Schöner reiten

Die wunderschöne schwarze Stute in Australien trägt es. Der tiefbraune edle Hengst in Japan trägt es. Und auch der sensible Wallach in München, der gleich zum nächsten Wettkampf in der Dressur antritt. Aber nicht irgendeins. Das Leder naturgegerbt und von Hand vernäht. Und die bunten Kristalle von Swarovski in Österreich.
Ein Pferdestirnband von Otto Schumacher in Marienheide, das ist ein Lifestyleprodukt für Pferde auf der ganzen Welt. Eines, das Funktion und Look so perfekt kombiniert wie nur wenige andere. Das Gleiche gilt für die Trensen und die Sättel, die an der Schmiedestraße ebenfalls in Handarbeit hergestellt werden.

In einer Manufaktur, in der das Andersdenken, Andersmachen und Anderspräsentieren seit Jahren gelebt wird. In der ein Ja-aber-Sagen praktisch nicht vorkommt. Weil das Machen zählt. Das war schon im Jahr 1953 so, als Otto Schumacher, gelernter Sattler, in Lindlar über Land fuhr und auf den Höfen die Geschirre der Pferde reparierte. Die waren damals reine Arbeitstiere, es ging um die Funktion, und Ende. Und Ende? Von wegen. Für Schumacher erst der Anfang. Denn Stück für Stück wuchs in den Folgejahren der Reitsport, der Unternehmer wurde vom Instandhalter zum Produzenten der ersten Trensen, dem Zaumzeug für Pferde. Einzigartig in Oberberg. Und wer stand natürlich auf dem Plan? Die Skeptiker. „Anfangs wurde mein Vater belächelt“, erzählt seine Tochter Ulrike Schumacher-Rinker, die das Unternehmen heute mit ihrem Mann Thomas Rinker führt.

Otto Schumacher ließ sich nicht beirren. Er führte viele Gespräche mit etablierten Reitern, entwickelte neben den Trensen die ersten Sättel – immer mit dem Ziel, diese für den Reiter und das Pferd so komfortabel und bequem wie nur möglich zu gestalten. Die perfekte Verbindung zwischen Mensch und Tier herzustellen. Und neben der Funktion auch kostbare Produkte zu erschaffen, die einfach schön aussehen. Eine Philosophie, die seine Tochter und ihr Mann heute fortführen. Zum Beispiel bei den Stirnbändern. Ein Kopfschmuck fürs Tier, ganz gleich, ob für den Freizeit- oder den Turnierreiter. Und was schmückt besonders schön? Glitzernde Steinchen.

„Als Mitte der Neunziger der Swarovski-Vertreter zu uns kam, haben wir erst einmal sechs, sieben verschiedene Steinchen geordert. Wieder haben Mitbewerber uns belächelt. Von wegen: Jetzt setzen die da auch noch Steinchen ein“, erinnert sich Ulrike Schumacher-Rinker. Heute werden jedes Jahr zwei neue Kollektionen bei den Kristallexperten in Österreich geordert, die verschiedenen Designs und Zusammenstellungen der Steine, die schier unendlich viele Möglichkeiten bieten, gestalten die kreativen Marienheider selbst. „Was meinen Sie, wie oft wir zu Hause sitzen und wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten ausknöstern? Wir brennen einfach dafür“, unterstreicht Thomas Rinker. Und immer dann, wenn Skeptiker aus der Branche kommen und sagen: Ach, die von Schumacher wieder mit ihren verrückten Ideen, ist das erst recht ein Ansporn.

Diese absolute Leidenschaft wird belohnt: Sättel, Trensen und Stirnbänder sind in aller Welt beliebt, und auch wenn inzwischen andere Hersteller nachgezogen haben – die Manufaktur Schumacher war die erste, die sich traute. Auch Kristallsteine in Nationalfarben werden inzwischen von den Kunden geordert, zum Beispiel für Turnierpferde. Online können sich Reitfans weltweit Stirnbänder und Trensen gestalten, bestellt wird dann aber über den Händler vor Ort – denn die Sattlerei Otto Schumacher liefert ausschließlich an Fachhändler, nicht an Endkunden.

Und sie hat sich das Denken und Arbeiten einer Manufaktur bewahrt, was ganz wesentlich für den Erfolg ist. Eingekauft wird ausschließlich feinstes, pflanzlich gegerbtes Leder von ausgesuchten Höfen. Mal weicher, mal fester gegerbt, nach Verwendungszweck. Metallbeschläge, Schnallen, Garne, alles, was Schumacher an Material einkauft, ist Made in Germany, meist sogar in NRW. Die herausragende Qualität des Materials
ist das A und O.

Und die Herstellungsweise. Jeder Sattel wird, basierend auf einer Vielzahl von zuvor gefertigten Formteilen, in zig Arbeitsschritten und komplett von Hand hergestellt. Von Sattlern, die die Otto Schumacher GmbH zum großen Teil selber ausgebildet und dann übernommen hat. Von Näherinnen, die zum Teil an der Schmiedestraße, zum Teil in Heimarbeit und damit sehr familienfreundlich arbeiten. Von echten Experten also, die mit größter Akribie zu Werke gehen. Denn jeder der Sättel, die nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden (und der Pferde!) hergestellt werden, ist ein Einzelstück. Ebenso wie Stirnbänder oder Trensen. Produkte, die ewig halten sollen. Die längst viele Fans haben. Nicht nur Reiterinnen und Reiter, denn inzwischen fertigt Schumacher auch Hosengürtel sowie Hundeleinen und -halsbänder.

Diese Produktvielfalt können die Fachhändler seit Anfang des Jahres auch im neuen Showroom bewundern. Mindestens genauso beeindruckend aber ist ein Gang durch die Manufaktur selbst.
Dort, wo die Steine und Applikationen einzeln eingenäht werden. Wo jede Schlaufe und Schnalle von Hand gefertigt wird. Von Menschen, die Fans ihrer eigenen Produkte sind. Weil sie nie gesagt haben: Ja, aber … Sondern: Jetzt erst recht! Das machen wir.
Denn so hat das noch keiner gemacht.