Saucoole Grenzgänger

Fred ist ein echter Grenzgänger. Ein stolzer noch dazu. Und er ist nicht allein. Da wagen sich schon noch ein paar andere Hähne über die Grenze. Genaso wie über tausend Hühner. Eigentlich jeden Tag. Nur merken sie das natürlich nicht. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, das riesige Außengelände auf dem Hof Hedfeld zu erkunden. Viele kleine Hügel, Schatten spendende Bäume, allerlei schöne Verstecke. So sollten alle Hühner dieser Welt leben, denken wir, als Stefan und Christof Hedfeld uns über ihren Hof in Halver führen. Ja, Halver. Regierungsbezirk Arnsberg. Was? Und was hat diese Geschichte dann bitteschön in einem Oberberg-Magazin verloren? Ja, geht’s noch? Ja, geht. Gut sogar. Weil es auch in Halver eine Menge zu erzählen gibt.

Und weil nicht nur die Hedfelds, sondern eben auch ihre Hühner ja gefühlte Wipperfürther sind. Denn der Hof dehnt sich auch einige Meter auf Wipperfürther Gebiet aus. Und so wackeln Fred und Co. jeden Tag munter nach Oberberg und in den Regierungsbezirk Köln hinein. Und wieder raus. Und wieder rein. Und so weiter. Was so kurios klingt, ist für die Hedfelds manchmal gar nicht so einfach. „Wir waren als Kinder auf der Grundschule in Kreuzberg, weil die viel näher bei uns liegt als die in Halver. Aber was meinen Sie, was das für ein Aufwand für die Behörden war“, erzählt Christof Hedfeld.

Gemeinsam mit seinem Bruder Stefan führt er die Tradition der Familie fort – den elterlichen Hof, seit der Vater in Rente ist. Wunderschön gelegen auf einer Anhöhe gleich hinter Kreuzberg. Beide leben mit ihren Familien und jeweils drei Kindern hier und haben eigentlich Fulltime-Hauptjobs in einer Druckerei für Verpackungsdruck. Warum tut man sich dann noch einen Hof an, auf dem ja nicht nur über 1.000 Hühner, sondern unter anderem auch Schweine, Ziegen und Rinder leben? Weil die Brüder und ihre Familien es bei aller Zeitknappheit und allen Herausforderungen, welche die knapp 14 Hektar bieten, lieben. Ganz einfach. Und weil sie auch wegen ihrer Absicherung durch die Hauptjobs den Hof so führen können, wie sie wollen. Weil es zwar nicht schön, aber auch nicht existenzbedrohend ist, wenn nach einem Jahr mit viel Winter und wenig
anderen Jahreszeiten mal nur eine schwarze Null steht. Und weil sie hier vor allem so umweltschonend und tierfreundlich arbeiten können, wie es nur geht. Das gilt für die natürlichen Zutaten im Futter, das gilt für die Haltung der Tiere und das Nutzen von natürlichen Ressourcen. Kein Wunder, dass regelmäßig Kindergärten und Schulen zu Besuch kommen, nicht nur, wenn mal wieder kleine Ferkel auf dem Hof unterwegs sind. Sondern weil gerade Kinder hier eindrucksvoll erleben können, wie nachhaltig Landwirtschaft sein kann. Und sein sollte.

Christof und Stefan Hedfeld investieren ebenso wie ihre Frauen, die sich wie sie um den Hof und den Hofladen kümmern, viel Zeit, um derart konsequent mit und von der Natur leben zu können. Zugleich denken sie sehr modern. Über die riesige Photovoltaik-Anlage erzeugen die Hedfelds ihren eigenen Strom, im Hofladen kann man neuerdings auch mit EC-Karte zahlen. Land 4.0 sozusagen.

Die „Neuland“-Philosophie ihres Hofes lautet: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Also kein Glyphosat verwenden, kein künstliches und schrecklich schnelles Hochzüchten der Tiere. Haben sie gar nicht nötig, weil ja keine Massentierhaltung stattfindet.

Das zahlt sich in der Qualität der Produkte aus. „Für uns ist das High-End“, sagt Stefan Hedfeld über das hervorragende Fleisch der Freiland-Schweine, die natürlich in der Region geschlachtet und nicht erst zig Kilometer über die Autobahn gefahren werden. Dasselbe gilt fürs Rind.

