf Kufen sind gefühlt zehn Jahre oder so her. Und die Eissporthalle Wiehl und vor allem die Bahn selbst ist echt riesig. Wie soll ich denn da bitte von A nach B kommen? Hilft alles nix, ich muss es versuchen. Also los. Erst mal finde ich es ja klasse, dass ich mir in der Eissporthalle ein Paar Schlittschuhe ausleihen kann. Die Auswahl riesig, meine Größe ist da, prima. Noch schnell die Jacke zumachen, acht Grad sind ja doch eher kühl. Und noch jemand ist da. Hat der eigentlich einen Namen? Pingu vielleicht? Ist auch egal, er ist ungefähr halb so groß wie ich, aber auf dem Eis wirft ihn nichts um. Er ist auch nicht allein, denn von den kleinen Eispinguinen für Schlittschuhanfänger wie mich gibt es hier zum Glück einige. So, jetzt gut festhalten und einfach Schritt für Schritt … ja, das kann was werden …

Und es ist ja gut zu wissen, dass letztlich die 200 Kinder und Erwachsenen, die bei den Wiehler Penguins Eishockey spielen, auch mal so angefangen haben wie ich. Wenngleich auch wahrscheinlich ein bisschen früher. Ebenso wie die 150 Mitglieder des TuS Wiehl, die im Eiskunstlauf ziemlich erfolgreich sind, wie ich bei meinem Besuch erfahre. Wundert mich auch nicht: Die 1800 Quadratmeter große Eisfläche bietet ihnen perfekte Trainingsmöglichkeiten. Und die ganze Halle mehr als 1.000 Zuschauerplätze, Wahnsinn. Beim großen Weihnachtsschaulaufen alle zwei Jahre reichen die übrigens gerade so aus. Zuschauen kann man in Wiehl außerdem beim Sledgehockey, einem Eissport für Menschen mit Behinderungen. Diese sitzen in speziellen kleinen Schlitten, die meisten Spielregeln entsprechen denen des Eishockeys.

Wie aber funktioniert das eigentlich mit dem Eis? Wie kriegen die das hier so kalt und so glatt? „Das Eis selbst hat nur eine Dicke von rund viereinhalb Zentimetern“, erklärt Jürgen Eisbach, Haustechniker in den Wiehler Wasserwelten und in der Eisporthalle. Dort ist Eisbach auch Eismeister. Offiziell nennt sich das „geprüfte Fachkraft für Kunsteisanlagen“. Unter dem Eis liegt eine dicke Betonpiste, in die mehr als 400 Rohre verlegt wurden. Und da drin: 14 Tonnen Glykol mit einer Temperatur von minus zehn Grad. Das reicht, um die 30 mal 60 Meter große Eisfläche auf minus 0,5 Grad Celsius zu halten – beste Bedingungen fürs Eislaufvergnügen. Das erleben an den Wochenenden auch mal mehr als 700 Gäste, wenn samstags die Eisdisco steigt. Dann steht DJ German Gentle alias Marcel Krämer am Mischpult, legt mal die Hits der 90er-Jahre auf, mal aktuelle Charthits – und auf dem Eis ist die Hölle los.

Aber Moment mal: Wenn ich jetzt hier (und von Mal zu Mal immer weniger wackelig, wie ich zufrieden feststelle) meine Bahnen laufe, ziehe ich ja schon kleine Furchen in das Eis. Was ist denn dann bei 700 Jugendlichen und Erwachsenen? Die ruinieren doch hier alles?! Natürlich nicht. Zum einen ist das Eis, das übrigens mit Kreidemehl, dem „Whiteman“, quasi lackiert wird, damit man den Beton nicht sieht, relativ stabil. Und zum anderen wird es bis zu 14-Mal am Tag bearbeitet. Sprich – erwärmt! Wie jetzt?! Dann taut das doch? Von wegen. „Wir tauen die Oberfläche leicht an, mit 35 Grad warmem Wasser, damit wir sie gut glätten können, und kühlen das Ganze dann wieder runter“, beschreibt Eisbach die Eispflege. Und ich denke nur, jetzt, da ich mir nach meinem Schlittschuh-Comeback seit Kindertagen die Kufenschuhe wieder ausziehe: Wow, was für ein Aufwand. Der lohnt sich, weil die Eissporthalle ein echter Magnet ist, nicht nur für Menschen in Wiehl, sondern in ganz Oberberg. Und das Energiekonzept ist auch noch absolut rund, weil ein permanenter Wärmetausch mit den direkt angrenzenden Wiehler Wasserwelten stattfindet. Da wird viel Wärme produziert, hier wird sie immer wieder gebraucht, prima, her damit.

Jetzt, im oberbergischen Winter, ist natürlich Hochsaison in der Wiehler Eissporthalle. Bis April. Dann wird das Eis abgetaut und im darauf folgenden Herbst wieder aufwendig Schicht für Schicht aufgetragen. Wenn in dieser wunderbaren Eiswelt die nächste Saison beginnt.