Im Ford Mustang durch Marienheide

Eigentlich geht das ja so: Auto an, Mucke an. Richtig laut. Aber was heißt schon „eigentlich“, wenn man in einen Mustang einsteigt? Die automobilgewordene

Leidenschaft, die wir an einem sonnigen Märztag einmal rund um Marienheide ausreiten dürfen, hat genau acht zylinderförmige Argumente, die einen binnen weniger Augenblicke vollkommen überzeugen, das Radio bloß auszulassen. Sie hocken vorne, unter der Haube, da, wo der Mustang seine wilde Seele hat. Da, wo das Fauchen beginnt, sobald der Zündschlüssel gedreht und der knallrote Startknopf gedrückt ist. Vielleicht ist es auch ein tiefes Grollen, keine Ahnung, es klingt so umwerfend, dass es mich in den Sitz drückt, dabei habe ich noch nicht mal Gas gegeben.

Wer das zum ersten Mal macht in diesem 2008er Mustang GT, der muss behutsam vorgehen, sonst fällt Omi beim Mittagsschlaf in der Wohnsiedlung womöglich aus dem Bett. Und der Mustang macht einen fetten Satz, denn 300 Pferde unter der Haube sind eine Ansage.

Genau wie alles andere in diesem Auto auch: Wer die Kupplung sicher treten will, sollte eine gute Beinmuskulatur besitzen, wer auf einen sechsten Gang hofft, darf das gleich wieder abhaken, und wer mit oberbergischen Schlaglöchern nach vier Wochen Dauerfrost nicht klar kommt, tja … soll er halt vom Pferd steigen.

Nee nee, wir bleiben mal schön sitzen. Und lauschen dem Grollen im zweiten und dritten Gang. Lassen uns in die Sitze drücken, diesmal aber richtig, während wir über Land Richtung Brucher Talsperre und dann zum Unnenberg brausen. Diese Serpentinen, ein Traum! Vor allem mit dieser Lenkung, die sofort zupackt. Müsste ich nicht auf die Straße schauen, ich würde auch die ganze Zeit dieses genial puristische Lenkrad und die uramerikanischen Armaturen bestaunen. Der Tacho zeigt das Tempo natürlich erst mal in Meilen an, wen jucken schon Kilometer? Lustig sind die vielen Fußgänger, die sich an jeder Ampel nach uns umdrehen. Die haben uns erst gehört und dann gesehen. Scheint den Fahrern der silbernen Kompakt-Vans, von denen ungefähr drei gleich mal vorsorglich anhalten, um uns vorbeizulassen, auch so zu gehen. Nicht, dass wir gedrängelt hätten oder so. Man kann den Mustang auch zahm wie ein schnurrendes Kätzchen durch Marienheide bis Schloss Gimborn lenken. Um dann, auf gerader Straße, immer mal wieder einfach das wilde Tier rauszulassen.

All das kann jeder haben. Denn RR US Cars aus Lindlar vermietet den Ford Mustang – und nicht nur den. Für Hochzeiten zum Beispiel. Für den Ausflug mit dem besten Kumpel oder der Freundin. Für einen ganzen Tag voller Abenteuer. Denn die ganz große automobile Freiheit liegt zum Glück direkt vor der Haustür.

 

der Küche von“Zum Holländer“

Deutsche Küche serviert in echten gusseisernen Pfannen. Das erleben die Gäste im Restaurant Zum Holländer. ENGELBERT hatte das Vergnügen, die Kochkunst von Inhaber und Koch Peter Hartkopf zu genießen. Ein typisches Gericht, das auch im Frühjahr nicht auf seiner Speisekarte fehlen darf, ist die Lammhaxe mit gegrilltem Gemüse und Drillingen.

Hierfür muss die Haxe vorbereitet werden. Eingerieben mit orientalischem Lammgewürz, wird sie in Olivenöl angebraten. Danach kommen Möhren, Sellerie und Lauch hinzu. Nachdem das Ganze nochmals angeschmort wurde, wird es abgelöscht und muss nun anderthalb Stunden köcheln. Genau aus diesem Grund muss die Lammhaxe entsprechend vorbereitet werden. Der entstandene Fond wird später noch für die Soße aus Rot- und Portwein genutzt. Gleichzeitig kommt das Gemüse auf den Herd.