Und die Hühner? Sie sind so produktiv, dass die Hedfeld-Eier unter anderem auch in den beiden Edeka-Märkten Offermann in Kreuzberg und Wipperfürth-Zentrum verkauft werden und dort immer ratzfatz weg sind. Auch in den Raiffeisenmärkten in Halver und Lüdenscheid sind die Hedfeld-Eier sehr beliebt. Weil sie lecker sind! Und von gackernden Grenzgängern stammen, denen es richtig gut geht.

Tasten Träume

Es war einst ein Geschenk. Es ist eines der bedeutendsten Events für klassische Musik in Oberberg geworden. Eines, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. Ob Professor Falko Steinbach das geahnt hat, als er der Stadt Lindlar zu deren 900. Geburtstag ein Klavierfestival geschenkt hat? Und einen Meisterkurs für zehn lokale Talente? Dass daraus ein Festival werden würde, das junge Tastenvirtuosen aus der ganzen Welt für zwei Wochen in die Region lockt? Das Menschen über Kontinente hinweg verbindet, klassische Musik lebendig und kreativ feiert und den Namen Lindlar gleichsam in die ganze Welt transportiert? Und dass mehr als 15.000 Zuschauer zu den bis heute 180 Konzerten kommen würden?

All das ist gelungen. Weil hier Menschen zusammen arbeiten und zusammen wirken, die die Musik lieben. Und die auch das Klavierfestival 2018 vom 15. bis 27. Juli zu einem großartigen Kulturereignis werden lassen. Eines, das im Übrigen auch die Städte und Gemeinden der Region zusammenbringt. Denn einige der 20 für die Besucher meist kostenlosen Konzerte werden in Gummersbach, Kürten und erstmals auch Wipperfürth stattfinden. Andreas Jansen, Geschäftsführer der Lindlarer Agentur Sugarpool, die den gesamten Web- und Werbeauftritt des Festivals managt, weiß, welch harte Arbeit hinter den zwei Festival-Wochen steckt: „Ohne die vielen Ehrenamtler, die Gastfamilien, die Gemeinde und natürlich Professor Steinbach selbst ginge das alles gar nicht.“ Dieser wiederum arbeitet eigentlich als Professor für Klavier und Komposition an der University of New Mexico in Albuquerque. Er weiß, was er an dem Festival in seiner alten
Heimat hat: „Ich habe schon so viele internationale Klavierveranstaltungen und Meisterkurse kennengelernt, aber nirgendwo auf der Welt wurden wir so herzlich und offen empfangen wie in Lindlar”, schwärmt Steinbach, der die beiden Festivalwochen nicht nur zum Musizieren nutzt, sondern auch, um seine Familie zu besuchen.

Kern des Festivals sind neben den Konzerten, die Klavierkunst auf Weltniveau bieten, die Meisterkurse selbst. Für diese haben sich im Vorfeld junge Musiker in Wettbewerben qualifiziert. Zum Beispiel der 17-jährige Andreas Landstedt, der bei Steinbach in Albuquerque studiert. Und der erst elfjährige Luca Felix Rieger, der auch schon im letzten Jahr am Meisterkurs teilgenommen hat, sowie die gleichaltrige Amelie Westerkamp, die nicht nur Klavier, sondern auch Violine spielt und in den letzten vier Jahren bereits acht erste Preise bei Jugend musiziert gewonnen hat. Sie alle teilen eine Leidenschaft: „Die zur schönsten Kunst der Welt – der Musik“, wie es Professor Falko Steinbach zusammenfasst. Und sie  teilen sie auch mit den Organisatoren, den Gastfamilien, der ganzen Gemeinde. Und natürlich mit den Festivalbesuchern.

Für diese haben sich die Veranstalter des Klavierfestivals Lindlar in diesem Jahr ein ganz besonderes Schmankerl überlegt: Das Konzert in sieben Gängen am 22. Juli ab 19 Uhr. Kunst trifft Genuss, wenn im Alten Amtshaus in Lindlar ein Sieben-Gänge-Menü serviert wird, eingerahmt von insgesamt acht Klavierstücken, gespielt von sieben Pianisten. Wer das erleben möchte, kann bereits jetzt Karten für 120 Euro pro Person erwerben – und trägt damit zugleich aktiv dazu bei, die Finanzierung des Festivals zu sichern, das bei allem ehrenamtlichen Einsatz natürlich auch Kosten mit sich bringt. Denn die Erlöse aus den verkauften Eintrittskarten für das Konzertin sieben Gängen wandern in den Festival-Finanzierungstopf.

Damit Lindlar und Oberberg die einzigartigen Klavierkonzerte auch im nächsten Jahr erleben und herausragende Talente auch künftig mit den Meisterkursen gefördert werden können.