Die Genuss Zelebrierer

Stefan Kalischke und Whisky?
Das war vor gut drei Jahren in etwa so undenkbar wie ein Wipperfürther Sommer ohne Regen. Bis ihm seine Frau zu Weihnachten ein Whisky-Tasting schenkte. Er zögerte zuerst: „Ich kannte bis dahin nur Jägermeister und fragte: Was soll ich damit?“ Er löste den Gutschein dann trotzdem ein, in der Saxo-Bar in Remscheid. Und war sofort begeistert. Also ab zum zweiten Tasting. Kumpel Denis Schmitz mitgenommen, dessen Whisky-Weisheit bis dato bei Jack Daniel‘s aufhörte, und gemeinsam einen ziemlich coolen Abend verbracht. So, Ende der Geschichte? Nee, der Anfang! Denn die beiden Wipperfürther waren total geflasht allein schon vom Duft der unterschiedlichen Sorten.

„Ich war angefixt“, erinnert sich Stefan Kalischke. Drei Jahre und viele weitere Probiersorten dauerte es, bis für ihn feststand: So, das machen wir jetzt selber, das mit den Tastings. „Ich hab bei Denis geklingelt und gesagt: Wir beide machen uns selbstständig. Mit Whisky.“ Aber nicht irgendwie und irgendwo. Die Idee: Wir bieten die Tastings bei unseren Kunden vor Ort an. Für 40 Mitarbeiter eines Unternehmens, 20 Gäste eines Restaurants oder auch nur sechs bis zehn Kumpels in deren Wohnzimmer. Klar war von Anfang an auch: „Wir wollen keinen Whisky verkaufen, sondern großartige Eventabende veranstalten.“ Gesagt, Gewerbe angemeldet, ein paar Auflagen des Gesundheitsamtes erfüllt, ein gutes Portfolio an Whiskys zugelegt (aktuell rund hundert Flaschen aus aller Welt) und losgelegt – Whisky at home war geboren.

Wer andere von Whiskys begeistern und ihnen obendrein noch Wissenswertes erzählen will, muss sich bei Herstellern, Marken und Sorten natürlich ziemlich gut auskennen. „Ich sag immer, man muss sich die Erfahrung ansaufen“, sagt Stefan Kalischke und schmunzelt. Wobei es beim Whisky nicht ums Saufen geht, sondern um den Genuss.

Der beginnt nicht im Mund, sondern in der Nase. Denn Whisky erschnuppert man erst, ehe man ihn erschmeckt, wie die beiden uns bei einem ihrer Tastings erklären. Also die Nase tief ins spezielle, oben spitz zulaufende Nosing-Glas stecken, dann tief einatmen. Und den Duft von altem Holz, Vanille und Würze genießen. Oder von Zitrone, Dörrobst und Feigen. Oder von Leder, Honig und Tee. Denn diese und ungezählte weitere Nuancen kann man beim Single Malt Whisky, den die beiden verkosten, erschnuppern und später auch schmecken. Das Nosing Wheel, das die Grundaromen in Kategorien fasst, unterscheidet die sechs Hauptgruppen Frucht, Holz, Feinty, Torf, Floral und Wein. So, genug Fachsimpelei. Was es damit genau auf sich hat, können Stefan Kalischke und Denis Schmitz Ihnen ja beim nächsten Tasting erklären.

Das machen die beiden Unternehmer, die mit Whisky at home den Zeitgeist getroffen haben und mindestens alle zwei Wochen eines ihrer Tastings veranstalten, auf eine wunderbar lockere Art. Sie erklären, was es bedeutet, wenn ein Whisky mindestens drei Jahre im Fass reift, um überhaupt als „Single Malt“ zu gelten. Welche Einflüsse für den Geschmack entscheidend sind, von der Meeresluft bis zur Art des Holzes. Wie der Whisky überhaupt destilliert wird, und warum es nicht nur in Schottland, sondern auch in Skandinavien und Japan großartige Destillerien gibt. Und, dass nicht immer die teuerste Flasche (die kann locker mal dreistellig kosten) auch die beste ist.

Ihre Tastings veranstalten Stefan Kalischke und Denis Schmitz immer zu zweit. Sie spielen sich die Bälle zu, nehmen sich selbst auf die Schippe, bauen die Abende dramaturgisch gekonnt auf. Es werden immer sechs Sorten verköstigt, und nur jene, die beiden auch schmecken. Sie starten meist mit leichteren Sorten. Je länger der Abend dauert, desto intensiver befassen sich die Gäste mit den Whiskys, diskutieren, fachsimpeln, haben einfach eine gute Zeit.

Warum das Ganze außerdem so gut funktioniert? Weil Denis Schmitz und Stefan Kalischke selber Whisky-Fans sind. Sie fahren mit Freunden und Kunden zur Whisky-Messe, reisen im Sommer wochenlang durch Schottland, entdecken ständig neue tolle Sorten. Dabei geht es den Wipperfürthern immer um eines: „Den Genuss. Es gibt genug auf der Welt, das nicht so lustig ist. Wir verbringen mit den Leuten einfach einen tollen, genussvollen Abend.“ Davon wird es noch einige geben, denn die beiden Wipperfürther haben noch viele Ideen. Die neueste: Ein reines Rum-Tasting!