Dieser ist noch ein Altertümchen – ein alter DDR-Gasherd mit drei Platten, die jeweils um die 70 Kilogramm wiegen. „Das Schöne hierbei ist, dass wir überall Hitze haben. Trotz des geringen Platzes können wir alles gleichzeitig zubereiten“, erklärt Peter Hartkopf. Somit reduziert die Soße, während das Asiagemüse, bestehend aus Möhren, Paprika, Pilzen und Erbsen angebraten wird. Genau wie die vorgekochten Drillinge, die in einer weiteren Pfanne ihren Platz finden.

Kurz bevor das Gemüse fertig ist, wird es mit Teriyaki-Soße abgelöscht. Drapiert in einer der traditionellen Pfannen wird es von Mariella Hartkopf an den Tisch gebracht. Eine herrliche Kombination aus dem sonst sehr deutschen Gericht mit Gewürzen aus dem Orient.

Das Restaurant gibt es in Lindlar bereits seit 42 Jahren. Seit zwei Jahrzehnten arbeitet Peter Hartkopf mit seiner Frau Mariella hier.

Seit drei Jahren führt der Koch-Meister das Restaurant selbst. Nicht nur das – ein neu renoviertes Hotel „Zum Holländer“ gehört ebenfalls dazu. Jeden Mittag gibt es eine wöchentlich variierende Karte. Besonders praktisch: Die Gerichte kann man sich, nach vorheriger Anmeldung, mit dem Service „Essen auf Rädern“ frisch nach Hause liefern lassen.

Was für ein toller Service.

Hoch hinaus

Unser erster Gedanke, als wir die 2T-Kletterhalle in Lindlar betreten? Ist das hoch! Der zweite Gedanke: Da kommen wir nie oben an (erster Irrtum). Der dritte Gedanke:
Und der Weg nach oben macht garantiert keinen Spaß (zweiter Irrtum). Zwei Stunden später:
Die Muskeln in den Armen brennen ein bisschen, wir spüren unsere Beine, aber vor allem spüren wir eins – ein absolutes Glücksgefühl.

Was zwischendurch passiert ist? Einiges. Kletterexperte Jens, Mitarbeiter und Trainer im vor einem Jahr eröffneten Indoor-Kletter-Paradies am Ortsrand von Lindlar, hat mit dem Wichtigsten begonnen: der Sicherheitseinweisung. Denn der Klettergurt muss passen: „So, dass er oben fest auf den Hüftknochen sitzt und auf keinen Fall herunter rutschen kann und Ihr durch die Gurte an den Beinen noch so eben die Hände durchstecken könnt, sonst wird es da zu eng.“

Okay, alles klar. Wenn wir uns jetzt gegenseitig halten wollten, sprich, einer klettert, einer steht unten und sichert, müssten wir das auch erst einmal lernen. Aber das Sichern übernimmt zunächst Jens für uns. Und die moderne Technik: Denn sechs Kletterseile in der 15 Meter hohen Haupthalle werden automatisch gesteuert. Alles klar, verstanden! Und wie kommen wir da jetzt rauf? Ratlos blicken wir auf die vielen tausend bunten Klettergriffe an den Wänden. „Am besten immer an eine Farbe halten“, erklärt Jens. Wir nehmen für den Anfang die schwarze Route.
Es gibt im 2T übrigens auch rund 160 Routen der Schwierigkeitsgrade 3 bis 10, nur mal so.

Also los: Den Karabiner des Automatikseils am Klettergurt fixiert und – hoch! „Am besten immer mit den Beinen abstoßen, anstatt sich mit den Händen hochziehen“, ruft Jens uns zu. Und es klappt: Wir klettern Meter um Meter die steile Wand hoch – aber dann kommt der Kopf ins Spiel. „Nicht nach unten schauen“, hat unsere Reporterin Elena mich noch gewarnt, die jetzt neben mir kraxelt. Mach ich aber! Nach geschätzten fünf von 15 Metern muss ich einfach einen Blick wagen. Fehler. Diese Höhe, jetzt schon! Blick nach oben: Und was da noch alles kommt, oh Mann … Nee, ich muss wieder runter. Elena auch.

