Yoga. Lernen. Lehren. Leben.

 

Körper und Geist in Einklang bringen. Über die Bewegung zur Entspannung gelangen. Sich selbst reflektieren und ganz neu wahrnehmen. Die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Bewusster, achtsamer, glücklicher leben. All das ist Yoga. Und noch so vieles mehr. Eigentlich eine komplette Lebenseinstellung.

Anke Schweitzer aus Lindlar und Birgit Wieczorek aus Gummersbach leben für das Yoga. Und sie lehren nicht nur ihre zahlreichen Schüler, wie man den Weg zu sich selbst, zu dieser neuen Achtsamkeit, zu einer aktiven Form der Entspannung findet – sie bilden auch Yoga-Lehrerinnen und -lehrer aus. Dabei ergänzen sie einander seit drei Jahren auf eine Art und Weise, die auch weit über das Bergische Land hinaus einzigartig ist.

Denn Anke Schweitzer, die nicht nur Yogalehrerin, sondern auch Heilpraktikerin und leidenschaftliche Musikerin ist (sie hat unter anderem mit Bläck-Fööss-Frontmann Tommy Engel in einer Band gespielt) lehrt das Iyengar-Yoga. Dabei kommt es im wahrsten Wortsinne auf die richtige Haltung an: „Die Bewegungen und Übungen müssen präzise ausgeführt werden, aber natürlich so, wie es jedem Einzelnen gut tut“, erklärt Anke Schweitzer.

Anders das Vinyasa-Flow, das immer wieder neu variiert wird, das von der
Kreativität lebt, kräftig und dynamisch, aber auch ruhig und nach innen gerichtet. „Ich liebe es, dass hierbei keine Yoga-Stunde wie die andere ist“, sagt Birgit Wieczorek. Flow & Align nennen beide die Kombination der verschiedenen Richtungen, die einander aber kongenial ergänzen. Auch, weil es beim Yoga immer auf das richtige Atmen ankommt. Das Atmen ist wie ein Kompass, der den Übungen die Richtung vorgibt.

Die beiden Yoga-Lehrerinnen haben viele Jahre Erfahrung, lernen aber gleichsam nie aus, sie sehen sich selbst immer auch als Schülerinnen. Sie haben nicht nur in Deutschland, sondern unter anderem auch während ihrer Reisen nach Indien, in die Wiege des Yoga, tief greifende Erkenntnisse über diese so faszinierende Lebensweise gewonnen. „In Indien kommt es noch viel stärker auf Disziplin an als bei uns. Die Inder sind in ihren Bewegungen gelenkiger, weil sie quasi auf dem Boden aufwachsen. Und es machen dort viel mehr Männer Yoga“, hat Anke Schweitzer erfahren.
In Deutschland sind indes neun von zehn Yoga-Schülern weiblich.

Das oberbergische Yoga-Duo bildet daher vor allem Yoga-Lehrerinnen aus. Und das ist kein „mal eben“. Wer später selbst unterrichten will, muss schon vor der Ausbildung nachweisen, dass er oder sie seit mindestens zwei Jahren Yogaübungen macht.

Die Kurse selbst umfassen 300 Stunden in einem Zeitraum von rund anderthalb Jahren. In Wochenendseminaren lernen die angehenden Yoga-Lehrer nicht nur viel über die Ursprünge und Wirkungen des Yoga, sondern insbesondere, wie sie sie anderen Menschen vermitteln. Und wie sie auf diese eingehen. „Viele finden durch das Yoga erst wirklich zu sich selbst, gewinnen neue Erkenntnisse über sich, sehen Dinge des Lebens klarer“, berichten Anke Schweitzer und Birgit Wieczorek. Da fließen während einer Yoga-Stunde auch mal Tränen, lernen die Menschen, sich zu öffnen, haben das Bedürfnis, sich auszutauschen. Dann müssen sie sensibel und zugleich professionell aufgefangen werden.

Das kann nicht jeder, und die Ansprüche der Yoga-Lehrerinnen sind zurecht hoch. Am Ende der Kurse müssen alle neuen Lehrer 49 Übungen nicht nur beherrschen, sondern anderen vermitteln können. Sie haben jeweils mindestens eine halbstündige Yogastunde alleine geleitet, eine umfangreiche Hausarbeit über die Lehre geschrieben und ein Fachgespräch mit ihren Ausbilderinnen geführt. Und dann? Bekommen sie auch Starthilfe auf dem Weg in die Selbstständigkeit, denn Birgit Wieczorek und Anke Schweitzer sind gut vernetzt und legen großen Wert darauf, auch über die Ausbildungen hinaus mit den neuen Yoga-Lehrerinnen und -lehrern in Kontakt zu bleiben.

Bei allem ist den beiden eines ganz wichtig: Die indische Lehre ist kein Trendsport, kein kurzlebiger Lifestyle, der morgen wieder weg ist, und es ist mehr als ein bisschen Entspannung, weil ich mal wieder einen steifen Nacken habe. Wenn sich Kraft und Dynamik, Kreativität und Präzision, Aktivität und vollkommene Ruhe bei einer Reise ins ureigene Selbst verbinden, eröffnen sich ganz neue Erkenntnisse. „Dann wird es spannend“, sagt Birgit Wieczorek, die wie Anke Schweitzer seit vielen Jahren diesen Weg geht – und immer wieder neue Richtungen entdeckt. Weil beim Yoga alles so wunderbar anders bleibt.