Hoch hinaus

Unser erster Gedanke, als wir die 2T-Kletterhalle in Lindlar betreten? Ist das hoch! Der zweite Gedanke: Da kommen wir nie oben an (erster Irrtum). Der dritte Gedanke:
Und der Weg nach oben macht garantiert keinen Spaß (zweiter Irrtum). Zwei Stunden später:
Die Muskeln in den Armen brennen ein bisschen, wir spüren unsere Beine, aber vor allem spüren wir eins – ein absolutes Glücksgefühl.

Was zwischendurch passiert ist? Einiges. Kletterexperte Jens, Mitarbeiter und Trainer im vor einem Jahr eröffneten Indoor-Kletter-Paradies am Ortsrand von Lindlar, hat mit dem Wichtigsten begonnen: der Sicherheitseinweisung. Denn der Klettergurt muss passen: „So, dass er oben fest auf den Hüftknochen sitzt und auf keinen Fall herunter rutschen kann und Ihr durch die Gurte an den Beinen noch so eben die Hände durchstecken könnt, sonst wird es da zu eng.“

Okay, alles klar. Wenn wir uns jetzt gegenseitig halten wollten, sprich, einer klettert, einer steht unten und sichert, müssten wir das auch erst einmal lernen. Aber das Sichern übernimmt zunächst Jens für uns. Und die moderne Technik: Denn sechs Kletterseile in der 15 Meter hohen Haupthalle werden automatisch gesteuert. Alles klar, verstanden! Und wie kommen wir da jetzt rauf? Ratlos blicken wir auf die vielen tausend bunten Klettergriffe an den Wänden. „Am besten immer an eine Farbe halten“, erklärt Jens. Wir nehmen für den Anfang die schwarze Route.
Es gibt im 2T übrigens auch rund 160 Routen der Schwierigkeitsgrade 3 bis 10, nur mal so.

Also los: Den Karabiner des Automatikseils am Klettergurt fixiert und – hoch! „Am besten immer mit den Beinen abstoßen, anstatt sich mit den Händen hochziehen“, ruft Jens uns zu. Und es klappt: Wir klettern Meter um Meter die steile Wand hoch – aber dann kommt der Kopf ins Spiel. „Nicht nach unten schauen“, hat unsere Reporterin Elena mich noch gewarnt, die jetzt neben mir kraxelt. Mach ich aber! Nach geschätzten fünf von 15 Metern muss ich einfach einen Blick wagen. Fehler. Diese Höhe, jetzt schon! Blick nach oben: Und was da noch alles kommt, oh Mann … Nee, ich muss wieder runter. Elena auch.

Die Krux beim automatischen Seil ist nur: Man muss die Wand einfach loslassen, und wird dann bis ganz nach unten abgelassen. Natürlich taucht ganz kurz dieser eine Gedanke auf: Und wenn das jetzt nicht hält …? Nein, die achten hier bei 2T so gut auf die Sicherheit, natürlich hält das. Loslassen und … sanft geht es nach unten. Und dann gleich wieder rauf, beim nächsten Versuch. Ich schaue mir meine schwarze Route an: Die wird doch nach oben nicht schwerer. Ist doch nur eine Frage des Kopfes und ein bisschen Ausdauer. Also klettere ich, Stück für Stück. Elena macht es genauso, immer weiter, immer höher, kein Blick zurück … und irgendwann sind wir oben! Was für ein Gefühl. Fantastisch. Nur: Jetzt müssen wir ja von ganz oben loslassen. Kurz innehalten. Sich überwinden. Und wieder lässt uns die Automatik sanft zu Boden gleiten. Puh, das war ja schon mal richtig klasse.

Und es geht genauso klasse weiter:
Jetzt sichert uns Jens, und wir dürfen uns an einer Wand mit Überhang versuchen. Auf halber Strecke machen unsere Arme schlapp. Macht nix, kurze Pause, dann lässt Jens uns runter. Feierabend? Von wegen.

Denn im 2T wird nicht nur geklettert, sondern auch gebouldert. Und das macht mindestens genauso viel Spaß. Hierfür ist kein Sicherungsseil nötig, weil es nie mehr als viereinhalb Meter in die Höhe geht. Binnen Minuten werden wir zu Boulderfans, weil das freie Klettern an den insgesamt über 1000 Quadratmetern Wandfläche eine Riesenlaune macht. Und wie kommen wir wieder runter? „Klettern!“, ruft Jens, als ich oben auf einem der Boulder-Cubes stehe. Sagt der einfach so! Also gut, muss ich mich halt überwinden. Ich kraxele also wieder runter … und lande weich auf den dicken Matten. Und jetzt? Wieder ab nach oben!

Ganz ehrlich? So könnte das jetzt den ganzen Tag gehen. Klettern im 2T, das ist Nervenkitzel, Bewegung, Teamarbeit. Und das für kleine, große, junge, alte Kletterer. Für Beginner und Erfahrene, für Neugierige und Cracks, für Schulen und Unternehmen, für Freunde und Familie. Denn das Erlebnis in dieser weit und breit einzigartigen, genial ausgestatteten Kletterhalle, in der die einzelnen Routen jede Woche neu geschraubt werden, möchte man immer wieder haben. Was für ein Freizeiterlebnis-Juwel in Oberberg.