Strickfieber in Gummersbach

Sie strickt, seit sie zwölf ist. Eine Decke war ihr erstes Stück. Das weiß sie noch genau. Nein, keine Decke für die Puppe, direkt eine große. Und sogar schon mit verschiedenen Mustern. Viereck für Viereckentstand damals eine ganz individuelle Patchworkdecke. „Meine Mutter hat mir alles beigebracht, nur das Strümpfestricken nicht“, erzählt Monika Hamacher mit einem Schmunzeln. Mittlerweile kann sie das aber auch perfekt. Seit zehn Jahren betreibt sie mit Unterstützung von Christine Heiden-Kriegeskotte ihr Fachgeschäft „Strickfieber“ in Gummersbach. Ihre Stammkunden kennen den Laden gut.
Er liegt etwas versteckt an der Schützenstraße 22a, aber wer ihn erst entdeckt hat, wird ihn mit einigen Schätzen wieder verlassen. So groß ist die Auswahl an Wolle der Marke LANA GROSSA, in den verschiedensten Farben und Varianten.

Das Tolle daran: Monika Hamacher ist selbst begeistert von den Wollen und Garnen, die sie verkauft – und so wird Neuware von ihr und Christine Heiden-Kriegeskotte erst einmal angestrickt, um zu schauen, ob das Garn auch hält, was der Hersteller verspricht. Neben der umfassenden Beratung geben die beiden sehr gerne ihr Wissen weiter, an Stricknachmittagen und auf Mottoabenden zum Beispiel – unter anderem beim Double-Face-Abend, wenn man lernen kann, wie man ohne die linke Seite strickt.
Stricken – ist das nicht was für Omas? Pah, ein Klischee! Denn Stricken liegt voll im Trend. Junge Menschen, die nicht mehr das Gleiche von der Stange haben wollen wie ihre Freunde oder Freundinnen, stricken sich den Schal, die Mütze oder den Pullover einfach selber – und kreieren mit den Materialien aus dem „Strickfieber“, wo es natürlich auch Garne, Knöpfe und viele weitere Accessoires gibt, ihr ganz persönliches Einzelstück.
Die Wolle, die Monika Hamacher ihren Kunden anbietet, ist von bester Qualität und bleibt bei richtiger Pflege jahrelang schön. Aber nicht ewig nachbestellbar. „Deshalb immer für den ganzen Pullover einkaufen“, sagt die Wolle-Expertin, die ihre vielen Stammkunden stets mit Namen – und mit einem herzlichen Lächeln – begrüßt.
Sie hilft jederzeit gerne weiter, wenn zum Beispiel die aus dem Internet heruntergeladene Anleitung mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. Da kommt es manchmal auf die Feinheiten an, die man im Laufe einer Strickkarriere so erlernt hat. Denn jeder strickt und häkelt anders. Die einen fest, die anderen locker. Da ist es wichtig zu wissen, wie die Kunden stricken. „Manchmal lasse ich mir extra etwas vorstricken, um dann bei der Wahl der richtigen Nadel zu unterstützen“, erklärt Monika Hamacher. Wer viel strickt, will auch immer was Neues. Nicht nur das: „Wer einmal an der Nadel hängt, bleibt meistens auch dabei“, sagt sie lachend. Und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Ich bin der netteste Dealer, denn meine Kunden hängen alle an der Nadel, und ich versorge sie mit Stoff.“
Für viele Kunden geht es gar nicht darum, die fertigen Stücke zu tragen, sondern vor allem um das Stricken selbst. Und dann? Was passiert mit den Kleidungsstücken? Monika Hamacher, die gelernte Krankenschwester, hatte eine geniale Idee, wie man mit seinem Hobby auch Gutes tun kann: Alle Kunden, die wie sie dem ewigen Strickfieber erlegen sind und auch nicht mehr wissen, wohin mit den fertigen Kleidungsstücken, können diese zu ihr ins Geschäft bringen.
Dort werden sie dann verkauft und der Erlös geht komplett an das Hospiz in Wiehl. „Dadurch sind seit 2016 über 3000 Euro zusammengekommen“, erzählt sie stolz. Aber damit nicht genug. Sie unterstützt auch die Initiative Chemohut: „Wir stricken und häkeln Mützen für die Chemopatienten im Krankenhaus Gummersbach. Denn viele von ihnen mögen keine Perücken mehr tragen. So können wir ihnen etwas Gutes tun.“