Der Veränderer geht digital

Digital denken. Anders denken. Weiter denken. Das ist für Michael von Rekowski nichts Neues. Schon als Pflegedirektor am Herz-Jesu-Krankenhaus in Lindlar begann er, wegzugehen vom Papier, Arbeitsabläufe zu digitalisieren und zu vereinfachen. Als medizinischer Berater in einer Softwarefirma arbeitete er an der Einführung einer Online-Patientenakte mit, und das für Kunden weltweit. Für ein Unternehmen, das 2006 schon komplett papierlos gearbeitet hat. „Das hat auch immer alles sehr gut funktioniert“, erzählt der 54-Jährige.
Und dann wird man 2009 Bürgermeister und Chef einer Kommunalverwaltung, die gut mit Computern ausgestattet ist und damit arbeitet. Von einer elektronischen Akte ist man aber noch weit entfernt. Von Rekowski hat da vieles verändert. Über Jahre. In vielen kleinen Schritten. Die erste Abteilung hat gerade begonnen, papierlos zu arbeiten. Er will es den Mitarbeitern leichter machen. Und den Bürgern. Seit der neue Internetauftritt der Stadt Wipperfürth online ist, werden mehr und mehr Onlineservices umgesetzt: Den Hund anmelden, eine Meldebescheinigung im Bürgerservice oder eine Urkunde im Standesamt beantragen – alles in Kürze verfügbar. Der richtige Ansprechpartner ist via Suchmaske zu finden, samt Bild und Kontaktdaten. Und die Sprechstunde mit dem Bürgermeister geht ab April auch virtuell über Videokonferenz.

Das indes ist nur ein winziger Teil, ein klitzekleiner Stein eines Masterplans, den Michael von Rekowski seit Jahren konsequent verfolgt, gerade auch durch den aufwändigen Umbau der Innenstadt: Den Weg zur digitalen City. Zur Smart City. Der gebürtige Wipperfürther hat eine Vision und stellt die richtigen Fragen: „Wie bewegen wir uns künftig in der Stadt? Wann ist es soweit und wir ordern per App ein selbstfahrendes Auto, das uns irgendwo abholt?“ Zukunftsmusik? Mag sein, aber die Noten werden jetzt schon geschrieben, und das weiß von Rekowski, der leidenschaftliche Hobby-Jazzpianist, nur zu genau.

Deshalb hat er die Wipp-App auf den Weg gebracht, die künftig immer weiter entwickelt werden soll. Wichtige Termine und Events, immer aktuell, auf einen Blick. Das geht schon jetzt. Das Handy für eine Audiotour entlang wichtiger Sehenswürdigkeiten nutzen, indem man einfach die dort angebrachten QR-Codes scannt – alles längst möglich. Mit dem Smartphone vor einer der ebenfalls smarten Straßenlaternen stehen und per Live-Ortung genau die Angebote des Fachgeschäfts auf dem Display sehen, die es dort jetzt gerade gibt – das geht ebenfalls, so lange die Händler und Gastronomen auch ihre Angebote einpflegen. Was für sie kostenlos ist. Was sogar terminierbar ist mit Anfangs- und Enddatum des Angebots. Was trotzdem nicht alle immer machen. Der Bürgermeister wünscht sich, dass mehr Händler auf den digitalen Zug aufspringen.

Smartcity

Kein Wunder, dass Michael von Rekowski inzwischen unter anderem sogar in der Bundeshauptstadt Berlin Vorträge zum Thema Smart City hält. Der nächste steht in Dresden an. Von wegen, kleines Wipperfürth. Smartes Wipperfürth, das bundesweit wahrgenommen
wird! Und es soll noch viel smarter werden.
„Nach dem Umbau der Stadt haben wir eine flächendeckende Sensorik. Das bringt uns in die nächste Stufe, die City ist dann gerastert.“ Das Scannen der QR-Codes auf den Sehenswürdigkeiten fällt dann flach, das Smartphone wird sie über die App direkt registrieren: „Die Information ist dann auf Wunsch einfach da.“

Just hat Michael von Rekowski Wipperfürth für den Wettbewerb um die digitalste Stadt Deutschlands bei der „Stiftung Lebendige Stadt“ angemeldet. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die älteste Stadt des Bergischen Landes, die sich gerade neu erfindet, da mal abräumt. Michael von Rekowski denkt unabhängig davon bereits weiter. Er sieht sich auch in Zukunft als Innovator – und als ein „Trotzdem-Macher“, der auch dann eine neue Idee umsetzt, wenn mal wieder Skeptiker auf dem Plan stehen.
Er weiß, welchen Stress er sich damit auch mal antut: „Das ist anstrengend. Man muss natürlich immer geradestehen für alles, was passiert. Das kann man nur durchhalten, wenn man ein Ziel, eine Vision verfolgt.“

Immer wieder reist er gezielt in andere Städte, holt sich Ideen, Anregungen, gerade auch, was die Illumination von Bauwerken angeht. Aktuell befasst er sich mit der Lichtinszenierung des Rathauses für die Zeit, wenn der Marktplatz umgebaut sein wird. Die Beleuchtung soll es in sich haben.

Sätze wie „Ham wa immer so jemacht“ hat Michael von Rekowski vor Jahren auf die Liste der verbotenen Ausdrücke gesetzt, wie er mit einem Augenzwinkern sagt. Und, ein Glück, sein Verwaltungsteam ziehe mit, sagt der Bürgermeister. Einer, der „Immer-schon“ in „Andersmachen“ verwandelt hat.