Die Krux beim automatischen Seil ist nur: Man muss die Wand einfach loslassen, und wird dann bis ganz nach unten abgelassen. Natürlich taucht ganz kurz dieser eine Gedanke auf: Und wenn das jetzt nicht hält …? Nein, die achten hier bei 2T so gut auf die Sicherheit, natürlich hält das. Loslassen und … sanft geht es nach unten. Und dann gleich wieder rauf, beim nächsten Versuch. Ich schaue mir meine schwarze Route an: Die wird doch nach oben nicht schwerer. Ist doch nur eine Frage des Kopfes und ein bisschen Ausdauer. Also klettere ich, Stück für Stück. Elena macht es genauso, immer weiter, immer höher, kein Blick zurück … und irgendwann sind wir oben! Was für ein Gefühl. Fantastisch. Nur: Jetzt müssen wir ja von ganz oben loslassen. Kurz innehalten. Sich überwinden. Und wieder lässt uns die Automatik sanft zu Boden gleiten. Puh, das war ja schon mal richtig klasse.

Und es geht genauso klasse weiter:
Jetzt sichert uns Jens, und wir dürfen uns an einer Wand mit Überhang versuchen. Auf halber Strecke machen unsere Arme schlapp. Macht nix, kurze Pause, dann lässt Jens uns runter. Feierabend? Von wegen.

Denn im 2T wird nicht nur geklettert, sondern auch gebouldert. Und das macht mindestens genauso viel Spaß. Hierfür ist kein Sicherungsseil nötig, weil es nie mehr als viereinhalb Meter in die Höhe geht. Binnen Minuten werden wir zu Boulderfans, weil das freie Klettern an den insgesamt über 1000 Quadratmetern Wandfläche eine Riesenlaune macht. Und wie kommen wir wieder runter? „Klettern!“, ruft Jens, als ich oben auf einem der Boulder-Cubes stehe. Sagt der einfach so! Also gut, muss ich mich halt überwinden. Ich kraxele also wieder runter … und lande weich auf den dicken Matten. Und jetzt? Wieder ab nach oben!

Ganz ehrlich? So könnte das jetzt den ganzen Tag gehen. Klettern im 2T, das ist Nervenkitzel, Bewegung, Teamarbeit. Und das für kleine, große, junge, alte Kletterer. Für Beginner und Erfahrene, für Neugierige und Cracks, für Schulen und Unternehmen, für Freunde und Familie. Denn das Erlebnis in dieser weit und breit einzigartigen, genial ausgestatteten Kletterhalle, in der die einzelnen Routen jede Woche neu geschraubt werden, möchte man immer wieder haben. Was für ein Freizeiterlebnis-Juwel in Oberberg.

Die Genuss Zelebrierer

Stefan Kalischke und Whisky?
Das war vor gut drei Jahren in etwa so undenkbar wie ein Wipperfürther Sommer ohne Regen. Bis ihm seine Frau zu Weihnachten ein Whisky-Tasting schenkte. Er zögerte zuerst: „Ich kannte bis dahin nur Jägermeister und fragte: Was soll ich damit?“ Er löste den Gutschein dann trotzdem ein, in der Saxo-Bar in Remscheid. Und war sofort begeistert. Also ab zum zweiten Tasting. Kumpel Denis Schmitz mitgenommen, dessen Whisky-Weisheit bis dato bei Jack Daniel‘s aufhörte, und gemeinsam einen ziemlich coolen Abend verbracht. So, Ende der Geschichte? Nee, der Anfang! Denn die beiden Wipperfürther waren total geflasht allein schon vom Duft der unterschiedlichen Sorten.

„Ich war angefixt“, erinnert sich Stefan Kalischke. Drei Jahre und viele weitere Probiersorten dauerte es, bis für ihn feststand: So, das machen wir jetzt selber, das mit den Tastings. „Ich hab bei Denis geklingelt und gesagt: Wir beide machen uns selbstständig. Mit Whisky.“ Aber nicht irgendwie und irgendwo. Die Idee: Wir bieten die Tastings bei unseren Kunden vor Ort an. Für 40 Mitarbeiter eines Unternehmens, 20 Gäste eines Restaurants oder auch nur sechs bis zehn Kumpels in deren Wohnzimmer. Klar war von Anfang an auch: „Wir wollen keinen Whisky verkaufen, sondern großartige Eventabende veranstalten.“ Gesagt, Gewerbe angemeldet, ein paar Auflagen des Gesundheitsamtes erfüllt, ein gutes Portfolio an Whiskys zugelegt (aktuell rund hundert Flaschen aus aller Welt) und losgelegt – Whisky at home war geboren.

