Großes Kino

Genialer Blick, so von hier oben. Freie Sicht direkt auf die riesige Leinwand. Okay, die muss man sich Ende August, als ENGELBERT exklusiv das neue Kino im Herzen Gummersbachs besuchen darf, noch vorstellen, aber das fällt nicht schwer. Denn obgleich erst im April quasi die Klappe fiel für den hochmodernen Filmpalast, ist die Rahmenhandlung schon mal abgeschlossen: Die Wände aller sieben Kinos stehen, auch das künftige Foyer ist bereits gut erkennbar. Und die Vorfreude wächst bei einem Rundgang über die Baustelle gemeinsam mit Bauleiterin Sandra Rohländer und Hans-Jörg Schneider, Niederlassungsleiter Wipperfürth vom Bauunternehmen Verfuß, sowie Architekt Philipp Hillnhütter, die hier gemeinsam ganz großes Kino erschaffen. Für Schneider und Hillnhütter ist der Bau eines Kinos kein Auftrag wie jeder andere, aber auch nichts komplett Neues. Schneider war federführend am Umbau und an der Erweiterung des Bensberger Kinos beteiligt, Hillnhütter hat schon diverse Kinos konzipiert, ebenso wie sein Vater, von dem er das Büro in Reichshof übernommen hat. Das Spannende dabei: Obgleich erst die Außen- und die meisten Innenwände stehen, muss sich Hillnhütter bereits mit vielen innenarchitektonischen und technischen Details befassen. Just ist der Unternehmer eingetroffen, der für die Schankanlagen zuständig sein wird, gemeinsam wird besprochen, wo die Kinobesucher später Softdrinks und Bier kaufen können. Fest steht auch schon, dass ein Gastronom ins Kino einzieht, der die Gäste kulinarisch verwöhnt. Und zwar ganz unabhängig davon, ob sie auch ins Kino gehen.

Möglich wird das ab dem Frühjahr 2019, wenn Roland Wolf, der Betreiber des jetzigen Burgtheater-Kinos an der Kaiserstraße, die Blockbuster dieser Welt in den neuen Kinokomplex direkt neben der Halle 32 holt. 1200 Besucher finden dort Platz, die meisten davon in Kino 7. Bis auf Kino 5 eint alle Kinos eine Besonderheit, denn sie erreicht man sowohl übers Erdgeschoss als auch über die erste Etage. Für die jeweils hinteren Plätze wird es zudem VIP-Karten geben. Und Kino 5? „Ist das kleinste und zugleich einzige, dass ins Erdreich gebaut wurde“, erklärt Sandra Rohländer. Nicht nur das: „Es wird auch von der Einrichtung her besonders, eine Art Clubkino“, ergänzt Architekt Philip Hillnhütter. Was die vergleichsweise steilen Kinoräume alle auszeichnet, sind ihre perfekten Proportionen: Tolle Sicht von jedem Platz und ein optimales Verhältnis zwischen Leinwand und
Raumgröße.

Dass der Architekt ebenso wie das gesamte Verfuß-Team vergleichsweise entspannt über die Baustelle spazieren, liegt auch daran, dass das Kino mit seiner Gesamtfläche von 3.400 Quadratmetern seit April zügig wächst und alles reibungslos läuft. Ist auch gut so, schließlich ist die Planungsphase spannend genug verlaufen. Mitte 2016 hatten die Planungen begonnen, und Hans-Jörg Schneider erinnert sich noch gut an die zig Gespräche, die er unter anderem mit der Stadt Gummersbach und deren Entwicklungsgesellschaft, möglichen Investoren, Architekt und Statiker sowie infrage kommenden Betreibern geführt hat. „Selbst als der Spatenstich für Ende 2017 schon angekündigt war, wenige Tage vor Weihnachten, warteten wir noch auf die entscheidende Zusage. Die kam dann von Investor Marc Schröder erst kurz vor knapp.“

Und dann begann der logistische Kraftakt, den das Unternehmen Verfuß gemeinsam mit den vielen am Bau beteiligten Partnerfirmen souverän managt. Da wird im Minutentakt eine vorgefertigte 15-Tonnen-Wand nach der anderen angeliefert, die größte rund 30 Quadratmeter, und dank Hochleistungskränen und erfahrener Mitarbeiter zentimetergenau verbaut. Und auch bei 45 Grad in der Sonne werden Schweißbahnen fixiert. Insgesamt sind rund 100 Menschen am Kinoneubau beteiligt, wobei nur wenige parallel auf der Baustelle präsent sein müssen. Spektakulär wird die Fassade ausschauen, die ja aktuell noch aus dem nackten Beton besteht. Denn später werden rund 1000 Glasflächen vorgehängt. Apropos Glas: Die gesamte Eingangsfront wird aus Fenstern bestehen, oben können die Besucher sogar auf einen Balkon treten und von dort fast das gesamte Steinmüllergelände überblicken. Bevor sie Kino pur erleben. Natürlich mit modernster Projektoren- und Tontechnik.

Die steht aber nicht nur für Filme zur Verfügung, sondern, und das ist wirklich genial: Die Profs und Studierenden an der Technischen Hochschule nebenan sollen das Kinocenter auch für Vorlesungen nutzen dürfen. Tagsüber Lern-, abends Traumfabrik: Das ist echt großes Kino.