Wer andere von Whiskys begeistern und ihnen obendrein noch Wissenswertes erzählen will, muss sich bei Herstellern, Marken und Sorten natürlich ziemlich gut auskennen. „Ich sag immer, man muss sich die Erfahrung ansaufen“, sagt Stefan Kalischke und schmunzelt. Wobei es beim Whisky nicht ums Saufen geht, sondern um den Genuss.

Der beginnt nicht im Mund, sondern in der Nase. Denn Whisky erschnuppert man erst, ehe man ihn erschmeckt, wie die beiden uns bei einem ihrer Tastings erklären. Also die Nase tief ins spezielle, oben spitz zulaufende Nosing-Glas stecken, dann tief einatmen. Und den Duft von altem Holz, Vanille und Würze genießen. Oder von Zitrone, Dörrobst und Feigen. Oder von Leder, Honig und Tee. Denn diese und ungezählte weitere Nuancen kann man beim Single Malt Whisky, den die beiden verkosten, erschnuppern und später auch schmecken. Das Nosing Wheel, das die Grundaromen in Kategorien fasst, unterscheidet die sechs Hauptgruppen Frucht, Holz, Feinty, Torf, Floral und Wein. So, genug Fachsimpelei. Was es damit genau auf sich hat, können Stefan Kalischke und Denis Schmitz Ihnen ja beim nächsten Tasting erklären.

Das machen die beiden Unternehmer, die mit Whisky at home den Zeitgeist getroffen haben und mindestens alle zwei Wochen eines ihrer Tastings veranstalten, auf eine wunderbar lockere Art. Sie erklären, was es bedeutet, wenn ein Whisky mindestens drei Jahre im Fass reift, um überhaupt als „Single Malt“ zu gelten. Welche Einflüsse für den Geschmack entscheidend sind, von der Meeresluft bis zur Art des Holzes. Wie der Whisky überhaupt destilliert wird, und warum es nicht nur in Schottland, sondern auch in Skandinavien und Japan großartige Destillerien gibt. Und, dass nicht immer die teuerste Flasche (die kann locker mal dreistellig kosten) auch die beste ist.

Ihre Tastings veranstalten Stefan Kalischke und Denis Schmitz immer zu zweit. Sie spielen sich die Bälle zu, nehmen sich selbst auf die Schippe, bauen die Abende dramaturgisch gekonnt auf. Es werden immer sechs Sorten verköstigt, und nur jene, die beiden auch schmecken. Sie starten meist mit leichteren Sorten. Je länger der Abend dauert, desto intensiver befassen sich die Gäste mit den Whiskys, diskutieren, fachsimpeln, haben einfach eine gute Zeit.

Warum das Ganze außerdem so gut funktioniert? Weil Denis Schmitz und Stefan Kalischke selber Whisky-Fans sind. Sie fahren mit Freunden und Kunden zur Whisky-Messe, reisen im Sommer wochenlang durch Schottland, entdecken ständig neue tolle Sorten. Dabei geht es den Wipperfürthern immer um eines: „Den Genuss. Es gibt genug auf der Welt, das nicht so lustig ist. Wir verbringen mit den Leuten einfach einen tollen, genussvollen Abend.“ Davon wird es noch einige geben, denn die beiden Wipperfürther haben noch viele Ideen. Die neueste: Ein reines Rum-Tasting!

Frühling!

modeshooting
Aktuelle Fashion für die warme Jahreszeit von
Outfit in Wipperfürth, inszeniert rund ums Schloss
Georghausen in Lindlar. Fotografie: Cornelia Lietz,
Kürten. Styling: Brigitte Wildangel

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Der Veränderer geht digital

Digital denken. Anders denken. Weiter denken. Das ist für Michael von Rekowski nichts Neues. Schon als Pflegedirektor am Herz-Jesu-Krankenhaus in Lindlar begann er, wegzugehen vom Papier, Arbeitsabläufe zu digitalisieren und zu vereinfachen. Als medizinischer Berater in einer Softwarefirma arbeitete er an der Einführung einer Online-Patientenakte mit, und das für Kunden weltweit. Für ein Unternehmen, das 2006 schon komplett papierlos gearbeitet hat. „Das hat auch immer alles sehr gut funktioniert“, erzählt der 54-Jährige.
Und dann wird man 2009 Bürgermeister und Chef einer Kommunalverwaltung, die gut mit Computern ausgestattet ist und damit arbeitet. Von einer elektronischen Akte ist man aber noch weit entfernt. Von Rekowski hat da vieles verändert. Über Jahre. In vielen kleinen Schritten. Die erste Abteilung hat gerade begonnen, papierlos zu arbeiten. Er will es den Mitarbeitern leichter machen. Und den Bürgern. Seit der neue Internetauftritt der Stadt Wipperfürth online ist, werden mehr und mehr Onlineservices umgesetzt: Den Hund anmelden, eine Meldebescheinigung im Bürgerservice oder eine Urkunde im Standesamt beantragen – alles in Kürze verfügbar. Der richtige Ansprechpartner ist via Suchmaske zu finden, samt Bild und Kontaktdaten. Und die Sprechstunde mit dem Bürgermeister geht ab April auch virtuell über Videokonferenz.

Das indes ist nur ein winziger Teil, ein klitzekleiner Stein eines Masterplans, den Michael von Rekowski seit Jahren konsequent verfolgt, gerade auch durch den aufwändigen Umbau der Innenstadt: Den Weg zur digitalen City. Zur Smart City. Der gebürtige Wipperfürther hat eine Vision und stellt die richtigen Fragen: „Wie bewegen wir uns künftig in der Stadt? Wann ist es soweit und wir ordern per App ein selbstfahrendes Auto, das uns irgendwo abholt?“ Zukunftsmusik? Mag sein, aber die Noten werden jetzt schon geschrieben, und das weiß von Rekowski, der leidenschaftliche Hobby-Jazzpianist, nur zu genau.

Deshalb hat er die Wipp-App auf den Weg gebracht, die künftig immer weiter entwickelt werden soll. Wichtige Termine und Events, immer aktuell, auf einen Blick. Das geht schon jetzt. Das Handy für eine Audiotour entlang wichtiger Sehenswürdigkeiten nutzen, indem man einfach die dort angebrachten QR-Codes scannt – alles längst möglich. Mit dem Smartphone vor einer der ebenfalls smarten Straßenlaternen stehen und per Live-Ortung genau die Angebote des Fachgeschäfts auf dem Display sehen, die es dort jetzt gerade gibt – das geht ebenfalls, so lange die Händler und Gastronomen auch ihre Angebote einpflegen. Was für sie kostenlos ist. Was sogar terminierbar ist mit Anfangs- und Enddatum des Angebots. Was trotzdem nicht alle immer machen. Der Bürgermeister wünscht sich, dass mehr Händler auf den digitalen Zug aufspringen.

Smartcity

Kein Wunder, dass Michael von Rekowski inzwischen unter anderem sogar in der Bundeshauptstadt Berlin Vorträge zum Thema Smart City hält. Der nächste steht in Dresden an. Von wegen, kleines Wipperfürth. Smartes Wipperfürth, das bundesweit wahrgenommen
wird! Und es soll noch viel smarter werden.
„Nach dem Umbau der Stadt haben wir eine flächendeckende Sensorik. Das bringt uns in die nächste Stufe, die City ist dann gerastert.“ Das Scannen der QR-Codes auf den Sehenswürdigkeiten fällt dann flach, das Smartphone wird sie über die App direkt registrieren: „Die Information ist dann auf Wunsch einfach da.“

Just hat Michael von Rekowski Wipperfürth für den Wettbewerb um die digitalste Stadt Deutschlands bei der „Stiftung Lebendige Stadt“ angemeldet. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die älteste Stadt des Bergischen Landes, die sich gerade neu erfindet, da mal abräumt. Michael von Rekowski denkt unabhängig davon bereits weiter. Er sieht sich auch in Zukunft als Innovator – und als ein „Trotzdem-Macher“, der auch dann eine neue Idee umsetzt, wenn mal wieder Skeptiker auf dem Plan stehen.
Er weiß, welchen Stress er sich damit auch mal antut: „Das ist anstrengend. Man muss natürlich immer geradestehen für alles, was passiert. Das kann man nur durchhalten, wenn man ein Ziel, eine Vision verfolgt.“

Immer wieder reist er gezielt in andere Städte, holt sich Ideen, Anregungen, gerade auch, was die Illumination von Bauwerken angeht. Aktuell befasst er sich mit der Lichtinszenierung des Rathauses für die Zeit, wenn der Marktplatz umgebaut sein wird. Die Beleuchtung soll es in sich haben.

Sätze wie „Ham wa immer so jemacht“ hat Michael von Rekowski vor Jahren auf die Liste der verbotenen Ausdrücke gesetzt, wie er mit einem Augenzwinkern sagt. Und, ein Glück, sein Verwaltungsteam ziehe mit, sagt der Bürgermeister. Einer, der „Immer-schon“ in „Andersmachen“ verwandelt hat.

Die Spieler

Herr Brand, bevor wir über Spiele sprechen – um Handball kommen wir ja nicht ganz herum. Sie haben die Versicherungsagentur Ihres Vaters übernommen, sind aber handballerisch nicht in seine Fußstapfen getreten.

Markus Brand: Ich hab‘s ja versucht, zwei Jahre lang, in der E- und D-Jugend. Aber man hat mir Talentfreiheit bescheinigt. Also nicht mein Vater, sondern mein Trainer damals, und da hab ich es wieder gelassen. Das Handballtalent überspringt bei uns offenbar eine Generation. Meine Tochter ist jetzt wieder aktiv. Und spielt echt gut. Ich selbst hab alles versucht, Schwimmsport, Tennis, Golf …
hat aber alles nicht gefruchtet. Wobei ich den Handball durchaus verfolgt habe, ganz intensiv natürlich bei der Heim-WM 2007, als mein Vater Bundestrainer war.

Wie war das für Sie als Vater – zu sehen, dass Ihrem Sohn der Sport, der für Sie eine Lebenserfüllung war und auch noch ist, so gar nicht liegt?

Heiner Brand: Klar hätte ich gern gesehen, wenn er Handballer geworden wäre, aber wenn jemand kein Interesse an etwas hat, dann soll man ihn da nicht reindrängen. Sie könnten mich fünf Stunden lang in einen Raum einsperren, ich käme nie darauf, ein Spiel zu erfinden. Meine Frau und ich wissen gar nicht, woher Markus diese Kreativität hat.

Markus Brand: Ich habe schon als Kind immer gerne gespielt. Und an Weihnachten haben wir oft mit der ganzen Familie gespielt. Alle gegen meinen Vater, den Mau-Mau-König. Dachte ich jedenfalls damals. Bis 30 Jahre später herauskam, dass er oft geschummelt hatte.

Bitte, Sie haben geschummelt, Herr Brand? Und wie kam das heraus?

Markus Brand: Er hat es zugegeben. Und ich habe ihn beim Spielen mit meinen Kindern auch genau beobachtet …

Heiner Brand: Ja, da klebten halt schon mal ein paar Karten aneinander …

Sportlich sind Sie nicht in die Fußstapfen Ihres Vaters gestiegen, aber beruflich. Wie kam es, dass Sie auch in die Versicherungsbranche gingen?

Markus Brand: Ich hatte erst mal eine Findungsphase, nach dem Abitur …

Heiner Brand: … die dauerte recht lange, und da hab ich dann irgendwann zu ihm gesagt: Bevor du nichts machst und rumhängst, mach eine Ausbildung. Hat er dann auch gemacht und einige Jahre später die Versicherungsagentur von mir weitergeführt, nachdem ich sie ja bereits im Jahr 1981 von meinem Vater übernommen hatte.

Noch mal zum Thema der längeren Findungsphase nach dem Abi – gab es so was in den 70ern auch, Herr Brand?

Heiner Brand: Ehrlich gesagt gab es das bei uns damals nicht. Da machtest du Abi, gingst zur Bundeswehr, studiertest anschließend. Bei mir war es BWL. Ich wollte eigentlich Steuerberater werden, aber das hätte zeitlich mit dem Leistungssport nicht hingehauen. So wurden es die Versicherungen. Und der Handball. Tagsüber im Büro, abends Training, am Wochenende die Spiele. Später, als Trainer bei Wallau Massenheim, bin ich zum Teil 200 Kilometer am Tag gependelt. Das war schon grenzwertig. Als Bundestrainer habe ich mich dann fast komplett aus der Versicherungsagentur zurückgezogen und war nur noch beratend dabei. Markus kam ja prima klar und irgendwann hatte sich das ganze Geschäft so stark verändert, dass ich gar nicht mehr hätte helfen können.

Haben Sie eigentlich mitbekommen, dass Ihr Sohn so ganz nebenbei zu einem erfolgreichen Spieleerfinder wurde?
Heiner Brand: Nein, anfangs gar nicht.

Stimmt es, dass Sie mittlerweile 3700 Spiele zu Hause haben, Herr Brand? 

Markus Brand: Ja, ein bisschen nerdig, oder? Ich habe eben immer gerne gespielt und dann meine Frau Inka kennengelernt, die noch viel mehr spielte und auch mehr Spiele hatte als ich. Sie las Szene-Fachzeitschriften, nahm mich mit zur Spielemesse nach Essen, brachte mir die ganze Branche näher.

Und dann wurden Sie und Ihre Frau von Spielefans zu Spieleerfindern.

Markus Brand: Ja, unsere Leidenschaft für die Spiele wurde einfach immer größer. 1999 haben wir dann damit begonnen, die ersten Spiele zu entwickeln.

Wie lief das am Anfang?

Markus Brand: Sieben Jahre lang haben wir entwickelt und entwickelt, 36 Spiele insgesamt, und diese auch Verlagen angeboten, aber zunächst ohne Erfolg. Wir hatten aber einen guten Draht zu einem Spieleredakteur beim Kosmos-Verlag, den wir auf einer Messe kennengelernt hatten. Der hat uns immer die Stange gehalten. Wir hätten echt Potenzial, wir sollten auf jeden Fall weitermachen. Haben wir auch, weil uns das so großen Spaß macht. Wir sind anfangs auch belächelt worden, von wegen, die Brands sitzen wieder zu Hause und tüfteln. Einige Freunde, die immer die Spiele testen mussten, haben wir auch ganz schön strapaziert, aber wir waren von der Sache überzeugt. Wir wollten, dass irgendwann so eine Spieleschachtel im Regal steht mit unserem Namen drauf. Bei Nummer 17 von 36 war es soweit.

Worum ging es in diesem Spiel?
Markus Brand: Eigentlich war es ein mittelalterliches Kartenspiel, aber aus Mittelalter wurde dann Karibik und anstatt ein Aquädukt zu bauen, musste man eine Hängematte an einer Palme befestigen.

Moment: Vom Mittelalter in die Karibik? Das müssen Sie mir erklären.

Markus Brand: Wir verkaufen immer die Idee, nie das ganze Spiel. Wir entwickeln den Spielverlauf, die Anleitungen, aber die Illustrationen, das endgültige Thema, die Spielfiguren, all das legt der Spieleverlag fest. Wir können aber bis zur Veröffentlichung Tipps und Ratschläge geben und werden laufend informiert.

Ihre Ausdauer hat sich gelohnt, gemeinsam mit Ihrer Frau haben Sie in den letzten elf Jahren über hundert Spiele entwickelt, die veröffentlicht wurden. Die Exit-Spiele, bei denen man binnen einer Stunde ein Rätsel lösen oder aus einem Raum entkommen muss, sind ein Riesenerfolg.

Markus Brand: Hier waren wir quasi zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir hatten vorher selbst so ein Escape-Spiel gespielt, bei dem man aus einem Raum entkommen muss. Als der Verlag uns fragte, ob wir so was auch entwickeln würden, haben wir sofort ja gesagt, weil es ein Riesenspaß ist.

Heiner Brand: Ich selbst spiele ja gar nicht viel, aber das Exit-Spiel hat Markus mir geschenkt. Ich habe es mit meiner Frau auch gespielt und werde das auch noch mal spielen. Das ist richtig gut.

Markus Brand: In Großwallstadt ist er neulich beim Handball angesprochen worden, ob er der Vater dieses Spieleautors sei.

Welches Spiel wollen Sie unbedingt noch entwickeln?

Markus Brand: Das Spiel des Jahres! Das werde ich auf jeden Fall machen.

Der Handballstratege. Der Spieleentwickler. Und beide leidenschaftliche Gummersbacher. Über all die Jahre …

Heiner Brand: Ich hatte zu meiner aktiven Zeit einige sehr lukrative Angebote, von hier fortzugehen. Es war auch meine Frau, die gar nicht von hier stammt, die unbedingt bleiben wollte. Ich habe Freunde in Gummersbach, die kenne ich noch aus der D-Jugend-Zeit. So was muss man pflegen.

Markus Brand: Die Stadt entwickelt sich doch, gerade jetzt, sie ist im Umbruch! Ich finde, sie wird immer reizvoller, und ich bin hier glücklich und zufrieden.
Warum sollte ich weg wollen?